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Ovationen für Schumann und Quotenplatz durch Buchmann

 Europameisterschaften der Sportschützen in Pilsen (Tschechien) vom 16. bis 27. Juli 2003

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Mit den Sieg von Ralf Schumann sowie den Silbermedaillen von Sonja Pfeilschifter, Munkbayar Dorjsuren und der Bronzemedaille durch Klaus-Dieter Schmidt gewannen die deutschen Sportschützen bei den Europameisterschaften im tschechischen Pilsen vier Medaillen bei den sechs olympischen Einzeldisziplinen, doch die gesetzten Ziele wurden nicht erreicht. Unter den 652 Aktiven aus 40 Nationen reichte es auf der Schießsportanlage in Pilsen-Lobzy nur zu einem Quotenplatz durch den Holger Buchmann. Der Berliner sicherte mit der Freien Pistole den 15. Startplatz für die Olympischen Spiele in Athen 2004.

Für den Höhepunkt aus deutscher Sicht sorgte bei der letzten Entscheidung Ralf Schumann. Der 41-jährige zweifache Olympiasieger gewann in einem sensationellen Finale den Europameistertitel mit der Schnellfeuerpistole. Dabei hatte es für den Suhler "Mister Perfect" alles andere als gut begonnen. In der ersten Runde fiel Schumann durch 95 Ringe in der Vier-Sekunden-Serie auf den neunten Platz zurück und als er einen Tag später den Wettkampf in der Mittagshitze mit einer 96er Serie über acht Sekunden begann, glaubte kaum noch jemand an eine Finalteilnahme des Favoriten. Schumann schien aus dem Titelkampf, da drehte der Thüringer auf und startete eine beispiellose Aufholjagd. Zwei 99er Serien über sechs- und vier Sekunden sicherten Schumann doch noch den sechsten Vorkampfplatz und die Finalteilnahme. Bei Temperaturen über 30 Grad hatte die Hitze auf der Standlage von den Konkurrenten auch ihren Tribut gefordert. Der Russe Alifirenko verlor durch eine schwache 92er Schlußserie seinen bis dahin klaren Vorsprung und reihte sich nur einen Ring vor Schumann ein und der Ukrainer Magmet fiel vom fünften auf den 28. Platz zurück.

Hochkonzentriert schritt Ralf Schumann in die überfüllte Finalhalle in Pilsen. Noch ahnte niemand unter den über 200 Zuschauern, was in dem Suhler vorging. Eigentlich hatte er keine Siegchance, denn Emil Milev lag drei Ringe vor Schumann und der wollte sich nicht wie bei den Olympischen Spielen in Atlanta 1996 den Sieg von dem Deutschen nehmen lassen. Alle Augen im Finale waren auf Ralf Schumann gerichtet, der sich ausgiebig mit Trockenübungen vorbereitete. "Er hat sich ganz konzentriert auf dieses Finale vorbereitet", verriet Bundestrainer Peter Kraneis und schon nach den fünf Probeschüssen ging ein Raunen durch die Halle. Während sein Konkurrent Alifirenko mit Waffenproblemen haderte, schoss Schumann fünf optimale Zehner. Das war der Auftakt zu einem 10-Schuss-Finale von dem der Thüringer anschließend selbst schwärmte: "So ein Finale habe ich noch nie geschossen".

Die ersten fünf Schüsse trafen allesamt zwischen 10,3 und 10,9 Ringe. Mit 53,4 Zählern hatte er den vor ihm liegenden Russen (51,3) schon hinter sich gelassen. Die Zuschauer waren begeistert und spendeten Ovationen als der Deutsche in der zweiten Runde erneut alle Schüsse zwischen 10,0 und 10,6 platzierte. Mit 51,3 Ringen hatte er ein Finalergebnis von 104,7 erzielt, das Bundestrainer Kraneis ins Schwärmen brachte: "Das ist ein Ergebnis wie bei einem guten Liegendfinale". Während Schumann noch von seinen Fans gefeiert wurde, hatten seine Gegner die Vorgabe des zweifachen Olympiasiegers zur Kenntnis genommen. Titelverteidiger Klaus-Dieter Schmidt ging zusammen mit dem Russen Poliakov als nächster in den Finalstand. Das der Kunstglasbläser aus Lauscha in den Titelkampf eingriff, hatte Bundestrainer Kraneis überrascht: "Bei den Trainingstagen in Suhl war Schmidt noch sehr wackelig. Aber er kann sich in entscheidenden Momenten zusammenreißen und bringt im Wettkampf mehr als er im Training kann". Ganz anders als bei dem coolen Schumann war dem Mienenspiel des 43-jährigen Schmidt anzusehen, das er seine Chance im Titelkampf sucht. Die ersten fünf Schüsse waren mit 50,8 Ringen gut, doch nicht gut genug im Vergleich mit Schumann. Der Vorsprung hatte sich in einen 1,8 Ringe Rückstand verwandelt. Doch Schmidt war noch nicht geschlagen. Die zweite Runde lief mit 52,1 Ringen glänzend und das war die zweitbeste Leistung aller Finalisten. Doch im Endklassement fehlten 0,8 Ringe auf Schumann. Jetzt lag es im letzten Durchgang an Emil Milev, seinen scheinbar sicheren Vorsprung ins Ziel zu bringen. Der Bulgare begann mit 51,2 Ringen und verlor 2,2 Ringe auf den Deutschen.

Noch hat Milev einen kleinen Vorsprung, doch in der zweiten Runde halten seine Nerven nicht. Der erste Schuss ist nur eine 8,6 und das ist die Entscheidung. Mit 50,1 Ringen muss Milev den Titel an Schumann überlassen, der sich anschließend von dem begeisterten Publikum feiern läßt.

Verschwunden war derweil aus der Finalhalle Klaus-Dieter Schmidt. Immerhin hatte der Titelverteidiger noch Bronze gewonnen und die Siegerehrung verzögerte sich um einige Minuten. Schmidt gönnte sich erst eine Zigarette.

 

Die Hochstimmung im deutschen Team rundete die Mannschafts-Goldmedaille ab. Zum fünftenmal in Folge hatten Schumann, Schmidt und Marco Spangenberg den Europameistertitel für Deutschland verteidigt.

Weltmeisterin gegen Olympiasiegerin - Dorjsuren verpaßt den Sieg

Höhepunkt im Wettbewerb der Frauen mit der Kleinkaliber-Sportpistole ist das Finale mit dem Zweikampf zwischen Weltmeisterin Munkhbayar Dorjsuren und Olympiasiegerin Maria Grozdeva. Dorjsuren führte mit einem Ring und begann mit einer Zehn und zwei Neuner. "Die waren alle tief, da habe ich einen taktischen Denkfehler gemacht".

Die 34-jährige zielt anschließend zu hoch und ihr unterläuft eine 8,7. Grosdeva nutzte ihre Chance und zieht mit einer 10,6 davon. In der zweiten Finalserie hatte die 31-jährige gebürtige Mongolin wieder die Chance zum Sieg. Nach 10,7, 10,9 und 9,9 gleicht sie den Rückstand aus,doch die Olympiasiegerin kontert mit einer 10,6, während der Deutschen eine 8,7 unterläuft. Eine 10,7 zum Abschluss reicht nicht mehr, denn Grozdeva bringt ihren Vorsprung mit einer 10,0 ins Ziel. "Da werde ich ein paar Tage brauchen, bis ich diese Niederlage verdaut habe", wirkte Dorjsuren entäuscht über ihren verpaßten ersten Sieg bei Europameisterschaften, "Der EM-Titel war für mich das Ziel".
Dem verpaßten Quotenplatz trauerte Claudia Verdicchio zwar nach, doch zusammen mit Munkhbayar Dorjsuren und Stefanie Thurmann gewann sie die Mannschafts-Bronzemedaille. Über den Sprung seines Damenteams auf´s Siegerpodest strahlte Bundestrainer Peter Kraneis besonders. "Die letzte Medaille haben wir 1993 in Brünn gewonnen".

Holger Buchmann gewinnt Quotenplatz

Holger Buchmann holte als Elfter der Einzelwertung einen Quotenplatz für Deutschland mit der Freien Pistole und zusammen mit Daniel Barner und Abdullah Ustaoglu die Bronzemedaille in der Mannschaftswertung. "Damit habe ich nie im Leben gerechnet", so der überglückliche Bundestrainer Peter Kraneis, "das entschädigt für die vielen Niederlagen in der Vergangenheit."

 

Dafür strahlte Holger Buchmann über das unerwartete Erfolgserlebnis, denn der elfte Einzelrang bedeutete einen Quotenplatz für Olympia 2004. "Das war ein Wunschergebnis" und der 35-jährige Berliner ließ sich von seinen Mannschaftskameraden feiern. "Jahrelang habe ich über die Rangliste versucht, in den Nationalkader zu kommen", erzählt er, "vor zwei Jahren habe ich mich dann konsequent auf die Disziplin Freie Pistole konzentriert". Nach dem Vorbild der ukrainischen Schützen ließ er im November 2002 den Schaft seiner Pistole verändern. "Das wurde ganz nach meinen Wünschen gemacht, jetzt brauche ich die Hand nicht mehr anzuheben."

Pfeilschifter´s Aufholjagd hinter einer Unbekannten

Ein Klebeband an der Schuhsohle von Sonja Pfeilschifter sorgte nach dem 60-Schuss-Vorkampf im Wettbewerb mit dem Kleinkaliber-Sportgewehr für Aufregung. "Das klebt schon seit Jahresanfang dort", so die Titelverteidigerin, doch die Jury entschied das es sich um ein unerlaubtes Hilfsmittel handelt und zog der 32-jährigen Deutschen zwei Ringe von ihrem Vorkampfresultat ab. Sonja Pfeilschifter verzichtete auf einen Einspruch, denn: "Falls ich sogar disqualifiziert worden wäre, hätte es auch die Mannschaft betroffen". Aber für die Einzelwertung hatte sich der Rückstand hinter der führenden Russin Tatiana Iouchkova auf drei Ringe erhöht.

Entsprechend motiviert ging die Deutsche ins Finale: "An die Titelverteidigung denke ich nicht, aber ich will auf´s Siegerpodest." Mit einer 10,8 im ersten Finalschuss startete Sonja Pfeilschifter ihre Aufholjagd und hatte nach dem fünften Schuss den Rückstand auf die 20-jährige Russin bis auf einen Ring verkürzt. "Ich habe sie bis heute nicht gekannt", mit einer Serie von 10,6, 10,4 und 10,3 brachte die Deutsche ihre junge Gegnerin ins Wackeln. Als der Russin eine 9,3 unterlief, hielt sie lange nach und konzentrierte sich neu. Sonja Pfeilschifter blieb bei ihrem Rhythmus und schoss stets als Letzte im Finale: "Ich habe meinen Ablauf und weiß das die Zeit sicher reicht." Doch bei den letzten Schüssen behauptete Tatiana Iouchkova ihren knappen Vorsprung, den sie mit 0,9 Ringen ins Ziel brachte.

Hinter den beiden Führenden war ein spannender Kampf um Platz drei entbrannt. Mittendrin zeigte Barbara Lechner im Duell mit den Russinnen Galkina und Goldobina eine tolle Leistung. Mit einer 9,2 war die 20-jährige Deutsche in ihr erstes EM-Finale schlecht gestartet. "Es ist die Aufregung und habe nicht im richtigen Moment abgezogen." Ihre Finalschwäche legte Barbara Lechner mit einer Serie von 10,5, 10,6 und 10,7 ab und plötzlich bot sie der Olympiasiegerin Goldobina und der zuletzt überragenden Galkina Paroli. "Das war mein bestes Finale" strahlte sie nach 100,1 Ringen und verpaßte erst durch eine 10,6 von Galkina mit dem letzten Finalschuss den Sprung auf´s Siegerpodest.

Gabelmann: In Pilsen die Ziele nicht erreicht

Zu den verpaßten Quotenplätze im Kleinkaliberbereich bei den Herren für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen 2004 nahm DSB-Sportdirektor Heiner Gabelmann Stellung: "In Pilsen haben wir in diesen Disziplinen unsere Ziele nicht erreicht", so Gabelmann, "doch es hatte sich bereits angekündigt. Seit drei bis vier Jahren schießen wir der Weltspitze um etwa zehn Ringe hinterher." Positiv sieht Gabelmann die guten Platzierungen von Maik Eckhardt und Christian Bauer, die Quotenplätze nur knapp verfehlten: "Aber man tut sich halt von Wettkampf zu Wettkampf schwerer. Auf den ersten Blick sind wir enttäuscht, doch gibt es noch die Hoffnung auf eine Wildcard, dann hätten wir mit den Luftgewehrstartplätzen insgesamt drei Olympiateilnehmer". Für Athen setzt Heiner Gabelmann auf eine zielstrebige Vorbereitung: "Wenn es gut läuft, ist eine Finalteilnahme immer möglich". Nach den olympischen Spielen erwartet der DSB-Sportdirektor einen Umbruch im Kleinkaliberteam, denn bereits jetzt ist die berufliche Entwicklung bei den Herren ein wichtiger Punkt. "Deshalb nehmen hauptsächlich die Frauen die Stellen bei der Sportfördergruppe in der Bundeswehr an."

Eine Alternative zur Bundeswehr sieht Heiner Gabelmann mit der Sportförderung beim Bundesgrenzschutz: "Der BGS bietet die besseren Konzepte. Da waren wir Schützen bisher nicht dabei, doch mit Ralf Buchheim wurde der erste Wurfscheibenschütze in Cottbus aufgenommen." Der DSB-Sportdirektor hofft, dass weitere deutsche Schützen diesem Beispiel folgen werden, denn: "Die Junioren beweisen, dass sie mit der Weltspitze mithalten. Doch bei den Männern fehlt dann die Steigerung und die internationale Konkurrenten sind fast alle Profis."

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