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Sandra Sachse hat das Welzheimer Team fest im Griff

SGi Welzheim gewinnt Finale der Bogen-Bundesliga in Braunschweig

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

 

Der Moment des Sieges kam mit Verzögerung. Auf dem Rängen jubelten die Fans der SGi Welzheim, doch an der Schießlinie waren sich die Aktiven noch nicht sicher, wer beim zwölften Finale in der Bogen-Bundesliga des Deutschen Schützenbundes den Titel gewonnen hat. Im Finale stand es nach 23 von 24 Pfeilen zwischen Gastgeber Querum und der SGi Welzheim 222:222 Unentschieden. Entscheiden die letzten Pfeile von Florian Floto und Jeff Henckels, oder wird ein Shoot-Off um die Vergabe des Meisterspiegels erforderlich. Der Querumer schießt zuerst und die Einheimischen in der Braunschweiger Sporthalle „Alte Waage“ stöhnen auf: Neun!. Jetzt liegt es an Jeff Henckels. Der Luxemburger hat den Titel für die SGi Welzheim im Visier. Gespannt warten die 200 Zuschauer und die beteiligten Mannschaften auf den letzten Schuss. Der 24-jährige lässt sich Zeit. Seit sechs Jahren schießt er für die Welzheimer SGi, doch zum Titelgewinn hat es in dieser Zeit noch nicht gereicht. Hinter Henckels wartet Trainerin Sandra Sachse auf den Schuss ihres Schützlings. Die 39-jährige Olympiamedaillengewinnerin von 1996 und 2000 hat die großen Welzheimer Erfolge mit drei Meistertiteln in der Bundesliga maßgeblich mitbestimmt. Jetzt steht sie einen Meter hinter Henckels und kann nur noch zuschauen. „Das ist schlimmer als selbst zu schießen“, bekennt sie später als die Spannung beim Finale der Bogen-Bundesliga ihren Höhepunkt erreicht hatte. Christian Weiss,  bis zu diesem Zeitpunkt der Stimmungsmacher im Welzheimer Team hat die Fäuste geballt und drückt die Daumen. Dahinter betet Ersatzschützin Anna-Lisa Neher und Camilo Mayr scheint, wie im Verlauf des gesamten Finales, nichts aus der Ruhe bringen zu können. In diesem Moment schießt Jeff Henckels und Sekundenbruchteile später leuchtet die erhoffte „Zehn“ auf. Gewonnen! Oder doch nicht ? Erst muss die Endauswertung an den Scheiben vorgenommen werden. Mit der Lupe überprüft die Kampfrichterin alle Treffer und dann die Entscheidung. Zwei Ringe Abzug für Querum. Welzheim hat mit 232:229 Ringen zum vierten Mal den Deutschen Meistertitel der Bogenschützen gewonnen. Auf den Rängen gibt es jetzt kein Halten mehr. Der stimmungsvolle Welzheimer Anhang feiert das Team, das sich mit einer Welle bedankt. „So eine Unterstützung habe ich noch nicht erlebt“, freute sich Alt-Bundestrainer Franz Baum und Welzheims Vereinschef Manfred Baum ist ganz aus dem Häuschen. „So eine dynamische Mannschaft haben wir noch nie gehabt. Sie passen einfach zusammen und powern sich gegenseitig hoch.“

Mit dem Sieg in Braunschweig endete eine lange Durststrecke für die Welzheimer Bogenschützen in der Bundesliga, die seit dem letzten Titelgewinn im Jahr 2003 viele Enttäuschungen erlebten. Immer im Finale dabei und stets einer der Mitfavoriten scheiterten die Württemberger fünf Mal in Folge im Halbfinale. In dieser Saison übernahm Sandra Sachse das Training und formte ein neues Team, das sich in der Vorrunde seine Titelambitionen anmeldete. „Wir haben das ganze Jahr über konstant geschossen“, zog Sandra Sachse das Fazit nach ihrem bisher größten Erfolg als Trainerin. „Diesen Sieg habe ich insgeheim erwartet. Ich habe immer auf die gleiche Mannschaft vertraut und habe sie gut im Griff. Besonders wenn es einmal knapp wurde, haben sie sich immer zusammen gerissen.“ Gerade in der entscheidenden Phase des Finales zeigten die drei Welzheimer ihre Nervenstärke. „So haben sich alle drei ihren ersten Titelgewinn verdient“, freute sich die Trainerin, als der Sieg geschafft war. Nach zwölf der 24 Pfeile im Finale auf 18 Meter Entfernung führten die Welzheimer gegen das Querumer Trio mit 117:114 Ringen und zum Auftakt der dritten Passé patzte Michael Frankenberg mit einer Acht. Doch die Braunschweiger wollten sich mit dem dritten Vizemeistertitel nach 2005 und 2007 nicht abfinden. Jens Pieper brachte die Schützlinge von Cheftrainer Adolf Kemper wieder heran und erst der letzte Pfeil von Florian Floto besiegelte die erneute Finalniederlage. „Aller guter Dinge sind drei“, hatte zuvor Moderator Uwe Tressel die Einheimischen auf das Finale eingestimmt, nach die Braunschweiger im Halbfinale sich gegen das von Bundestrainer Martin Frederick favorisierte Berliner Team mit den Nationalschützinnen Susanne Possner, Elena Richter und Lisa Unruh besiegt hatte. In der Schlussphase unterlief Lisa Unruh eine Acht: „Heute habe ich schön geschossen, aber nichts getroffen“, meinte die 20-jährige nach der 226:230 Niederlage gegen Querum selbstkritisch. Das Meisterteam von 2007 verlor anschließend auch das kleine Finale gegen Sherwood Herne mit 228:231 Ringen und ging als Vierter bei der zwölften Finalteilnahme zum vierten Mal leer aus. „Wir sind mit dem Ziel eine Medaille zu holen hergefahren“, meinte anschließend Trainerin Irene Abel, die mit dem Berliner Team schon acht Mal auf dem Siegerpodest stand und drei Meistertitel für Bergmann Borsig feiern konnte. „Die vier Mädels sind alle gleich gut und so ist es schwierig sich für die drei Schützinnen zu entscheiden. Heute lief es nicht wie gewohnt.“

 

Seit Jahren in unveränderter Formation schießt das Team des SV Querum, dessen Trainer Adolf Kemper sich in diesem Jahr aus gesundheitlichen Gründen nicht an vorderster Linie befand. Kemper verfolgte den Kampf seiner Schützlinge aus dem Hintergrund und sah die routinierte Mannschaft mit Michael Frankenberg, Jens Pieper und Florian Floto in einem starken Halbfinale gegen Berlin. Ab dem zwölften Pfeil dominierten die Braunschweiger und nutzten die Berliner Schwächen zu einem ungefährteten Erfolg. Der SV Querum mit Vereinschef Jürgen Wendt hatte zum dritten Mal die Ausrichtung eines Bundesligafinales übernommen, doch das Ziel den Titel erstmals zu gewinnen schafften die drei Braunschweiger wieder nicht.

 

Während die Querumer mit dem dritten Vizemeistertitel haderten wirkte André Grawinkel nach dem erneuten dritten Platz für den BSC Sherwood Herne zufrieden. „Der dritte Rang ist okay“, meinte der Teammanager von Herne, „und die Medaille ist das Wichtigste. Wir haben die gleichen Resultate erzielt wie in der Vorrunde, obwohl wir mit Marius Neyer einen der Leistungsträger ersetzen mussten. Unsere Nummer eins hätte ich gerne dabei gehabt, doch dafür hat Tim Großmann seine mit Abstand beste Leistung in der Bundesliga gezeigt.“ Leichte Schwächen offenbarte bei Sherwood Herne der sonst zuverlässige Jan-Christopher Ginzel. „Er hat seine Technik umgestellt“, erklärte André Grawinkel. „Wir haben aber eine konstante Entwicklung und das alles mit Eigengewächsen.“ Im kleinen Finale um die Bronzemedaille bestimmten die drei Sherwood-Schützen von Beginn an das Geschehen und ließen sich ihren Vorsprung bis zum 231:228 Sieg von den drei Berlinerinnen nicht streitig machen. Auch die Einwechslung von Karina Winter für Lisa Unruh konnte die Berliner Medaillenhoffnungen im kleinen Finale nicht erfüllen.

 

„Wir haben die Vorrunde im Norden gewonnen, das war schon sehr gut“, erklärte André Grawinkel und nach den gezeigten Saisonleistungen galten die Sherwoodschützen mit Tim Großmann, Rafael Poppenborg und Jan-Christopher Ginzel als Mitfavoriten auf den Titel. Im Halbfinale gegen Welzheim führte das Sherwood-Trio nach sechs Pfeilen mit 58:56. Unterstützt von ihrem lautstarken Anhang glichen die Welzheimer nach zwölf Pfeilen zum 114:114 aus. Mit einer Acht hatte es Jan-Christopher Ginzel verpasst, die Herner Führung zu behaupten. Der 22-jährige musste in der Schlussphase sich immer wieder gegen starken Jeff Henckels behaupten. Der Luxemburger nutzte eine Neun von Ginzel zur 172:171 Führung, doch die letzten Sechs-Pfeile-Passé eröffnete Camilo Mayr für Welzheim mit einer Acht. Tim Großmann drehte mit einer Zehn das Match zugunsten von Sherwood, doch der kämpferische Christian Weiß wuchs in dieser entscheidenden Phase über sich hinaus. Auf Position zwei für Welzheim brachte er sein Team mit zwei Zehner wieder in Front und Jeff Henckels behauptete den Ein-Ring-Vorsprung zum 230:229, nachdem die Kampfrichterentscheidung an der Scheibe über einen strittigen Treffer zugunsten der Welzheimer ausfiel.

Erster Verlierer des Bundesligafinales war Titelverteidiger FSG Tacherting. Die Bayern schieden in der Vorrunde mit nur einem Pluspunkt aus. Der dreifache Meister um den erfahrenen Armin Garnreiter begann selbstbewusst und führte im Auftaktmatch gegen Querum zunächst klar mit 59:56 und 118:115 Ringen. Es schien sich zu bestätigen, dass die Tachertinger eine echte Turniermannschaft sind, die in entscheidenden Phase zulegen kann. Für die schwangere Veronika Haidn-Tchalova schoss auf Position zwei Robert Blum und zum Abschluss Daniel Hartmann. Ausgerechnet Armin Garnreiter fand bei der achten Tachertinger Finalteilnahme nicht zu seiner Bestform. „Wenn man nichts trifft, gewinnt man nicht“, so das kritische Fazit des 50-jährigen zu seiner eigenen Leistung. „Im zweiten Match habe ich nur 69 Ringe erzielt. Ich bin einfach nicht rein gekommen. Du merkst es, doch man kann nichts mehr machen.“ Im Match gegen Querum reichte es noch zum 228:228 Remis, doch dann folgte die enttäuschende 221:223 Niederlage gegen die Neumarkter Bogenschützen. „Das Leistungsniveau in der Spitze ist gestiegen. Hier muss man 230 Ringe abrufen, sonst verlierst Du.“ Für Garnreiter wurde die Besonderheit des Bundesligafinales in dieser Saison zum Verhängnis: „ Findest Du den Einstieg nicht, kann man das in der kurzen Zeit nicht ausgleichen.“ Nach der Pleite gegen die Neumarkter Neulinge kam Veronika Haidn-Tchalova für Armin Garnreiter ins FSG-Team. Mit der 32-jährigen steigerten sich die Bayern, doch gegen die starken Sherwood-Schützen aus Herne gab es Nichts zu gewinnen. Nach der 231:235 Niederlage war das vorzeitige Tachertinger Aus besiegelt und Veronika Haidn-Tchalova freut sich auf ihre Babypause. „Heute war mein letzter Schießtag. Es fällt mir schwerer zu schießen als beim ersten Kind. Ich bin ständig müde. Der Geburtstermin ist voraussichtlich im Juni und ich werde erst im Dezember oder Januar wieder mit dem Schießen anfangen.“

 

Nur den vierten und letzten Platz in der Vorrunde belegten die Feuchter Bogenschützen, doch das junge Team von Trainer Klaus Schwarz verdarb der Überraschungsmannschaft vom SV Zierenberg den Einzug ins Halbfinale. Nach den klaren Auftaktniederlagen gegen Berlin (223:233) und Welzheim (225:234) war der Meister  des Jahres 2004 vorzeitig ausgeschieden und die jungen Feuchter konnten im dritten Match gegen Zierenberg unbelastet an die Schießlinie gehen. Ein Remis hätte den Nordhessen zum Einzug ins Halbfinale gereicht, doch Oliver Obst, Nico Goldhahn und der für Christian Herrmann-Vogler im letzten Match eingewechselte Andreas Kohl siegten mit 224:221 Ringen. „Heute hatten wir eine siegfähige Konstellation, doch in allen Begegnungen fehlten und zwei bis drei Ringe. Unsere Routiniers haben nicht gegriffen“, analysierte Trainer Klaus Schwarz das fünfte Vorrundenaus der Feuchter seit dem Titelgewinn im Jahr 2004. „Aber wir sind eine einhundertprozentige Vereinsmannschaft und das ist eine Basis, mit der wir für die nächste Saison aufbauen.“

 

Die Zierenberger Niederlage bescherte dem Berliner Team, den nicht mehr erwarteten Einzug ins Halbfinale, nachdem die Bergmann-Borsig-Mannschaft überraschend gegen die Neulinge aus Zierenberg mit 229:230 Ringen verloren hatten. In diesem spannenden Match konnte Lisa Unruh die Berliner Führung zwei Pfeile vor Schluss nicht verteidigen. Eine Acht von Unruh nutzte Burkhard Gauding, um mit zwei Zehner den umjubelten Zierenberger Sieg zu sichern. Der Jubel über den Sieg drehte bei dem 49-jährigen ein Match später in Enttäuschung. Ausgerechnet Burkhard Gauding unterlief eine frühe Sieben, die die jungen Feuchter zur zwischenzeitlichen 115:110 Führung nutzten. „Ich habe mit dem Bizeps gezogen, dass ist mir seit zehn Jahren nicht mehr passiert“, haderte Gauding mit seinem Missgeschick. „Gegen Feucht hatten wir uns einen Sieg ausgerechnet.“ Gauding´s Mannschaftskamerad Ingo Joseph war dagegen zufrieden. „Wir haben hier mehr erreicht als wir wollten. Wir sind sehr zufrieden und haben gezeigt, das wir zurecht in die erste Liga aufgestiegen sind. Der Einzug ins Finale war schon ein voller Erfolg.“

 

„Wir haben die Anderen ganz schön ins Schwitzen gebracht“, freute sich Andrea Lerzer nach dem starken Auftritt der Neumarkter Bogenschützen bei ihrer ersten Finalteilnahme. Die Oberpfälzer hatten sich als Vierter der Südliga überraschend für das Finale qualifiziert und damit ihren Durchmarsch aus der Regional- in die erste Bundesliga gekrönt. „Wir können hier nur gewinnen“, meinte Coach Rudolf Zeitler und seine Mannschaft gab ihre Visitenkarte mit einer starken Leistung beim 230:232 Auftakt gegen Sherwood Herne ab. „Wir haben uns noch einmal gesteigert.“ Nach diesem Achtungserfolg überraschten Thorsten Ferstl, Andrea Lerzer und Jürgen Seibold die FSG Tacherting mit 223:221 Ringen und plötzlich hatten die Neumarkter sogar das Halbfinale im Visier. Gegen die Querumer Gastgeber hielt das Trio aus der Oberpfalz bis zum 18. Pfeil und dem 170:171 Zwischenstand mit. Erst eine Acht von Andrea Lerzer nutzten die Routiniers aus Querum, um das Match knapp mit 229:226 Ringen für sich zu entscheiden. Das Aus in der Vorrunde hatten die Neumarkter schnell vergessen, denn schon planten sie für die nächste Saison. „Im nächsten Jahr wollen wir in Neumarkt das Finale ausrichten“, kündigte Andrea Lerzer an.

 

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