Mit zwei Fahrkarten zum Titelgewinn
Deutsche Meisterschaften im Hallenbogenschießen in Hanau
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
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Die Deutschen Meisterschaften im
Hallenbogenschießen wurden vom 5. bis 7. März 2004 erstmals in Hanau
ausgetragen. Zehn Wochen vor den Europameisterschaften in Brüssel, bei
denen die deutschen Nationalschützen ihre letzte Chance für die
Teilnahme an den Olympischen Spielen in Athen haben, setzten die
Hallentitelkämpfen in Hanau für eine Reihe von Aktiven den Schlußpunkt
bevor der Startschuss für die Saison im Freien fällt.
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Goldjunge Blum sorgt für die Überraschung
Von den vier Erstplatzierten des Vorkampfs schafften es nur Sebastian Rohrberg und Michael Frankenberg ins Halbfinale. Nach seinem 173:167 Sieg über den Berliner Thomas Zeh beendete Frankenberg die Hoffnungen von Udo Böttcher auf einen Titelhattrick. Der Vorjahresmeister vom SV Querum geriet nach sechs Pfeilen in Rückstand und konnte gegen den konzentriert schießenden Frankenberg keinen Ring mehr aufholen. Sebastian Rohrberg zeigte sich in blendender Form und ließ Bruno Wörrlein im Achtelfinale (178:165) und Marc Siebert im Viertelfinale (118:111) keine Siegchance. Erst im Halbfinale wurde es für den amtierenden Feldbogen-Europameister ernst. Gegen Maik Herrmann eröffnete Rohrberg das Match mit sechs Zehner und schaffte damit den entscheidenden Zwei-Ringe-Vorsprung zum 118:116 Erfolg. Im Finale wartete aber nicht Michael Frankenberg, sondern Robert Blum, der nach einem spannenden Match gegen den Vorjahresdritten erstmals ins Goldfinale der Herren einzog. Blum hatte zuvor Fröse-Bezwinger Bernhard Niewerth mit 116:113 gestoppt und von da an lief es rund für den "Goldjungen" des Bundesligameisters FSG Tacherting.
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Erstmals standen sich im Goldfinale Robert Blum und Sebastian Rohrberg gegenüber. Eine Woche vor seinem 25. Geburtstag hatte Rohrberg zum drittenmal in Folge das Herrenfinale bei den Hallenmeisterschaften erreicht. Die Entscheidung fiel in der letzten Passé, als der Dauelser Bundesligaschütze eine Acht schoss: "Ein Scheiß-Schuss", fluchte er anschließend, "ich wußte das vorher und hätte absetzen sollen." Robert Blum nutzte die Chance und holte sich mit 113:112 Ringen seinen ersten Deutschen Meistertitel bei den Erwachsenen.
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Anja Hitzler schießt zweimal vorbei und gewinnt
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Während die Favoritin fehlte, rückte Anja Hitzler in den Blickpunkt. Die 21-jährige von der Sgi Welzheim hatte ihre Enttäuschung von der verpaßten EM-Qualifikation verkraftet und zusammen mit Bundestrainer Viktor Bachmann neue Pfeile ausprobiert, die sie erstmals in Hanau einsetzte. Mit 291 von 300 möglichen Ringen eröffnete sie den Vorkampf und es schien, als würde sie nach ihrem Juniorenrekord im Vorjahr (582) in der Damenklasse auf Anhieb den sechs Jahre alten Deutschen Rekord von Natalia Boutouzova brechen können. Ein Fehlschuss in der vorletzten Passé beendete die Rekordjagd, doch es reichte, um mit 575 Ringen den Vorkampf zu gewinnen. |
Im Achtelfinale wartete mit Hedi Mittermaier die deutsche Feldbogenspezialistin aus Stein/St. Georgen. Es sollte eine klare Angelegenheit für Anja Hitzler werden, doch plötzlich leistete sie sich den zweiten Fehlschuss: "Ich habe durch den Klicker geschossen", erzählte sie später, "aber ich habe mir gesagt, einfach weitermachen." Mit zwei Zehner machte sie den Rückstand schnell wett und zog mit 168:156 gegen die chancenlose Mittermeier ins Viertelfinale ein. Claudia Wohlleben aus Oberkotzau war mit 108:115 Ringen keine ernsthafte Gegnerin für Anja Hitzler, die erst im Halbfinale gegen Veronika Haidn-Tchalova kämpfen mußte. Die Russin vom Tachertinger Bundesligameister führte nach sechs Pfeilen mit 58:57 Ringen, doch Hitzler konterte und zog mit 116:114 Ringen ins Goldfinale ein. Als Gegnerin wartete Sylvia Frank von der SG Norderstedt, die zum zweitenmal nach ihrer Niederlage gegen Cornelia Pfohl im Jahr 2002 das Frauenfinale erreicht hatte.
| Sylvia Frank stand dafür vor dem
größten Erfolg ihrer 14-jährigen Bogensportkarriere. Nach drei Pfeilen
führte sie im Finale gegen Anja Hitzler mit 28:27. Die Welzheimerin
konterte und führte nach neun Pfeilen mit 86:85, bevor Sylvia Frank mit
dem letzten Schuss wieder den Ausgleich zum 113:113 schaffte. Im Shoot-Off
behielt Anja Hitzler die besseren Nerven und siegte mit 10:9. "Dieser
Sieg ist sehr wichtig für mich", strahlte sie danach, "es ist
mein erstes Jahr in der Damenklasse und das war der Startschuss für die
Europameisterschaft in Brüssel."
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Unbekümmerter Rübbelke wird im Finale warm
Mit einer faustdicken Überraschung endete das Herrenfinale mit dem Compoundbogen. Hermann Rübbelke besiegte im Goldfinale Rainer Voss mit 118:113 Ringen und holte sich damit seinen ersten deutschen Meistertitel. "Im Finale bin ich richtig warm geworden", so der 42-jährige aus Dellbrück, der erst seit Juli 2002 aktiv mit dem Bogen schießt. Der Diplom-Biologe hatte als Zehnter der 44 Starter in der Compoundbogen-Herrenklasse das Finale erreicht. Nach Siegen über den Solinger Ralf Lafleur (170:168), den Vorkampfzweiten Olaf Boldt (116:112) und dem Berliner Lars Klingner (114:112) traf er im Finale auf Voss.
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Der Berliner Nationalschütze hatte zuvor im Halbfinale den bis dahin klar dominierenden André Grawinkel mit 117:115 Ringen gestoppt. Rainer Voss hoffte auf seinen ersten Deutschen Meistertitel ("Ich war schon öfter Zweiter und Dritter") und zeigte trotz einer Fußverletzung eine starke Vorstellung. Die Vorentscheidung im Finale fiel in zweiten Passé, als Rübbelke mit 59:57 Ringen in Führung ging. Ruhig und konzentriert ließ er sich diesen Vorteil nicht mehr nehmen. "Er hat super geschossen", mußte Voss nach seiner glatten Finalniederlage seinem Gegner Anerkennung zollen. |
Der vierte Titel und ein wunderbarer Trainer
Ihren vierten Deutschen Meistertitel im Hallenbogenschießen holte sich in Hanau Martina Schacht. Die Hamburger Krankenschwester hatte zwischen 1999 und 2001 dreimal in Folge gewonnen, sich dann aber auf das Feldbogenschießen konzentriert.
| "In letzter Zeit war ich sehr unzufrieden mit mir, ich hatte ein großes Motivationsproblem", erzählte sie nach ihrem Finalsieg über Natalila Douchenok (116:114). Martina Schacht hat sich für dieses Jahr die Teilnahme an den Feldbogen-Weltmeisterschaften in Kroatien als Ziel gesteckt und blieb im Vorkampf der Deutschen Hallentitelkämpfe als Zehnte unter ihren Möglichkeiten. Doch in der Finalrunde lief es bei der erfahrenen Nationalschützin. Mit 174:167 Ringen besiegte sie Melanie Konstantinou und warf danach ihre Teamkameradin Monika Blume-Thasler (115:112) aus dem Rennen. Im Halbfinale wartete mit Dorith Landesfeind die Meisterin des Jahres 2002. Das Duell wurde früh durch einen Fehlschuss von Landesfeind entschieden. |
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"Norbert Knöbel zeigt mir wie man Zehner schießt und dabei noch eine gute Figur macht", lobte die attraktive Natalia Douchenok den ehemaligen Compoundtrainer des Deutschen Schützenbundes, "er ist einfach ein wunderbarer Trainer." Die größere Erfahrung von Martina Schacht gab im Finale dann aber den Ausschlag gegen die erst im zweiten Jahr schießende Natalia Douchenok. Die Hamburgerin ließ sich ihren Vorsprung nach der zweiten Passé nicht mehr nehmen und siegte mit 116:114 Ringen.