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Wenn bei Böttcher das Adrenalin kommt

Deutsche Meisterschaften im Hallenbogenschießen in Sindelfingen vom 14. bis 16. März 2003

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Eine Woche nach den Weltmeisterschaften in Nimes wurden die Deutschen Meisterschaften im Hallenbogenschießen in Sindelfingen ausgetragen. Ihre gute Form von der WM in Frankreich brachten fast alle Nationalschützen mit und dominierten unter den über 600 Startern die Titelkämpfe.

Hochspannung herrschte im Sindelfinger Glaspalast bei der Entscheidung in der Recurve-Herrenklasse, die Bundestrainer Viktor Bachmann mit gemischten Gefühlen verfolgte. "Es ist keine angenehme Situation, wenn die Spitzenschützen nicht voll trainieren können".

Während Udo Böttcher den starken Michael Frankenberg stoppte, schien sein Finalgegner Sebastian Rohrberg unaufhaltsam seinen ersten DM-Titel anzuvisieren. "Wer will diesen Jungen heute noch schlagen" fragte Moderator Stefan Griem ins weite Rund des Sindelfinger Glaspalastes.

Im Finale gegen Udo Böttcher, der den Logic-Bogen für Rohrberg gebaut hat, schien es nur eine Formsache zu sein, dass es zur Wachablösung bei den Herren kommt. Doch Böttcher hielt im 12-Pfeile-Finale dagegen und in der dritten Drei-Pfeile-Serie kamen die Patzer bei Rohrberg: "Drei Neuner verkraftet man nicht so schnell", erklärte er die entscheidende Phase, "irgentwann schießt man sie halt". Böttcher nutzte Rohrberg´s Schwächephase zum vorentscheidenden 87:85. Beide Konkurrenten beendeten das Finale mit drei Zehner und wiederholten mit 117:115 Ringen das gleiche Ergebnis wie im Vorjahr. "Das war oberaffengeil", jubelte Böttcher nach seinem Sieg über den scheinbar unbezwingbaren Rohrberg, "so ist es, wenn das Adrenalin kommt".

Die Schlüsselpartie bei der Frauen-Entscheidung fand im Viertelfinale zwischen Titelverteidigerin Cornelia Pfohl und Wiebke Nulle statt. Cornelia Pfohl hatte seit 1998 viermal den deutschen Hallentitel gewonnen und nach Rang drei im Vorkampf das Finale mit einem glanzvollen 177:164 Sieg über Karin Winterberg eröffnet. Wiebke Nulle mußte wegen einer Viruserkrankung auf die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Nimes verzichten: "Durch die Erkrankung habe ich ziemlich abgenommen und bin daher ziemlich kraftlos. Ich konnte anfangs keine 90 Pfeile am Stück schießen und mußte daher erst mal wieder Kraft aufbauen".

Erst Wiebke Nulle stoppte den Siegeszug von Veronika Haidn-Tchalova. Immer wieder wechselte die Führung in dem spannenden Duell. Über 28:29, 57:56, 86:86 kam es zum 114:114 Gleichstand. Im Shoot-Off legten beide Konkurrentinnen schnell vor, schafften aber mit Neuner keine Entscheidung. Im zweiten Stechschuss ließ sich Wiebke Nulle mehr Zeit und behielt die besseren Nerven. Die erneute Neun der Russin konterte die 22-jährige Wahl-Berlinerin mit einer Zehn und zog ins Finale gegen Sabine Gutsell ein.

Die ehemalige Nationalschützin aus Kempten hatte mit 580 Ringen den Vorkampf gewonnen und mühelos die Finalrunde überstanden. Doris Floto (146:170) und Manuela Kaltenmark (105:115) hatten ebenso keine Chance wie Manuela Schwarz, die im Halbfinale mit 112:117 Ringen glatt verlor. Doch im Finale um Gold zeigte die FSG-Schützin erstmals Nerven. Eine Acht und eine Sieben nutzte Wiebke Nulle zur Vorentscheidung und holte sich mit 113:112 ihren ersten Deutschen Meistertitel bei den Frauen. "Damit habe ich heute nicht gerechnet", jubelte Wiebke Nulle und mit ihr freute sich Bundestrainer Martin Frederick: "Für Wiebke war es eine lange Durststrecke. Heute hat sich eine tolle Arbeitsweise gezeigt. Sie packt es wieder an!"

Neue Deutsche Rekord hatten zunächst das Geschehen bei den Compoundbogenschützen bestimmt. In den Mannschaftswettbewerben stellten Axel Langweige, André Grawinkel und Thorsten Kloß ebenso neue Deutsche Bestmarken auf, wie bei den Frauen das neuformierte Team der SG Freiburg. Die vom ehemaligen Compound-Bundestrainer Norbert Knöbel betreuten Gudrun Keller, Natalia Douchenok und Christina Knöbel beendeten die seit dem Jahr 2000 anhaltende Siegesserie der Hamburger Feldbogenschützen.

Mit einer faustdicken Überraschung endete die Einzelentscheidung bei den Frauen. "Wenn Sie einmal in Schwung kommt, ist sie nicht mehr zu stoppen", zollte Compound-Bundestrainer Falk Thiele der neuen Deutschen Meisterin seine Anerkennung. Heike Ehrlich (ehem. Kannengießer) hatte schon einmal im Jahr 1998 beim Bogen-Fita die nationale Konkurrenz in den Schatten gestellt und der Freitag-Nachmittag entwickelte sich wieder zu einer Gala der Bankkauffrau aus Frankfurt.

Im Viertelfinale warf Heike Ehrlich mit Dorith Landesfeind die Titelverteidigerin aus dem Rennen und im Halbfinale hatte Regina Krug aus Ebnat (116:108) keine Siegchance. Im Finale wartete Gudrun Keller, die auf ihrem Weg durch die Finalrunde mit Petra Dortmund (113:111) eine der Favoritinnen ausgeschaltet hatte. Im Goldfinale dominierte Heike Ehrlich vom ersten Pfeil an und führte nach sechs Schüssen schon klar mit 59:55 Ringen. Trotz des ersten Deutschen Hallentitels nach dem 115:109 Sieg veränderte die Rüsselsheimerin ihre Ziele nicht: "Ich konzentriere mich auf das Feldbogenschießen, mein Ziel ist die Europameisterschaft in Frankreich."

Mehr über die Deutschen Meisterschaften im Hallenbogenschießen lesen Sie in der April-Ausgabe der

Deutschen Schützenzeitung

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