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Christian Reitz und die Faust im Nacken

Europameisterschaften Gewehr, Pistole, Wurfscheibe, Laufende Scheibe in Granada vom 9. bis 22. Juli 2007

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Es ist Hochsommer und es ist heiß in Spanien. Die Temperaturen nähern sich der 40 Grad Marke, da denkt man im spanischen Granada tagsüber an „Siesta“ und verlegt seine Aktivitäten auf die Abendstunden. Das ganz in der Nähe der andalusischen Stadt vom 9. bis 22. Juli die Europameisterschaften der Sportschützen ausgetragen werden, davon nimmt am Fuße der Sierra Nevada kaum jemand Notiz. Auch in den örtlichen Medien sind die Titelkämpfe auf der attraktiven Schießstandanlage „CEAR de Tiro Olimpico Juan Carlos“ in Las Gabias, nur Randnotizen wert. Viel mehr freut man sich in Granada auf die Basketball-Europameisterschaften im September und hat die Stadt dafür reichlich ausgeschmückt.

 

Dabei geht es bei den Schützen um Einiges auf der im Jahr 2003 gebauten und dem spanischen König Juan Carlos gewidmeten Schießsportanlage von Las Gabias. Neben dem Kampf um knapp 80 Europameistertitel gibt es für die etwa 1100 Aktiven aus 47 Nationen insgesamt 29 Quotenplätze für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking 2008 zu gewinnen.

 

Doch auf der größten spanischen Schießsportanlage konnte das 66-köpfige deutsche Nationalteam die Quotenplatzbilanz nicht verbessern. Zwar fiel die Medaillenausbeute mit sieben Gold, neun Silber und sieben Bronzemedaillen und Rang vier in der Nationenwertung zufriedenstellend aus, doch in einigen olympischen Wettbewerben musste das DSB-Team schwere Niederlagen hinnehmen.

 

Freude herrschte bei Delegationsleiterin Hannelore Aslanidis immer dann, wenn die Junioren am Start waren. Mit 14 Medaillen, davon fünfmal Gold, schnitten die Nachwuchstalente glänzend ab und wurden dabei nur von den Russen übertroffen, die elfmal bei den Junioren siegten. Einen herausragenden Eindruck hinterließ im deutschen Team der 2-jährige Christian Reitz, der mit zwei Gold- und einer Silbermedaille in den Einzelwettbewerben zu den erfolgreichsten Teilnehmern der Titelkämpfe gehörte.

 

Silber gewonnen, Quotenplatz verloren

 

Vier Tage lang hatte er um die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen 2008 gekämpft. Am Ende stand Maik Eckhardt zusammen mit Armin Rothmund und Denis Weingart auf dem Siegerpodest als Vizeeuropameister im Kleinkaliber-Dreistellungskampf. Zwölf Jahre war es her, dass der 37-jährige Dortmunder zuletzt mit der Mannschaft in der 120-Schuss-Disziplin eine Medaille gewonnen hatte, doch Freude über die Silbermedaille kam bei dem Olympiasechsten von Athen 2004 nicht auf.

„Wir haben eine Medaille gewonnen, doch den Quotenplatz verloren“, fasste Armin Rothmund die Stimmung beim DSB-Trio zusammen, „Maik fehlt ein Ring. Das war´s“. Dabei hatten die drei Deutschen den Wettkampf im Liegendanschlag stark begonnen. Eckhardt führte mit 399 Ringen die Konkurrenz an, Denis Weingart hatte 397 und Armin Rothmund 396 Ringe erzielt. Doch beim anschließenden Stehendschießen hatten die Deutschen mit den schwierigen Windverhältnissen mehr Probleme als die Konkurrenz. Keiner kam über 380 Ringe hinaus. „Da fehlen jedem etwa fünf Ringe“, so Rothmund über die vorentscheidende Phase. Im Kniend kämpfte sich Maik Eckhardt mit 387 Ringen bis auf einen Ring an das Finale der besten Acht heran, doch die Erstplatzierten profitierten von guten Stehendleistungen. Besonders die in der deutschen Bundesliga bestens bekannten Jozef Gönci und Peter Sidi hatten mit jeweils 388 Ringen im Stehend die Voraussetzungen für das Finale geschaffen.
Der 33-jährige Slowake Gönci, seit 1997 bereits viermal auf dem Siegerpodest in dieser Disziplin, holte sich seinen zweiten Europameistertitel nach einem turbulenten Finale. Artem Khadjibekov schien sich zwölf Jahre nach seinem letzten Sieg zum zweiten Mal durchzusetzen, doch der 37-jährige Olympiavierte von Sydney leistete sich im Verlauf der zehn Finalschüsse vier Achter und fiel aus der Führungsposition auf den zweiten Rang zurück. Dabei rettete er mit einer 10,1 zum Schluss den Vizemeistertitel, als bei dem Österreicher Mario Knoegler die Nerven nicht hielten. Der 28-jährige hatte bei den Europameisterschaften 2003 und 2005 schon zweimal knapp den Sprung auf das Siegerpodest verpasst. Mit einer optimalen 10,9 hatte er zu Finalbeginn ein Ausrufezeichen gesetzt und lag nach fünf Schüssen auf Medaillenkurs. Eine 7,6 mit dem letzten Schuss verdarb ihm alle Chancen und wieder musste sich der Österreicher mit Rang sechs zufrieden geben. Als Trost blieb für Knoegler das Mannschaftsgold zusammen mit Thomas Farnik und Christian Planer. Vom Knoegler-Patzer profitierte noch Nemanja Mirosavljev. 16 Jahre zuvor hatte er für Jugoslawien Silber gewonnen, jetzt schaffte der Serbe unter dem Jubel seiner Landsleute als Dritter die Rückkehr auf das Siegerpodest.

Maik Eckhardt: gekämpft, mit allem was da war

Zwei Tage vorher hatten die deutschen Männer ihre Quotenplatzchancen im Liegendkampf mit dem Kleinkalibergewehr vergeben. Nach Rang sechs in der Mannschaftswertung zusammen mit Denis Weingart und Michael Winter ging es für Maik Eckhardt in der Einzelkonkurrenz um die drei zu vergebenen Quotenplätze für die Olympiateilnahme. Das deutsche Trio hatte mühelos die erste Eliminationsrunde überstanden und zunächst lief es für Eckhardt und Winter glänzend. Michael Winter lag mit 398 von 400 möglichen Ringen nach 40 Schüssen auf dem dritten Rang. Maik Eckhardt hatte einen Ring weniger erzielt und ebenfalls beste Aussichten, das Finale der besten Acht zu erreichen. Gegen Ende des Wettkampfes verstärkte sich der Wind auf der 50-Meter Anlage und damit kam Michael Winter nicht zurecht. Zwei 97er Serien warfen ihn auf Rang 28 zurück. Maik Eckhardt kämpfte verbissen um das Olympiaticket: „Ich bin seit zwanzig Jahren international dabei. Erfahrung ist bei diesen Bedingungen ein Vorteil. Der Wind wechselt hier sehr schnell. Ich habe den Wettkampf ausgeschossen bis zum Ende, mit allem was da war.“ Den Finaleinzug vor Augen leuchtete beim letzten Schuss auf dem Monitor eine 9,8 auf. „Da habe Millimeter gefehlt“, so Eckhardt über den fehlenden Ring zum Einzug ins Finale, „bei diesen Bedingungen war das ein guter Wettkampf.“

Im Finale setzten sich mit dem Italiener Marco de Nicolo und dem Russen Artem Khadjibekov schließlich zwei der Favoriten durch. Der 30-jährige Marco de Nicolo, in der DSB-Bundesliga im Meisterteam von Hubertus Elsen dabei, behielt im Finale gegen den Russen seinen Ein-Ring-Vorsprung aus dem Vorkampf und wiederholte seinen EM-Sieg aus dem Jahr 2001. Khadjibekov, bei Europameisterschaften bereits zweimal 1997 und 2003 siegreich, hatte durch eine 9,6 im achten Finalschuss seine Chancen vergeben, den Italiener abzufangen.

 

 

Pfeilschifter: Von Rang acht aus, das ist für mich ungewohnt

 

Dramatischer kann ein Finale bei Sportschützen kaum sein. Das Finale der Frauen mit dem Kleinkaliber-Sportgewehr war eine der Höhepunkte bei den Europameisterschaften in Granada. Von Schuss zu Schuss wechselten im Finale die Platzierungen und am Ende wurde der Kampfgeist von Barbara Lechner und Sonja Pfeilschifter mit zwei Medaillen belohnt.

Zunächst bestimmte Natalia Kalnysh das Geschehen. Die 33-jährige Ukrainerin hatte ihre Führung aus dem Vorkampf bis zum vierten Schuss ausgebaut. Dann leistete sich die Vize-Europameisterin von 2005 eine 8,4 und 7,3 in Folge. Aus dem Rennen waren zu diesem Zeitpunkt bereits mit der Schweizerin Irene Beyeler und der Ungarin Anita Toth die Zweit- und Drittplatzierten des Vorkampfes, Dafür hatten die beiden Deutschen kräftig aufgeholt. Barbara Lechner war zunächst durch eine 9,1 zum Auftakt auf Rang sechs zurückgefallen, legte danach eine eindrucksvolle Serie von Schüssen zwischen 9,8 und 10,7 hin und übernahm mit dem sechsten Schuss sogar die Führung. Sonja Pfeilschifter hatte als Linksschützin auf Position acht ihre Konkurrentinnen im Blick und hatte mit Treffern zwischen 9,9 und 10,5 sich bis zum fünften Schuss auf den zweiten Platz verbessert. Die scheinbar geschlagene Natalja Kalnysh kämpfte sich aber mit einer Zehnerserie zurück an die Spitze und siegte doch noch mit 0,9 Ringen vor den beiden ringgleichen Deutschen. Barbara Lechner gewann gegen Sonja Pfeilschifter das Shoot-Off mit 10,1 zu 8,6.

„Von Rang acht aus, das war für mich ungewohnt“, meinte Sonja Pfeilschifter danach, „Es war wahnsinnig schwer zu schießen. Ich brauche halt etwas Zeit und habe daher fast immer als Letzte geschossen.“ Die 36-jährige sicherte sich ihre vierte Einzelmedaille seit 1997. Vor zwei Jahren als Dritte erstmals auf dem Siegerpodest mit dem Kleinkaliber-Sportgewehr strahlte Barbara Lechner nach dem Gewinn der Silbermedaille: „Ich habe gewusst, das mit mir noch zwei Gegnerinnen ein gutes Finale schießen und das ich vorn dabei bin. Im Finale habe ich gut gestanden, aber es war ganz schön hart. Die Medaille habe ich mir im Vorkampf schwer, aber sauber erarbeitet. Darauf bin ich besonders stolz. In der zweiten Hälfte des Kniendschießens musste ich mich schwer reinhängen. Der Stechschuss gegen Sonja war am Ende noch das Tüpfelchen auf dem i.“

Bundestrainer Claus-Dieter Roth war entsprechend zufrieden mit den Leistungen seiner Schützlinge: „Im Vorkampf hatten wir kein Glück bei der Standverteilung. Die äußeren Stände waren bei diesen Windbedingungen begünstigt und wir waren mittendrin. Als der Wind immer stärker wurde, war es taktisch eine super Leistung meiner Mannschaft.“ Gemeinsam mit Eva Friedel verteidigten Barbara Lechner und Sonja Pfeilschifter den Mannschafts-Europameistertitel und standen zum vierten Mal seit 1995 auf dem Siegerpodest.

Einen Tag später erfüllten sich die deutschen Medaillenhoffnungen bei den Frauen nicht. Barbara Lechner fand in keiner Phase des 60-Schuss-Liegendkampfes mit dem Kleinkalibergewehr ihre Form. Vier 95er Serien in Folge warfen sie auf den 52. Einzelrang zurück. Die mäßigen 575 Ringe der 25-jährigen konnten Sonja Pfeilschifter und Eva Friedel nicht ausgleichen und das DSB-Trio musste sich als Titelverteidiger mit Rang fünf begnügen. Dafür kämpfte Sonja Pfeilschifter im Einzel um den Sieg und lag nach 50 Schüssen mit nur sieben „Miesen“ in glänzender Position. Bundestrainer Claus-Dieter Roth fieberte mit der 36-jährigen mit, die als Titelverteidigerin den dritten Liegend-Europameistertitel nach 2001 im Visier hatte. Doch in der Schlussphase schoss die Münchnerin drei Neuner und mit dem letzten Schuss fiel sie auf Rang vier zurück. Dafür strahlte Beata Krzyzewsky, die mit ihrem Einzelsieg und dem Mannschaftsgold für Ungarn zweimal auf dem Siegerpodest ganz oben stand. In den Vorjahren war die 31-jährige aus Budapest bei Europameisterschaften nicht über die Ränge zehn und 17 hinaus gekommen.

 

Dorjsuren: Für das Selbstbewusstsein sehr wertvoll

Zum dritten Mal ging Munkhbayar Dojsuren für den Deutschen Schützenbund bei Europameisterschaften mit der Kleinkaliber-Sportpistole an den Start. Die Weltmeisterin von 2002 und Olympiafünften von 2004 wollte nach Silber 2003 und Bronze 2005 endlich die Goldmedaille auf europäischer Ebene holen. „Die Weltcups liefen nicht so gut, doch im Vorkampf habe ich meine Bestleistung in diesem Jahr erzielt“, so die 38-jährige, die von Rang drei aus im Finale der besten Acht die Jagd nach dem erhofften Gold begann. Die führende Maria Grozdeva hatte nur einen Ring mehr erzielt, doch mit der Bulgarin stand die zweifache Olympiasiegerin von Sydney und Athen auf der Spitzenposition. Zudem hatte die 35-jährige Bulgarin bei Europameisterschaften in den letzten 14 Jahren je dreimal den Titel beziehungsweise die Vizemeisterschaft gewonnen.

Ins Führungstrio des Finales gesellte sich Lindita Kodra aus Albanien. Die 45-jährige aus Tirana hatte im Jahr 2003 den dritten Platz belegt. Mit einem überzeugenden Probedurchgang und Treffern zwischen 10,1 und 10,6 unterstrich Munkhbayar Dorjsuren ihre Ambitionen, doch im ersten Wertungsdurchgang unterlief ihr eine 8,5. Plötzlich stand die Deutsche nur noch auf Rang vier, denn die Bulgarin Irena Tanova hatte mit 50,7 Ringen die erste Serie stark begonnen. Grozdeva und Kodra waren mit Ergebnissen von 51,0 und 50,9 den 48,9 Ringen von Dorjsuren bereits davon gezogen. Zwei Tage nach ihrem 38. Geburtstag zeigte die Deutsche Kampfgeist und kam mit 51,1 und 50,5 Ringen wieder heran. Jetzt fehlten nur noch knapp zwei Ringe zur Goldmedaille, doch in der letzten Serie unterlief ihr eine Waffenstörung. Grozdeva hatte mit zwei Achter bei den letzten fünf Schüssen gepatzt und den Weg zur Spitze frei gemacht. Munkhbayar Dorjsuren behielt allein im Stand die Nerven und erzielte erneut über50 Ringe, doch die Goldhoffnungen machte die Albanerin zunichte. Mit einer tollen Schlussserie von 51,8 holte sich Lindita Kodra ihren ersten Europameistertitel. „Dieser Wettkampf war für mein Selbstvertrauen sehr wertvoll“, zog sie ihr Fazit und war mit dem Gewinn der Silbermedaille zufrieden. „Sie wollte unbedingt eine Medaille und so war es ein guter Abschluss der Saison“, stellte Bundestrainer Peter Kraneis fest, „Die beste Leistung des Jahres gibt Selbstvertrauen mit Blick auf Olympia 2008.“

 

Schumann: Zwei waren gut, alle anderen waren schlecht – ich inbegriffen

Mit vierten Plätzen in der Mannschafts- und Einzelwertung blieben die deutschen Schnellfeuerschützen erheblich hinter den Erwartungen zurück. Seit 1993 waren die deutschen Männer die Nummer eins im Mannschaftswettbewerb, doch nach dem dritten Rang vor zwei Jahren zogen diesmal die Konkurrenten aus Rußland, der Ukraine und Tschechien dem vielfachen Europameistern davon. „Ich bin maßlos enttäuscht, mehr kann ich dazu nicht sagen“, war die erste Reaktion von Bundestrainer Peter Kraneis, „unsere dominierende Position ist weg. Mit der neuen Pistole haben wir unsere Probleme.

Die Russen haben dagegen eine Pistole aus den 50er Jahren ausgegraben und sind damit jetzt erfolgreich.“ Dennoch konnten die Deutschen das Geschehen verschmerzen, die Quotenplätze für die Olympiateilnahme waren schon längst gesichert. Dafür zeigte die Konkurrenz im Kampf um die zwei zu vergebenen Olympiafahrkarten Nerven. “Da zucken alle“, stellte Kraneis in der Schlußphase des Vorkampfes fest, der dem deutschen Schnellfeuerteam doch noch den Einzug ins Finale der besten Sechs sicherte. Ralf Schumann hatte die erste Hälfte des 60-Schuss-Wettkampfes mit 293 Ringen gewohnt gut begonnen, doch dann kam der dreifache Olympiasieger nicht über 284 Ringe hinaus. „Ich weiß nicht, an was es gelegen hat. Im Grunde lag es am Treffen“, so Schumann, der seit 1985 zehnmal das EM-Finale erreicht und sieben Titel gewonnen hatte. „Heute war nur zwei gut, alle anderen schlecht – ich inbegriffen.“ Mit Marco Spangenberg und Torsten Moses musste sich der Stockheimer mit dem vierten Mannschaftsrang zufrieden geben, doch im Einzel zeigte er seine Qualitäten. Mit 577 Ringen hatten fünf Schützen, darunter Ralf Schumann, das Shoot-Off um zwei Plätze für die Finalteilnahme erreicht. Die Entscheidung fiel gleich in der ersten Runde. Den Zeigefinger hoch erhoben, so freute er sich über die 48er Serie im Shoot-Off, die ihm zusammen mit dem Rumänen Iulian Raicea die Finalteilnahme sicherte. Doch der Abstand zum Ukrainer Bondaruk und Alexei Klimov aus Moskau war mit zehn Ringen bei 20 Finalschüssen so gut wie uneinholbar. So galt das Hauptaugenmerk dem Kampf um die Bronzemedaille, bei dem der Titelverteidiger und Olympiasieger von Sydney 2000 Sergei Alifirenko im Wege stand. Der 48-jährige Russe gab dem drei Jahre jüngeren Deutschen mit 199,8 gegenüber 198,7 Ringen im Finale das Nachsehen. Im Kampf um Gold konnten die beiden Routiniers freilich nicht eingreifen. Der 32-jährige Weltrekordhalter Alexei Klimov verdrängte den ein Jahr älteren Ukrainer Bondaruk mit 199,9 gegenüber 195,3 Ringen im Finale deutlich auf den zweiten Platz. Das Ralf Schumann in der dritten Finalserie zwei Achter unterliefen und dadurch wie vor zwei Jahren nicht in die Medaillenränge kam, war für Bundestrainer Kraneis ein technischer Fehler. „Er ist nicht rechtzeitig hoch gekommen und konnte das verklemmte Korn nicht korrigieren“, so seine Analyse. „Insgesamt bin ich nicht zufrieden. Das Ralf sich im Shoot-Off durchgesetzt hat, war okay – doch er kann einfach mehr.“

 

Kurioses Finale mit der Freien Pistole

Mit dem siebten Rang in der Mannschaftswertung und Florian Schmidt als beste Einzelplatzierung auf Rang 22 nahm der Wettbewerb mit der Freien Pistole auf 50 Meter Entfernung aus deutscher Sicht den erwarteten Verlauf. „Es gibt nicht viel Neues“, kommentierte Bundestrainer Peter Kraneis die deutsche Chancenlosigkeit im Kampf um einen der drei vergebenen Quotenplätze. „Das ist unsere schwächste Disziplin und wir versuchen seit einigen Jahren den Anschluss zur Weltspitze wieder herzustellen.“ Zufrieden war Kraneis mit dem Auftritt von Florian Schmidt. „Die jungen Leute geben Anlass zu Optimismus. Er ist das erste Jahr in der Männerklasse. Dafür war das Ergebnis okay.“ Mehr erhofft hatte sich Kraneis von Abdullah Ustaoglu, der mit 545 Ringen bei dem 60-Schuss-Wettkampf das Ziel „um die 560 Ringe“ deutlich verfehlte. So blieb den Deutschen nur die Zuschauerrolle für ein kurioses Finale, in dem Vladimir Gontcharov zusammen mit Tanyu Kiriakov die Hauptrolle spielte.

Der 30-jährige Russe aus Sankt Petersburg, bekannt als Spitzenschütze des Deutschen Meisters Sgi Waldenburg, hatte mit 568 Ringen die beste Vorkampfleistung erzielt und neben ihm stand mit dem 44-jährigen Bulgaren Kiriakov der Olympiasieger von Sydney 2000, der bei Europameisterschaften seit dem Jahr 1999 bisher nur mit den Rängen zwei und drei zufrieden sein musste. Gontcharov hatte 2001 den Vizemeistertitel mit der Freien Pistole gewonnen und so visierten beide ihren ersten Europameistertitel an. Den übrigen sechs Finalisten blieb im Titelkampf nur eine Statistenrolle. „Für die Freie Pistole braucht man viel Erfahrung und die Russen sind alle Profis“, stellte Peter Kraneis vor dem Finale fest, doch auch Routiniers können Nerven zeigen. Ausgerechnet Titelverteidiger Boris Kokorev begann das Finale mit einer 5,5 und war damit  nach dem ersten Schuss im Medaillenkampf ausgeschieden Für Gontcharov lief zunächst alles nach Plan. Gemeinsam mit Vladimir Isakov und Boris Kokorev hatte er überlegen den Mannschaftstitel gewonnen und bis zum sechsten Finalschuss standen nur Treffer zwischen 9,4 und 10,7 auf der Anzeigetafel. Tanyu Kiriakov wollte sich mit Rang zwei aber nicht abfinden und versuchte alle taktischen Varianten, die in einem Finale möglich sind. Beim siebten Finalschuss zeigte Gontcharov mit einer 8,1 endlich die erste Schwäche und Kiriakov holte mit einer 10,2 gleich zwei Ringe auf. Eine weitere 8,5 von Gontcharov brachte den Bulgaren auf den ersten Platz. Vor dem letzten Schuss führte Kiriakov mit 0,3 Ringen und jetzt wollte der Bulgare vorlegen und verpatzte seinen Schuss. Ungläubig starrte er auf den Monitor: 8,3 – das ist die große Chance für Gontcharov zum Konter. Kiriakov hatte sich schon enttäuscht weggedreht, doch seine Fans im Publikum zeigten ihm an, das er gewonnen hat. Hinter ihm stand ein völlig entnervter Vladimir Gontcharov. Der Russe hatte mit dem letzten Schuss eine 7,2 getroffen und kam aus dem Kopfschütteln nicht mehr heraus. Unbeachtet vom Duell der Erstplatzierten schoss Francesco Bruno ein unauffälliges Finale und schaffte nach Rang zwei vor zwei Jahren wieder den Sprung auf das Siegerpodest.

 

Das Experiment Christian Reitz ist aufgegangen

Mit dem Gewinn von zwei Gold- und einer Silbermedaille gelangen Christian Reitz die herausragenden deutschen Ergebnisse im Juniorenbereich. „Das Experiment mit Christian Reitz ist aufgegangen“, freute sich Junioren-Bundestrainerin Bärbel Georgi über die Erfolge des 20-jährigen, der seine drei Einzelmedaillen innerhalb von vier Tagen gewann. „Er hat erst an der Luftpistolen-Europameisterschaft teilgenommen und sich danach erst auf die Schnellfeuerpistole konzentriert“. Zudem hatte Reitz beim SV Kriftel einen glänzenden Einstand in der Luftpistolen-Bundesliga gegeben und in Granada unterstrich er eindrucksvoll seine Vielseitigkeit. „Da er mit seiner Spezialdisziplin Schnellfeuerpistole begonnen hat, haben wir ihn zusammen mit Philipp Wagenitz auch in den nichtolympischen Disziplinen Sportpistole und Standardpistole starten lassen. Das ist aber einmalig und wir haben es für die beiden Jungs gemacht. Sie haben beide genug Zeit zum trainieren.“

Die deutschen Schnellfeuerjunioren starten furios in die Europameisterschaften. Christian Reitz gewann den Vorkampf mit 585 Ringen, gefolgt von Philipp Wagenitz mit 583 Ringen. Tim Goelden rundete das deutsche Trio ab, das einen neuen Mannschafts-Weltrekord im Juniorenbereich aufstellte. „Doch der Rekord wird nicht anerkannt“, bedauerte Bärbel Georgi, „weil nur wir eine vollständige Mannschaft in den Stand brachten. Schade, dass es keine drei Länder mehr gibt, die ein Juniorenteam stellen können. Die Waffenumstellung hat nichts gebracht und erstmals seit ich mich erinnern kann, gibt es keine Teamwertung mehr. Das schadet unserer Disziplin.“

Im Einzelwettbewerb blieben die beiden Deutschen erwartungsgemäß im Titelkampf unter sich. „Die beiden sind Weltspitze“, strahlte Georgi, „jetzt haben sie ein Jahr Zeit, um sich bei den Erwachsenen reinzuschießen.“ Der Russe Dmitry Brayko konnte als einziger ernsthafter Verfolger den deutschen Doppelsieg in keiner Phase des 20-Schuss-Finales gefährden. Mit neuem Europarekord sicherte sich Christian Reitz den Titel vor Philipp Wagenitz. Nach dem Sieg in der Spezialdisziplin ging es für die beiden Deutschen in den nicht olympischen Wettbewerben richtig rund. „Das macht den Jungs richtig Spaß“, freute sich Coach Lothar Glebe, der Christian Reitz während des Standardpistolen-Wettbewerbs betreute. Zuvor hatte der von der PSG zu Löbau ins hessische Kriftel gewechselte Reitz im Sportpistolen-Wettkampf die Silbermedaille gewonnen. Der Russe Leonid Ekimov, überragender Akteur bei den Junioren mit der Freien Pistole, hatte in dieser Disziplin klar mit acht Ringen Vorsprung gewonnen. Mit 297 Ringen bei den 30 Duellschüssen hatte Reitz aber eine erstaunliche Aufholjagd hingelegt, nachdem er mit 280 Ringen beim Präzisionsschießen nur im Mittelfeld platziert war. Der 60-Schuss-Wettbewerb mit der Standardpistole war dann so richtig nach dem Geschmack des bei der Polizei in Wiesbaden angestellten Christian Reitz. Jeweils vier Fünf-Schuss-Serien müssen in 150, 20 und zehn Sekunden absolviert werden und der Deutsche hielt mit Ekimov von Beginn an mit. „Er braucht die Faust im Nacken“, kommentierte Coach Glebe den Wettkampf von Reitz. „Korn, drücken, Korn, drücken, bleib hellwach“, feuerte Glebe seinen Schützling an, „Als Coach muss man mitfiebern, dass merken die Jungs.“ Nach jeder Serie kehrte Reitz von der Schießlinie zu seinem Coach zur Analyse zurück: „Das habe ich nicht so gesehen“, als ihm eine 45er Serie unterlief. „Das war schön geschossen“, nach einer 49er Serie. „Ich war zu aggressiv am Abzug“, kommentierte Reitz die 47er Auftaktserie der ersten Zehn-Sekunden-Serie um wenig später ein wenig stolz mitzuteilen. „war zwar zügig, aber wenn sie stehen, dann stehen sie.“ Nach dieser 49er Serie war klar, dass Christian Reitz seine zweite Goldmedaille im Visier hat. Die übrigen deutschen Betreuer beobachteten aufgeregt die Anzeigetafel. „Reitz und Ekimov sind ringgleich“. Lothar Glebe ließ sich nicht beeindrucken, er blieb hinter seinem Schützling, dem in der vorletzten Serie eine 43er Passe missglückte. Doch noch verloren, nein, der Russe zeigte ebenfalls Nerven in der Schlußphase und nach 60 Schüssen waren die beiden besten Junioren der Europameisterschaften ringgleich. Endlose Minuten vergingen bis zur Entscheidung im Shoot-Off. Beide Konkurrenten konzentrierten sich noch einmal, doch Christian Reitz hatte das bessere Ende für sich. Mit 48 gegenüber 46 Ringen von Ekimov gewann er unter dem Jubel der zwischenzeitlich zahlreich erschienenen deutschen Aktiven und Betreuer seinen zweiten Europameistertitel. Etwas traurig im Hintergrund blieb Philipp Wagenitz. Mit 561 Ringen hatte der Löbauer ebenfalls einen glänzenden Wettkampf absolviert, doch über den undankbaren vierten Platz konnte sich der Soldat aus der Sportfördergruppe in Frankfurt/Oder nicht richtig freuen.

Neulinge zeigen was sie können

 Über den Gewinn der Mannschafts-Bronzemedaille bei den Mädchen mit der Kleinkaliber-Sportpistole strahlte Junioren-Bundestrainerin Bärbel Georgi: „Für alle drei ist es die erste Europameisterschaft. Sie sind alle Neulinge und haben gezeigt, was sie können.“ Mit einer kompakten Teamleistung verdienten sich Katrin Göpfrich, Maximiliane Geerds und Dana Behm den Sprung auf das Siegerpodest. „Es wäre auch mehr drin gewesen, aber im Duell müssen wir noch stärker werden. Dadurch verpasste Karin Göpfrich den Einzug ins Finale der besten Acht. Gegenüber der ringgleichen Ungarin Judit Eiselt war die junge Deutsche mit 281 zu 284 Ringen im Nachteil.

 

 

Am Geburtstag der undankbare vierte Platz

Es hätte eine schöne Feier werden können, doch an seinem 19. Geburtstag musste sich Dominik Sänger mit dem undankbaren vierten Platz mit der Freien Pistole auf 50 Meter zufrieden geben. „Ich habe nicht mitbekommen, wo ich stehe“, meinte der Hesse aus Schrecksbach nach dem Finale, das er mit dem viertbesten Vorkampfergebnis erreicht hatte. Die Goldmedaille war an Leonid Ekimov praktisch schon vergeben, denn der Russe hatte mit 569 Ringen einen Vorsprung von 24 Ringen auf seinen nächsten Verfolger ins Finale mitgebracht.

So entwickelte sich ein spannender Dreikampf um die Silber- und Bronzemedaille. Dominik Sänger begann mit 10,5 und 10,1 stark und hatte sich bis zum vierten Finalschuss auf Rang drei verbessert. „Da war plötzlich das Korn weg“, kommentierte er die anschließende 7,9, durch die er auf Rang fünf zurückfiel. Wieder kämpfte sich der beste deutsche Junior heran und nach einer 10,1 beim neunten Finalschuss stand er wieder auf dem dritten Platz. „Das habe ich einfach nicht gemerkt“, die abschließende 7,4 kosteten ihm die Medaille, nachdem der Schweizer in der Schlußphase des Finales immer besser wurde und mit einer 10,5 und 9,7 dem deutschen noch auf den vierten Platz verdrängte. „Von den beiden Schüssen abgesehen, war der Wettkampf heute ganz in Ordnung“, zog er sein Fazit, das Bundestrainerin Bärbel Georgi ergänzte: „93,5 Ringe im Finale sind nicht schlecht, doch er kann mehr. Finale zu schießen, ist noch nicht seine Stärke. Heute war er im Finale sehr konzentriert, oft verliert er Ringe im Wettkampf durch seine Emotionen.“ Mit Dominik Sänger standen zwei Neulinge im Team, das auf Rang fünf keine Medaillenchance hatte. „Für Patrick Göpfrich und Rene Heidmüller war es die erste Europameisterschaft, da ist es mit der Freien Pistole besonders schwer“, relativierte Bärbel Georgi die Leistung des deutschen Trios.

 

Mit dem Siegesgefühl kommt der Tunnelblick

Mit zwei Goldmedaillen in den Mannschaftswettbewerben gelang Daniel Brodmeier, Henri Junghänel und Christoph Tolonitz im Juniorenbereich bei den Kleinkalibergewehrdisziplinen eine optimale Ausbeute. Im 120 Schuss- Dreistellungskampf setzte sich das deutsche Trio überlegen vor der Schweiz durch und im 60-Schuss-Liegendkampf ließen sie Slowenien klar hinter sich.

Die Dominanz des Mannschaftswettkampfes bestätigten die drei deutschen Junioren im Einzel nicht. Nach 396 Ringen im Liegend und 383 Stehendringen hatte Daniel Brodmeier bereits „ein Siegesgefühl, mit dem ein Tunnelblick kam“. Mit 373 Ringen erreichte der 19-jährige im Kniendschießen das schwächste Ergebnis aller acht Finalisten und der Vorsprung hatte sich in einen Fünf-Ringe-Rückstand auf den führenden Franzosen Monnier verwandelt. „Im Kniend habe ich versagt, da ist es mit mir durchgegangen“, meinte er anschließend, „normalerweise schieße ich nicht unter 380 Ringe.“ Das Ziel, 1160 Ringe im Vorkampf, hatte er damit verfehlt und im Finale versuchte Brodmeier, die verlorenen Ringe wieder aufzuholen. Bis zum siebten Finalschuss hatte der Raißinger sich vom vierten auf den zweiten Platz verbessert. Nur noch 3,3 Ringe betrug der Rückstand auf Rang eins, da lief es nicht mehr rund bei Brodmeier. Treffer zwischen 9,2 und 9,4 stoppten bei den letzten drei Schüssen die Aufholjagd des Niederbayern, der sich mit der Bronzemedaille begnügen musste.

Einen Tag vorher hatte Daniel Brodmeier den Europameistertitel im 60-Schuss-Liegendkampf denkbar knapp um 0,8 Ringe verpasst. In einer hauchdünnen Entscheidung musste er sich mit dem fünften Rang zufrieden geben. „Das ist halt Liegendschießen, da geht es so knapp zu“, kommentierte er seine um 0,3 Ringe verpasste Medaille. Dabei hatte der Junioren-Vizeweltmeister im Liegendschießen mit 396 von 400 möglichen Ringen bei den ersten 40 Schüssen optimal begonnen. In der fünften Serie kam eine für ihn unerklärliche Acht tief. „Vermutlich ein Munitionsfehler“, doch die 95er Serie kosteten Brodmeier den Vorsprung und mit 589 Gesamtringen war er nicht zufrieden. „Es waren zwar schwierige Windverhältnisse, aber erst beim Finale, als er wegging, war ich nicht darauf eingestellt.“

 

Amelie Kleinmanns kann Führung nicht halten

Mit einer Gold- und zwei Silbermedaillen gingen die deutschen Juniorinnen in den beiden Kleinkalibergewehrdisziplinen vom Stand, doch zum erhofften Einzelsieg reichte es nicht. Zunächst gewannen Silvia Göbel, Melanie Kunz und Anika Schroedter die Silbermedaille im 60-Schuss-Liegendkampf mit drei Ringen Rückstand auf die siegreichen Däninen, doch im Einzel reichte es nur zu einem fünften Rang. Silvia Göbel vergab durch eine schwache 95er Schlußserie ihre Medaillenchance und verpasste den Sprung auf das Siegerpodest um drei Ringe.

Besser lief es im 60-Schuss Dreistellungswettkampf, den Amelie Kleinmanns, Silvia Göbel und Ramona Gössler vor den Schweizerinnen gewannen. Im Einzel ging Amelie Kleinmanns mit 583 Ringen aus dem Vorkampf und einem Zwei-Ringe-Vorsprung ins Finale der besten Acht. Trotz einer 7,5 beim dritten Finalschuss hielt sie die Führung bis zum sechsten Schuss. Die Serie von drei Schüssen zwischen 9,1 und 9,3 nutzte die Finnin Tiia Tormala. Mit einer 10,5 und 10,8 zum Abschluss des Finales verdrängte sie die Deutsche auf den zweiten Rang. Silvia Göbel hatte als zweite Deutsche auf Rang drei des Vorkampfes das Finale erreicht, fand aber in keiner Phase zu ihrer Form. Ohne eine Zehn zu treffen fiel sie bis zum achten Finalschuss auf Rang fünf zurück, den sie mit den abschließenden Treffern 10,2  und 9,9 verteidigte. Riesige Freude herrschte dagegen im israelischen Lager. Vom achten Finalplatz aus startete Chen Tal eine tolle Aufholjagd, die am Ende mit dem besten Finalergebnis (100,9) und der Bronzemedaille belohnt wurde.

  

Doppeltrapteam setzt Achtungszeichen  

Bei den drei Disziplinen der Wurfscheibenschützen standen bei den Europameisterschaften im spanischen Granada zunächst die Doppeltrap-Akteure im Mittelpunkt. Noch ohne Quotenplatz für die Teilnahme an den Olympischen Spielen in Peking 2008 galt das Hauptinteresse im deutschen Team dem Einzelwettbewerb und in den 150-Scheiben-Wettkampf startete besonders Michael Goldbrunner furios. „Er hat sich hervorragend eingebracht“, lobte Bundestrainer Wilhelm Metelmann den Auftritt des 21-jährigen Junioren-Weltmeisters von 2006. „Er schießt im ersten Jahr bei den Erwachsenen und hat sofort sein erstes Finale erreicht.“ Der für den WTC Dachau schießende Goldbrunner eröffnete den Wettkampf in der ersten Runde mit 47 von 50 möglichen Treffern, ließ danach einer 48er Runde folgen und schloss den Vorkampf mit einer weiteren 47er Serie ab. Damit hatte er als einziger Deutscher das Finale der besten Sechs erreicht und stand der renommierten internationalen Konkurrenz um den fünffachen Europameister Daniele Di Spigno aus Italien gegenüber. „Mal sehen, ob er das durchsteht“, war Wilhelm Metelmann skeptisch, denn die äußeren Bedingungen auf der Wurfscheibenanlage wurden immer schwieriger. „Der Wind kommt von hinten und drückt die Scheiben runter.“ Mit 142 Treffern hatte Goldbrunner zusammen mit dem Russen Fokeev und dem Italiener Franzoni das Finale als Erster erreicht. Der 32-jährige italienische Favorit Di Spigno hatte fünf Scheiben in der ersten Runde verfehlt und schaffte nach 150 Schüssen gerade noch den Sprung ins Finale, in dem alle Aktiven mit den schwierigen Windverhältnissen kämpften. Nach der Hälfte des 50-Scheiben-Finales lagen alle sechs Aktive fast gleichauf. Goldbrunner rangierte auf Rang zwei mit einem Treffer hinter dem Russen Fokeev. In der Schlussphase unterliefen dem Deutschen die entscheidenden Fehlschüsse. „Er schießt die zweite Scheibe zu ruhig und lässt sich viel Zeit“, analysierte Bundestrainer Metelmann seinen Schützling, „bei diesem Wind schießt man da schnell drüber.“ Jetzt zeigte Daniele Di Spigno seine Klasse. Mit 48 von 50 möglichen Treffern schloss er zu dem führenden Russen Fokeev auf und besiegte den Weltcupsieger von 2006 im Shoot-Off mit 11:10. Während der Italiener mit seinem sechsten Europameistertitel den zweiten Quotenplatz für Italien sicherte, ging Michael Goldbrunner als Fünfter enttäuscht von der Schießlinie. Der junge Deutsche ließ den Kopf hängen, doch Bundestrainer Metelmann sah die positive Entwicklung. „Wir haben ein Achtungszeichen gesetzt und sind auf einem guten Weg zum Saisonhöhepunkt bei den Weltmeisterschaften auf Zypern.“

Auf seine Fahrkarte zur vierten Olympiateilnahme muss auch Waldemar Schanz weiter warten. Der Wiesbadener hatte mit einer 47er Serie gut begonnen, sich anschließend mit 46 und 45 Treffern nicht mehr steigern können. Der 38-jährige Europameister von 1998 wurde als Zehnter im Endklassement von den letztjährigen Erstplatzierten Vasily Mosin aus Russland und dem Schweden Hakan Dahlby eingerahmt, doch der erhoffte Durchbruch in Richtung Finale war nicht geschafft. „Er hat sein Ziel verfehlt, aber er war gut aufgestellt“, sah Metelmann eine positive Entwicklung bei Waldemar Schanz. „In diesem Jahr fehlt ihm bei einer hochkarätigen Meisterschaft noch eine Spitzenplatzierung.“ Neben Goldbrunner und Schanz vervollständigte Stefan Ommert das deutsche Doppeltrapteam, das im Mannschaftswettbewerb die Bronzemedaille gewann. Nach den Vizemeisterschaften 1994 und 2005 gelang zum dritten Mal einem deutschen Team der Sprung auf das Siegerpodest. Seit Einführung des Doppeltrap-Wettbewerbs bei den Wurfscheibenschützen im Jahr 1991 dominieren die Italiener die Mannschaftswettkämpfe und gewannen in Granada ihren 13. Europameistertitel.

Nach dem verheißungsvollen Auftakt der Doppeltrapschützen musste Bundestrainer Metelmann eine enttäuschende Vorstellung der deutschen Trapschützen erleben. In allen Klassen landeten die deutschen Aktiven weit abgeschlagen im Teilnehmerfeld und hatten keine Medaillenchancen. „Das war kein deutscher Tag“, fasste Metelmann die Enttäuschung zusammen. „Es läuft einfach nicht so rund wie bei den Weltcups. Ich hatte meine Bedenken, dass wir drei große Wettkämpfe hintereinander absolvieren. Das es aber so schief geht, hätte ich nicht gedacht.“ Vor den Europameisterschaften in Granada hatte Metelmann sein Team die Weltcups im italienischen Lonato und im kroatischen Maribor absolvieren lassen. „Ich wollte unbedingt jede Chance für internationale Leistungsnachweise nutzen. Das diese Methotik nicht optimal war, muss ich auf meine eigene Kappe nehmen. Jetzt ist erst einmal Pause bis zum Saisonhöhepunkt bei den Weltmeisterschaften auf Zypern.“

 

Rudi Krenn: Ein Erfolg wie noch nie

 Im Rahmen der Europameisterschaften in Granada feierte das deutsche Team in den Großkalibergewehrdisziplinen auf 300 Meter Entfernung den Gewinn einer Gold- und von zwei Silbermedaillen. „So einen Erfolg hatten wir noch nie“, strahlte Rudi Krenn über die glänzende Vorstellung seiner Schützlinge, „das ist der Lohn dafür, dass wir uns voll engagiert haben.“

Höhepunkt der Entscheidungen vom 16. bis 21. Juli war aus deutscher Sicht der 60-Schuss-Liegendwettbewerb. „Darauf haben wir uns voll konzentriert“, so der Bundesreferent für die 300-Meter Disziplinen. Die erste Männerentscheidung brachte im Mannschaftswettbewerb die überraschende Silbermedaille. „Seit zwölf Jahren haben wir wieder eine Medaille geholt“, strahlte Krenn nach dem Erfolg durch Sebastian Moises, Matthias Raiber und Hubert Schäffner. Vor zwei Jahren musste sich das deutsche Männerteam noch mit Rang sechs zufrieden geben. Diesmal waren nur Schweden besser, die zuletzt im Jahr 2001 gewonnen hatten. Damit hatten die drei deutschen Schützen auch die erste Eliminationsrunde überstanden und steigerten sich in der Finalrunde der besten 24 zu einem umjubelnden Doppelsieg. Matthias Raiber und Sebastian Moises, vor zwei Jahren auf den Rängen 14 und 26 im Mittelfeld verbesserten sich auf 599 von 600 möglichen Ringe und erreichten damit die Gold- und Silbermedaille vor dem ringgleichen Schweizer Beat Müller. Drei 100er Schlußserien gegenüber jeweils einer seiner beiden ringgleichen Konkurrenten gaben den Ausschlag in der Titelentscheidung für Matthias Raiber. Der 38-jährige Sportwaffentechniker hatte sich in der Eliminationsrunde mit 595 Ringen als Zwölfter nur knapp qualifiziert und sich dann um die entscheidenden vier Ringe gesteigert. „Ergebnisse unter 597 Ringe spielen in der Weltklasse keine Rolle mehr“, so Rudi Krenn über den Spitzensport auf 300 Meter Entfernung. „Wir haben daher das Ausscheidungssystem professioneller gestaltet und insbesondere das Material optimiert.“

 

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