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Die härteste Konkurrenz im eigenen Lager

12. Europameisterschaften der Vorderladerschützen in Parma von 5. bis 12. August 2007

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Mit 45 Medaillen, davon 20 Mal Gold, unterstrich die Deutsche Nationalmannschaft bei den zwölften Europameisterschaften der Vorderladerschützen eindrucksvoll ihre Führungsrolle. Auf der Schießsportanlage im italienischen Parma und dem Wurfscheibenstand  in Varano de Melegare trafen sich aus 17 Nationen insgesamt 382 Aktive, die bei über 1000 Starts insgesamt 56 Europameister ermittelten.

„Am Anfang sah es nicht nach einer so eindrucksvollen Goldbilanz aus“, war Vorderlader-Referent Armin Franke zu Beginn der viertägigen Entscheidungen vom 5. bis 12. August 2007 noch skeptisch. Doch überraschende Auftaktniederlagen wandelten sich schnell in eine Vielzahl von Siegen, so dass bei den Siegerehrungen die deutschen Schützen und Funktionäre reichlich Gelegenheit hatten, die Nationalhymne mitzusingen. Am Medaillenregen für das 25-köpfige deutsche Vorderladerteam waren 22 Aktive beteiligt, von denen sich zehn mit Einzelsiegen auszeichneten.

 

Erfolgreichster Schütze der Titelkämpfe war Thomas Baumhakl aus dem hessischen Niederwetz. Der 41-jährige Feinwerkmechanikermeister hat sich bei seiner fünften internationalen Meisterschaft zu einer festen Größe im deutschen Vorderladerteam entwickelt. „Das ist ein gutes Jahr für mich“, meinte der mit Ehefrau und Tochter angereiste Baumhakl, „Ich habe sieben Gewehre dabei und absolviere acht Starts. Alle Waffen sind in diesem Jahr gut gegangen.“ Der Stehendspezialist kommt aus dem Bereich der modernen Luft- und Kleinkalibergewehrschützen und hat sich besonders mit viel Training im Liegendschießen auf die Titelkämpfe in Parma vorbereitet. Damit schaffte er am ersten Wettkampftag eine faustdicke Überraschung. Im Wettbewerb „Minie“ mit einem Original-Perkussions-Dienstgewehr deklassierte Baumhakl die Konkurrenz. Mit 98 von 100 möglichen Ringen bei seinen 13 Wertungsschüssen verfehlte er in diesem 100-Meter Liegendwettbewerb den neun Jahre alten Europarekord von Robinson Nitsche nur um einen Ring. Mit sechs Ringen Rückstand blieb für Liegendspezialist und Titelverteidiger Wolfgang Wehle nur der Vizemeistertitel. Den deutschen Triumpf in dieser Disziplin rundete Günter Kunz als Dritter der Einzelwertung ab. Gemeinsam mit Peter Käpernick verbesserten Thomas Baumhakl und Wolfgang Wehle den Europarekord im Mannschaftswettbewerb „Pauly“ gleich um fünf Ringe.

Seine zweite Goldmedaille holte Baumhakl mit dem Luntenschlossgewehr im Stehendanschlag auf 50 Meter Entfernung. Damit entschied er im Wettbewerb „Tanegashima“ den erwarteten spannenden Zweikampf mit Walter Massing hauchdünn zu seinen Gunsten. Die beiden besten deutschen Vorderladerschützen hatten jeweils 98 Ringe erzielt und in der Auswertung des schlechtesten Wertungsschusses war Baumhakl mit einem Millimeter gegenüber dem Ginsheimer im Vorteil. Gemeinsam mit Michael Frey setzten Baumhakl und Massing im Mannschaftswettbewerb „Nagashino“ die seit 1993 anhaltende deutsche Siegesserie mit der Einstellung des Europarekordes fort.

Neben den Siegen im „Minie“ und „Tanegashima“ war Thomas Baumhakl am Gewinn von zwei weiteren Mannschafts-Goldmedaillen beteiligt und gewann im Einzel zwei Silbermedaillen. Mit insgesamt neun Medaillen stand Baumhakl ebenso oft auf dem Siegerpodest wie Günter Kunz, der aber nur einmal im Einzel ganz oben stand. Für den 47-jährigen Chemietechniker aus dem hessischen Bruchköbel begannen die Titelkämpfe in Parma optimal. „Vier Starts, vier Medaillen“, so das Kunz-Fazit über den ersten Wettkampftag. „In diesem Jahr habe ich mir mehr Zeit für das Training genommen und besonders auf die Muskete gesetzt.“ Günter Kunz, der seit 1995 zum deutschen Team gehört, war bisher in den Jahren 1997 und 1998 bei Welt- und Europameisterschaften am erfolgreichsten. Seit einigen Jahren konzentriert er sich auf die langen Distanzen im Gewehrbereich „Long Range“ und verbringt mit seiner Lebensgefährtin Petra Leonhardt die Freizeit fast immer auf dem Schießstand. „Die Europameisterschaften sind so etwas wie Urlaub, Wettkampfstress kenne ich nicht mehr.“

Die konzentrierte Vorbereitung in der Wintersaison zahlte sich in Parma sofort aus. Mit dem Steinschloßgewehr enttrohnte er im Wettbewerb „Miquelet“ den Rekordhalter und seit 1999 ungeschlagenen Schweden Johan Karlsson. Mit 94 Ringen holte sich der Deutsche vor dem ringgleichen Schweden und dem Franzosen Alain Menage überraschend die Goldmedaille. „Karlsson hat seinen Schwerpunkt in diesem Jahr auf die Long Range gelegt“, wusste Kunz über den schwedischen Favoriten, „Wir kennen uns schon lange und treffen uns oft bei Wettkämpfen, da ist es egal wer gewinnt.“ Mit seiner Leistung hatte Kunz den größten Anteil daran, dass er zusammen mit Michael Frey und Thomas Baumhakl den Mannschaftswettbewerb „Gustav Adolf“ zum dritten Mal in Folge gewann und dabei um drei Ringe den seit 2004 bestehenden Weltrekord übertraf.

„Jede Serie geht einmal zu Ende“ meinte Walter Massing, als er die Titel mit dem Perkussionsgewehr „Vetterli“ und Luntenschlossgewehr „Tanegashima“ verloren hatte. Besonders schmerzte den Ginsheimer die Niederlage mit dem Perkussionsgewehr. Mit 99 Ringen hatte der Altrheinschütze sich in ein ringgleiches Quartett eingereiht, fiel aber in der Endauswertung des schlechtesten Wertungsschusses auf den dritten Platz zurück. Dabei fehlten dem 48-jährigen amtierenden Weltmeister zum tschechischen Überraschungssieger Gustav Graf nur 5,5 Millimeter. Nach dem Verlust des Einzeltitels drohte dem deutschen Team auch eine Niederlage im Mannschaftswettbewerb. Michael Frey hatte nur 95 Ringe erzielt und die erhoffte Schwächung des deutschen Teams im „Hosenstreit“ schien Erfolg zu haben. „Interessant, das bei der Bekleidung nur deutsche Schützen kontrolliert wurden“, hatte Franz-Josef Kerber als Teamkapitän der deutschen Mannschaft beobachtet. Im Vorjahr waren bei den Weltmeisterschaften in Bordeaux während der Titelkämpfe die von vielen deutschen Schützen benutzten Schießhosen auf eine italienische Initiative hin vom Internationalen Vorderladerverband (MLAIC) verboten worden. Doch die erhoffte Schwächung des deutschen Teams stellte sich nicht ein, denn auch die internationale Konkurrenz hatte Probleme mit dem Stehendanschlag. So sicherten Walter Massing und Josef Mayr zusammen mit Michael Frey die seit 2001 anhaltende deutsche Siegesserie mit dem Perkussionsgewehr auf 50 Meter Entfernung im „Pforzheim“-Wettbewerb. Die deutsche Dominanz rundete dann Peter Käpernick mit optimalen 100 Ringen mit dem Original-Perkussionsgewehr ab. „Voll !!“, jubelte der 42jährige Bayer von der FSG Schliersee nach seinem letzten Schuss und ballte die Faust. „Heute war ich gut drauf, nach dem Mannschaftsgold mit dem Dienstgewehr ging´s für mich locker.“ Von seinen insgesamt sechs Starts bei den Europameisterschaften ging Käpernick am zweiten Wettkampftag gleich viermal in den Stand. „Das war ganz schön aufregend.“ Mit seiner optimalen 100er Serie im Vetterli-Wettbewerb wiederholte der Bayer seinen Sieg aus dem Jahr 2003. Käpernicks Spezi von der FSG Schliersee, Josef Mayr, kämpfte bei seinem Comeback im deutschen Team  vergeblich um eine Einzel-Goldmedaille. Der 45-jährige Schreinermeister ging sieben Mal an den Start, gewann acht Medaillen, doch es reichte nur zu einer Mannschafts-Goldmedaille im „Pforzheim“-Wettbewerb. Vor zwei Jahren war der Mayr-Sepp zusammen mit Walter Massing der erfolgreichste deutsche Einzelschütze, doch diesmal lief es für die beiden Leistungsträger nicht optimal.

„Das hat sich schon durch meine schlechten Trainingsergebnisse angekündigt“, so war Walter Massing mit gemischten Gefühlen in die Wettkämpfe bei seiner siebten EM-Teilnahme gegangen. Schon bei den Deutschen Meisterschaften hatte es in diesem Jahr zu keinem Sieg gereicht, doch der Ginsheimer kämpfte um „seine“ Goldmedaille und gewann. Wieder war es der Kniendanschlag der japanischen Samurai, der dem seit Jahren erfolgreichsten deutschen Vorderladerschützen einen Sieg bescherte. Auf 50 Meter Entfernung mit dem Luntenschlossgewehr verteidigte Walter Massing seinen Einzeltitel mit optimalen 100 Ringen. Wieder war es Thomas Baumhakl, der die Favoritenrolle von Massing ins Wackeln brachte. Die beiden ehemaligen Bundesligaschützen bei den hessischen Erstligisten Eberstadt und Dietzenbach zeigten ihre gute Technik bei den 13 Schüssen und brachten jeweils zehn Treffer optimal ins Ziel. Damit musste wieder die Auswertung des schlechtesten Wertungsschüsses entscheiden und diesmal behielt Massing mit eineinhalb Millimeter die Oberhand.

„Die härteste Konkurrenz kommt aus dem eigenen Lager“, stellte Thomas Baumhakl vor dem erstmals ausgetragenen Wettbewerb mit dem Steinschlossgewehr im Stehendanschlag auf 50 Meter Entfernung fest. Die Premiere im „Pennsylvania“-Wettbewerb gewann in der Replika-Disziplin überraschend Alfred Bailer. Kurz vor seinem 43. Geburtstag machte sich der Elektriker vom SSV Nordstetten ein vorgezogenes Geschenk. Vor seiner zweiten EM-Teilnahme galt Bailer als Liegendspezialist für die 100-Meter Wettbewerbe. „Heute hat es gepasst. Es ist von Anfang an gut gelaufen, das hat mich beruhigt.“ Mit 98 Ringen siegte Bailer deutlich mit drei Ringen Vorsprung und blieb nur ein Ring unter der Weltrekordmarke des Ginsheimers Walter Massing, der mit nur 92 Ringen auf dem elften Rang landete. Bailer´s Vereinskamerad Wolfgang Wehle musste drei Tage lang auf die erhoffte Goldmedaille warten, bevor es für den 49-jährigen Maschinenschlosser endlich zum Sieg reichte. Im Replika-Wettbewerb mit dem Steinschlossgewehr gewann Wehle sicher die „Maximilian“-Disziplin, nachdem er vor zwei Jahren Vizemeister in diesem 100-Meter Liegendwettkampf geworden war. Bis dahin hatten die deutschen Liegendspezialisten einige unerwartete Niederlagen hinnehmen müssen. Den 100-Meter-Wettbewerb „Magenta“ verloren die deutschen Titelverteidiger an die Schweiz und das Rigby-Team musste die Goldmedaille den Franzosen überlassen.

 

Eine sichere Bank für deutsche Goldmedaillen sind die Frauen im „Amazons“-Wettbewerb. Den achten Mannschaftssieg in Folge sicherten Tania Heber, Petra Leonhardt und Tordis-Arlett Nitsch. Allerdings fiel der Sieg vor den ringgleichen Französinnen denkbar knapp aus. Im Einzel musste sich das deutsche Trio der Französin Veronique Gilbert geschlagen geben, die damit eine goldenes Comeback von Petra Leonhardt verhinderte. Zehn Jahre nach ihrem EM-Sieg im holländischen Leusden belegte die 36-jährige Steuerberaterin aus dem südhessischen Dreieich den zweiten Platz.

Im Kurzwaffenbereich landete der Reinheimer Jörg Klock einen Überraschungserfolg mit der Perkussionspistole. Der 36-jährige stellte im Wettbewerb „Kuchenreuter“ auf 25 Meter Entfernung den zwanzig Jahre alten Weltrekord ein und gewann mit 99 von 100 möglichen Ringen überlegen den Einzeltitel. Bei seinem zweiten internationalen Auftritt holte Klock zusammen mit Karl Hammann und Jürgen Dosch aus Ludwigshafen im Mannschaftswettbewerb „Forseyth“ neben dem Einzelsieg auch Gold in der Mannschaftswertung. „Da hat alles gepasst“,  strahlte der Sensationssieger, „ich habe auf meine bewährte Pistole vertraut. Die Billinghurst habe ich seit 1996. Sie ist schnell in der Zündung und einfach in der Handhabung.“

 

Den Weg zum Europameistertitel begann der Reinheimer mit zwei Zehner. „Ich habe versucht alles zu verdrängen und mich nur auf das Laden und Schießen konzentriert“, beschrieb er den Auftakt seines 13-Schuss-Wettkampfes. Den einzigen Patzer erlaubte sich Klock beim dritten Schuss – eine Acht: „Da habe ich nicht sauber abgedrückt.“ Doch Jörg Klock fand sofort wieder zurück zur Topform und beendete den Wettkampf mit einer Serie von Zehnern. „Mit 99 Ringen habe ich geahnt, das ich vorne dabei bin. Doch sicher war ich erst bei der Siegerehrung, denn vorher gab es keine Endliste.“ Doch an Klock´s Leistung kam keiner seiner 90 Konkurrenten aus 18 Nationen mehr heran. Der Franzose Orlando Reale und Leopold Plattner aus Österreich erreichten als Nächstplatzierte nur 97 Ringe. „Das nimmt einen schon mit“, so Klock nach der Siegerehrung mit der deutschen Nationalhymne, „Man steht da oben ganz allein, das ist schon was Anderes als bei einer Deutschen Meisterschaft.“

Nach dem starken Auftakt mit einem neuen Europarekord zusammen mit Jörg Klock erwiesen sich Karl Hammann und Jürgen Dosch auch als Leistungsträger beim Mannschaftssieg mit dem Perkussionsrevolver im „Peterlongo“-Wettbewrb. Zusammen mit Hans Zipperer verteidigten die beiden ehemaligen Luftpistole-Bundesligaschützen aus Ludwigshafen den Titel für Deutschland, doch im Einzel überraschte ein Deutscher, der selbst mit diesem Erfolg, im mit 142 Startern am stärksten besetzten Teilnehmerfeld, nicht gerechnet hatte. „Ich hatte auf eine Medaille mit der Perkussionspistole gehofft, doch da war ich viel zu aufgeregt“, so Michael Dreisbach. Der 46-jährige Steinmetzmeister hatte im „Mariette“-Wettbewerb mit einem Replika-Perkussionsrevolver früh mit 97 Ringen ein Ergebnis vorgelegt, dass im Verlauf des Wettkampftages bis zum Abend nicht mehr überboten wurde. Zwei Konkurrenten aus Finnland und Spanien kamen noch ringgleich heran, doch Dreisbach stand nach der Endauswertung des schlechtesten Wertungsschusses mit einem Millimeter Vorsprung bei der Siegerehrung ganz oben auf dem Podest. Seine zweite Goldmedaille verdiente sich Dreisbach mit dem Original-Perkussionsrevolver in der Mannschaftswertung „Adams“. Zusammen mit Wilfried Kretschmer und Hans Zipperer schaffte er den Titelhattrick und verbesserte den Europarekord um drei Ringe. Die deutsche Dominanz mit dem Perkussionsrevolver rundete Hans Zipperer ab. Im Jahr 2001 hatte der 49-jährige Stuttgarter als Dritter seine bisher einzige EM-Medaille im Einzel gewonnen. Weder der spanische Titelverteidiger Galan Talens, noch der in den Jahren 2001 und 2003 siegreiche Jürgen Dosch kamen in Parma über 93 Ringe hinaus. So nutzte Zipperer seine Chance und gewann mit 96 Ringen seine erste Goldmedaille mit dem Colt.

 

Seit zehn Jahren gehört Karl Hammann zu den deutschen Leistungsträger im Kurzwaffenbereich. Nach einer Vielzahl von Europa- und Weltmeistertitel hat der 47-jährige Schmied aus Neustadt an der Weinstraße seine Vorliebe für besonders schwierige Pistolendisziplinen entdeckt. Seit vier Jahren tritt Hammann in den Tanzutsu-Wettbewerben mit einer Original-Luntenschlosspistole an und in Parma gewann er mit überlegenen neun Ringen Vorsprung den Europameistertitel.

 

Den deutschen Siegen im Kurzwaffenbereich standen bei den zwölften Europameisterschaften auch bittere Niederlagen gegenüber. Beim „Wogdon“-Wettbewerb mit der Steinschloßpistole und im „Boutet“ mit der Perkussionspistole gingen die deutschen Schützen jeweils als Titelverteidiger in den Stand und landeten am Ende auf den Rängen sieben und acht in beiden Wettbewerben deutlich abgeschlagen hinter den Medaillenplätzen.  

Ohne Goldmedaille kehrten die deutschen Wurfscheibenschützen von den Wettbewerben auf der idyllisch gelegenen Standanlage im 40 Kilometer von Parma entfernten Varano de Melegare zurück. „Seit froh, das ihr den Lotspeich habt“, meinte der Österreicher Erich Hiehs zum Auftritt der fünf deutschen Wurfscheibenschützen, „der schießt wie ein Uhrwerk.“ Bei seiner 15. internationalen Meisterschaft war es der 45-jährige Kraftfahrzeugmechaniker, der den größten Anteil an den beiden deutschen Mannschaftsmedaillen hatte. Beim Auftaktwettbewerb mit der Steinschlossflinte „Manton“ wurde Lotspeich hinter dem Engländer Elvin Vizemeister, wirkte aber unzufrieden: „Wenn Du gut drauf bist, schießt man schneller. Heute habe ich nicht ausgeschlafen und hier gibt es keine Chance, sich zurückzuziehen. Dadurch war ich zu langsam.“ Lotspeich kritisierte die Zeitplanung der Organisatoren mit den späten Siegerehrungen in Parma bis 22.00 Uhr. „Am nächsten Morgen mussten wir früh um 7.00 Uhr im Hotel wegfahren, um rechtzeitig zum Wettkampfbeginn auf dem Stand zu sein.

Alle Teilnehmer hatten in den Bergen von Varano de Melegare mit den gegen Mittag aufkommenden heftigen Winden zu kämpfen. „Das waren problematische Umstände“, so Lotspeich, „bei dem starken Wind wurden die Scheiben schnell runtergedrückt. Da musste man sich voll konzentrieren. Wenn eine Scheibe verblasen wurde, war sie weg.“ Während Franz Lotspeich nur sechs der 50 Wurfscheiben weiter fliegen ließ, häuften sich die Fehler bei Edgar Samstag und Waldemar Schanz. Mit 35 und 36 Treffern blieben die beiden Viernheimer deutlich unter ihren Möglichkeiten und die deutschen Titelverteidiger machten im „Hawker“-Wettbewerb den Weg frei für die Franzosen. Mit einem jungen Team holte Frankreich nach vier Jahren wieder den Mannschaftstitel zurück.

 

„In diesem Gelände habe ich meinen Haltepunkt nicht gefunden“, kommentierte Waldemar Schanz seine Probleme. „Das war fast ein Orkan“, beschrieb Schanz den ersten Wettkampftag, „der Wind kam von hinten und hat die Scheiben nach zehn Meter schon zu Boden gedrückt.“ Dabei hatte es für den 72-jährigen verheißungsvoll mit 22 von 25 möglichen Treffern begonnen. Vom fünften Einzelrang aus ging Schanz am Nachmittag bei dem immer stärker werdenden Wind in den zweiten 25-Scheiben-Durchgang und verfehlte insgesamt elfmal das Ziel. Dadurch fiel der Viernheimer bei seiner dritten internationalen Meisterschaft auf den 13. Platz zurück.

 

Das Unternehmen „Titelverteidigung“ verspielte Armin Grübl im Wettbewerb „Lorenzoni“ mit der Perkussionsflinte schon mit den ersten vier Schüssen. Gleich drei Scheiben verfehlte der Sieger des Jahres 2005 und den verpatzten Auftakt konnte der 44-jährige nicht mehr wettmachen. Als Sechster fehlten Armin Grübl am Ende drei Treffer zum Sprung auf das Siegerpodest, den er dann zumindest im Mannschaftswettbewerb zusammen mit Franz Lotspeich und dem erstmals eingesetzten Günter Kühlwein schaffte.

Die Siege in den Wurfscheibenwettbewerben schönten die Medaillenbilanz für die italienischen Gastgebern, die bei den Gewehr- und Pistolendisziplinen erfolglos geblieben waren. Mit vier Goldmedaillen belegten die Italiener den dritten Platz unter den 13 Nationen, die im Verlauf der Europameisterschaften jeweils mindestens einmal erfolgreich waren. Hinter der dominierenden deutschen Mannschaft waren die Franzosen mit zehn Goldmedaillen die einzig ernsthaften Konkurrenten.  

 

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