Entscheidung auf der Großen Höhe
Deutsche Meisterschaften der Feldbogenschützen in Delmenhorst vom 5. bis 6. August 2006
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mitten in der reizvollen Geest- und Marschlandschaft bei Delmenhorst im Oldenburger Land, nur knapp über dem Meeresspiegel, fanden am Wochenende erstmals die Deutschen Meisterschaften der Feldbogenschützen statt. „Hier sind optimale Bedingungen", stellte DSB-Trainer Karlheinz Bode fest, „nur die Berge fehlen." Vier Wochen vor den Weltmeisterschaften im schwedischen Göteborg standen unter den 241 Teilnehmern die Nationalschützen im Blickpunkt. „International ist der Trend zu flachen Parcours, die sind zuschauerfreundlicher." Auf den Wettkampfparcour „Auf der großen Höhe" rund um ein Schullandheim hatten die meist schwierige und gebirgige Parcours gewohnten Feldbogenschützen nur eine Höhe von 35 Meter zu erklimmen.
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Dieser Hügel sorgte aber für die Entscheidung zugunsten von Dieter Ehrlich, der mit dem Compoundbogen in der Herren-Altersklasse eine erste Goldmedaille bei Deutschen Meisterschaften gewann. „Für mich war hier alles optimal", so der 47-jährige Rüsselsheimer, „der flache Parcour kam mir entgegen. Dieses Ergebnis hat mich aber überrascht, ich hatte mit 690 Ringe als Ziel gesetzt." Das es nach 144 Pfeilen auf Scheiben in bekannten und unbekannten Entfernungen zu 700 von 720 möglichen Ringen reichte, führte Dieter Ehrlich auf das gemeinsame Training mit seiner Ehefrau Heike zurück. „Wir trainieren dreimal in der Woche und fahren jede zweite Woche zu einem Turnier." Nach dem Sieg in Delmenhorst wird Dieter Ehrlich pausieren und bereitet seinen PSE-Compoundbogen als Ersatzbogen für die Teilnahme seiner Ehefrau an den Weltmeisterschaften in Göteborg vor. |
Die 40-jährige vom BSC Rüsselsheim wiederholte mit Platz drei ihre Vorjahresplatzierung, wirkte aber nicht zufrieden. „Am zweiten Tag war ich absolut unkonzentriert", analysierte sie den verpassten Sieg gegen ihre Nationalmannschaftskolleginnen Silke Höttecke und Martina Schacht. Seit dem Jahr 2001 dominierte die World-Games-Siegerin Martina Schacht die nationalen Titelkämpfe bei den Frauen mit dem Compoundbogen, doch in diesem Jahr riss die Serie durch den Überraschungserfolg von Silke Höttecke.
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„Bis zum letzten Schuss war alles offen, da hatte ich Herzklopfen bis zum Hals", beschrieb die 35-jährige Erzieherin aus Castrop Rauxel die entscheidende Phase, „als Martina bei der letzten 40-Meter Scheibe eine Vier schoss und mir drei Fünfer gelangen, hatte ich gewonnen." Das gemeinsame Training mit ihrem Freund Axel Langweige beim BSC Sherwood Herne führt Silke Höttecke auf ihre Leistungssteigerungen in den letzten Jahren zurück. „Seit 2001 bin ich schon vorne dabei, doch die WM-Qualifikation in diesem Jahr war ein zusätzlicher Motivationsschub." Axel Langweige sieht seine Freundin in der Weltspitze angekommen: „Darauf hat sie vier Jahre hingearbeitet und jetzt den Anschluss geschafft. Mit ihrem Leistungsschnitt hat sie den ersten Deutschen Meistertitel verdient gewonnen. Sie kann auch unter Stressbedingungen kämpfen."
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Langweige hatte selbst Grund zur Freude, denn dem 37-jährigen gelang nach 15 Jahren wieder der Titelgewinn mit dem Compoundbogen. „Seit 1991 habe ich nicht mehr gewonnen, den Sieg habe ich mir wirklich verdient und zudem bleibt der Titel im Verein." Axel Langweige löste Sherwood-Titelverteidiger André Grawinkel ab. Am ersten Tag lagen die beiden Freunde mit jeweils 358 Ringen nach 72 Pfeilen auf Scheiben in unbekannten Entfernungen noch gleichauf. Knapp dahinter mit einem Ring Rückstand folgten der Hamburger Andreas Franzen und Jens Asbach aus dem hessischen Nidderau. Das Finale der besten Vier im direkten Duell brachte die erwartete Spannung und wurde erst auf der letzten Scheibe auf 55 Meter Entfernung entschieden. Zwei Ringe Vorsprung hatte Axel Langweige vor dem letzten Pfeil herausgeschossen. „Der musste nur noch weg", beschrieb er seinen letzten Schuss und die Vier reichte zum Sieg. Mit 715 von 720 möglichen Ringen richtet Langweige sein Ziel auf die Weltmeisterschaften in Schweden aus. „Seit Jahresanfang habe ich mit „Mathews" einen neuen Sponsor und ich will in Göteborg so weit wie möglich kommen, doch in der Weltspitze schießen nur Profis und ich trainiere nur zweimal in der Woche." Im Vorteil sieht sich Axel Langweige durch seine engagierte Freundin Silke Höttecke. „Gemeinsam zu trainieren und zu schießen macht einfach mehr Spaß." |
| Mit dem erwartet klaren Sieg endete der Wettbewerb bei den Männern mit dem Recurvebogen. Sebastian Rohrberg gewann mit zwölf Ringen Vorsprung seinen achten Titel in Folge. Doch der 27-jährige stand noch ganz unter dem Eindruck der verpassten Qualifikation für die FITA-Europameisterschaften in Athen. „Darüber musste ich lange nachdenken. Ich habe die Qualifikation dadurch vergeigt, dass ich einfach schlecht geschossen habe," so der amtierende Feldbogen-Weltmeister, der in der erfolgreichen Titelverteidigung seinen Saisonhöhepunkt sieht. „Künftig muss ich einfach vernünftiger und mit mehr Disziplin schießen. Vor den Weltmeisterschaften muss ich was tun, um wieder den aufsteigenden Ast zu erklimmen." Der aus Langwedel stammende Rohrberg hatte im heimischen Gelände einen unerwartet starken Gegner mit Thorsten Sauter. „Dabei hatte unsere Bergziege mit den langen flachen Laufwegen seine Probleme", so Rohrberg über den Mittenwalder, der nach seinem Engagement im DSB-Team Ski Archery sich wieder ohne Skier auf den Feldbogensport konzentriert. „Hier war es schon brutal flach", so der 37-jährige, der seit 28 Jahren mit dem Feldbogen schießt. Zuletzt hatte Sauter in den Jahren 1995 und 1997 den Einzeltitel gewonnen, doch über den Vizemeistertitel in diesem Jahr freute er sich besonder: „Das war meine beste Leistung, so lange ich schieße." |
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Seit 1992 dominierte Hedi Mittermaier die Deutschen Meisterschaften mit dem Recurvebogen bei den Frauen und gewann elfmal den Titel. In diesem Jahr war die 45-jährige Bayerin schon nach dem ersten Tag geschlagen. Mit nur 287 von 320 möglichen Ringen lag sie auf Rang sieben chancenlos zurück und haderte „mit allem was ich nicht richtig gemacht habe." Zwar steigerte sie sich am zweiten Tag und verbesserte sich mit der zweitbesten Leistung auf die Scheiben in unbekannte Entfernung auf Rang vier, doch die siegreiche Manuela Kaltenmark war uneinholbar der Konkurrenz enteilt. „Ich habe heute so geschossen, wie ich es mir immer vorgestellt habe", so die 41-jährige Rottenburgerin, „ich habe mir keine Gedanken gemacht und habe früh gewusst, das ich gewinne." Obwohl Hedi Mittermaier Schwächen zeigte, sieht Manuela Kaltenmark bei den Frauen ein gestiegenes Leistungsniveau. „Das belebt auch das Gefühl für die bevorstehenden internationalen Aufgaben", meint sie mit Blick auf die Ergebnisse der nächstplatzierten Ute Fleischer und Martina Schulte. „Diese Titelkämpfe habe ich mit Weitblick zur Weltmeisterschaft geschossen." |
| Internationale Spitzenklasse sind die deutschen Blankbogenschützinnen Monika Jentges und Jutta Schneider-Borns, die in ihrer norddeutschen Heimat im Blickpunkt der Zuschauer standen. Die 46-jährige Jutta Schneider-Borns hatte bis ins Jahr 2000 mit neun Siegen in Folge die Blankbogenwettbewerbe dominiert und wurde danach wurde die Lehrerin aus Delmenhorst von der drei Jahre jüngeren Monika Jentges abgelöst, die in diesem Jahr zum sechstenmal in Folge siegte. „Der Heimvorteil war für mich aber ein Nachteil, denn alle haben erwartet, dass ich gewinne", meinte die amtierende Welt- und Europameisterin, die am ersten Tag für sich ab der zwölften Scheibe „eine totale Scheibenpanik" erlebte. „Der Parcour war durch den Wechsel von Licht und Schatten nicht einfach, man musste gut schätzen können. Flach heißt nicht einfach." Trotz ihrer Probleme hielt Großhandelskauffrau aus Ganderkesee an beiden Wettkampftagen ihre Konkurrentin sicher auf Distanz und gewann mit deutlichen 21 Ringen Vorsprung. |
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Zwei Schreiner bilden das Blankbogenteam der Männer bei den Weltmeisterschaften, doch nur Karlheinz Clauter bot eine starke Leistung. Der für Aarfalke Wehen startende 49-jährige Clauter aus dem rheinhessischen Eich gewann überlegen die Herren-Altersklasse, während sich Ernst Crome überraschend in der Schützenklasse geschlagen geben musste. Mit 288 Ringen lang der vierfache Deutsche Meister nach dem ersten Wettkampftag nur auf Rang drei. „In der Analyse am Abend hat mir Sibylla eine Gehirnwäsche gemacht." so der 45-jährige Bayer über das Engagement seiner Ehefrau und Trainerin. Am Abend schoss das Ehepaar gemeinsam noch 30 Trainingspfeile und am Sonntagmorgen zeigte Ernst Crome wieder seine gewohnte Form. Doch Crome´s Aufholjagd scheiterte an Meik Fekeler: „Ich habe nicht die Erfahrung der alten Herrschaften beim Rauf- und Runterschießen, doch dieser flache Parcour kam mir entgegen", so der Korbacher Fekeler, der gegen den zwanzig Jahre älteren Crome standhielt. „In der Schlussphase haben uns beide die Nerven geflattert", stellte Fekeler zum direkten Duell mit Ernst Crome fest, „aber ich habe nur einen Ring abgegeben und damit meinen größten Erfolg geschafft." Mit seinem ersten Titelgewinn will Meik Fekeler den Weg in die Nationalmannschaft beginnen.
Unter den vielen Nachwuchstalenten bei den Titelkämpfen fiel Christian Weiss auf, der sich eine Woche zuvor für die Teilnahme an den Fita-Europameisterschaften qualifiziert hatte. „Ich schieße Feldbogen zur Abwechslung und Spaß", erklärte der 18-jährige Junioren-Nationalschütze seinen Start. „Hier habe ich mehr geschätzt als gemessen." Mit 667 Ringen sorgte Weiss aber für Staunen unter den etablierten Aktiven. Diese Leistung hätte bei den Männern zum zweiten Platz gereicht.