Kälte und Regen stoppen Monika Jentges nicht
16. Europameisterschaften der Feldbogenschützen in Rogla / Slowenien vom 11. bis 18. September 2005
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit dem besten Abschneiden einer deutschen Nationalmannschaft endeten die 16. Europameisterschaften der Feldbogenschützen im slowenischen Skigebiet Rogla Terme. „Es ist ein Phänomen, das sich das Team nach so einer langen Saison noch so motivieren konnte", strahlte Feldbogentrainer Karl-Heinz Bode über insgesamt fünf Medaillen, davon zweimal Gold für das zwölfköpfige deutsche Team. Dabei wurde den 163 Aktiven aus 19 Nationen bei einer Europameisterschaft auf einer Wiese im 1500 Meter hoch gelegenen Skigebiet alles abverlangt. Herrliches Wetter mit kräftiger Sonneneinstrahlung wechselte mit starken Winden und Regen und am Finaltag sanken die Temperaturen in Richtung der Nullgrad-Grenze.
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Erster Höhepunkt für die Bode-Schützlinge war der Sieg durch die Damen-Mannschaft. Erstmals gewannen Jutta Schneider-Borns mit dem Blankbogen, Recurveschützin Manuela Kaltenmark und Martina Schacht mit dem Compoundbogen den Europameistertitel im Mannschaftswettbewerb. Nach Rang zwei hinter Frankreich in der Vorrunde begann der deutsche Siegeszug in der Finalrunde mit 93:86 gegen Großbritannien. 1994 war Jutta Schneider-Borns bereits mit dem bisher größten Erfolg, dem Weltmeistertitel, beteiligt. Elf Jahre später hatte sich die 46-jährige Lehrerin aus Delmenhorst wieder für das deutsche Damenteam qualifiziert und führte das Trio stets als Erste mit dem Blankbogen in die Begegnungen. Danach schoss Recurveschützin Manuela Kaltenmark und zum Abschluss Martina Schacht mit dem Compoundbogen. Gegen das italienische Team um die Europameisterin von 1999, Cristina Ioriatti, gelang dem deutschen Trio auf der dritten Scheibe in 55 Meter Entfernung die Vorentscheidung. Mit 48:47 zogen die deutschen Frauen ins Finale gegen Österreich ein. Die Österreicherinnen hatten überraschend Frankreich als Titelverteidiger und amtierende Weltmeisterinnen mit 50:49 aus dem Rennen geworfen. Im Finale um die Goldmedaille begannen die drei Österreicherinnen auf eine „Bunnie"-Scheibe in zehn Meter Entfernung mit 15:13 optimal. Vier Minuten hat jedes Team Zeit, um drei Pfeile zu schießen und bei Österreich sorgte Sabine Mayrhofer stets für eine Zitterpartie. Die Weltmeisterin von 1998 setzte oft ab und schoss erst in der Gelbphase im letzten Moment. Auf die 25-Meter-Scheibe bauten die Österreicherinnen mit ihrer Taktik ihren Vorsprung auf 28:25 aus, doch dann konterte das deutsche Trio. Alle drei Deutschen trafen die optimale Fünf, während Mayrhofer eine schwache Drei unterlief. Beim Remis 40:40 zeigten die Österreicherin auf der letzten Scheibe in 60 Meter Entfernung Nerven. Während das deutsche Team seine Pfeile zweimal in die Vier und eine optimale Fünf durch Manuela Kaltenmark schoss, unterliefen Petra Friedl und Sabine Mayrhofer jeweils schwache Zweier, die das Match entschieden. Mit 53:48 gingen Schneider, Kaltenmark und Schacht nach zwölf Pfeilen als klare Sieger von der Schießlinie.
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Das deutsche Herren-Trio mit Blankbogenschütze Ladislav Voboril, Compoundschütze Roland Pepperl und Sebastian Rohrberg mit dem Recurvebogen hatte im Vorkampf den vierten Rang belegt und kam im Finale über diesen Rang nicht hinaus. Im Viertelfinale schaffte das deutsche Herren-Trio einen Prestigeerfolg über die Niederlande. Der ehemalige Weltmeister von 1995 um den Blankbogenschützen Twan Cleven hatte gegen die drei Deutschen in keiner Phase des Viertelfinals eine Siegchance. Als alle drei Deutschen auf die dritte Scheibe eine Fünf schossen, war der holländische Widerstand gebrochen. Über 42:36 zog Deutschland mit 107:90 sicher ins Halbfinale gegen Schweden ein. Die Schweden mit dem herausragenden Blankbogenschützen Erik Jonsson und dem legendären Morgan Lundin mit dem Compoundbogen waren an diesem Tag für das deutsche Team nicht zu schlagen. Die Chance zur frühen Führung verpasste Sebastian Rohrberg, dem auf die „Bunnie"-Scheibe in 20 Meter Entfernung eine ungewohnte Drei unterlief. Über 12:12 Remis gingen die Schweden mit 27:26 in Führung und bauten ihren Vorsprung ohne Schwächen zum letztlich sicheren 55:52 Sieg aus. Danach enttrohnten die Schweden die englischen Titelverteidiger mit 54:53 und setzten damit ihre bis 2002 angehaltene Erfolgsserie fort. Angeschlagen von der Niederlage gegen Schweden konnte sich das deutsche Trio gegen die Italiener nicht durchsetzen. Beim Zwischenstand von 40:40 unterlief Blankbogenschütze Ladislav Voboril eine Zwei und die Italiener nutzten ihre Chance zum 54:50 Erfolg mit dem Gewinn der Bronzemedaille.
Strahlte beim Mannschaftsfinale über der Skiwiese „Planja" noch die Sonne, erwartete die Aktiven um 12.00 Uhr Mittags zu Beginn der Einzelentscheidungen ein Temperatursturz um 15 Grad, strömender Regen sowie Nebelschwaden, die die Sicht auf die bis in 60 Meter Entfernung stehenden Scheiben stark beeinträchtige. „Ich muss schießen, alles andere spielt keine Rolle", mit diesem Motto verteidigte Monika Jentges ihren Europameistertitel. Die amtierende Weltmeisterin und World Games Gewinnerin war mit dem Blankbogen beim Finale unter widrigsten Bedingungen nicht zu stoppen.
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Dabei hatten die Titelkämpfe für die 42-jährige nicht optimal begonnen. Im Vorkampf nur auf Rang vier musste sie den Platz im deutschen Team Jutta Schneider-Borns überlassen, die hinter der Französin Christine Gauthé und der Österreicherin Reingild Linhart nach 144 Vorrundenpfeilen auf bekannte und unbekannte Entfernungen den dritten Platz belegte. In den Qualifikationsrunden wurde Monika Jentges dann ihrer Favoritenrolle gerecht und bestimmte zusammen mit Jutta Schneider-Borns das Geschehen. Das mögliche deutsche Finale um die Goldmedaille verhinderte Reingild Linhart mit einem spannenden Halbfinalsieg über Schneider-Borns. Die österreichische Weltmeisterin von 2002 gewann beim Stand von 43:43 das Shoot-Off mit 4:3. Mit der Französin Gauthé hatte Monika Jentges keine Probleme (46:33) und zog gegen Reingild Linhart ins Goldfinale ein. Im Jahr 2002 hatte die Deutsche zuletzt gegen ihre österreichische Dauerrivalin verloren. Die widrigen Bedingungen forderten bei Linhart ihren Tribut und die Österreicherin begann an der dritten Scheibe gegen die fehlerlos schießende Monika Jentges zu resignieren. Über 40:32 schaffte die Deutsche mit 48:36 ihre überlegene Titelverteidigung. Wenig später sorgte Jutta Schneider-Borns für weiteren Jubel im deutschen Lager. Im Kampf um Bronze setzte sie sich klar mit 49:39 gegen Christine Gauthé durch.
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Sebastian Rohrberg schaffte die Titelverteidigung mit dem Recurvebogen bei den Männern nicht. Der amtierende Weltmeister scheiterte an dem Italiener Ernesto Bortolami, der sich im Feldbogenbereich erstmals in Szene setzte. Dabei hatten die Titelkämpfe auf den wenig anspruchsvollen Parcours im Rogla-Skigebiet vielversprechend für den 26-jährigen begonnen. Mit 692 von 720 möglichen Ringen gewann Rohrberg die Vorrunde, bekam aber in den beiden Qualifikationsrunden erste Probleme. Hinter dem Italiener Bortolami und dem Holländern Dave van der Coelen zog der Titelverteidiger nur als Dritter ins Halbfinale ein. „Das war ganz schön hart", kommentierte er seinen knappen 49:48 Erfolg über den Holländern van der Coelen. Bei strömenden Regen und heftigem Wind entschied Rohrberg mit einer Fünf beim letzten Schuss das Match für sich. Im Finale gegen Bortolami hatte der Deutsche dann keine Chance, die frühe Führung des Italieners auszugleichen. „Wir waren aus dem Wind heraus und es war einfach nicht mehr möglich auszugleichen", schilderte Rohrberg das Match, in dem Bortolami mit 30:28 bei den ersten sechs Pfeilen optimal begann. Die dritte Scheibe auf 45 Meter Entfernung brachte die Vorentscheidung, als Sebastian Rohrberg seine Aufholchancen mit einer Drei und zwei Vierer nicht nutzte. Mit 56:52 Ringen holte sich der Italiener den Titel, doch Rohrberg wirkte zufrieden: „Die Silbermedaille geht in Ordnung, immerhin habe ich die Vorrunde gewonnen und die Meisterschaft hat Spass gemacht." Nicht in Szene setzen konnte sich Henning Lüpkemann, der als Neunter hinter den Erwartungen blieb. Der 22-jährige kam schon in der Vorrunde nicht über den 13. Rang hinaus und verpasste in der ersten Qualifikationsrunde um einen Ring den Einzug in die zweite Runde.
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Wordgames-Siegerin Martina Schacht begann die Rogla-Titelkämpfe mit einer guten Vorrunde auf Platz zwei nur zwei Ringe hinter der führenden Finnin Anne Laurila. Danach setzte sich die 36-jährige Hamburgerin an die Spitze des Teilnehmerfeldes und gewann die beiden Qualfikationsrunden. Doch am Finaltag herrschten Verhältnisse, die Martina Schacht arg zu schaffen machten: „Da war so kalt, das glaubt man nicht." Um die frierende Hamburgerin drängten sich die Mannschaftskameraden, doch alle Unterstützung des Teams half im Halbfinale gegen Petra Friedl nichts. Die Österreicherin ließ sich vom Wetter nicht beeindrucken und warf die deutsche Favoritin mit 54:49 Ringen aus dem Rennen. Doch die österreichischen Goldhoffnungen verhinderte Ulrika Sjöwall. Die Schwedin gewann nach 54:54 Remis im Shoot-Off mit 5:3, nachdem sie zuvor die amtierende Weltmeisterin Francoise Volle mit 49:48 besiegt hatte. Im kleinen Finale um die Bronzemedaille verbesserten sich die Wetterbedingungen und Martina Schacht nutzte ihre Chance. Gegen die Französin setzte sich mit 54:53 durch.
Die übrigen deutschen Compoundbogenschützen konnten sich nicht für die Finalrunden qualifizieren. Andrea Holdorf schied in der ersten Qualifikationsrunde als 13. ebenso aus wie Roland Pepperl, der bei den Männern Elfter wurde. Der Wuppertaler hatte keine Chance, um gegen die „Großen Fünf" des europäischen Compoundbogensports mitzuhalten. Axel Langweige hatte bereits nach der Vorrunde seinen Bogen einpacken müssen. Fünf Ringe fehlten dem 35-jährigen aus Castrop-Rauxel zum Einzug in die Qualifikationsrunde. Seit dem Rücktritt von Peter Penner, der 2001 den einzigen Europameistertitel für Deutschland gewann, sind die dominierende Rollen des Schweden Lundin, des Briten White, der beiden Dänen Baldur und Henriksen sowie des Slowenen Sitar durch deutsche Schützen nicht mehr zu gefährten. In der zweiten Qualifikationsrunde erzielten White, Sitar und Henriksen jeweils optimale 180 Ringe und in dieser Klasse zeigte sich, dass jede Vier zuviel schon das Aus im Medaillenkampf bedeutet. So verpasste der schwedische Weltmeister Lundin das Halbfinale und musste mit ansehen, wie der Däne Niels Baldur nach zehn Jahren wieder den Europameistertitel gewann. Baldur beendete die letzten Goldhoffnungen der slownischen Gastgeber und besiegte Dejan Sitar mit 58:54.