Bayrisches Dreamteam sammelt Medaillen
Deutsche Meisterschaften der Vorderladerschützen vom 7. bis 9. Juli 2006 in Pforzheim
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Vier Wochen vor Beginn der Weltmeisterschaften in Bordeaux bestätigte sich im badischen Landesleistungszentrum Pforzheim der Trend, dass die besten deutschen Vorderladerschützen aus den südlichen Landesverbänden des Deutschen Schützenbundes kommen. Bei den 28 Entscheidungen dominierten unter den insgesamt 1165 Startern bei den dreitägigen Wettkämpfen vom 7. bis 9. Juli 2006 die Aktiven aus Bayern, die mit sieben Gold-, vier Silber und sieben Bronzemedaillen erfolgreich waren.
|
|
Zu den erfolgreichsten Medaillensammlern
aus Bayern gehörten die Schlierseer Rita Pamer und Josef Mayr. „Wir
sind ein bayrisches Dreamteam", strahlte die 31-jährige Rita Pamer,
denn drei Tage vor Beginn der Titelkämpfe in Pforzheim ist sie mit „ihrem
Mayr Sepp" zusammengezogen." Schon drei Jahre sind die beiden
ein Paar, doch das neue Wohngefühl schien beide zu beflügeln. Gemeinsam
gewannen sie zwei Gold- und vier Silbermedaillen.
Im Nationalteam ist das „bayrische Dreamteam" in diesem Jahr nicht dabei: „Die Arbeit in der Schreinerei geht vor, im August ist bei uns Hauptkampfzeit", erzählte der zweifache Europameister von 2005. „Für die Deutschen Meisterschaften konnte ich nur wenig trainieren und bin selbst überrascht, das es so gut lief. Das macht halt die Erfahrung." Mit der Muskete verteidigte der 44-jährige Warngauer erfolgreich seinen Vorjahrestitel und holte damit seinen siebten Einzelsieg seit 1995.
|
Rita Pamer schießt seit fünf Jahren mit Vorderladern und gewann in diesem Jahr schon ihren vierten Einzeltitel. Mit dem Perkussionsgewehr wiederholte die gelernte Weberin ihren Sieg aus dem Jahr 2001. „Sie hat einfach Talent", strahlte Josef Mayr über den erneuten Erfolg seiner Freundin, die in ihrem Beruf als Gesellenstück einmal eine Schärpe für Papst Johannes Paul II anfertigte. Ihren Erfolg im Schießsport führt sie auf das gemeinsame Training mit den Männern vom FSG Schliersee zurück, hat aber auf internationale Ambitionen bisher verzichtet. „Da muss das Material stimmen, doch das Liegendschießen auf 100 Meter habe ich für die nächsten Jahre im Sinn." Vielseitigkeit bewies sie mit dem Gewinn von zwei Silbermedaillen in den Disziplinen Perkussionsrevolver und –pistole. Bei ihrem vierten Titelgewinn legte Rita Pamer mit dem Perkussionsgewehr ihren Konkurrentinnen am frühen Morgen um halb Neun bei den 15 Wertungsschüssen mit 147 Ringen eine Leistung vor, die nicht mehr überboten wurde. Als Titelverteidigerin Tordis-Arlet Nitsch nicht über 145 Ringe hinaus kam, wurde es im letzten Durchgang spannend, denn drei Schützinnen konnte die Bestleistung von Rita Pamer noch übertreffen.
| Tania Heber hatte die Ringgleichheit im
Visier, als die 39-jährige zweifache Weltmeisterin aus Daisendorf beim
14. Schuss mit einer 9,9 Pech hatte. Zu diesem Zeitpunkt hatten Eva Reiser
und Ulrike Krebs noch gute Chancen, die nach zehn Schüssen jeweils 98
Ringe erzielt hatten. Die Pfälzerin Krebs vergab ihre Chancen durch eine
Acht mit dem elften Schuss und Eva Reiser verpasste mit einer 9,8 beim
letzten Schuss die Möglichkeit zum Ausgleich. Dennoch strahlte die
Moosburgerin: „Das war gigantisch, 147 Ringe von Rita waren nicht zu
schlagen. Es war erst meinte zweite Deutsche Meisterschaft und vor lauter
Aufregung habe ich kein Geschoss ruhig setzen können." Eva Reiser
führt ihre Leistungssteigerung auf die Arbeit mit Trainer Helmut Ebelein
im Bayernkader zurück: „Jetzt werde ich auch das Liegendschießen
trainieren", so die engagierte Schützin, die die Grundlagen mit dem
Luftgewehr und der Armbrust gelernt hat. „Da hat man den Anschlag
drin." In der Damenkonkurrenz belegten die Bayern drei der ersten
vier Ränge: „Die bayrischen Damen langen jetzt auch zu", so Rita
Pamer.
|
|
Eine schmerzliche Niederlage mussten die bayrischen Männer im Mannschaftswettbewerb mit dem Perkussionsgewehr hinnehmen. Seit 1990 gewann die FSG Schliersee neunmal den Titel, doch der Vorjahresmeister kam diesmal nicht über Rang sechs hinaus. In einer denkbar knappen Entscheidung, bei der die ersten zehn Mannschaften nur um acht Ringe getrennt waren, überraschte die Mosbacher Schützengilde mit ihrem ersten Titelgewinn. Im Team der Badenser schoss Jürgen Schäfer mit 149 Ringen die beste Einzelleistung der Titelkämpfe und gewann erstmals in der Herren-Altersklasse.
Die erfolgreichste Mannschaft in den Gewehrdisziplinen stellte die SG Wittlich. Manfred Kröschel, Rüdiger Jakoby und Edwin Heinen holten für die Rheinländer zwei Mannschaftstitel und verbesserten den Deutschen Rekord mit dem Perkussions-Dienstgewehr um 16 Ringe. Zehn Jahre lang gehörte Manfred Kröschel zu den Stützen des Deutschen Nationalteams und holte dabei elf Europa- und Weltmeistertitel. Der Wittlicher bewies seine Klasse mit dem Perkussions-Freigewehr und verteidigte erfolgreich seinen Einzeltitel. Ebenfalls zu den international erfolgreichsten deutschen Schützen gehörte Robinson Nitsche. Der Bremer setzte seine Siegesserie bei den Deutschen Meisterschaften mit dem Perkussions-Dienstgewehr fort und gewann mit einem Titelhattrick seinen achten Titel seit 1990.
|
|
„Ich liebe das Steinschlossgewehr",
jubelte Erwin Glossner nach seinem Sieg im Stehendanschlag auf 50 Meter
Entfernung. Der 34-jährige aus Thalmässing enttrohnte den Schlierseer
Mayr und stellte mit 146 von 150 möglichen Ringen den Deutschen Rekord
ein. Während des Wettkampfes versammelten sich immer mehr Zuschauer
hinter dem Bayern, der teilweise bis zu sechsmal für einen Schuss
ansetzte. Für den letzten Schuss setzte Glossner dreimal ab, bevor er
abdrückte. Mit einer 9,7 scheiterte er mit seinem Körberjäger-Gewehr
Kaliber 45 denkbar knapp: „Ich wollte unbedingt den neuen Rekord, aber
ich weiß, dass ich es kann." Erwin Glossner schießt nur
Stehenddisziplinen mit dem Vorderladergewehr: „Mich reizt es, was man
aus einem Steinschlossgewehr herausholen kann." Dabei vertraut er auf
einen Aichelberger-Lauf und die Unterstützung seines Vereinskameraden
Johann Bauer bei der Arbeit am Schaft und Schloss. „Ich bin halt nur der
Verkäufer."
|
Erstmals wurde mit dem Steinschloßgewehr die internationale Liegendisziplin „Maximilian" auf 100 Meter Entfernung ins Wettkampfprogramm aufgenommen und es zeichnete sich zunächst ein Überraschungserfolg durch Burkhard Balke ab. Der Arnsberger war bis ins Jahr 2000 mit zahlreichen Siegen bei Welt- und Europameisterschaften einer der Leistungsträger des Nationalteams, bevor er aus beruflichen Gründen sein Engagement reduzierte. „Im Jahr 2007 im italienischen Brescia will ich wieder dabei sein", kündigte Burkhard Balke sein internationales Comeback an. Doch der Westfale musste sich am Ende mit Rang drei begnügen, denn Wolfgang Wehle übertraf ihn noch um einen Ring. Danach begann eine Zitterpartie für den 47-jährigen amtierenden Europameister. Im letzten Durchgang gingen die besten Gewehrschützen des aktuellen Nationalteams in den Stand.
| Die Nummer eins der nationalen
Ausscheidung Michael Frey begann stark und hatte wie Walter Massing nach
zwölf Schüssen jeweils 109 Ringe erzielt. Die Zuschauer hinter den
Akteuren drängten sich immer dichter, mittendrin Wolfgang Wehle. Eine
überraschende „Sechs" raubte Michael Frey alle Chancen. „Wenn
ich gut schieße, werde ich nervös", erklärte der Pfälzer, „und
dann hatte ich bei den letzten Schüssen auch noch
Zündungsprobleme." Als bei dem Ginsheimer Massing eine „Acht"
aufleuchtete atmete Wehle erleichtert auf: „Jetzt hab´ich´s
daheim"
|
|
Die unbestrittene deutsche Nummer eins bei den Kurzwaffenschützen bleibt Karl Hammann. Der Schmied von der SG Ludwigshafen zeigte seine Klasse mit der Perkussions- und Steinschloßpistole. Der 46-jährige aus Neustadt an der Weinstraße stellte zunächst mit der Perkussionspistole (145 Ringe) den Deutschen Rekord und verfehlte einen Tag später die neun Jahre alte Rekordmarke von Erwin Klammer mit der Steinschloßpistole um einen Ring.
|
|
Auch hinter dem Pfälzer
drängten sich die Zuschauer, als er mit der Steinschloßpistole nach neun
Schüssen 88 Ringe erzielt hatte. „Schwierige Dinge faszinieren
mich", erklärte er sein besonderes Engagement in der
Steinschloßdisziplin. Das Training für die Weltmeisterschaften mit einem
glatten Lauf der Manton-Steinschloßpistole unterbrach er für die
nationalen Meisterschaften und baute einen gezogenen Lauf ein. „Damit
habe ich im Training neun Zehner erzielt, das hat sofort gepasst."
Ganz so einfach war es dann doch nicht, denn Hammann schoss in der
Schlussphase vier Neuner knapp links neben die Zehn und damit endete die
Rekordjagd. Der klare Einzelsieg war dagegen nur Formsache und zudem hatte
Hammann den größten Anteil am Mannschaftssieg für Ludwigshafen.
Zusammen mit Jürgen Dosch und Manfred Weber setzte er sich zum drittenmal
in den letzten vier Jahren durch. Zum sechstenmal seit dem Jahr 2000
standen die Pfälzer mit der Perkussionspistole auf dem Siegerpodest ganz
oben. Karl Hammann holte den vierten Sieg in Folge zusammen mit Karlheinz
Provo und Gabriele Haas.
Enttrohnt wurde das Team der SG Ludwigshafen mit dem Perkussionsrevolver. Das Trio Hammann, Dosch und Weber verpasste den Titelhattrick und musste sich mit acht Ringen Rückstand zum Sieger als Fünfter zufrieden geben. Wilfried Kretschmer, Rainer Hornig und Ralph Dammann vom VC Deister holten einen der beiden Titel nach Niedersachsen.
|
Die Überraschung der Titelkämpfe war aber der Sieg von Harald Köpke in der Schützenklasse mit der Perkussionspistole. Der bekannte Luftpistole-Bundesligaschütze vom SV Haiterbach und der SG Ludwigsburg siegte bei seinem einzigen Start für den SV Böttingen mit 142 Ringen.
„Das macht das Training am Baggersee", erklärte Werner Pahl das unerwartete Ergebnis beim Wurfscheibenwettbewerb „Perkussionsflinte". Der Titelverteidiger und amtierende Weltmeister litt am Freitag zum Auftakt der Titelkämpfe am Wetterumschwung und musste sich mit Rang sieben begnügen. Dagegen standen mit Gerd Kilian und Axel Meng vom SV Kaltenweide zwei Niedersachsen auf dem Siegerpodest. Beide hatten die erste Runde mit optimalen 25 Treffer absolviert und kündigten die faustdicke Überraschung an, nachdem die Nationalschützen Lotspeich, Grübl und Samstag schon mehrere Fehlschüsse auf ihrem Konto hatten. Kilian schoss in der zweiten Runde nur zwei Fehler und stellte damit den Deutschen Rekord ein. „Er ist schon lange dabei und hat sich immer bemüht", so der geschlagene Pahl über den neuen Deutschen Meister, „er war sehr konzentriert und hat sich nicht ablenken lassen." Den Doppelsieg von Kilian und Meng verhinderte der Saarländer Dieter Haben. Im Shoot-Off setzte sich der ehemalige Deutsche Meister von 1988 und 1989 gegen Axel Meng mit 7:6 durch. Kurz vorher hatte Franz Lotspeich seine Medaillenchance vergeben und der erfolgreichste deutsche „Untertassenjäger" landete auf Rang vier. Dafür hatte er den größten Anteil daran, dass die gastgebende Pforzheimer Schützengesellschaft den Mannschaftstitel mit einer neuen Rekordmarke gewann. Zusammen mit Roland Dupont und Frank Waidner steigerte Lotspeich die bisherige Bestmarke um drei Treffer.
| Am zweiten Wettkampftag rückte Werner
Pahl das Geschehen auf der neuen Wurfscheibenanlage in Pforzheim wieder
gerade. Der 56-jährige Emsländerstellte mit der Steinschlossflinte (47
Treffer) seine Rekordmarke aus dem Jahr 2002 ein und gewann bei seiner
erfolgreichen Titelverteidigung seinen elften Deutschen Meistertitel seit
1993. Einziger ernsthafter Konkurrent war im zweiten Durchgang Pahl´s
Mannschaftskamerad Günter Hörmeyer. Nach 31 der 50 Schüssen lag er noch
in Führung, doch dann häuften sich die Fehler und Hörmeyer fiel auf
Rang fünf zurück. Dennoch reichte es für Pahl und Hörmeyer zusammen
mit Roland Robben zu einem neuen Deutschen Mannschaftsrekord. Mit 130
Treffern verwies das Emsländer-Trio den Vorjahresmeister aus Heusweiler
mit zwölf Ringen Vorsprung auf Rang zwei.
|
|