Wenn die Mädels forsch rangehen, wächst die Mannschaft
Zehnte Europameisterschaften im Hallen-Bogenschießen in Jaén (Spanien)
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Wieder einmal blieben die Bogenschützen unter sich. Die zehnten Europameisterschaften im Hallenbogenschießen wurden von den spanischen Gastgebern in der andalusischen Provinzhauptstadt Jaén zwar zur Zufriedenheit der Aktiven und Funktionäre organisiert, doch die fünftägigen Wettkämpfe vom 13. bis 18. März 2006 blieben in der riesigen Messehalle „Recinto Provincial de Ferias" von der Öffentlichkeit nahezu unbeachtet. Weder in der Stadt Jaén, noch am Eingang des Kongresszentrums waren Hinweise oder Plakate auf diese internationale Meisterschaft angebracht.
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Fast unbeachtet blieb auch der Auftritt
des sechsköpfigen deutschen Bogenteams, das sich gegen die
übermächtigen Italiener und Franzosen nur einmal in Szene setzen
konnten. Wie vor zwei Jahren im italienischen Sassari blieb des der
Damenmannschaft mit dem Recurvebogen vorbehalten, die einzige deutsche
Medaille zu holen. Nach Silber 2004 freuten sich Karina Winter, Christina
Schäfer und Elena Richter über den dritten Platz. „Damit haben wir
unser Minimalziel erreicht", zog Bundestrainer Martin Frederick sein
Fazit, „aber wir haben auch gezeigt, dass man mit uns rechnen muss."
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Das deutsche Team legte in der Qualifikationsrunde einen fulminanten Start durch Sebastian Rohrberg hin. Der 27-jährige amtierende Feldbogen-Weltmeister machte sich ein Tag nach seinem Geburtstag ein persönliches Geschenk und absolvierte den 60-Pfeile-Vorkampf auf 18 Meter Entfernung mit 594 von 600 möglichen Ringen. Damit hatte der Niedersachse vom Bundesligateam des SV Dauelsen den Deutschen Rekord eingestellt und ging als Erster mit fünf Ringen Vorsprung auf den Ukrainer Ivashko in die Finalrunde. „Auf diese Leistung bin ich richtig stolz", so Rohrberg über seinen glänzenden EM-Auftakt, „Ich habe mit richtig Spaß geschossen und da wollte ich noch etwas drauftun." Der Ukrainer Pavlo Bekka war in der ersten Runde kein echter Prüfstein und mit 177:174 Ringen kam der beste deutsche Recurvebogenschütze locker ins Achtelfinale. Dort wartete mit dem Engländer Simon Terry eine weitere lösbare Aufgabe. Doch der 16. des Vorkampfes begann gegen den Deutschen couragiert und führte nach sechs Pfeilen mit 59:58 Ringen. „Als ich diesen einen Ring verloren habe, bin ich nervös geworden", analysierte Rohrberg später die unerwartete 174:176 Niederlage. „Ich hatte den Ausgleich gerade geschafft, da habe ich einen Schuss nicht abgesetzt. Der Schuss war praktisch tot." Der Konzentrationsfehler führte zur entscheidenden Acht, die Simon Terry zum Überraschungssieg nutzte. „Es war mehr drin, doch auch aus diesem Finale habe ich wieder etwas gelernt. Finalschießen kann man einfach nicht trainieren. Es beginnt immer wieder neu." Trotz des frühen Aus wirkte Bundestrainer Martin Frederick zufrieden mit Rohrberg´s Leistung: „Er ist nominiert für den B-Kader und soll ein Stützpfeiler unserer Mannschaft werden. Bei der EM hat er alles gegeben und die Einstellung des Deutschen Rekords unterstreicht seine Stärke."
| Neben Sebastian Rohrberg gingen Peter Sach und Daniel Hartmann erstmals bei einer internationalen Meisterschaft der Erwachsenen für Deutschland an die Schießlinie. Daniel Hartmann vom Bundesligisten BS Feucht leistete sich einen vorentscheidenden Patzer in der Qualifikationsrunde. Der 18-jährige schoss einen Pfeil auf die falsche Scheibe und mit zehn Ringen Abzug verpasste er die Finalrunde um einen Ring. „In der zweiten Runde hat er mit 288 Ringen gezeigt, was er kann", trauerte Bundestrainer Frederick der verpassten Finalchance von Hartmann nach. „Aber Hartmann und Sach haben viel Engagement signalisiert." Peter Sach scheiterte im Shoot-Off um den Einzug ins Finale, so dass die beiden Deutschen mit den Rängen 33 und 34 unglücklich ausschieden. |
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Geschlossener präsentierte sich das
deutsche Damentrio, dass komplett die erste Finalrunde erreichte.
Besonders stark schoss die 16-jährige Elena Richter, die mit 287 und 285
Ringen im Vorkampf einen achtbaren zwölften Platz erreichte. „Ihren
ersten Einsatz hat sie mit Bravour gemeistert", lobte Martin
Frederick den Auftritt der jungen Berlinerin, die in der Finalrunde nach
dem glatten 170:161 Auftaktsieg gegen die Schwedin Elin Kattström im
Achtelfinale auf die französische Weltmeisterin von 2003, Berengere Schuh
traf. „In diesem Duell hat sie in keiner Phase zurückgesteckt",
lobte Frederick den leidenschaftlichen Kampf von Elena Richter, den sie
mit 172:176 Ringen verlor. Die 21-jährige Schuh krönte ihre
herausragende Leistung in der Recurve-Damenklasse mit dem glatten 118:108
Sieg im Finale um die Goldmedaille gegen die Britin Naomi Folkard.
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| Karina Winter ging als 16. des Vorkampfes
in die Finalrunde und schaltete in der ersten Runde mit glänzenden 174
Ringen die Französin Virgine Arnold (166) aus. Doch dann kam das Aus
gegen die Vorkampferste Kateryna Palekha. Die 20-jährige Berlinerin
lieferte der Ukrainerin ein spannendes Duell und gab sich mit 171:172
Ringen knapp geschlagen.
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Nicht an das Leistungsniveau des Vorjahres konnte Christina Schäfer anknüpfen. Bei den Weltmeisterschaften in Aalborg auf Platz drei reichte es für die 23-jährige Gymnastiklehrerin aus Düren in Jaén nur zum 32. Einzelrang. Schon im Vorkampf lief es für Christina Schäfer nicht nach Wunsch. Vom 27. Qualifikationsrang war die erste Runde gegen die amtierende Vizeweltmeisterin Tetyana Dorokhova aus der Ukraine mit 159:176 Ringen bereits Endstation. „Sie hat sich erst im Laufe des Turniers gefangen", stellte Martin Frederick zur Leistung von Christina Schäfer, die nach dem Aus im Einzel sich im Mannschaftswettbewerb auf Position drei im DSB-Team deutlich steigerte. |
Vom fünften Vorkampfrang aus startete das deutsche Damentrio in der Finalrunde mit einem glatten 257:235 Sieg über Griechenland und benötigte im Viertelfinale gegen Russland viel Glück um nach 254:254 Unentschieden im Shoot-Off ins Halbfinale einzuziehen. Am frühen Morgen wirkte die deutschen Frauen aber noch nicht in Topform und vergaben ihre Chancen gegen die Türkei mit 251:252 Ringen. Gleichzeitig besiegten die Frauen der Ukraine die französischen Weltmeisterinnen und stellten damit das deutsche Team im kleinen Finale vor eine fast unlösbare Aufgabe.
| Der Kampf um die Bronzemedaille nahm zunächst mit 86:83 für Frankreich den erwarteten Verlauf, als sich das Match in der zweiten Neun-Pfeile-Passé überraschend drehte. Mit 89 Ringen übernahmen die deutschen Frauen gegen die nachlassenden Weltmeisterinnen um Berengere Schuh die Führung mit 172:169 Ringen. „Da sind die Mädels forsch rangegangen", beobachtete Martin Frederick von den Zuschauerrängen aus das Match, während Viktor Bachmann das deutsche Trio an der Schießlinie betreute, „Die Damenmannschaft ist in dieser Phase gewachsen." Den Vorsprung ließen sich die Deutschen nicht mehr nehmen und gegen die jetzt chancenlosen Französinnen gelang ein glänzender 260:254 Erfolg. Hatten die Deutschen und Franzosen an der gewohnten Schießtaktik festgehalten, bei der jede Schützin ihre drei Pfeile in Folge schießt, präsentierten die Türkei und Ukraine im Goldfinale eine neue Taktik. |
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Jede Schützin schoss nur einen Pfeil und es entwickelte sich ein munteres Wechseln an der Schießlinie. Am Ende lagen sich die Türkinnen in den Armen, denn mit 258:257 Ringen hatten sie den dritten Titelgewinn der Ukraine seit dem Jahr 1998 verhindert und mit der Goldmedaille ihren bisher größten Erfolg geschafft.
„Endlich konnten wir bei den Männern wieder ein Team stellen", zog Bundestrainer Martin Frederick seine Bilanz zum Abschneiden im Mannschaftswettbewerb der Herren. Seit den Silbermedaillen in den Jahren 1998 und 2000 konnte bei den Hallen-Europameisterschaften keine Männermannschaft mehr überzeugen und in den letzten Jahren erfüllten nur Einzelstarter die geforderte Qualifikationsnorm für die EM-Teilnahme. Mit dem erfahrenen Sebastian Rohrberg und den Neulingen Peter Sach und Daniel Hartmann starteten die DSB-Männer vom fünften Vorkampfrang aus mit einem 253:250 Sieg in die Finalrunde. „Von unserer 89er Auftaktserie haben wir gezehrt", meinte Rohrberg, der stets das Match eröffnet hatte, bevor Peter Sach an Position zwei und zum Abschluss Daniel Hartmann ihre Pfeile schossen. „Das hat gut geklappt und im Training lief es sehr gut." Das vermeidbare Aus kam im Viertelfinale gegen die Ukraine. „Das Match war sehr ausgeglichen, doch wir waren unter unserem Niveau", so Sebastian Rohrberg zur 253:254 Niederlage gegen den Titelverteidiger und amtierenden Weltmeister. Mit dem Sieg über die Deutschen steigerten sich die Ukrainer um den herausragenden Markiyan Ivashko deutlich und bezwangen im Finale wie vor zwei Jahren die Italiener mit 262:261 Ringen. Damit wurden die Italiener endgültig zu Verlierern der Europameisterschaften, denn in fast allen Finals hatten sie das Nachsehen und mussten sich mit Silbermedaillen begnügen. Dabei hatte das Recurveteam mit Einzelsieger Alessandro Rivolta, dem Weltmeister 2001 Michele Frangilli sowie dem amtierenden Olympiasieger Marco Galiazzo die klare Favoritenrolle und schien mit 265er Ergebnissen in der Finalrunde praktisch unschlagbar.
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So blieb den Italienern nur die
Rivolta-Goldmedaille, der zehn Jahre nach seinem Sieg 1996 im belgischen
Mol völlig überraschend wieder den Hallen-Europameistertitel gewann. Er
rettete die italienischen Farben in Jaén mit dem 118:117 Finalsieg über
den Ukrainer Ivashko, der zuvor Marco Galiazzo (117:116) aus dem Rennen
geworfen hatte.
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„Wir legen den Schwerpunkt auf die olympischen Wettbewerbe im Freien", erklärte Martin Frederick, dass das deutsche Team im Gegensatz zu den führenden Bogensportnationen Europas nur mit sechs Aktiven in Jaén an den Start ging, „im nichtolympischen Bereich müssen wir Abstriche machen." So fehlte bei den Hallen-Europameisterschaften wieder ein deutsches Compoundbogenteam. Unter den 28 Nationen mit insgesamt 173 Startern im Erwachsenenbereich wurde der nichtolympische Compoundbogenwettbewerb von den Franzosen dominiert.
| Bei den Männern kam es zu einem rein französischen Finale, bei dem Jean-Marc Beaud seinen Sieg aus dem Jahr 2000 wiederholte. Ihren zweiten Titelgewinn verpasste bei den Frauen Valerie Fabre, die im Finale um Gold überraschend der Dänin Camilla Soemad mit 112:114 Ringen unterlag. In den Mannschaftswettbeweben hatten die Italiener bei den Männern klar dominiert und verloren dann überraschend das Finale gegen Dänemark mit 259:262 Ringen. Ähnlich erging es den italienischen Frauen, die gegen Russland mit 254:258 Ringen unterlagen. Die Serie von Niederlagen schlug sich auf die Stimmung der italienischen Mannschaft nieder, so dass nur im Kampf um Bronze die richtige Finalstimmung aufkam, als die Spanierinnen die Titelverteidigerinnen aus Frankreich mit 258:257 Ringen bezwangen. |
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Im Rahmen der Europameisterschaften in Jaén traten auch 91 Junioren aus 18 Nationen an, wobei ebenfalls keine deutschen Startern dabei waren. „In diesem Jahr legen wir den Schwerpunkt auf die Junioren-Weltmeisterschaften in Mexiko", begründete Martin Frederick das Fehlen eines deutschen Juniorenteams.
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Eine Enttäuschung erlebte beim Kongress der Europäischen Bogensportvereinigung (EMAU) Klaus Lindau, der seit Juni 2005 die Verbandsgeschäfte kommisarisch geführt hatte. Bei der Neuwahl des EMAU-Präsidenten unterlag der DSB-Referent dem Italiener Mario Scarzella. „Fünf für mich und 35 für Scarzella, das war deutlich", stellte Lindau nach dem EMAU-Kongress fest, „Ich habe wohl keine Chance, das Präsidentenamt zu übernehmen." Nach der Kampfabstimmung um die Präsidentschaft hatte Klaus Lindau keine Probleme im Amt des Vizepräsidenten von den Vertretern der 40 Mitgliedsnationen für eine vierjährige Amtszeit wiedergewählt zu werden. Lindau unterstrich nach dem Kongress die Bedeutung der EMAU im Weltverband FITA. „Wir sind in der Lage, gute Turniere auf die Beine zu stellen und haben nicht die Entfernungsprobleme wie in den USA oder Asien. So haben wir in der FITA-Weltcup-Serie zwei Turniere für das kroatische Porec und das türkische Antalya erhalten." Zum Abschluss der Weltcupserie bei den Junioren-Weltmeisterschaften in Mexiko erhalten die besten Bogenschützen Geldpreise. Im französischen Vittel werden im Mai 2008 die Fita-Europameisterschaften ausgetragen, während für die Hallen-Titelkämpfe noch kein Ausrichter gefunden wurde. „Sowas, wie die Europameisterschaften nach Beirut in den Libanon zu vergeben, soll uns nicht mehr passieren. Dann tragen wir lieber keine EM aus." |