Massing: Ich habe gezittert wie Espenlaub
Zweiter Wettkampftag der Luftgewehr-Bundesliga Nord am 15. und 16. November 2003in Bramsche und Dietzenbach
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Im Neustädter Schießsportzentrum in Bramsche unterstrich der BSV Buer-Bülse eindrucksvoll, dass er in dieser Saison den Titelhattrick schaffen will. Mit zwei klaren Siegen und einem neuen Bundesligarekord dominierte der amtierende Deutsche Meister die Begegnungen mit Wetzdorf-Rockau und Münster.
| Neben dem Team aus Gelsenkirchen war die
SG Hamm der Gewinner des zweiten Wettkampftages. Erfolge über
Schlußlicht Wolthausen und die gastgebenden Dietzenbacher sicherte den
Westfalen den zweiten Tabellenplatz.
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Mit 1977 Gesamtringen stellten Jozef Gönci (396), Torsten Krebs (397), Dorothee Bauer (397), Nadine Masuth (394) und Alexandra Schneider (393) in Bramsche für den BSV Buer-Bülse einen neuen Bundesligarekord auf. "So ist der Meister unschlagbar", mußte Manfred Prekel anerkennen, dessen ABC-Team aus Münster Leidtragende der Bülser Topform war. Das der gute Saisonstart mit zwei Siegen keine Eintagsfliege war, bewiesen die Aufsteiger vom SV Wetzdorf-Rockau in Bramsche. Nach der erwarteten 1:4 Niederlage gegen Buer-Bülse gelang den Weingärtner-Schützlingen der wichtige 3:2 Erfolg über die Gastgeber vom SSG Bramgau. Entscheidender Schütze der Thüringer war David Kroll auf Position vier. Der 15-jährige schaffte mit persönlicher Bestleistung seinen vierten Bundesligasieg beim 392:390 über Ulrike Budde.
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Über 300 Zuschauer bildeten in der Dietzenbacher Heinrich-Mann-Schule die Rekordkulisse in sieben Bundesligajahren und die einheimischen Fans hofften, dass das einzige hessische Team zur Tabellenspitze aufschließen kann. Als unüberwindbare Hürde erwiesen sich für die Südhessen das Team der SG Hamm. In einer spannenden Begegnung setzten sich die Westfalen knapp mit 3:2 durch. Das brisante Spitzenduell entschied die Valerie Bellenoue mit 398:392 Ringen gegen die Engländerin Louise Minett durch. Der Französin belang damit ein Prestigerfolg, nachdem sie eine Woche zuvor bei den Europameisterschaften im Vergleich mit Minett das Nachsehen hatte. Zum 2:0 für Hamm erhöhte Sarah Henkelmann mit 395:388 über Thomas Harbach. Entschieden wurde das Match wie von Hamm´s Trainer Rudolf Jendrzejewski in der dritten Serie. |
Mit optimalen 100 Ringen setzte sich die 20-jährige von ihrem 14 Jahre älteren Gegner ab. "Ich bin halt kaltschnäuzig", strahlte Sarah Henkelmann nach ihrem Erfolg, "Die Bundesliga liebe ich total. Die Anfeuerung und die Stimmung der Zuschauer brauche ich", so Henkelmann, die nach ihrem Wechsel vom SV Wolthausen ins westfälische Hamm schon drei ihrer vier Einzelbegegnungen gewonnen hat. Beim Bundesligafinale als Joker eingewechselt hat sich Rolf Söthe zur festen Größe im Team der SG Hamm entwickelt und überraschte in Dietzenbach mit zwei starken Ringleistungen. Gegen Daniela Althoff gelang dem 39-jährigen mit 391:382 Ringen die Vorentscheidung zum 3:0. Zu spät kamen die Siege von Mathias Fieberling und Nadine Kraska für Dietzenbach.
| Nach der Niederlage gegen Hamm stellte Wolfgang Heimann das Dietzenbacher Team gegen Deiringsen um und wechselte auf Position fünf für Daniela Althoff den 44-jährigen Walter Massing ein. In einer hochdramatischen Begegnungen wurde der amtierende Vorderlader-Weltmeister zum entscheidenden Schützen und Vereinschef Heimann strahlte über seinen Coup: "Der alte Mann kann noch mehr". Dabei brachte Massing die Dietzenbacher Anhänger schier zur Verzweiflung. Immer wieder setzte der Ginsheimer sein Gewehr ab und benötigte für die ersten zehn Schüsse zwanzig Minuten. |
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"Ich habe gezittert wie Espenlaub", erzählte Massing später, "und bin mit der langsamen Schießweise auf Nummer sicher gegangen." Die Taktik von Massing ging auf und nach weiteren zehn Schüssen führte er bereits mit zwei Ringen gegen Benjamin Deimann. "Das war das Polster, was ich gebraucht habe", denn die Uhr tickte unerbittlich gegen Massing, doch der Routinier nutzte die 50 Minuten Schießzeit optimal aus. 18 Sekunden vor Schluß schaffte er den 388:388 Ausgleich gegen Deimann und damit das dritte Shoot-Off, nachdem bereits Mathias Fieberling gegen Daniela Werling (391:391) und Thomas Harbach gegen Christina Middrup (390:390) mit einem Remis nach 40 Schüssen die Stände verlassen hatten. Doch die Vorzeichen auf den zweiten Dietzenbacher Saisonsieg waren günstig, denn nach dem 1:0 durch Nadine Kraska gegen Philipp Deimann (390:386) hatte Louise Minett gegen Philipp Rogner (389:387) auf 2:0 für die Hessen erhöht. Verpaßt hatte Christina Middrup ihren Sieg für Deiringsen gegen Harbach durch eine Acht im vorletzten Schuss und eine anschließende Neun. |
Daniela Werling hatte gegen Fieberling sicher geführt, doch der Dietzenbacher glich in der Schlußphase mit neun Zehner in Serie aus. So waren die Hessen bei den drei Shoot-Off´s im Vorteil, denn nur ein Sieg bedeutete den entscheidenden Punkt. So kamen die Minuten des Vorderlader-Spezialisten, der gegen seinen 21 Jahren jüngeren Gegner die besseren Nerven behielt. Mit 10:9 beim zweiten Stechschuss holte Massing den umjubelten dritten Dietzenbacher Punkt. "Jetzt habe ich bestätigt, dass ich es noch kann", strahlte Massing über sein erfolgreiches Bundesliga-Comeback. Im vierten Stechschuss verkürzte Christina Middrup mit 10,2:9,8 auf 1:3 bevor Mathias Fieberling mit 10:9 im ersten Stechschuss gegen Werling den Endstand herstellte.
Trotz der Niederlage gegen Dietzenbach hält Deiringsen´s Trainer Paul Lübbehusen am Saisonsziel "Platz vier" weiter fest. "Wir müssen noch sechs Punkte holen". Seinen Optimismus begündet der Trainer des Soester Vorortsverein im Fehlen zweier wichtiger Leistungsträger. Christine Zimmermann befindet sich noch in ihrer Babypause und kurzfristig ereilte die Deiringser für den zweiten Wettkampftag noch die Krankmeldung von Leif Steinar Rolland.
| Für den Norweger rückte erstmals Philipp Rogner in die Spitzenposition, doch der 16-jährige war in dieser Rolle überfordert. "Von fünf auf eins, dasist eine andere Nummer", wußte Lübbehusen die Leistung des deutschen Jugendmeisters einzuschätzen. Mit 382 und 387 Ringen blieb Rogner unter seinen Möglichkeiten und verlor seine Begegnungen jeweils mit zwei Ringen Unterschied. 15 Minuten lang kämpfte Philipp Rogner gegen die Vorgabe von Tanja von der Osten-Fabeck an, die für den SV Wolthausen in einer halben Stunde mäßige 384 Ringe vorgelegt hatte. Doch der Deiringser hatte mit einer 94er Serie schwach begonnen und lief einem Zwei-Ringe-Rückstand über den gesamten Wettkampf nach. Die Nummer eins von Wolthausen freute sich über ihren Punkt zum 2:1 nachdem zuvor Marion Müller in nur 17 Minuten 388 Ringe erzielte und die zum 1:0 gegen Daniela Werling gereicht hatten. |
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Den Deiringser Ausgleich besorgte Christina Middrup, die das Match gegen Sven von der Osten-Fabeck von Beginn an bestimmte und nach 40 Minuten mit 392:384 Ringen gewann. Als Philipp Deimann den 2:2 Ausgleich gegen Sebastian Höfs besorgte ging es hoch her in der Sporthalle der Heinrich-Mann-Schule. Ausgangspunkt war ein technischer Defekt, von dem Birthe Jakob betroffen war. Als beim neunten Schuss eine 2,2 angezeigt wurde wechselte sie die Standanlage und setzte ihren Wettkampf fort, doch eine 9,9 beim letzten Schuss machte ihre Aufholjagd zunichte. Mit 388:387 Ringen lag Benjamin Deimann in Front, doch Moderator Fritz Klink kam nicht mehr dazu, das Endergebnis zu verkünden. Es hagelte Proteste von Seiten der Niedersachsen, allen voran Vereinschef Wilfried Knoop. "73 Ringe bei acht Schüssen, die gehen auf einen klaren technischen Defekt zurück", und er forderte, dass seine Schützin die ersten acht Schüsse wiederholen kann.
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