Poth: Du musst den Schuss locken
Deutsche Meisterschaften der Senioren im Auflageschießen in Dortmund
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit 888 Teilnehmern in drei Wettkampfklassen hatte am 21. Oktober 2006 die Deutsche Meisterschaft der Senioren im Luftgewehr-Auflageschießen im Dortmunder Landesleistungszentrum seine Premiere. „Sechzig Prozent unserer Mitglieder sind älter als 56 Jahre", unterstrich Sportleiter Heinz Hütter die Bedeutung der erstmals ausgetragenen Meisterschaft, „und wir müssen für unsere Senioren einiges tun. Viele haben lange auf diese Meisterschaft gewartet." Hütter betonte, das mit der Ältestenmeisterschaft die Titelkämpfe des Deutschen Schützenbundes enden und war erstaunt über die große Resonanz. „So voll habe ich es hier noch nie erlebt."
„Ich bin stolz auf die Einführung dieser Meisterschaft", so der 72-jährige Ferdinand Grah. Der ehemalige Geschäftsführer des Westfälischen Schützenverbandes sieht seinen Verband in einer Vorreiterrolle. „In Westfalen wird dieser Wettbewerb mit Finale und Preisschießen ausgetragen." Bei der Premiere auf Bundesebene beschränkten sich die Verantwortlichen auf das 30-Schuss-Programm mit dem Luftgewehr auf zehn Meter Entfernung für alle Teilnehmer.
Welche Entwicklung das Auflageschießen genommen hat, verdeutlichte Willi Poth. Der heute 68-jährige aus dem südhessischen Roßdorf war vor acht Jahren der erste Aktive, dem optimale 300 Ringe beim damaligen „Ältestenschießen" in Dortmund gelangen. „Das Niveau ist seitdem deutlich gestiegen", so der Feinmechanikermeister, der sein Fachwissen als ehemaliger Konstrukteur in der Physikoptik in den Auflagensport mit dem Luftgewehr eingebracht hat. 50 Jahre ist der für die SG Gundernhausen startende Willi Poth im Schießsport erfolgreich und galt bei der PSG Darmstadt als Spezialist im Liegendschießen. „Das kam mir für das Auflageschießen entgegen. Für einen optimalen Schuss muss man langsam Abziehen. Du musst den Schuss locken."
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Willi Poth erkannte vor acht Jahren die Möglichkeiten, sich als Senior im Wettkampfschießen weiter einzubringen. „"Ich habe sofort gemerkt, dass das was ist. Ich habe an der Entwicklung des Vierkantkorns mitgearbeitet, dass heute von achtzig Prozent der Schützen verwendet wird. Auch meine Änderungen am Luftgewehr wurden teilweise von der Industrie übernommen." In einer optimalen Ausrüstung der zahlungskräftigen Senioren sieht Willi Poth die Zukunft des Auflageschießens: „Da kann man schießen, so lange man gut sieht." Bei der Premiere der Deutschen Meisterschaften erzielte Willi Poth wiederum optimale 300 Ringe, musste diese Leistung aber mit 15 weiteren Schützen teilen. „Bald wird es nach der Zehntel-Wertung gehen, denn bei einer Neun kannst Du einpacken." Willi Poth musste nicht einpacken und stand bei der Siegerehrung als Dritter auf dem Siegerpodest bei den B-Senioren. Die Auswertung der „Innenzehner" – wenn der weiße Punkt des Zehners vollständig getroffen ist – und die anschließende Auswertung der Zehntelergebnisse hatte über die Vergabe der Plätze entschieden.
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Wie Willi Poth hatten der Rheinländer Hermann Tiedemann und Rudolf König von der SC Tell Schmalbroich auf die elektronischen Standanlagen optimale 300 Ringe getroffen und sich den Beifall der vielen Zuschauer während des Wettkampfes verdient. Bei der Siegerehrung standen beide in ihren Altersklassen auf den Plätzen fünf und neun neben dem Siegerpodest. Der 69-jährige Hermann Tiedemann hatte erstmals das Optimum erzielt: „Dafür habe ich drei Wochen lang jeden Abend trainiert." Der 57-jährige Rudolf König hatte bei den A-Senioren ebenfalls erstmals 300 Ringe geschossen. „Für mich war der Reiz die Teilnahme", so König, der noch alle Gewehrdisziplinen schießt. „Zwei- bis dreimal fahre ich in der Woche zu einem Wettkampf. Mit dem Auflageschießen habe ich vor zehn Jahren angefangen und verwende die gleiche Ausrüstung wie beim Stehendschießen." Rudolf König ist im 100-Meter Auflagewettbewerb mit dem Kleinkalibergewehr im Rheinland Verbandsmeister und hat festgestellt, „dass viele Älteren wieder schießen, die bereits resigniert hatten."
„Jetzt kommen wieder die in die Schützenhäuser, die sie gebaut haben", unterstreicht Bruno Hartmann die Bedeutung der Seniorenwettbewerbe. Der Vereinsvorsitzende des SV Lampertheim ist stolz auf die Entwicklung des Ältestenschießens. „Die Senioren kehren ins Vereinsleben zurück. Gemeinsam mit unseren Nachwuchsschützen ist es jetzt so, wie es sich gehört." Der Verein hat schon 16 Schießstände für das Auflageschießen aufgebaut. Die Lampertheimer beteiligen sich im südhessischen und badischen Raum an Freundschafts-Rundenkämpfen, an denen zehn Vereine teilnehmen.
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Kritisiert wurde im Dortmunder Landesleistungszentrum die Überlastung durch die vielen Starter. „Die Atmosphäre hier ist katastrophal", meinte Margot Borrmann aus Lampertheim, „es gibt kaum Sitzmöglichkeiten und die Bewirtung ist überfordert." Sportleiter Heinz Hütter nahm die Reaktionen der Teilnehmer auf und kündigte an, dass im nächsten Jahr die Meisterschaft auf zwei Tage erweitert wird. „Am Samstag schießen dann die A-Senioren und am Sonntag die B- und C-Senioren." Zudem wird im Jahr 2007 das Auflageschießen mit dem Kleinkalibergewehr auf 50 Meter Entfernung eingeführt. Im niedersächsischen Landesleistungszentrum in Hannover wird die Premiere dann am 13. Oktober 2007 sein. Am Wochenende darauf sollen die Luftgewehrwettkämpfe in Dortmund stattfinden. „Die nächste Disziplin wird dann Zimmerstutzen sein", kündigte Heinz Hütter die Ausweitung des Auflageschießens an. „Das ist schon erstaunlich, was wir damit bewegt haben", so der DSB-Sportleiter, „Viele treffen sich hier nach 15 oder 20 Jahren wieder und oft hört man, weißt Du noch damals."