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Der Maler von Notre Dame...

...oder unterwegs mit dem Marathon Mann

Wir, das sind Rolf und Werner, kennen uns seit über 40 Jahren. Wir haben in diesen Jahren viele Geschichten gemeinsam erlebt, doch ganz besonders ist unsere Geschichte mit Paris. Die französische Hauptstadt faszinierte uns schon in jungen Jahren und so beschlossen wir im Jahr 1974, einmal die Seine-Metropole zu besuchen. Aus der Idee entstand ein Plan, der dann aber so einfach nicht zu verwirklichen war.

Aber lassen wir an dieser Stelle einmal Rolf sich erinnern:

"Es war Gründonnerstag. Es war Nacht. Werner kam gerade von der Bundeswehr nach Hause. Mit Werner´s Kadett waren wir im Jahr zuvor in Jugoslawien und mit dem alten Opel war nicht mehr viel los. Unser dritter Mann, Volker, hatte zu diesem Zeitpunkt kein Auto. So fiel die Wahl auf meinen alten NSU Prinz mit 1100 Kubikzentimeter sowie einen Heckmotor mit Luftkühlung. Der Prinz war fürchterlich laut, doch nach 300 Kilometer hörte ich den Motor nicht mehr und meine Beifahrer waren schon eingeschlafen. Damals endete die Autobahn bei Metz und bis Paris waren es noch 300 Kilometer auf der Route National (Landstraße)."

"Endlich nach fast neun Stunden hatte ich Paris völlig übermüdet erreicht. Es war schon Karfreitag und es herrschte wahnsinnig viel Verkehr in der Stadt. Wo finden wir einen Parkplatz. Über den Place de La Bastille, der erste große Kreisverkehr - den wir in Deutschland gar nicht kannten. Jetzt nur schnell in die nächste Seitenstraße und tatsächlich ein Wunder. Der Parkplatz, aber was für einer. Egal, bis hier her und nicht weiter! Ab jetzt fahren wir nur noch Metro. An diese Momente musste ich 34 Jahre später denken, aber darüber später mehr."

 

Doch es war noch ein Problem zu lösen. Es war Ostern und wir hatten natürlich kein Hotel vorgebucht. An der Touristeninformation am Ostbahnhof wollten wir uns nicht in die lange Warteschlange einreihen und entschlossen uns kurzerhand auf eigene Faust ein Hotel zu suchen. Oh`Wunder, schon in der Nähe des "Gare del Est" waren drei Einzelzimmer im Hotel "Tantonville" - verteilt auf fünf Stockwerke - frei. Auf das Preis-Leistungsverhältnis und der Sauberkeit in diesem bemerkenswerten Hotel (ohne Stern) wollen wir hier nicht mehr näher eingehen. Wir hatten halt ein Dach über dem Kopf.

Die Höhepunkte von Paris wie Notre Dame, Eiffelturm, Arc de Triumph, Champs Elysee, Montmatre, Sacre Coeur waren schnell abgelaufen, doch ganz besonders wollten wir die "Mona Lisa" sehen. Zeit war bei uns immer knapp und so hetzten wir durch den Louvre, bis wir endlich das berühmte Bild von Leonardo da Vinci hinter einer riesigen Menschenmenge entdeckten. "Was, so klein ist das Bild?", war mein erster Gedanke. Rolf, kulturell schon immer interessierter als ich, fand die Mona Lisa auch nicht so überwältigend. Dafür ist ihm die "Venus von Milo" aufgefallen, an der bin ich einfach vorbei gelaufen. Nach wie vor war unsere Zeit knapp, denn wir wollten unbedingt noch nach Versailles. Mit der Metro und Bus schafften wir es schließlich bis zur berühmten Residenz der französischen Könige. Irgendwie war es dort langweilig, der Garten war riesig groß, aber für uns war nur Zeit für ein paar Erinnerungsfotos.

Am Ostermontag 1974 sind wir wieder nach Hause gefahren und es sollte 34 Jahre dauern, bis ich zusammen mit Rolf wieder in die französische Metropole - ganz im Sinne von Jacques Brel "Paris je revien" - zurück kam. Die Idee war eine fotografische. Einfach richtig gute Bilder machen. Vorbei war die Zeit der analogen Fotografie, anno 1974,  jetzt wird digital fotografiert und zudem bei den Nachtaufnahmen mit Stativ. Das war meine Idee, ganz anders der Ansatz von Rolf,  der zwischenzeitlich seine Liebe für die Malerei entdeckt hat. Diese Liebe sollte dann auch für den Titel unserer zweiten Paris-Reise stehen. Doch gemeinsam fanden wir einen Weg, in dem wir beide Leidenschaften verbanden - und es war ein langer Weg.  Fast so wie im Film: "Soweit die Füße tragen" Die Straßen von Paris wurden besonders in der Nacht zu nahezu endlosen Weiten, aber das Erlebnis "Paris" sollte in diesen Tagen dadurch ganz intensiv werden.

Der NSU Prinz war schon lange in Vergessenheit geraten. Im Jahr 2008 fuhren wir mit meinem Opel Signum ganz komfortabel über die Autobahn direkt bis nach Paris. Dank dem Navigationsgerät fanden wir auch (fast) sofort unser Hotel "D Espagne" in direkter Nähe zur Garnier-Oper, den großen Boulevards und den Pariser Kaufhäusern. Das Hotel bot in der lebhaften Stadt eine außergewöhnlichen Ruhe.

Es hat sich kaum etwas verändert. Nun wir sind etwas älter geworden, kaum zu bemerken (wenn man nicht hinschaut). Paris ist immer noch Paris. Der Eiffelturm und alle anderen Sehenswürdigkeiten stehen noch an ihren Plätzen, doch es hat sich doch etwas verändert.

Wollen wir mal nachsehen. Unser erster Weg führte uns zu einem großen Schloss, mitten in Paris - da hat einmal ein König gelebt. Zwischen dem Fluss Seine und der Rue Rivoli war das - früher. Heute ist da das größte Museum der Welt: Der Louvre !!!

1974 haben wir schon die Größe des Louvre erlebt und dabei wollten wir doch nur - zumindest ich - die Mona Lisa sehen. Rolf war damals schon kulturell mehr interessiert als ich. Aber was sollte ich denn mit so Kunstwerken wie die "Venus von Milo" oder "Die Freiheit führt das Volk" anfangen. Die Kunstsammlungen der griechischen und römischen Antike oder der niederländischen Malerei aus dem 16. und 17. Jahrhundert interessierten diesmal Rolf auch nicht so (zum Glück!) und so staunten wir viel mehr über die große Pyramide aus Glas im Innenhof des Louvre. Da hatte sich richtig etwas verändert gegenüber 1974. Seit 1989 steht diese Glas-Pyramide im Louvre-Innenhof und soll - wie es im Roman "Sakrileg" steht - aus 666 Glasvierecken bestehen. Wir haben nicht nachgezählt.

Vom Louvre ist es nicht weit bis zum größten Platz in Paris - der "Place de la Concorde" (Hinweis: Platz der Eintracht !!). Wir waren noch gut zu Fuß und hatten uns gerade mal ein (hartes oder knuspriges) Stück Baquette gegönnt, als wir vergeblich nach den Stühlen von Rolf im "Jardin des Tuileries" suchten. "Die waren richtig schön", erinnerte er sich an ein ruhiges Plätzchen des berühmten Platzes, der auch mal "Place de la Revolution" geheißen hatte. Hier rollten Köpfe, auch der von Marie Antoinette und Louis 16., die an dieser Stelle mit der Guillotine während der französischen Revolution hingerichtet wurden. Erst 1795 wurde der Platz schließlich in "de la Concorde" umbenannt.

Entlang der Seine erreichen wir in wenigen Minuten ein architektonisches Juwel, der "Pont Alexandre III". Mit einem 107 Meter langen Bogen verbindet die nach dem russischen Zaren Alexander III. im Jahr 1900 fertiggestellte Brücke den Champs-Elysées mit der Esplanade des Invalides. Über die Brücke mit reichen Verzierungen, die an ein erfolgreiches französisch-russisches Bündnis erinnern, lernte ich wenig später Rolf von einer ganz neuen Seite kennen.

In Frankreich sagt man, das ein sehr schöner Weg von der Pont Alexandre III zum "Hotel des Invalides" führt - nun folgen Sie uns auf diesem Weg und staunen sie über die Begeisterung von Rolf, die die Kanonen am Haupteingang entfachten: "Sind das hier die leichten Feldhaubitzen?"

Gut, das ich mit Rolf zusammen nach Paris gefahren bin, denn was eine "leichte Feldhaubitze" ist, dazu sollte man(n) schon gedient haben.

Als ehemaliger Bundeswehr-Gefreiter war mir schnell klar, das es sich hier um Exponate der "Grande Armee" handelt. Überhaupt ist ein Besuch im Invalidendom für alle die interessant, die sich für Militär und Kriegsgeschichte interessieren. Da ist die Besichtigung auch kostenlos. Ganz anders ist es, wenn es um den Besuch des Grabes von Napoleon geht. Die letzte Ruhestätte des wohl berühmtesten Franzosen ist einen Besuch wert, wenn man es sich leisten will - aber das ist eine andere Geschichte.

Wenn Sie erfahren wollen, wie die Geschichte weitergeht, dann

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