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Kämpferische Bülser sorgen für Explosionen im Kopf

1. Wettkampftag der Luftgewehr-Bundesliga Nord in Dietzenbach und Paderborn-Elsen

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Die zehnte Bundesligasaison der Luftgewehrschützen begann mit einer Neuauflage der Vorjahresfinalisten Hubertus Elsen und BSV Buer-Bülse. In der Dreifachturnhalle in Paderborn-Elsen standen die Chancen günstig, dass die Gastgeber vor über 300 Zuschauern nach dem Finalsieg 2006 auch in der Nordliga ihren ersten Sieg über das Team aus Gelsenkirchen landen. Der dreifache Bundesligameister BSV Buer-Bülse musste zum Saisonauftakt auf zwei Leistungsträger verzichten. „Josef Gönci wird uns die gesamte Vorrunde fehlen und Dorothee Bauer ist erkrankt", so Bülse-Trainer Holger Dietrich vor der Begegnung. „Wir wissen nicht wo wir stehen, glauben aber, dass wir jeden schlagen können. Auf dem Papier ist Elsen aber der Favorit." Elsen´s Trainer Heinz Reinkemeier musste zwar auf Eva Schmitz verzichten, doch dafür stand Neuzugang Dick Boschman erstmals auf Position eins. Doch der Holländer sah sich zusammen mit seinen Hubertus-Teamkameraden einer motivierten Mannschaft aus Buer-Bülse gegenüber, die mit einer schnellen Schießweise die Grundlage zum dritten Sieg in der Nordliga gegen Elsen legen wollte. In den ersten zehn Minuten lief noch alles für die Gastgeber, die mit ihrem lautstarken Anhang im Rücken auf den Positionen drei, vier und fünf dominierten. Doch die 3:0 Führung für Elsen hatte nur bis zur 20. Minute bestand. Als Philipp Rogner eine 100er Serie gelang, war das der Auftakt zu einer Leistungssteigerung im Bülse-Team, die wenig später die 3:2 Führung einbrachte. Schon nach 22 Minuten hatte Buer-Bülse den ersten Einzelpunkt gewonnen. Nadine Kuhlmann ließ Sandra Steinicke mit 392:389 Ringen keine Siegchance.

Das 2:0 besorgte Torsten Krebs, dem auf Position zwei gegen Damian Kontny eine starke Leistung gelang. „Der erste Wettkampf ist immer etwas besonders und ich habe mich super wohl gefühlt", so der 33-jährige nach seinem 397:393 Sieg. „Nach meinen Trainingsleistungen war dieses Ergebnis nicht zu erwarten." Als Alexandra Christ auf Position eins überraschend deutlich gegen Dick Boschman mit 395:391 Ringen auf 3:0 erhöhte, war Bülse-Vereinschef Klaus Lindner die Erleichterung anzusehen: „Mir fällt ein Stein vom Herzen", so Lindner, „das war nicht zu erwarten, nach dem ersten Wochenende hätten wir uns auch über 0:4 Punkte nicht beklagt. Vielleicht wird das unsere schönste Saison, weil wir fighten müssen." Einen tollen Kampf hatte Alexandra Christ geliefert und die 29-jährige strahlte nach ihrem Sieg über Boschman: „Ich habe extrem gekämpft und hätte nie im Leben gedacht, das ich Dick schlagen könnte." Mit dem anschließenden 4:1 Erfolg über Aufsteiger Hilgert rundete der BSV Buer-Bülse seinen Start in die Jubiläumssaison erfolgreich ab.

Als sich die Niederlage des Gastgebers abzeichnete wurde es auf den vollbesetzten Rängen immer ruhiger. Zu spät kamen die Siege von Dirk Leiwen und Catrin Reeh. Dirk Leiwen hatte mit einer 100er Auftaktserie früh ein Zeichen gesetzt und der 397:391 Sieg über Philipp Rogner war in keiner Phase gefährtet. Catrin Reeh´s 386:385 Erfolg aus Position fünf gegen Maik Eckhardt war nur noch Ergebniskosmetik.

Im Blickpunkt stand aber im Team von Hubertus Elsen der Holländer Dick Boschman. „Ich denke mein Wechsel von Münster nach Elsen war gut für die Bundesliga", so der 32-jährige Europameister von 2001, „In Münster habe ich Platz für einen anderen gemacht und selbst wollte ich einmal eine andere Atmosphäre erleben. In Elsen gibt es durch die Fans viele Emotionen und das motiviert mich." Nach neun Jahren im Team von ABC Münster vollzog Boschman einen Schnitt, nachdem er mit seinen Ergebnissen bei Olympia 2004 und den Weltmeisterschaften 2006 unzufrieden war. Mit Trainer Heinz Reinkemeier will er sich wieder voll auf das Luftgewehrschießen konzentrieren. „Seit Geburt meines zehn Monate alten Sohnes Tim ist die Familie mein Lebensziel. Zudem habe ich ein Studium für Sportmanagement begonnen. Dadurch habe ich mit dem Kleinkalibergewehrschießen aufgehört." Dennoch behält Dick Boschman die Olympiateilnahme 2008 in Peking im Visier und hat im Training eine neue Schießposition ausprobiert. „Die passt noch nicht richtig und in Holland gibt es keine wichtigen Wettkämpfe. In der ersten Bundesligabegegnung sind die Fehler gekommen und davon habe ich viel gelernt." Als Dick Boschman drei Neuner in Folge schoss, hatte er das Match gegen Alexandra Christ verloren: „Ich hatte in diesem Moment das Gefühl, das mein Kopf explodiert."

Das er eine wertvolle Verstärkung für den amtierenden Meister ist, bewies Dick Boschman einen Tag später beim 3:2 Erfolg über die SG Hamm. Auf Position eins setzte er sich mit 397:395 Ringen gegen die Französin Laurence Brize durch. „Ich habe meine taktische Einstellung verbessert und bin mental stärker geworden. Die Bundesliga war für mich bisher eine super Zeit", zog er sein Fazit über zehn Jahre in der deutschen Eliteliga.

Erleichtert wirkten die Verantwortlichen der SG Hamm nach dem geglückten 3:2 Saisonstart gegen Aufsteiger Hilgert. Nach einer Viertelstunde konnte sich Trainer Rudolf Jendrejewski schon beruhigt zurück lehnen. Die 17-jährige Melanie Kunz brachte Hamm mit 1:0 in Führung. Gegen Erich Schmul setzte sie sich nach 34 Minuten mit 393:390 Ringen durch und wenig später erhöhte der 42-jährige Rolf Söthe für Hamm auf 2:0. Söthe hatte 388 Ringe gegen Carsten Hees vorgelegt, an der die Nummer drei bei Hilgert mit einem Ring scheiterte.

Für den Neuling verkürzte Tatjana Poseiner auf Position fünf mit 389:386 Ringen gegen Christina Middrup überraschend auf 1:2, doch dann sorgte Laurence Brize für die Entscheidung. Die Französin dominierte nach einer 100er Serie bei der zweiten Zehn-Schuss-Serie das Spitzenduell gegen die Italienerin Sabrina Sena und überstand auch eine Schwächephase mit drei Neuner in Folge. Mit 395:390 Ringen holte sie den entscheidenden dritten Punkt für Hamm und Trainer Jendrejewski war erleichtert: „Die hat immer so eine Kirsche drin", meinte er über die Neunerserie von Brize. „Gegen Hilgert war das eine harte Nummer. Wir haben uns unerwartet schwer getan und es ist ein ganz wichtiger Sieg. Heute haben wir auf eine bundesligaerfahrene Mannschaft gesetzt." Sportleiter Guido Gentek ärgerte sich über die unklare Anzeige während des Wettkampfes, als durch einen anerkannten Waffendefekt bei Uwe Schmidt dessen Ergebnis nicht sofort korrigiert wurde. „Die Niederlage von Anne Bielefeld war nicht korrekt, sie wusste nicht wo sie im Wettkampf steht." Doch Hamm´s Team konnte die 390:391 Niederlage auf Position vier verschmerzen. Es blieb bei nur zwei Punkten für den Aufsteiger, der am Sonntagmorgen gegen Buer-Bülse erwartungsgemäß mit 1:4 verlor. Wieder war es Tatjana Poseiner, die nach ihrem Wechsel vom hessischen Landesligisten Gundernhausen, mit 386:382 gegen Maik Eckhardt punktete und für Hilgert ihren zweiten Bundesligasieg schaffte. Nach dem Sieg über Hilgert stellte Rudolf Jendrejewski am Sonntagmorgen das Team der SG Hamm gegen Hubertus Elsen um. „Unsere Nachwuchstalente sind die Alternativen und die müssen auch einmal zu Punkten kommen", so Jendrejewski, „nach unserem Auftaktsieg ist die Sicherheit und Motivation da." Der 17-jährige Alexander Klitzsch konnte mit 381:383 gegen Andre Knop die mögliche Siegchance nicht nutzen und überzeugte ebenso wenig wie Fabian Niesmann, trotz dessen 385:380 Erfolgs auf Position fünf gegen Sandra Steinicke.

In der Dietzenbacher Philip-Fenn-Halle kehrte Wolfgang Heimann nach seinem Wohnsitzwechsel auf die Insel Rügen als Moderator zurück: „Ich bin stolz, das Dietzenbach seit zehn Jahren dabei ist. Das hätte man uns nicht zugetraut", so der ehemalige Vereinschef der Südhessen, dessen Nachfolger Oliver Weck einen katastrophalen Start in die zehnte Bundesligasaison erlebte. Zu den 0:5 Pleiten gegen Wetzdorf-Rockau und Münster kam eine unerwartet schwache Zuschauerresonanz, die Weck auf drei weitere Großveranstaltungen in Dietzenbach zurückführte. „Die 0:5 Pleiten sind deprimierend, das ist ernüchternde Realität." Im Dietzenbacher Team war die fehlende Engländerin Louise Minett durch Thomas Harbach nicht zu ersetzen und auf den übrigen Mannschaftspositionen erfüllte kein Schütze die Anforderungen der Bundesliga. Aufstellungsprobleme bei den Südhessen bescherte dem amtierenden Vorderlader-Weltmeister Walter Massing ein unerwartetes Comeback und auf der Tribüne trauerte Carmen Giese den erfolgreichen Dietzenbacher Bundesligazeiten nach. „Bundesliga ist mehr Stress als eine Welt- oder Europameisterschaft und Landesligaergebnisse sind hier kein Maßstab." Die bittere Erfahrung mussten auch die Dietzenbacher Neuzugänge Kirstin Riedhoff und Sandra Temme machen. Die beiden 18-jährigen Hessenauswahlschützinnen agierten in ihren Begegnungen gegen bundesligaerfahrenen Schützen chancenlos. „Sie müssen den Weg noch finden", ist Dietzenbach´s Vereinschef Oliver Weck noch zuversichtlich. „Als Fazit werden wir vor dem zweiten Wettkampftag in Gelsenkirchen ein Trainingslager mit der Mannschaft machen." Weck setzt dann auch auf Trainer Jörg Bott, der beim Saisonstart aus beruflichen Gründen ebenfalls fehlte. „Wir sind zwar jetzt im Keller, doch wir wollen alles tun, um die Bundesliga in Dietzenbach zu erhalten."

Strahlender Sieger des ersten Wettkampftages war das Team von Wetzdorf-Rockau mit seinem Trainer Michael Weingärtner. Mit dem glatten 5:0 über die Gastgeber und dem 4:1 Sieg über Düsseldorf setzten sich die Thüringer an die Tabellenspitze der Nordliga. „Wir wollen über das Viertelfinale hinaus kommen", so Weingärtner über das Saisonziel der Rockauer, die mit dem SC Rockau 06 aus der Sektion Leistungssport beim SV Wetzdorf-Rockau einen neuen Verein gegründet haben. „Für unser Team haben wir beim Deutschen Schützenbund die Namensänderung beantragt." Michael Weingärtner, der seit Januar 2006 thüringischer Landestrainer ist, will im neuen Verein etwa dreißig Leistungsschützen konzentrieren. „Unser Ziel ist, mehr Schützen in den Nationalkader zu etablieren."

Mit 1965 und 1970 Mannschaftsringen in den beiden Auftaktbegegnungen unterstrichen die Thüringer ihre Ambitionen, eine Spitzenmannschaft in der Bundesliga zu stellen. Alle Aktiven übertrafen in ihren Begegnungen die 390-Ringe-Marke und auf Position eins hat David Kroll die Führungsrolle übernommen. Der 18-jährige punktete zweimal mit jeweils 395 Ringen und war dennoch durch eine Serie von vier Neuner im Duell gegen die Düsseldorferin Jessica Mager unzufrieden. „Er schießt mit einer extremen Fußstellung und zu spät Pause gemacht. Ihm war der Fuß eingeschlafen", erkannte Trainer Weingärtner. Nach einer Lockerungsübung beendete Kroll den Wettkampf mit einer 100er Serie.

Als entscheidende Verstärkung für Rockau erwies sich Emma Scaljo. „Im letzten Jahr hatten wir auf Position fünf unsere Probleme." Michael Weingärtner hatte die 16-jährige bei einem Wettkampf in Bosnien gesehen und ins Bundesligateam geholt. „Mit ihr haben wir einen guten Griff getan." Emma Scaljo belohnte Weingärtner´s Vertrauen mit siegen über die Düsseldorferin Britta Kurth (393:392) und der Dietzenbacherin Kirstin Rieckhoff (392:386). Gegen Britta Kurth hatte sie ihre Feuertaufe in der Bundesliga erfolgreich bestanden. Nach ihrem knappen Sieg pustete sie kräftig durch, denn sie hatte das vorentscheidende 2:1 gegen den starken Aufsteiger besorgt. Die Düsseldorfer waren durch Nils Schumacher (391:390 gegen Manuela Felix) in Führung gegangen, die Tino Mohaupt für Rockau ausglich. „Tino hat heute viel Glück gehabt, das waren durch eine Reihe von 10,0 Treffer sicherlich zwei Ringe zuviel", analysierte Weingärtner den 397:389 Erfolg des 23-jährigen, der beim Auftakt gegen den Dietzenbacher Sascha Plaum mit 393:387 Ringen gewonnen hatte. „Diese Siege geben Sicherheit für die nächsten Begegnungen." Weingärtner´s Team rundet Thomas Hoche ab. Der mit 28 Jahren älteste Schütze im Rockauer Team zeigte seine Stärke gegen Julia Palm. Lange lag er gegen die Düsseldorferin im Rückstand, bevor er mit einer optimalen 100er Schlußserie noch zum 395:395 ausglich. Im Shoot-Off hatte er beim zweiten Stechschuss mit 10:8 dann die besseren Nerven. „Hier mussten wir vier Punkte machen", zog Weingärtner sein Fazit für Wetzdorf-Rockau, „Am nächsten Wochenende kommen Buer-Bülse und Elsen. Das sind dann für uns die Gradmesser."

Nach ihrer Babypause meldete sich Martina Rave eindrucksvoll im Bundesligateam von ABC Münster zurück. In nur 19 Minuten besiegte sie die Düsseldorferin Britta Kurth mit 398:386 Ringen. „Von diesem klaren Sieg konnte man nicht ausgehen", strahlte Vater Manfred Prekel über das Comeback seiner Tochter. „Eine Mannschaft braucht eine Stütze, daran richten sich die anderen aus", weiß der ABC-Vereinschef, der vor der Saison vom Weggang des Holländers Dick Boschman überrascht wurde. Dafür holte Trainer Ekkehard Linn beim Weltcup in München den Europameister Zoltan Balaz als Ersatz und der 21-jährige Slowake führte sich mit einer eindrucksvollen Leistung im ABC-Team ein. Beim Stand von 2:2 gegen Düsseldorf musste Balaz ins Shoot-Off gegen Jessica Mager.
Beide hatten nach 40 Schüssen in 50 Minuten jeweils 394 Ringe erzielt. In einem an Spannung nicht zu überbietenden Shoot-Off entschied der vierte Stechschuss. Mit 10,8 gegenüber 10,1 von Jessica Mager holte Zoltan Balaz den dritten Punkt für Münster. „Der hat international schon etwas bewegt und wie er das hier gemeistert hat, war schon phantastisch", so Manfred Prekel, dessen ABC-Team beim 5:0 über Dietzenbach andeutende, das die Finalteilnahme auch ohne den langjährigen Leistungsträger Dick Boschmann möglich ist. Neben Zoltan Balaz und Martina Rave gefiel besonders Christina Rommel mit 395:382 Ringen gegen Sascha Plaum und Pirkko Endler gab ihren Einstand mit sicheren 391:382 Ringen gegen Sandra Temme.

 

Durch die unglückliche Niederlage von Jessica Mager blieb das erhoffte Erfolgserlebnis für Aufsteiger Düsseldorf aus. „Wir sind mit den Ergebnissen zufrieden und sind auf dem richtigen Weg", so Trainer Manfred Welbers, „Wir hätten beide Begegnungen gewinnen können." Der ehemalige Co-Trainer von Bundestrainer Roth konzentriert sich ganz auf die Düsseldorfer Mannschaft. „Mit ASG Brandenburg haben wir schon Erfahrung in der Bundesliga gesammelt. Seit vier Jahren bauen wir in Düsseldorf eine neue Mannschaft auf." In Dietzenbach kam aber nur Britta Kurth als einzige erfahrene Erstligaschützin zum Einsatz, die nach ihrer Babypause auf Position fünf ins Team zurückgekehrt ist.

„Mit unserem gewachsenen Team wollen wir zunächst einmal nur drinbleiben", so Welbers, dessen Team mit der 18-jährigen Jessica Mager und der 20-jährigen Julia Palm auf den Spitzenpositionen besetzt ist. Der 20-jährige Nils Schumacher punktete auf Position vier zweimal mit den Siegen über die Rockauerin Manuela Felix (391:390) und Guido Göcking aus Münster (394:387) und Trainer Welbers war begeistert: „Er hat einen Riesensprung nach vorne gemacht." In Dietzenbach verzichtete Welbers aus beruflichen Gründen auf den Einsatz des bundesligaerfahrenen Michael Schneider. „Vielleicht hätten wir mit ihm gepunktet."

 

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