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Nur einmal Gold – Hillenbrand und Schmidt können Favoriten nicht stürzen

Europameisterschaften der Feldarmbrustschützen in Zundert (Niederlande)

Ausschnitt aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Sonnenschein, Regen, böiger Wind und Windstille – wieder wurde bei den Europameisterschaften der Feldarmbrustschützen alles geboten, was diesen Sport im Freien ausmacht. Doch die Talfahrt des Feldarmbrustsports spiegelte sich vom 3. bis 7. August 2005 in Zundert auch wider. Nur noch 56 Teilnehmer aus elf Nationen nahmen den zweitägigen 180-Pfeile-Wettkampf auf sich und DSB-Bundesreferent Edwin Hirte bedauerte: „Viele sind nicht gekommen, das ist unser bisher schwächstes Teilnehmerfeld." Auch blieben die Aktiven auf einer grünen Wiese am Rande der kleinen Stadt Zundert im holländischen Brabant unter sich. Keine Hinweisschilder oder Werbetafeln waren zu sehen und so fanden sich zum Finale nur wenige Zuschauer ein, denen kaum Möglichkeiten geboten wurden, das Wettkampfgeschehen zu verstehen. „Alles war gut organisiert und ging zügig voran", war zumindest Edwin Hirte als amtierender Vizepräsident der Internationalen Armbrustunion (IAU) mit den Bemühungen des Veranstalters zufrieden.

Ungeachtet der fehlenden Öffentlichkeitsarbeit boten die Aktiven bei den wechselnden Wettkampfbedingungen gute Leistungen, wobei die überlegene Vorstellung der Titelverteidiger Joszef Baranyi und Branca Pereglin in den Finals keinerlei Spannung aufkommen ließ.

Der Ungar Baranyi beherrscht seit vier Jahren das internationale Geschehen im Feldarmbrustsport bei den Männern. Gefordert wurde der amtierende Weltmeister und Titelverteidiger nur am ersten Tag, als der Russe Shchedrin überraschend mit einem Ring Vorsprung führte und Ralf Hillenbrand mit drei Ringen Rückstand in aussichtsreicher Position rangierte. „Ich habe viel trainiert und habe keine Fehler gemacht", erklärte der 24-jährige Kronauer seine starke Leistung, die mit der ersten Medaille bei Europameisterschaften in der Herrenklasse belohnt wurde. Weniger gut lief der 180-Pfeile-Vorkampf für die routinierten Walter Hillenbrand und Jürgen Baumann. Hillenbrand hatte 1997 und 1999 den Europameistertitel gewonnen und bestritt in Zundert seine 30. internationale Meisterschaft. Doch der 56-jährige verdarb sich durch einen frühen Fehlschuss auf eine Nachbarscheibe eine bessere Platzierung und lag am ersten Tag schon zwanzig Ringe hinter der Spitze. Ebenfalls geschlagen war zu diesem Zeitpunkt schon Jürgen Baumann: „Bei Regen und diesem tückíschen Wind war das Klasse", musste der Weltmeister von 1996 und 2000 die Leistungen der Führenden anerkennen.

Freuen konnten sich die drei deutschen Männer nur über die Fortsetzung der Siegesserie im Mannschaftswettbewerb. Nach der Niederlage bei den Weltmeisterschaften 2004 verteidigten Jürgen Baumann, Ralf und Walter Hillenbrand den Europameistertitel und holten damit die einzige deutsche Goldmedaille bei diesen Titelkämpfen.

Wie Baranyi bei den Männern bestimmte Branca Pereglin die Konkurrenz bei den Frauen. Seit zehn Jahren ist die Kroatin bei Europameisterschaften ungeschlagen und daran änderte auch Ina Schmidt nichts. Die ehemalige deutsche Junioren-Weltmeisterin hatte sich den Sturz der Titelverteidigerin zum Ziel gesetzt und am ersten Tag schien die Rechnungen der 22-jährigen von Diana Ober-Roden aufzugehen. Ina Schmidt lag nach 90 Pfeilen über 65,50 und 35 Meter Entfernung mit zwölf Ringen in Führung. Pereglin rangierte nur auf Rang vier, nachdem ihre Teamkolleginnen Sanja Komar und Nikolina Krivanek die eindrucksvolle Vorstellung der Kroatinnen abgerundet hatten. Die Goldmedaille in der Mannschaftswertung hatten die kroatischen Frauen klar gewonnen und machten sich am zweiten Tag auf, die führende Deutsche zu jagen. Branca Pereglin begann den zweiten Tag mit 298 von 300 möglichen Ringen und leitete die Wende zu ihren Gunsten ein. „Das war ein bombastisches Ergebnis", musste Ina Schmidt anerkennen, „ich habe da schon fünf Ringe verloren, das war zuviel." Während Komar und Krivanek zurückfielen, legte Branca Peregelin nach und zog unwiderstehlich an der Deutschen Meisterin vorbei. „Es war hart und schwierig konstant zu schießen", meinte die Geschlagene nach dem Finale, in dem sie die Silbermedaille gegen Komar und Krivanek knapp verteidigte.

Im Juniorenbereich dominierte die Kroatin Tihana Odlesic, die bei den Weltmeisterschaften 2004 hinter René Block den zweiten Platz belegt hatte. Diesmal ließ die von Branko Pereglin betreute kroatische Juniorin der deutschen Konkurrenz keine Siegeschance. Nachdem René Block als amtierender Weltmeister nach 180 Pfeilen im Vorkampf nur auf dem vierten Platz lag, waren die Medaillenchancen des Kronauers bereits vergeben. So lagen die deutschen Hoffnungen auf Tim Lewerth, der mit einem starken 95er Finale überzeugte, aber den Vorsprung der Kroatin nur noch auf 22 Ringe verkürzen konnte.

Wenig verheißungsvoll wirken die Versuche der IAU-Verantwortlichen, den Feldarmbrustsport durch weitere Entscheidungen zu beleben. „Wir suchen Wege, um es interessanter zu machen", erklärte Edwin Hirte dem kurzfristigen Beschluss, dass erstmals auch für die einzelnen Distanzen Titel und Medaillen vergeben wurden. „Für mich geht es um das Gesamte", wirkte Jürgen Baumann wenig begeistert von dem IAU-Vorschlag, der bei den Match-Europameisterschaften in Frankreich endgültig beschlossen werden soll, „da bekommt der eine oder andere einen Orden mehr umgehängt."

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