Sherwood kann aus dem Vollen schöpfen
Zweiter Wettkampftag der Bogen-Bundesliga Nord in Braunschweig
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Nach dem zweiten Wettkampftag zeichnet sich in der Bogen-Bundesliga Nord ein Zweikampf zwischen dem SV Querum und dem Team vom BSC Sherwood Herne um den Meistertitel ab. Auf dem Weg zum fünften Nordtitel innerhalb von sechs Jahren sind die Sherwoodschützen ein ernsthafter Konkurrenz für die Mannschaft aus Braunschweig um Trainer Adolf Kemper geworden. In eigener Halle holten sich die Querumer die Tabellenspitze mit 13:1 Punkten in sieben Begegnungen von den Westfalen zurück. Den einzigen Punkt gaben Jens Pieper, Thomas Zeh und Florian Floto im direkten Duell mit dem von Andre Grawinkel betreuten Sherwood-Team ab. Vor dem 225:225 Remis zum Abschluss des Wettkampftages vor 150 Zuschauern in der Sporthalle Güldenstraße hatte Adolf Kemper im Querumer Team den bis dahin besten Akteur ausgewechselt. Michael Frankenberg erzielte in den ersten fünf Begegnungen einen Durchschnitt von 78,2 Ringen erzielt und damit war der 29-jährige Nationalschütze bester Akteur des zweiten Wettkampftages. Auf Position eins im Team hatte Frankenberg das Querumer Trio stets in Führung gebracht, bevor Jens Pieper und Florian Floto die Siege in den ersten sechs Begegnungen ins Ziel brachten. Dennoch war Trainer Adolf Kemper mit seinen Schützlingen nicht voll zufrieden. „Wenn sie mehr wollen, dann müssen sie lockerer werden.“ Mit Blick auf das Bundesligafinale warten die Braunschweiger noch immer auf ihren ersten Meistertitel.
Erst ihre vierte Erstligasaison bestreitet das Sherwood-Team und im Vorjahr hat Coach André Grawinkel erstmals das Finale erreicht. „Da wollen wir wieder hin“, unterstrich Grawinkel die Ambitionen seiner jungen Mannschaft. „Die sind alle gleich gut“, freute sich Grawinkel nach dem starken Beginn, „ich weiß gar nicht, wen ich einsetzen soll.“ Im fünfköpfigen Sherwood-Team glänzten bei jeweils sechs Einsätzen der 21-jährige Jan-Christoph Ginzel mit 77,3 Ringen und der 17-jährige Rafael Poppenborg mit 77,2 Ringen im Schnitt. Auf Position eins hatte Marius Neyer zunächst stark begonnen. Mit einem 79er Auftakt führte er das Team zusammen mit Poppenborg und Ginzel zum 235:227 Sieg über Bau-Union Berlin. „Wie hoch ist der Bundesligarekord eigentlich?“, fragte Coach Grawinkel angesichts des fulminaten Starts einer Mannschaft. Noch zweimal im Verlauf des Wettkampftages kamen die Sherwoodschützen über die 230er Marke, doch die Bestleistung von 235 Ringen übertrafen sie nicht mehr. Mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren brachte Grawinkel das nach der Bau-Union Berlin (17,8 Jahre) zweitjüngste Team an die Schießlinie.
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Die einzige Niederlage musste das Sherwood-Team gegen Meister Bergmann Borsig Berlin mit 227:231 Ringen hinnehmen. Berlin´s Trainerin Irene Abel bot gegenüber dem Saisonauftakt ein neuformiertes Team auf und holte damit fünf Siege in sieben Begegnungen. Erstmals kam dabei Evgenij Braznikov zum Einsatz, der mit guten 77 Ringen beim ersten Sieg über den Rheydter TV (233:212) zusammen mit Elena Richter und Frank von Dincklage die stärkste Teamleistung zeigte. Danach kam für den 24-jährigen die drei Jahre ältere Wiebke Nulle auf Position eins zu ihrem ersten Bundesligaeinsätzen in dieser Saison. Die Nationalschützin zeigte nur einmal Schwächen und lieferte ansonsten eine solide Vorstellung. Für die Entscheidungen sorgten bei Berlin aber Frank von Dincklage auf Position zwei und Elena Richter auf der dritten Mannschaftsposition. Mit 77,6 und 77,0 Ringen im Schnitt hatten von Dincklage und Richter den größten Anteil daran, dass sich die Berliner den dritten Tabellenplatz sicherten.
Vom dritten auf den fünften Tabellenplatz fielen die Laufdorfer BSC-Schützen zurück, die in Braunschweig nur drei Punkte gewinnen konnten. Nach sechs Begegnungen ohne Sieg war sich Trainer Siegfried Martin sicher: „In diesem Jahr kämpfen wir gegen den Abstieg, der gute Start beim ersten Wettkampf war einfach nur Glück.“ Zu Beginn hatte Martin Schwächen bei Bruno Wörlein ausgemacht. „Bei ihm läuft es noch nicht.“ Der erfahrene 47-jährige hatte vor zwei Jahren großen Anteil am Titelgewinn in Verden, doch von dieser Form sind die Laufdorfer bei ihrer neunten Erstligasaison weit entfernt. Wörlein brachte noch ordentliche 75,4 Ringe im Schnitt auf die Scheibe und als Schlußschütze absolvierte Marcus Müller die sieben Begegnungen mit 76,1 Ringen im Schnitt. Die Schwächen der Hessen waren die Position zwei und die Tatsache, das der Weggang von Stefan Kolodzeiski nicht gleichwertig ersetzt werden kann. Zunächst schoss Thilo Koch in der Mittelposition und wurde danach von Alexander Becker ersetzt. Der 19-jährige Becker steigerte sich bei seinem ersten Bundesligaeinsatz im Verlauf der Begegnungen und hatte mit 75 Ringen seinen Anteil am einzigen Sieg der Laufdorfer mit 231:226 Ringen über Meister Berlin.
Von der Laufdorfer Schwäche profitierte der Rheydter TV, der auch ohne Leistungsträgerin Christina Schäfer in Braunschweig vier Siege schaffte und als Vierter erstmals die Teilnahme am Bundesligafinale anvisieren kann. Bei den drei Siegen in Folge zum Abschluss des Wettkampftages steigerte sich das Trio aus Mönchengladbach deutlich. Bei den letzten Begegnungen hatte auch Thomas Zilinski seine Anfangsschwächen überwunden und steigerte sich auf Ergebnisse zwischen 75 und 77 Ringen bei seinen acht Pfeilen. Andreas Heuwing zeigte solide Ergebnisse über die gesamten sieben Begegnungen, doch der Holländer Erwin Janssen ragte im Rheydter Team mit 76,6 Ringen im Schnitt heraus.
Zu den Verlierern des Wettkampftages gehörte überraschend die Mannschaft vom SV Dauelsen. Seit drei Jahren stets sicher für das Finale qualifiziert, muss Trainer Andreas Hehenberger jetzt sogar um die Ligazugehörigkeit des im Vorfeld als Geheimfavorit gehandelten Teams bangen. „Heute heißt es, Anschluss zu finden“, war Hehenberger´s Parole zum Auftakt und die Mannschaft nahm die Herausforderung an. Sebastian Rohrberg zeigte sich von Beginn an in Topform und eröffnete gegen den BSC Laufdorf den Wettkampftag mit einer optimalen 80er Ringzahl. Zusammen mit Holger Rohrbeck und Henning Lüpkemann schien der amtierende Hallenweltmeister damit die Jagd auf die Finalplätze eröffnet zu haben. Doch schon gegen den SV Querum endeten die Hoffnungen für Dauelsen auf ein besseres Abschneiden als am ersten Wettkampftag. Gegen den Titelfavoriten hielt die Mannschaft von Andreas Hehenberger bis zum 115:115 Remis mit. Als Holger Rohrbeck einen Pfeil in die Sechs schoss, nutzten die Querumer die Vorlage zum letztlich sicheren 231:224 Sieg. Danach schien der Faden bei Dauelsen gerissen. Es folgte die 229:232 Pleite gegen Herne und diesmal war es Henning Lüpkemann, dem in der entscheidenden Schlussphase eine schwache Sieben unterlief. Sowohl Rohrbeck und Lüpkemann fanden jetzt nicht mehr ihre Normalform und die Schwächen seiner Teamkollegen konnte auch ein überragender Sebastian Rohrberg mit 77,7 Ringen im Schnitt nicht ausgleichen. Trotz einer 168:165 Führung vor den letzten acht Pfeilen ging das vierte Match gegen Berlin mit 221:224 verloren und erst der 231:226 Erfolg über Aufsteiger Blankenfelde beendete die Talfahrt von Dauelsen.
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Wie die höher eingeschätzten Teams aus Laufdorf und Dauelsen konnten sich die Aufsteiger Blankenfelde und Bau-Union Berlin in Braunschweig nur selten in Szene setzen. Franz Faschko haderte nach den ersten Niederlagen von Blankenfelde besonders mit Anne Pavel: „Sie ist heute nicht gut drauf.“ Für die 21-jährige setzte Faschko zunächst den 17-jährigen Jan Schmerling ein, doch nach der 209:229 Pleite gegen Herne wechselte der Trainer den gleichaltrigen Philipp Laux ein und nach dem 223:222 über Laufdorf atmete Franz Faschko auf: „Jetzt haben sie sich gefangen.“ Laux zeigte ordentliche 75,6 Ringe bei seinen fünf Einsätzen und kam damit an die guten 76,0 Ringe des amtierenden Deutschen Meisters Peter Sach heran. Doch es reichte nicht, um einen weiteren Sieg für Blankenfelde zu landen und mit nur sieben Pluspunkten in 14 Begegnungen ist der Aufsteiger in der harten Realität der ersten Liga angekommen.
Nicht besser lief es für das junge Team der Bau-Union aus Berlin. Zwar zeigte Christian Brühl auf der Mittelposition mit 77,0 Ringen im Schnitt eine glänzende Leistung, doch die Leistungen von Rick Langkabel, Sarah Schwadtke und Marius Warembourg waren nicht stabil genug, um mehr als den einzigen Sieg in der Schlussphase gegen Dauelsen (230:229) zu landen.