Sieg für die Festschrift zum 100-jährigen Jubiläum
Deutsche Meisterschaften der Vorderladerschützen in Pforzheim
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Unter den 750 Teilnehmern der Deutschen Vorderladermeisterschaften, die vom 24. bis 26. Juli 2009 zum 25. Mal in Pforzheim ausgetragen wurden, standen drei Schützen im Blickpunkt, die vor mehr als zehn Jahren gemeinsam internationale Erfolge feierten. Der Stuttgarter Hans Zipperer, Siegfried Jooß vom SV Haiterbach und Georg Schuchmann aus Bad König traten erstmals auf nationaler Ebene als Mannschaft an und sorgten für den ersten Paukenschlag der Titelkämpfe im Landesleistungszentrum an der Römerstraße in Pforzheim. „Ich wollte einmal Deutscher Mannschaftsmeister werden“, erklärte Georg Schuchmann seinen Wechsel zu den Haiterbachern, mit denen er in dieser Saison den Wiederaufstieg in die Luftpistole-Regionalliga Südwest geschafft hat. Der 55-jährige Schuchmann eröffnete zusammen mit dem 50-jährigen Zipperer und dem 47-jährigen Siegfried Jooß die dreitägigen Titelkämpfe mit einem neuen Deutschen Mannschaftsrekord in der Disziplin Perkussionsrevolver. Die Schwarzwälder verbesserten mit 419 Ringen den neun Jahre alten Rekord der SG Ludwigshafen um einen Ring und holten nach zwölf Jahren in dieser Disziplin wieder den Deutschen Meistertitel nach Haiterbach. „Nach dem Luftpistolenaufstieg wollten wir Nägel mit Köpfen machen und das hat sich sofort gelohnt“, freute sich Georg Schuchmann, der nach dem Auftaktsieg überraschende Leistungssteigerungen zeigte und zum erfolgreichsten Einzelschützen der Titelkämpfe wurde. Hatten seine Mannschaftskameraden Hans Zipperer und Siegfried Jooß mit dem Perkussionsrevolver in der Altersklasse einen Doppelsieg für Haiterbach gefeiert, musste sich Schuchmann in der Seniorenklasse zunächst mit Rang vier begnügen.
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Den knapp verpassten Podestplatz am Freitag machte Schuchmann an den beiden folgenden Tagen eindrucksvoll wett. Mit der Perkussionspistole deklassierte der die Konkurrenz in der Seniorenklasse und siegte mit 146 von 150 möglichen Ringen und fünf Ringen Vorsprung. Er egalisierte gleichzeitig den im Vorjahr von Alfons Messerschmidt aufgestellten Seniorenrekord. „So kriegt man Höchstleistungen hin“, erzählte der Odenwälder Landwirt, der durch seinen Schweinemastbetrieb keine Zeit zum Training hat und nur Wettkämpfe schießt. Die Spitzenleistung für seinen Heimatverein KKS Bad König führte er auf die Verärgerung über den Hessischen Schützenverband hin, der ihm einen Vorschießtermin für die Großkaliber-Landesmeisterschaften versagt hatte. „Ich hatte mich so richtig geärgert und wollte für diesen Verband nicht mehr schießen.“ Als die digitale Scheibe nach fünf Zehner in Folge schon 97 Ringe anzeigte, wurden die Zuschauer hinter Schuchmann´s Stand immer mehr. „Da bin ich nervös geworden“. Doch die Routine des mehrfachen Europameisters zahlte sich aus und mit vier Zehner beendete er als überlegener Sieger den Wettkampf. Ein Wermutstropfen blieb: „Hätte ich auch diese Disziplin für Haiterbach geschossen, wären wir klar Mannschaftsmeister geworden.“ Willi Jooß konnte Schuchmann im Haiterbacher Team nicht ersetzen und die Schwarzwälder landeten auf Rang 16.
Mit Georg Schuchmann an der Spitze kehrten die Haiterbacher am dritten Wettkampftag wieder auf das Siegerpodest zurück. Mit 142 Ringen holte sich der Odenwälder seinen zweiten Deutschen Meistertitel und verriet sein Erfolgsgeheimnis: „Ich gehe zu keiner Ergebnisliste und will nur mein Ding machen. Ich achte bei der Steinschloßpistole nur auf das Abziehen. Auch bei einer Verzögerung der Zündung muss das Korn immer im Schwarzen stehen.“ Seine Paradedisziplin bestreitet Schuchmann mit der gleichen Pistole, mit der er bereits 1995 Europameister geworden ist. Zehn Jahre vorher hatte er mit dem Vorderladersport begonnen: „Außer, wie man abzieht, wusste ich damals nichts.“ Trotz seiner nationalen Erfolge steht für Schuchmann die Familie und die Landwirtschaft im Mittelpunkt: „Internationale Meisterschaften sind für mich kein Thema mehr.“
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Zu den Überraschungssiegern der Pforzheimer Titelkämpfe gehörte das Team von Tell Rüsselsheim-Haßloch im Wettbewerb mit der Perkussionspistole. „Dieser Sieg kommt gerade rechtzeitig, um noch in die Festschrift zum 100-jährigen Vereinsjubiläum eingetragen zu werden“, freute sich Bernd-Arno Nikolaus, der zusammen mit Dieter Kessler und Andreas Dindorf seit sechs Jahren ein Team bildet. „In dieser Disziplin war es unsere erste DM-Teilnahme. Mit einem Sieg haben wir überhaupt nicht gerechnet.“ Von den drei Rüsselsheimern hatte nur Andreas Dindorf im Jahr 1998 einmal auf dem Siegerpodest nach seinem Sieg mit dem Perkussionsrevolver ganz oben gestanden. Der aus Mörfelden-Walldorf stammende Bernd-Arno Nikolaus war noch nie über Rang vier hinaus gekommen, doch die wichtigste Steigerung gelang dem 48-jährigen Dieter Kessler. „Er hat den entscheidenden Fortschritt gemacht“, freute sich Bernd-Arno Nikolaus über 138 Ringe seines Mannschaftskollegen. Selbst hatte der Kreisschützenmeister des Kreises Groß-Gerau mit 141 Ringen seine beste Leistung bei nationalen Titelkämpfen gezeigt und Andreas Dindorf rundete die kompakte Teamleistung mit 140 Ringen ab. „Nach unserem Überraschungssieg bei den Landesmeisterschaften haben wir uns dadurch noch einmal um sieben Ringe gesteigert. Welch ein Abschluss nach einem insgesamt durchwachsenen Schützenjahr.“
Die einzige erfolgreiche Titelverteidigung in den Kurzwaffenwettbewerben gelang Andreas Hess. Der Seligenstädter verteidigte seinen Einzeltitel mit dem Perkussionsrevolver in der Schützenklasse. Den Glanzpunkt ihrer bisher neunjährigen Vorderladerkarriere setzte Nicole Elflein-Weke, die bei den Frauen beide Einzeltitel mit dem Perkussionsrevolver und der Perkussionspistole gewann. Vor zwei Jahren erstmals als Vizemeisterin mit der Perkussionspistole auf dem Siegerpodest gewann die 31-Jährige ihre Titel für die HSG Regensburg. Im Jahr 1992 hatte sie bei ihrem Heimatverein Eichelaub Graßlfing mit dem Luftgewehr begonnen, doch die Erfolge stellten sich erst nach dem Umstieg auf die Pistolenwettbewerbe ein. Im Jahr 2001 gelang ihr mit neuem Rekord ihr erster Titelgewinn bei den Bayerischen Meisterschaften. |
In Rekordlaune präsentierten sich die Wurfscheibenschützen auf dem Gelände der SG Pforzheim. Zwei neue Mannschaftsrekorde durch den SSC Emsland Nord und der BSG Stadtwerke Norderstedt und die Einstellung der Einzelrekordmarken von Hansjörg Obenauer und Hans-Joachim Zander unterstrichen das hohe Leistungsniveau, bei dem die drei Nationalschützen nicht im Vordergrund standen. „Ich werde halt älter“, schmunzelte Werner Pahl, als er die Rekordjagd von Hans-Joachim Zander beobachtete. „Der ist verdammt schnell, fast so schnell wie ich in meinen besten Tagen.“ Der zwölffache Deutsche Meister aus Surwald gilt dennoch als einer der Leistungsträger und Hoffnungsträger bei den bevorstehenden Europameisterschaften. Höhepunkt der Titelkämpfe in Pforzheim auf dem Wurfscheibenstand war das Finale zwischen Hans-Joachim Zander und Hansjörg Obenauer mit der Perkussionflinte. Beide Konkurrenten hatten mit jeweils 48 Treffern die sechs Jahre alte Rekordmarke von Werner Pahl eingestellt und lieferten sich anschließend ein nervenaufreibendes Shoot-Off um den Titel. Im Vorjahr hatte sich Hansjörg Obenauer für den WC Wiesbaden nach einem 14:13 Sieg im Stechen den Vizemeistertitel geholt. Diesmal ging es um die Goldmedaille für Obenauer und wieder hatte er das bessere Ende für sich. Mit 19:18 gewann er seinen ersten Deutschen Meistertitel.
Ein Tag später kam die Stunde des Verlierers Hans-Joachim Zander. Nach der unglücklichen Niederlagen im Shoot-Off eröffnete der Norderstedter den Wettkampf in der Disziplin Steinschloßflinte mit einem optimalen 25er Durchgang. Die Konkurrenz schien geschockt, nur einer nicht. Franz Lotspeich startete seine Aufholjagd im zweiten Durchgang. Bis zum 47. Schuss hatte er den Rückstand von drei Treffern aufgeholt. Zander hatte die zweite Runde mit einem Auftaktfehler auf eine „Geradeaus-Scheibe“ eröffnet und ließ mit dem dritten Schuss einen weiteren Fehler folgen. Ein weiterer Patzer beim 20. Schuss und der komfortable Vorsprung auf Lotspeich war dahin. Der erfolgreichste deutsche Vorderlader-Wurfscheibenschütze aus Söhnstetten schoss aber an der 48. Scheibe vorbei und machte damit den Weg für Hans-Joachim Zander frei. Mit 47 Treffern wiederholte er seinen Sieg aus dem Jahr 2007. Titelverteidiger Werner Pahl, der seit 1993 acht Mal den Einzeltitel gewonnen hatte, leistete sich zu viele Fehlschüsse und bei dem hohen Leistungsniveau musste sich der Routinier mit Rang sechs begnügen.
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Im Mannschaftswettbewerb hatte Hans-Joachim Zander den größten Anteil daran, dass die BSG Stadtwerke Norderstedt die drei Jahre alte Rekordmarke der Emsländer auslöschten und zum ersten Mal den Titel gewannen. Ebenfalls nur drei Jahre hielt die Rekordmarke der SG Pforzheim mit der Perkussionsflinte. Das neuformierte Team des SSC Emsland Nord mit Helmut Bruns, Heinrich und Roland Robben übertraf mit einer kompakten Teamleistung die bisherige Bestmarke um drei Treffer.