Die Taktik von Florian Floto geht auf
Deutsche Meisterschaften im Hallenbogenschießen in Nordhausen
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Eine Woche nach den Weltmeisterschaften in Polen stand bei den Deutschen Meisterschaften im Hallenbogenschießen ein Schütze im Blickpunkt, der in Rzeszow seinen Weltmeistertitel nicht verteidigen konnte. In der Wiedigsburghalle von Nordhausen am Harz zeigte Sebastian Rohrberg eindrucksvoll, dass er einer der besten deutschen Bogenschützen ist. Einen Tag nach seinem 30. Geburtstag dominierte der Niedersachse aus Langwedel den 60-Pfeile-Vorkampf der Männer auf 18 Meter Entfernung mit 587 von 600 möglichen Ringen. „Ich war zum richtigen Zeitpunkt gut“, meinte er danach und ärgerte sich über seine Nichtnominierung für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften. „Ich bin immer ehrlich und sage das, was ich denke.“ Die Folgen nach dem Ausschluss aus dem Nationalteam vor den Olympischen Spielen in Peking haben bei Rohrberg ihre Spuren hinterlassen. „Das hat mich die ganze Hallensaison verfolgt. Ich will unbedingt zurück ins Nationalteam, denn mein Ziel sind die Weltmeisterschaften in Korea und die Olympischen Spiele in London. Ich habe aber zur Zeit keine Ahnung, ob ich in diesem Jahr schießen darf.“ Rohrberg hofft auf eine Aussprache mit Sportleiter Gabelmann und Bundestrainer Martin Frederick. Derweil hat er den Schwerpunkt seiner Trainingsarbeit nach Berlin verlagert, „denn dort wohnt meine Freundin Elena Richter.“
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Trotz seiner glänzenden Form reichte es in Nordhausen für Sebastian Rohrberg nicht, seinen 15. nationalen Titel seit 1999 zu gewinnen. Keine Probleme bereiteten ihm zunächst vom ersten Vorrundenplatz aus die ersten Gegner in der Finalrunde. Nach dem 113:109 Sieg über seinen Dauelser Bundesligateamkollegen Holger Rohrberg zog er mit Erfolgen gegen Michael Frankenberg (117:113) und Jens Pieper (117:114) ins Goldfinale ein. Dort wartete Florian Floto, der nach dem Wechsel aus der Juniorenklasse seine erste Saison in der Schützenklasse bestritt. Der 20-jährige Braunschweiger war als Siebter des Vorkampfes in die Finalrunde eingezogen und hatte zunächst gegen den Neumarkter Jürgen Seibold (118:111) eine leichte Aufgabe zu lösen. Im Viertelfinale kam es zu einem leidenschaftlichen Duell mit Christian Weiss, der ebenfalls erstmals bei den Männern an die Schießlinie gingen. Im Vorjahr standen sich die beiden ehemaligen Juniorennationalschützen noch im Finale beim Bogen-Fita gegenüber. Beim Hallen-Viertelfinale konnte sich keiner der beiden Konkurrenten um mehr als ein Ring absetzen. Weiß schoss stets schnell seine drei Pfeile und Floto legte anschließend seine Pfeile nach. Die Taktik des Querumer Bundesligaschützen ging auf und er siegte knapp mit 117:116 Ringen. „Es war wie immer. Unser Konkurrenzkampf ist immer aufregend.“ Nach dem Sieg über Weiß beendete Florian Floto die Siegesserie von Michael Mücke. Der Rheydter hatte als Dritter der Vorrunde überrascht und im Finale zwei Gegner besiegt, bevor er von Florian Floto gestoppt wurde. Mit dem Sieg über Mücke stand Floto im Goldfinale gegen Rohrberg und der Braunschweiger führte nach sechs Pfeilen mit 58:56 Ringen. „Es war mein größter Wunsch, gegen Rohrberg im Finale zu stehen“, meinte Floto und blieb seiner erfolgreichen Taktik treu. „Ich schieße gerne hinterher. Eine Neun des Gegners wirkt auf mich beruhigend und baut mich auf.“ Der Modellathlet, der gerne vor einem Bogenwettkampf noch für 1.500 Meter zum Schwimmen geht, bestand die Aufholjagd des ehemaligen Hallenweltmeisters mit Bravour. In der dritten Passé schien Rohrberg den Ausgleich zum 86:86 geschafft zu haben, doch die Endauswertung der Treffer an der Scheibe durch den Kampfrichter änderte den Zwischenstand auf 87:85 für Floto. Die letzten drei Pfeile waren dann nur noch Formsache und Florian Floto gewann mit 116:114 Ringen seinen ersten Deutschen Meistertitel bei den Männern. „Mehr war heute gegen Floto nicht drin, er hat verdient gewonnen“, bekannte nach seiner Niederlage Sebastian Rohrberg, der im Hallenbogenschießen auf seinen zweiten Titel nach 2005 weiter warten muss. |
Immer wieder musste sie Hände schütteln. Kaum einen Schritt konnte sie in der Wiedigsburghalle tun, ohne dass ihr jemand anerkennend auf die Schulter klopfte. Karina Winter stand im Mittelpunkt der über 500 Teilnehmer bei den Deutschen Hallenmeisterschaften, nachdem sie eine Woche zuvor in Polen den Weltmeistertitel gewonnen hatte. Im Jahr 2007 hatte sie ihren ersten Deutschen Meistertitel in der Halle bei den Frauen gewonnen und die 23-Jährige wollte in Nordhausen ihr Können noch einmal eindrucksvoll unter Beweis stellen. Mit 586 von 600 möglichen Ringen zeigte sie im 60-Pfeile-Vorkampf der Frauen eine überragende Leistung und gewann mit 15 Ringen Vorsprung gegenüber der Zweitplatzierten Lisa Unruh. Für das unerwartete Aus der Favoritin sorgte Silke Windmüller vom BSC Wendisch-Evern. Im Shoot-Off gegen Andrea Deusch aus Waldmössingen hatte die 35-jährige glücklich das Finale der besten 16 Frauen erreicht. Die scheinbar einseitige Begegnung eröffnete Karina Winter mit einer 56:54 Führung nach sechs Pfeilen. Doch plötzlich schoss die kleine Berlinerin alle ihre Pfeile links tief. „Ich dachte, es stimmt schon und passt bald wieder. Ich habe einfach zu spät reagiert.“ Die Schwäche von Karina Winter nutzte Silke Windmüller zur 81:80 Führung nach neun Pfeilen. Bergmann-Borsig-Trainerin Irene Abel beobachtete ihren Schützling: „Sie hat darauf vertraut, das es wie in der Vorrunde klappt und zu spät ihr Visier verstellt.“ Trotz einer 29er Schlußpassé kam das Erstrundenaus für die Weltmeisterin. Nach dem völlig überraschenden 110:109 Sieg über die Favoritin gelang es Silke Windmüller mit dem Erfolg über Diana Romstedt von BS Döbeln bis ins Halbfinale einzuziehen.
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Ihr starker Auftritt wurde beendet von Susanne Poßner, die mit 112:107 Ringen den Einzug ins Goldfinale schaffte. Zuvor hatte sie glücklich im Shoot-Off nach 114:114 Unentschieden gegen Jutta Pepperl den Sprung ins Halbfinale geschafft. Die 21-Jährige traf in ihrem ersten Goldfinale bei den Frauen auf Lisa Unruh. Die Vorentscheidung des Finales der beiden Nationalschützinnen fiel nach neun Pfeilen, als Susanne Poßner ihre Ein-Ring-Führung auf 89:87 ausbaute. „Das ist aufregender als bei der Weltmeisterschaft“, kommentierte Susanne Poßner das Duell mit ihrer Vereinskameradin, „denn ich kenne Lisa sehr gut.“ Mit dem 118:116 Finalsieg über Lisa Unruh erfüllte sich Susanne Poßner ihre eigenen Erwartungen, denn: „die WM-Medaille hat bei den Deutsche Meisterschaften für zusätzlichen Druck gesorgt. Ich bin stolz, dass ich so gut das Goldfinale geschossen habe.“ Trotz der knappen Niederlage wirkte Lisa Unruh zufrieden mit ihrem ersten Auftritt bei den Frauen: „Ich habe in die Erwachsenenwelt reingeschnuppert. In der Vorrunde war ich noch zu zögerlich und habe oft abgesetzt. Das war nicht zufrieden stellend.“ In der Finalrunde zeigte die 19-Jährige ihre beste Leistung im Halbfinale gegen Christina Schäfer, das sie mit 114:111 Ringen gewann, bevor sie ihrer Vereinskameradin ein starkes Finale um den Meistertitel lieferte.
Mit einem Favoritensieg begannen die Titelkämpfe der Compoundbogenschützen. Robert Hesse, Paul Titscher und Dennis Eiden verteidigten für Rot-Weiß Hamm erfolgreich den Mannschaftstitel. Ohne ihre langjährigen Leistungsträger Andre Grawinkel und Axel Langweige hatten die Sherwoodschützen von BSC Herne keine Chance, die Siegesserie zwischen 2001 und 2007 fortzusetzen und mussten sich sogar mit Rang drei hinter den Berliner Bogenschützen zufrieden geben, die seit zehn Jahren nicht mehr auf dem Siegerpodest ganz oben standen.
Im Einzelwettbewerb der Männer gewannen Marcus Laube vom BSC Garbsen, Robert Hesse von Rot-Weiß Hamm und der Querumer Kai Knechtel ringgleich den Vorkampf. Dahinter folgte auf Rang vier Carsten Kunert, der bei seiner ersten DM-Teilnahme für die Sensation im Finale sorgen sollte. Mit Kunert gleichauf belegte Paul Titscher als Titelverteidiger Rang vier unter 43 gestarteten Aktiven der Schützenklasse, doch schon in der ersten Runde endete das Finale für den 22-jährigen Nationalschützen mit einer 113:116 Niederlage gegen Ludwig Wolf. „Ich bin jungfräulich ins Finale gegangen“, erzählte der 43-jährige Wolf nach einer starken Finalrunde, die mit der Bronzemedaille belohnt wurde. „Das Finale war wunderbar“ strahlte der Oberfranke über seinen bisher größten Bogensporterfolg, „damit hätte ich nie gerechnet.“ Nach dem Auftakterfolg über Paul Titscher beendete Wolf den Auftritt des Vorkampfersten Marcus Laube mit 118:115 Ringen im Viertelfinale. Den Einzug ins Goldfinale verpasste Ludwig Wolf denkbar knapp gegen Kai Knechtel nach 115:115 im Halbfinale und dem anschließenden Shoot-Off, das der Querumer beim zweiten Stechschuss mit 10:9 gewann. Kai Knechtel hatte im Jahr 2007 den Recurve- mit dem Compoundbogen getauscht. „Er kann gut reinhalten und halten. Das haben wir erkannt“, erklärte Querums Trainer Adolf Kemper das Talent des 28-jährigen aus Uelzen, „Wenn ich ihm etwas sage, setzt er es sofort um.“ Der Umstieg zum Compoundbogen vollzog Knechtel vor dem Hintergrund, das er „aus dem Mittelfeld der Recurvebogenschützen raus wollte.“ Bei seiner dritten DM-Teilnahme mit dem Compoundbogen gelang ihm nach einer starken Vorrunde eine glänzende Finalrunde, die ihn bis ins Goldfinale gegen Carsten Kunert brachte. Auf dem Weg dahin besiegte er im Viertelfinale den Berliner Rainer Voss mit 114:113) und behielt im Shoot-Off gegen Ludwig Wolf die besseren Nerven.
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Auf seinem Weg durch das Finale hatte Carsten Kunert die schwersten Hürden im Achtel- und Viertelfinale zu überwinden. In der ersten Runde setzte er sich knapp mit 116:115 gegen Ulrich Gobel aus Seesen durch und im Viertelfinale brachte er zwei Stechschüsse um nach 113:113 Remis mit 10:9 gegen Uwe Tell aus Leerhafe-Hovel zu gewinnen. Eine schnelle Führung nach drei Pfeilen mit 29:27 war die Grundlage zum sicheren Halbfinalsieg über Thomas Hasenfuß. Der 32-jährige Nationalschütze aus Bellingen konnte gegen den konzentrierten Linksschützen den Rückstand nicht aufholen und schied mit 112:115 im Kampf um das Goldfinale aus.
Nach ausgeglichenem Beginn gelang Carsten Kunert in der dritten Drei-Pfeile-Passé die Vorentscheidung im Titelkampf gegen Kai Knechtel. Mit drei optimalen Zehnern zog er seinem Querumer Gegner mit 87:85 Ringen davon und holte sich drei Pfeile später mit 117:114 seinen ersten Deutschen Meistertitel. „Das habe ich gut durchgezogen“, freute sich Kunert nach seinem Sieg. Dabei hatte er sich bei seiner ersten DM-Teilnahme nur einen Platz unter den besten 16 für den Start in der Finalrunde vorgenommen.
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Die Überraschung bei den Frauenwettbewerben mit dem Compoundbogen war der Zweikampf in der Teamwertung zwischen Stahl Unterwellenborn und der FSG Buchloe. Weder die Titelverteidigerinnen der SG Freiburg noch die zwischen 2005 und 2007 dreimal siegreichen Hamburgerinnen konnten im Zweikampf der beiden Teams aus Thüringen und Bayern mithalten. Erst mit den letzten Pfeilen holten Andrea Weihe, Bianca Pfeifer und Erika Rakel den Titel für den SV Stahl Unterwellenborn. Trotz der knappen Niederlage strahlte das Team der Buchloer Feuerschützengesellschaft, denn Sigrid Sauter hatte zusammen mit ihren Töchtern Sabine und Patricia bei der ersten DM-Teilnahme auf Anhieb Silber gewonnen. Höhepunkt für die Sauter-Familie war die Finalrunde der beiden Zwillingsschwestern, die mit dem Sieg von Sabine Sauter endete. Die beiden 19-jährigen, ehemaligen Junioren-Nationalschützinnen trafen gleich in der ersten Finalrunde aufeinander. Im Vergleich der beiden Zwillingsschwestern behauptete sich Sabine Sauter mit 114:113 Ringen und die Vorkampfzweite trat danach zu einem unwiderstehlichen Siegeszug durch die Finalrunde an. Im Viertelfinale ließ sie Velia Schall vom FC Pech keine Chance mit 114:109 Ringen. Danach schaltete sie die Freiburgerin Natalia Douchenok im Halbfinale mit 114:111 Ringen aus und in der Titelentscheidung bestimmte sie von Beginn an das Geschehen. In jeder Passé erhöhte sie gegen Katharina Masch ihren Vorsprung und gewann mit 117:113 Ringen ihren ersten Deutschen Meistertitel bei den Frauen. „Ich dachte, dass ich gut dabei sein kann, aber nicht, dass ich so durchmarschiere“, meinte anschließend Sabine Sauter, bei der in diesem Jahr die Prüfung zur Steuerfachangestellten im Vordergrund steht und sie dadurch nicht am Ranglistenschießen teilnahm. „Meine Erwartung hier war, dass ich schön schieße und ins Finale komme. Erst im Jahr 2010 geht es wieder richtig weiter, dann will ich in die Nationalmannschaft.“ Katharina Masch, im Vorjahr Elfte der Damenklasse, hatte im Viertelfinale überraschend die Vorkampferste Silke Höttecke von Sherwood-Herne nach 112:112 Unentschieden und drei Stechschossen besiegt und den Finaleinzug mit 113:112 gegen Bianca Pfeifer von Stahl Unterwellenborn geschafft. „Damit bin ich sehr zufrieden, ich hatte hier keine Erwartungen“, meinte Masch nach der Niederlage im Finale gegen Sabine Sauter.