Gold durch Jentges und Rohrberg
15. Europameisterschaften der Feldbogenschützen in Vagney / Frankreich vom 11. bis 16. August 2003
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Vier Medaillen, davon zweimal Gold durch Monika Jentges und Sebastian Rohrberg waren die Erfolgsbilanz des zehnköpfigen deutschen Teams bei den 15. Feldbogen-Europameisterschaften im französischen Vagney. Die Freude über die Medaillenerfolge wurde aber getrübt von der harten Kritik an den Schiedsrichtern, die der deutschen Mannschaft mit der Disqualifikation von Martina Schacht und Andrea Holdorf weitere Siegchancen raubten. "Das gibt es nicht", schimpfte Feldbogenreferent Karl-Heinz Bode, "die Schiedsrichter kennen die Regeln nicht, damit wird die Veranstaltung zu einer Farce." Bode´s Ärger steigerte sich nach der Disqualifikation der deutschen Frauen, als ein mit Fotobeweisen belegter Regelverstoß der Franzosen in der entscheidenden Phase im Halbfinale gegen das deutsche Herrenteam nicht geahntet wurde.
Rohrberg: Das war mein Tag
Seinen ersten internationalen Titel gewann in Vagney mit dem Recurvebogen Sebastian Rohrberg. Der 24-jährige Vizeweltmeister bestimmte das Geschehen auf dem anspruchsvollen Parcour in Vagney ab dem Viertelfinale. "Die ersten Tage waren nicht so, wie ich es mir vorgestellt habe."
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Die ungewohnte Hitze und das schwierige Gelände setzte den Aktiven zu und Rohrberg lag nach der 72 Pfeile-Vorrunde noch fünf Ringe hinter Titelverteidiger Gerard Koonings. Auf den Holländer traf der Deutsche im Halbfinale, nachdem er die Qualifikationsrunde als Dritter beendet hatte. Gegen Koonings erwischte einen optimalen Start: "Das war mein Tag", strahlte Rohrberg über seinen glatten 58:53 Erfolg und zog ins Finale gegen den Italiener Bertoini ein. Wieder begann Rohrberg mit sechs optimalen Fünfern und hatte schnell den entscheidenden Zwei-Ringe-Vorsprung, der ihm zum 56:54 Sieg reichte. |
Jentges: Die Angstdistanz habe ich wochenlang trainiert
| Wie bei den Weltmeisterschaften in Australien zeichnete sich in Vagney bei den Frauen im Blankbogenbereich ein Zweikampf zwischen Reingild Linhart und Monika Jentges ab. Die österreichische Weltmeisterin führte nach der Vorrunde mit 19 Ringen noch deutlich vor der Deutschen. "Die ersten Tage waren sehr hart", erzählte die 40-jährige Deutsche Meisterin, die auch im Viertelfinale nicht an der Österreicherin vorbeikam. Im Halbfinale kam das überraschende Aus für Linhart durch eine Shoot-Off-Niederlage gegen die Schwedin Ahlund. Monika Jentges hatte dagegen keine Probleme mit der Titelverteidigerin Tisch Lovell. Mit 48:42 Ringen zog sie ins Finale um Gold gegen Annica Ahlund ein. "Über die 20 Meter Distanz hat die Schwedin die Nerven verloren", sah die Deutsche die entscheidende Phase, doch ihren Vorsprung hatte sie schon zuvor auf die 40 Meter-Scheibe herausgeholt. |
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Mittermaier: Ich mußte ackern wie ein Gaul
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Seit 1993 gehört Hedi Mittermaier zum deutschen Feldbogenteam und hatte 1997 und 2001 den Europameistertitel mit dem Recurvebogen gewonnen. In Vagney hatte die 42-jährige Bayerin ihren dritten Titel schon im Visier. Die Titelverteidigerin absolvierte den Vorkampf als Zweite und zog als Dritte ins Halbfinale ein. Gegen die Italienerin Jessica Tomasi hatte sie schnell einen Fünf-Ringe-Vorsprung, den die Deutsche bis zum knappen 43:42 ins Ziel rettete. Im Goldfinale wartete Elisabeth Grube, die vor zwei Jahren den achten Platz belegt hatte. Die deutsche Favoritin begann selbstbewußt und führte mit 28:23 Ringen, als die beiden Konkurrentinnen sich auf die vorletzte Scheibe über die 45-Meter Distanz einstellten. "Es ist meine Lieblingsscheibe, aber in dem Moment hatte ich zu wenig Spannung am Bogenarm und verkrampfte". |
Eine Zwei und zwei Einser tief kosteten Hedi Mittermaier ihren Vorsprung und die Österreicherin nutzte ihre Chance. Mit 35:32 führte Grube vor der letzten entscheidenden Scheibe auf 60 Meter Entfernung. "Da war für mich die Luft raus", so Hedi Mittermaier, die mit drei Dreier keine Chance mehr hatte, den Rückstand aufzuholen. "Ich bin nicht so drauf, um zu gewinnen", analysierte sie ihren Wettkampf, "ich mußte ackern wie ein Gaul. Normal tut man sich so eine Tordour nicht mehr an."
| Die Stimmung im deutschen Team kochte richtig hoch, als die Herren-Mannschaft das Halbfinale mit 53:54 gegen Frankreich verloren hatte. Im Gegenlicht hatten zwei Franzosen ihrem Mannschaftskameraden unzulässigen Schatten gespendet. Dem sofortigen deutschen Protest wurden sogar noch Fotobeweise beigelegt, doch nach mehr als einer Stunde Unterbrechung bestätigte die Jury den französischen Sieg. "Das gibt es nicht", kochte Karl-Heinz Bode, "das ist eine Farce, mindesten eine Verwarnung hätte es geben müssen." Während die Franzosen im anschließenden Finale gegen Schweden nach Shoot-Off mit 15:12 ihre zweite Goldmedaille feierten, mußten sich die Deutschen mit Bronze begnügen. Dabei hatte es für Ernst Crome, Sebastian Rohrberg und Andreas Franzen glänzend begonnen. |
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Nach dem vierten Rang in der Vorrunde bestanden die drei Deutschen das Viertelfinale gegen die Briten mit 106:103 Ringen. Im Halbfinale lag das deutsche Trio zunächst mit 14:13 in Front, bevor die Franzosen in der umstrittenen Phase mit 28:27 Ringen in Führung gingen. Auf der letzten Scheibe schienen die Deutschen das Blatt noch einmal wenden zu können, doch ausgerechnet Sebastian Rohrberg kam mit seinem letzten Pfeil nur auf eine Drei und Frankreich siegte mit 54:53. Im kleinen Finale hatten die Deutschen gegen Slowenien schnell drei Ringe Vorsprung und gewannen mit 51:48 Bronze.
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