Mit Zugpferd Wegner zum Gold in Brünn
Europameisterschaften der Wurfscheibenschützen in Brünn (Tschechien) vom 29. Juli bis 5. August 2003
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit einer Gold, vier Silber und zwei Bronzemedaillen kehrten die deutschen Wurfscheibenschützen von den Europameisterschaften im tschechischen Brünn zurück. Unter den 42 Nationen mit insgesamt 431 Startern belegte das 26-köpfige deutsche Team im Medaillenspiegel den sechsten Rang. Erwartungsgemäß dominierten die Favoriten aus Italien, die jeweils fünfmal Gold, Silber und Bronze gewannen. Mit dem Gewinn von zwei Quotenplätzen für die Olympiateilnahme in Athen 2004 durch Olaf Kirchstein und Axel Wegner wurden in den Disziplinen Trap und Skeet die gesetzten Ziele von Bundestrainer Wilhelm Metelmann erreicht. Nur im Doppeltrap-Wettbewerb erfüllten sich die Hoffnungen auf einen weiteren Startplatz für Olympia nicht.
Wegner: Alles bewegt sich in die richtige Richtung
Der Gewinn eines Quotenplatzes für die Olympiateilnahme und eine Bronzemedaille durch Axel Wegner sowie die Mannschaftsgoldmedaille waren der Höhepunkt bei den Entscheidungen in der Disziplin Skeet.
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Der Olympiasieger von 1988 aus Leipzig
war das Zugpferd im deutschen Skeetteam, der durch Tino Wenzel und
Thorsten Hapke glänzend ergänzt wurde. "Für den Sieg mußten wir
alle Drei das Maximum geben" strahlte Axel Wegner über die
unerwartete Mannschaftsgoldmedaille, "so eine kompakte Mannschaft
hatten wir schon lange nicht mehr." Die drei Deutschen siegten vor
den ebenfalls starken Dänen und den geschlagenen Favoriten aus Italien,
die sich trotz des überragenden Ennio Falco mit Bronze begnügen mußten.
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"So wie es ist, kann es bleiben", wirkte Axel Wegner rundum zufrieden, "wenn es irgentwo klemmt, hat man den Kopf nicht frei." Ausgezahlt hat sich für den 40-jährigen Sachsen die Unterstützung im Olympiastützpunkt Leipzig. Durch eine sportfreundliche Arbeitsstelle, die von der Extraförderung durch die Sporthilfe und der Deutschen Bank unterstützt wird konnte Wegner seine Trainingsmöglichkeiten verdoppeln. "Es hat sich alles in die richtige Richtung bewegt", so Wegner, der mit seiner vierten Olympiateilnahme in Athen 2004 seine zwanzigjährige Schießsportkarriere krönen will.
| Seine ganze Erfahrung spielte Axel Wegner beim Gewinn des ersten Quotenplatzes für das Skeetteam aus. Nach 100 der 125 Wertungsschüsse lag der Leipziger auf Rang sieben. Zu wenig, um das Finale der besten Sechs zu erreichen, um einen der fünf vergebenen Quotenplätze zu erreichen. In der fünften und letzten Runde traf er optimale 25 Scheiben und verdrängte den Zyprioten Nicolaides aus dem Finale, dem in der entscheidenden Phase drei Fehler unterliefen. Jetzt richteten sich die deutschen Blicke ganz auf Ennio Falco. Der Italiener hatte bereits seit zwei Jahren den Olympiastartplatz für sein Land gesichert und der Olympiasieger von 1996 erfüllte die deutschen Erwartungen. |
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"Wir haben den Italienern selten so die Daumen gedrückt", freute sich Bundestrainer Wilhelm Metelmann über weitere 25 Treffer von Falco, der damit als Erster ins Finale einzog. Im Vorjahr hatte sich Ennio Falco im Shoot-Off den Europameistertitel vor Axel Wegner gesichert. "Er ist eine Ausnahmeerscheinung", bescheinigte Wegner seinem Konkurrenten dessen Klasse. Wieder hatte Falco optimal 25 Scheiben vom Himmel geholt und verteidigte damit erfolgreich seinen Titel. Hinter dem Italiener entbrannte der Kampf um die Vizemeisterschaft zwischen Axel Wegner und dem Dänen Nielsen. Michael Nielsen unterlief im Finale ein Fehler und den nutzte der Deutsche. Wegner schloss mit optimalen 25 Treffern vom fünften Vorkampfrang zu dem Dänen auf und erzwang ein Shoot-Off. Da riss die fehlerfreie Serie und der Deutsche verpaßte eine Scheibe der ersten Doublette. "So schnell wollte ich nicht aufgeben", doch Wegner fand trotz der schnellen Niederlage seine gute Laune wieder, "jetzt habe ich mit Bronze meine Medaillensammlung bei Europameisterschaften vollständig". Vor der Silbermedaille 2002 hatte Wegner 1991 den EM-Titel gewonnen. Das er vor dem Ende seiner langen Karriere steht, schätzt Axel Wegner realistisch ein. "in guter Form mit 41 Jahren aufhören, bevor ich nichts mehr treffe. Auch möchte ich Ruhe in mein Privatleben bringen, denn seit 17 Jahren verbringe ich die schönste Zeit des Jahres auf den Schießständen."
Zehn Jahre danach: Kirchstein wieder Vizemeister
"Der Quotenplatz war das Wichtigste", Olaf Kirchstein war Vize-Europameister geworden, doch im Blickpunkt stand der Gewinn eines Quotenplatzes für die Olympiateilnahme durch den 38-jährigen aus Frankfurt/Oder. Zehn Jahre nach seinem Vizemeistertitel schaffte Kirchstein in Brünn wieder den Sprung auf das Siegerpodest.
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"Es war wie damals, wieder im Shoot-off mit dem gleichen Fehler den Titel verloren." Das er um den Europameistertitel kämpfen wird, hätte der Sparkassen-Betriebswirt nicht gedacht. Der Familienvater und leitende Angestellte zehrt noch aus seiner Erfahrung aus DDR-Zeiten: "Da habe ich viel trainiert, jetzt bin ich beruflich sehr angespannt und habe in Frankfurt auch keine guten Trainingsmöglichkeiten." So profitierte Kirchstein davon, dass ihm die Standanlage in Brünn durch das leicht ansteigende Gelände liegt. "Da habe ich die ganze Masse meiner Erfahrung in die Waagschale geworfen", so Kirchstein, "hier habe ich immer den Sprung auf das Podest geschafft." Nach vier Runden hatte Kirchstein 98 von 100 möglichen Scheiben getroffen und lag zusammen mit dem Franzosen Yves Tronc in Führung. Doch der Finaleinzug war noch nicht sicher: "Die Beständigkeit war in den letzten Jahren nicht da", wußte er sich einzuschätzen. Prompt unterliefen dem Deutschen in der Schlußrunde zwei Fehler, aber auch der Franzose patzte zweimal. |
Von den Verfolgern konnte keiner mehr die beiden Führenden erreichen, die damit das entscheidende Finale bestimmten. Beide schossen die 25 Finalscheiben fehlerlos von dem durch ein heranziehendes Gewitter immer dunkler werdenden Himmel. Der einsetzende Regen schreckte die Finalisten ebenso wenig, wie die deutschen Fans unter den zahlreichen Zuschauern. Erst ein Fehler von Kirchstein auf die sechste Scheibe im Shoot-Off beendete den spannenden Zweikampf zugunsten von Yves Tronc. "Die Franzosen sind hier die Überflieger", analysierte Bundestrainer Metelmann den klaren Mannschaftserfolg mit dem Frankreich gleich drei Aktive ins Finale der besten Sechs brachte. Da eine Nation nur zwei Quotenplätze gewinnen konnten, hatten vor dem Finale bereits alle Qualifizierten die Fahrkarten für ihr Land gesichert.
| "Jetzt muss ich erst einmal
nachdenken", erstmals rückte für Olaf Kirchstein eine
Olympiateilnahme in greifbare Nähe, doch: "Das muss ich mit meiner
Frau besprechen, wir bekommen im Dezember unser zweites Kind. Sie muss mir
den Rücken stärken." Durch Beruf und Familie hatte Kirchstein auf
einen Start beim Weltcup in Granada verzichtet und wird auch bei den
Deutschen Meisterschaften teilnehmen. "Ich habe nicht die Freiheiten
eines Bundeswehr-Sportlers und denke das es die richtige Entscheidung war
auf die Europameisterschaften zu setzen."
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Die Chance auf den zweiten Quotenplatz für Deutschland verpaßte Karsten Bindrich denkbar knapp. Der 30-jährige hatte durch einen Schlußspurt mit 49 von 50 möglichen Treffern noch das Shoot-Off um den sechsten Finalplatz erreicht. Doch der Mellrichstädter hatte Pech in der Verlosung der Startplätze unter den sechs Aktiven, die sich für das Shoot-Off qualifiziert hatten. Bindrich mußte nervenaufreibende Stechen, bei dem jeder Schütze nur einen Schuss für eine Scheibe hat, als erster in den Stand und schoss prompt vorbei. Wieder triumphierte Frankreich, das mit Jean Pierre Chavassieux den dritten Schützen ins Finale brachte.
Bronze für Kiermayer: "Damit kann ich leben"
Erleichterung herrschte bei Susanne Kiermayer nach dem Gewinn der Bronzemedaille im Doppeltrap-Wettbewerb. Zwei Tage nach der Enttäuschung im Trap lieferte die 35-jährige einen starken Wettkampf im Doppeltrap: "Wenn mir das einer gestern gesagt hätte, ich hätte es nicht gelaubt. Mit dem Doppeltrap habe ich meine Probleme, vielleicht habe ich zuviel geschossen. Wenn´s nicht läuft, probiert man immer noch mehr aus." Auslöser der Kiermayer-Probleme ist das neue Schießschema mit Zeitverzögerung nach dem Scheibenabruf. "Damit tun sich viele schwer", weiß Bundestrainer Wilhelm Metelmann, "bei Susanne hätte ich diese gute Leistung nach den Trainingsrunden nicht erwartet."
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Mit 103 von 125 möglichen Treffern belegte die deutsche Silbermedaillengewinnerin von Atlanta 1996 den zweiten Vorkampfplatz und hatte ihren dritten Europameistertitel nach den Siegen 1999 und 2000 in greifbarer Nähe. Doch die führende Spanierin Maria Quintanal ließ sich ihren Vorsprung nicht mehr nehmen und holte sicher ihren zweiten Europameistertitel zwei Tage nach dem Sieg im Trap. Susanne Kiermayer unterlief schon mit dem ersten Finalschuss ein Fehler. Sie sah sich danach einem Dreikampf mit den Russinnen Rabaia und Dudnik um die Silber- und Bronzemedaillen ausgesetzt. Nicht in den Medaillenkampf eingreifen konnte Olympiasiegerin Pia Hansen. Der Schießstil der Schwedin war ein Auslöser der Regeländerung im Doppeltrap und Hansen kämpft jetzt ebenfalls mit Umstellungsproblemen. Wie Susanne Kiermayer unterliefen der Schwedin im Finale sieben Fehlschüsse und kam über Rang vier nicht hinaus. Die Deutsche verpaßte Silber mit einem Fehler beim letzten Finalschuss und mußte der Russin Rabaia den Vizemeistertitel überlassen.
Schanz: Das war eine endlose Hetzerei
Unzufrieden wirkte Wilhelm Metelmann dagegen mit den Leistungen der Herren: "Löw und Ommert sind nicht besser, doch die Leistung von Schanz ist enttäuschend. Zur Zeit ist ihm die Weltspitze davongelaufen", beschrieb der Bundestrainer die Situation, nachdem alle drei Herren das Finale klar verpaßten und im Mannschaftswettbewerb nur den fünften Rang belegten.
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Für Waldemar Schanz war der Wettkampf in Brünn "absolut unbefriedigend". Zudem haderte der 34-jährige Europameister von 1998 mit dem Ablauf des Wettbewerbs: "Ich mußte in einer Vierer-Rotte schießen und das wurde zu einer endlosen Hetzerei. Die Runde war vom Ablauf viel zu schnell und ich stand kurz vor einer Verwarnung", beschrieb Schanz seine schwache 39er Auftaktserie, mit der er alle Chancen auf den Finaleinzug vergab. Trotz einer Steigerung in den nächsten Runden mit 45 und 43 Treffern kam der Wiesbadener nicht mehr heran. "Unser Problem ist, das die anderen Nationen den neuen Timer ein halbes Jahr früher als wir hatten", erzählte Stefan Ommert, der als bester Deutscher Rang 14 belegte, "deshalb haben wir Trainingsrückstand und beim Doppeltrap muss man sich voll konzentrieren, um international mithalten zu können." |
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