Ina Schmidt besteht die Hillenbrand-Herausforderung
Neue Gesichter beleben die Deutschen Meisterschaften der Feldarmbrustschützen
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Mit dem Sieg von Ina Schmidt und den nächsten Plätzen für die Hillenbrand-Familie setzten sich bei den Deutschen Meisterschaften der Feldarmbrustschützen am 11. und 12. Juli 2009 die Favoriten durch, doch die Titelkämpfe auf dem Bogensportgelände „Am Hirtenborn“ in Herborn-Seelbach wurden von neuen Gesichtern belebt.
Die international erfolgreiche Sparte des Deutschen Schützenbundes schien schon vor dem Aus zu stehen, denn nach Einführung einer offenen Klasse brachen die Teilnehmerzahlen drastisch ein. Im Jahr 2006 wurde mit nur 32 Startern bei dem 180-Pfeile-Wettbewerb auf 65,50 und 35 Meter Entfernung der Tiefpunkt erreicht. Die Bemühungen von Bundesreferent Edwin Hirte, die rückläufigen Teilnehmerzahlen zu stoppen, wurden im Vorjahr mit 41 Startern erstmals belohnt und in Herborn-Seelbach waren es 45 Feldarmbrustschützen, die sich der zweitägigen Herausforderung stellten. „Das ist eine positive Entwicklung, denn es hätten noch einige Schützen mehr sein können.“ Immerhin hatten 54 Starter aus acht Landesverbänden ihre Teilnahme gemeldet. „Wir haben alle alten Feldarmbrüste eingesammelt und jungen Schützen gegeben“, erzählte Ina Schmidt vom Engagement ihres Vaters Manfred Schmidt, „Die Sportgeräte sind teuer und deshalb das Hauptproblem bei unserem Sport.“
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Die Gelegenheit nutzten einige junge Talente, die bisher nur mit Luft- und Kleinkalibergewehr geschossen haben. Mit der zwölfjährigen Vanessa Herzer von der SG Wechmar kam die Thüringer Luftgewehrmeisterin und die zwei Jahre ältere Maria Große von Visier Ennigerloh hatte nach der erfolgreichen EM-Qualifikation mit der Zehn-Meter-Armbrust in Herborn-Seelbach ebenso Premiere im Feldarmbrustsport. Das größte Ausrufezeichen setzte aber Sebastian Ronalter vom SV Hausen. Gemeinsam mit seinem bayrischen Vereinskameraden Jochen Konrad kam Ronalter über die Unterstützung von Manfred Schmidt zu den Feldarmbrustschützen und feierte einen glänzenden Einstand. „Heute war er der absolute Shootingstar“, freute sich Rainer Hermann von den gastgebenden Seelbacher Schützen. Zu Beginn des zweiten Wettkampftages lag der 19-jährige Ronalter sogar vor dem international erfahrenen Walter Hillenbrand. „Das ist meine erste Deutsche Meisterschaft und es ist einfach schön“, freute sich Sebastian Ronalter, der in der Bayernliga mit dem Luftgewehr für den SV Hausen schießt. Als um die Mittagszeit Regen einsetzte, zeigte Walter Hillenbrand seine ganze Erfahrung und zog mit 296 von 300 möglichen Ringen auf die 35-Meter Distanz an dem jungen Bayer vorbei. Der 59-jährige mehrfache Welt- und Europameister schloss damit zu seinen Söhnen Steffen und Ralf Hillenbrand auf, die verbissen um den Anschluss an die führende Ina Schmidt kämpften. Wie Walter Hillenbrand gehört die 27-jährige Ina Schmidt zu den erfolgreichsten deutschen Feldarmbrustschützen und in Herborn-Seelbach zeigte sie sich bei dem Gewinn ihres elften Deutschen Meistertitels locker und gelöst. „Ich genieße diese beiden Tage, da kann ich einfach abschalten vom Stress im Beruf“, erzählte die erfolgreiche Titelverteidigerin, die gerade ihre Doktorarbeit in der Mikrobiologie schreibt, „Die Feldarmbrust will ich einfach nicht missen.“ Seit 1998 ist die aus dem südhessischen Babenhausen stammende Ina Schmidt im Feldarmbrustsport dabei und ist als mehrfache Weltmeisterin die Leistungsträgerin von Diana Ober-Roden, nachdem Elke Poth und Jürgen Baumann ihre sportlichen Laufbahnen beendet haben. |
Von Beginn an lag Ina Schmidt in Führung und profitierte davon dass Steffen Hillenbrand beim Auftakt über die 65-Meter Distanz nur 262 Ringe erreichte. „Wenn ich mir das erklären könnte“, meinte der 25-jährige Kronauer anschließend, denn die frühen 21 Ringe Rückstand konnte er mit den weiteren 150 Pfeilen nicht mehr aufholen. Im Jahr 2007 hatte Ralf Hillenbrand erstmals den Deutschen Meistertitel mit der Feldarmbrust gewonnen, doch in Herborn-Seelbach verpatzte er die zweite 30-Schuss-Serie über die 50-Meter Distanz mit 276 Ringen. Der 28-jährige hielt aber den dritten Platz und freute sich am Ende, dass sein Vater Walter Hillenbrand in der Schlussphase aufschließen konnte und damit das Kronauer Familientrio geschlossen zu den Europameisterschaften vom 10. bis 16. August 2009 ins tschechische Otrokovice fahren kann.
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Zu den Verlierern bei den Männern gehörten Karl-Heinz Blumtritt, Tim Lewerth und Benjamin Bessert, die auf den Plätzen sechs bis acht hinter den Erwartungen blieben. Bessert hatte mit schwachen 252 Ringen auf die 65-Meter Distanz am ersten Tag begonnen. „Ich hatte Materialprobleme und nach einem Sehnenriss waren die ersten Schüsse nur Testpfeile“, erklärte der Hüttenthaler, der am zweiten Tag mit 860 von 900 möglichen Ringen überzeugen konnte.
Für Bundesreferent Edwin Hirte war die Deutsche Meisterschaft die einzige Möglichkeit, eine Sichtung für die Nationalmannschaft durchzuführen. „Die Europameisterschaften waren in Portugal geplant, doch die wurden nach Differenzen mit dem zweiten Weltverband der Armbrustschützen (WCSA) abgesagt.“ Kurzfristig wurden die Titelkämpfe von der Internationalen Armbrustunion (IAU) ins tschechische Otrokovice verlegt und für die Sichtung des Deutschen Schützenbundes blieben nur die nationalen Titelkämpfe. „Damit fahren die jeweils drei Erstplatzierten jeder Klasse zur Europameisterschaft.“
Neben Ina Schmidt qualifizierten sich zwei Neulinge für das Damenteam, nachdem Barbara Metz und Carmen Braun aus beruflichen Gründen pausieren. So nutzten Barbara Schygulla aus Winsen/Luhe und Katja Poser-Keppler vom SV Kronau ihre Qualifikationschancen. Drei Neulinge bilden das deutsche Juniorenteam, das von Sebastian Ronalter angeführt wird, der als Fünfter der Titelkämpfe in Herborn-Seelbach überraschte. Neben Ronalter qualifizierte sich Manuel Weißmann vom SV Meßstetten und Peter Horstmann aus Ennigerloh.
Zwölfmal siegte Diana Ober Roden seit 1994 in der Mannschaftswertung, doch seit 2006 bringen die Kronauer die Hochburg des Feldarmbrustsports aus Hessen ins Wackeln. Gemeinsam mit seinen Söhnen Ralf und Steffen gewann Walter Hillenbrand zum dritten Mal den Mannschaftstitel. Gegen die kompakte Kronauer Teamleistung reichten die Ergebnisse von Harald Braun und Tim Lewerth nicht, um für Diana Ober-Roden den Meistertitel zu verteidigen. Deutlich abgeschlagen landete der SV Dietersweiler auf Rang drei. Vor sechs Jahren hatten Karl-Ernst Weißmann, Andreas Henne und Markus Lück überraschend den Mannschaftstitel gewonnen und damit erstmals das Team von Diana Ober-Roden besiegt.