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Anfeuerung im Klinsmann-Stil

Internationaler Juniorencup der Bogenschützen in Wyhl vom 18. bis 23. Juli 2006

Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung

Die Fußballweltmeisterschaft in Deutschland hat ihre Spuren hinterlassen – auch bei den Bogenschützen. Beim Junioren-Cup in Wyhl am Kaiserstuhl trafen sich 219 Nachwuchsschützen aus 22 Nationen, die an den Finaltagen für eine tolle Stimmung sorgten. Die Bogensportfreunde Wyhl mit ihrem Vereinschef Jürgen Oelke hatten mit einer glänzenden Organisation den Rahmen gesetzt für die viertägigen Wettkämpfe, bei denen die jugendlichen Sportler ihre Nationalfarben mit vielen Fahnen hervorhoben. Höhepunkt war das Mannschaftsfinale, als es bei den „Kadetten" zum Aufeinandertreffen der Teams aus Deutschland und Italien kam. Ganz wie bei den Fußballvorbildern hatten sich die Fangruppen hinter ihren Teams platziert und jeder geschossener Pfeil wurde mit frenetischen Anfeuerungsrufen begleitet. Das leidenschaftliche Match sah die favorisierten Italiener zunächst im Vorteil, doch in der dritten der vier Sechs-Pfeile-Serie schaffte das deutsche Trio überraschend den Ausgleich.

Da war auch Bundestrainer Martin Frederick nicht mehr zu halten und feuerte „seine Jungs" ganz im Klinsmann-Stil an. DSB-Vizepräsidentin Ute Krämer fieberte ebenso mit wie Bundesjugendleiter Dirk Eisenberg, der kommentierte: „Es gibt gute Jahrgänge, das hier ist ein ganz toller." Schließlich siegten die Italiener – fast wie beim Fußball – mit dem letzten Pfeil und feierten begeistert ihre einzige Goldmedaille. Der 15-jährige Jan Schmerling hatte den Ausgleich nicht mehr geschafft, doch die Enttäuschung hielt bei dem kleinen Berliner nicht lange. Seine Teamkameraden Camillo Mayr und Rafael Poppenburg hoben ihn auf ihre Schultern und feierten trotz der knappen 220:221 Niederlage. Schließlich hatten die deutschen Kadetten nach dem vierten Vorkampfplatz den Finaleinzug mit einer überzeugenden 215:201 Leistung gegen die klar favorisierten Ukrainer geschafft.

Bundestrainer Martin Frederick war mit der kämpferischen Einstellung seiner Nachwuchstalenten mehr als zufrieden. „Bei den Kadetten haben wir eine neue Truppe, für viele war es der erste internationale Einsatz. Der Junioren-Cup in Wyhl ist der Einstieg in die Saison und wir haben innerhalb Europas gezeigt, dass mit uns bei den Junioren-Weltmeisterschaften zu rechnen ist." Der Junioren-Cup ist nicht nur eine Standortbestimmung für die deutschen Nachwuchstalente. „Wir haben zwei Jahre lang die Länderwertung gewonnen", so Frederick, „beim zweiten Cup in Prag vom 8. bis 13. August wird abgerechnet und bis dahin zählt jede Medaille." Das deutsche Juniorenteam hat für den dritten Gewinn des Junioren-Cup´s mit drei Gold-, fünf Silber- und zwei Bronzemedaillen die Grundlage dazu gelegt.

Sportlicher Höhepunkt war die Rekordleistung von Christian Weiss, der zum Auftakt bei der 144-Pfeile Fita-Runde über Entfernungen von 90, 70, 50 und 30 Meter den 19 Jahre alten Deutschen Rekord von Andreas Lippolt überbot. „Ich war einfach gut drauf", erklärte der 18-jährige Schüler aus Erbach seine Rekordleistung von 1332 Ringen, „das habe ich nicht erwartet, denn ich habe noch nie über 1300 Ringe geschossen." Für Aufsehen hat Weiß bereits in der DSB-Bundesliga gesorgt, als er nach seinem Wechsel zu BS Feucht großen Anteil am Meistertitel der Franken hatte. „In den letzten beiden Jahren habe ich meine persönliche Technik entwickelt", so Christian Weiss, der auf einen Heimtrainer verzichtet. Schmunzelnd fügt er hinzu: „Ich schaffe das alleine und wenn ich neues Material habe, schieße ich immer Bestleistungen." In seinem letzten Juniorenjahr hat sich Christian Weiss die Teilnahme an den Weltmeisterschaften in Mexiko als Ziel gesetzt, blickt aber schon in Richtung 2008. „Ich will einmal unbedingt bei Olympia dabei sein, doch in zwei Jahren habe ich auch meine Abitur-Prüfungen."

Für Bundestrainer Martin Frederick ist Christian Weiss einer der großen Hoffnungen im Nationalteam. „Er hat das ganze Jahr schon eine gute Figur gemacht", so Frederick über Weiss, „er steht jetzt im DSB-Topteam und gehört dem B-Kader an." Christian Weiss zeigte sich als guter Mannschaftsschütze und kam im Einzel nicht über den sechsten Rang hinaus. Gegen den späteren Sieger Andres Gomez aus Spanien scheiterte der Vorkampfbeste im Viertelfinale mit 107:108 Ringen.

In der Finalrunde lief es für Florian Floto besser, nachdem der 18-jährige Braunschweiger in der Fita-Runde nicht sein Ziel erreichte. „Ich wollte unbedingt über 1300 Ringe schießen", so Floto, „die waren locker drin." Das er sein optimales Leistungsvermögen nicht abrufen kann, führt der Querumer Bundesligaschütze auf seine berufliche Ausbildung zum Elektroniker zurück. „Derzeit kann ich im Training nur 150 der notwendigen 500 Pfeile in der Woche schießen." Mit seinen Zielsetzungen ist der Modellathlet vorsichtig: „Man weiß nie was passiert. Ich mache viel Sport und bin ein Draufgänger. Dabei mache ich viele verrückte Sachen." Floto denkt mit seinen Zielen im Bogensport langfristig und will die Olympiateilnahme im Jahr 2012 anvisieren.

 

Für die drei deutschen Siege in Wyhl sorgten die Mädchen in den Mannschaftswettbewerben, als sie nach den ersten Wettkampftagen mit hohen schweißtreibenden Temperaturen am letzten Finaltag bei dem aufkommenden Wärmegewittern mit starken Winden zielsicher zeigten. Nicole Duscha, Sarah Schwadtke und Katharina Schett bezwangen im Kadetten-Finale die favorisierte Ukraine mit 211:205 Ringen. „Dieses Trio hat hier Zeichen gesetzt", lobte Martin Frederick das Team, das von Assistenztrainer Erich Kobler betreut wurde. Im Viertelfinale gegen Tschechien wurde es für das deutsche Team bei starken Wind kritisch. „Jetzt müssen wir mutig sein und vorhalten", forderte Kobler nach dem 46:47 Rückstand bei den ersten sechs Pfeilen. Die deutschen Mädchen setzten die Kobler´s Forderung um und drehten das Match zu einem glatten 195:175 Sieg. Danach geriet das Team in keiner Phase mehr in Gefahr und zog mit 203:197 Ringen ins Finale gegen die Ukraine ein.

Zuvor hatten die deutschen Juniorinnen bereits die Ukraine im Finale mit 206:205 Ringen bezwungen. Lisa Unruh, Elena Richter und Melanie Gansen nutzten die einzige Schwäche ihrer Gegnerinnen zum Sieg. Die Ukrainerinnen hatten bis zum Finale des Juniorenwettbewerb klar dominiert, nachdem sie im Einzelwettbewerb nicht über das Viertelfinale hinaus gekommen waren. Lisa Unruh und Elena Richter überzeugten dagegen und erreichten die Runde der besten Vier. Im Halbfinale trafen die beiden Berlinerinnen aber aufeinander und im direkten Duell setzte sich Lisa Unruh mit 108:100 Ringen durch. Die 18-jährige Junioren-Vizeweltmeisterin von 2005 verpasste im Finale gegen die Dänin Louise Laursen mit 92:100 Ringen den Einzelsieg deutlich.

 

Den dritten deutschen Mannschaftserfolg sicherte das neuformierte Compoundbogenteam der Kadetten mit Nora Schröder, Sabine und Patricia Sauter. Die Schützlinge von Compoundtrainer Falk Thiele setzten sich gegen ein schwedisch, britisch und italienisches Euroteam im Finale mit 224:213 Ringen problemlos durch. Mit nur 48 Startern standen die Teilnehmer in den Wettbewerben mit dem Compoundbogen im Schatten der Starter mit dem olympischen Recurvebogens. Trainer Falk Thiele hatte für den Wyhler Juniorencup zwei Teams für die Kadetten-Wettbewerbe nominiert, so dass die Juniorenwettkämpfe ohne deutsche Beteiligung ausgetragen wurden. Die männlichen Kadetten Alexander Vohs, Philipp Fiala und Jens Meier verloren im Finale gegen die Dänen knapp mit 222:227 Ringen.

Neben den sportlichen Wettkämpfen ernteten die Wyhler Bogensportfreunde für die vierte Ausrichtung des Junioren-Cup´s viel Lob. „Da bist du nur am schuften", erklärte Vereinschef Jürgen Oelke das Engagement des 143 Mitglieder zählenden Vereins. Durch die zahlreichen Entfernungen im Fita-Bereich müssen die Scheiben immer wieder verändert werden. „Das will niemand organisieren", so der ehemalige Nationalschütze, der auf die Unterstützung von 35 Helfern zählen konnte, die während der heißen Wettkampftage mehrere tausend Liter Wasser den jungen Schützen auf dem Bogengelände zur Verfügung stellten. „Auf unserem vereinseigenen Gelände haben wir mit bis zu 60 Scheiben optimale Bedingungen. Damit wollen wir in zwei Jahren zum fünftenmal den Juniorencup in Wyhl austragen und dann sind die Deutschen Meisterschaften im Jahr 2010 unser nächstes Ziel."

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