Genialer Hartmann und Tacherting ist wieder da
Erster Wettkampftag der Bogen-Bundesliga Süd in Nürnberg
Ausschnitte aus meinem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Die elfte Saison in der Bogen-Bundesliga Süd begann in der Sporthalle des Nürnberger Berufsbildungszentrum am Berliner Platz mit der Schlagerbegegnung zwischen Tacherting und Welzheim. Im Auftaktmatch zeigten beide Teams, dass sie zu den Favoriten auf den Deutschen Meistertitel gehören. „So gut waren wir noch nie“, freute sich Armin Garnreiter für den zweifachen Meister aus Oberbayern nach dem 235:232 Sieg über den dreifachen Meister aus Württemberg, bei dem erstmals die langjährige Leistungsträgerin Sandra Sachse in die Rolle des Coach wechselte. „Wir wollen die jungen mehr einsetzen“, meinte die Württemberger Landestrainerin, die zu Saisonbeginn noch auf Neuzugang Camilo Mayr verzichten musste. Bis zum 116:117 hielt das neuformierte Welzheimer Trio mit Anja Hitzler, Simeon Schaaf und Jeff Henckels noch mit, doch bei der dritten Sechs-Pfeile-Serie zogen die Tachertinger auf 177:173 davon. Zwar fehlte bei den Bayern in der neunten Saison seit dem Aufstieg in die erste Liga erstmals Robert Blum, doch das neuformierte FSG-Trio bewies mit Armin Garnreiter, Veronika Haidn-Tchalova und Daniel Hartmann, dass der dritte Titelgewinn keine Überraschung wäre. In den letzten vier Jahren kam Garnreiter mit seinem Team im Finale nicht über Rang vier hinaus, doch für diese Saison ist der 49-jährige Routinier zuversichtlich: „Wir sind wieder da“, so der Olympiazehnte von 1980, „Hauptgrund ist, dass Daniel Hartmann einfach genial schießt. Das war heute Weltklasse und reisst das Mannschaftsergebnis hoch.“ Nach den ersten vier Wettkämpfen hatte der 20-jährige Nationalschütze bei 32 Schüssen 29mal optimal ins Gold getroffen und erzielte nach sieben Begegnungen mit 78,71 Ringen das höchste Durchschnittsergebnis aller 27 eingesetzter Akteure. Von seiner eigenen guten Leistung mit 75,6 Ringen im Schnitt war Garneiter selbst überrascht: „Ich bin nicht schlechter als mit 40 Jahren. In dieser Halle war heute das Licht optimal“, schmunzelte Garnreiter, „da hat wohl jemand die Lampen geputzt.“ Der von Feucht´s Trainer Klaus Schwarz scherzhaft als „Dinosaurier“ der Bundesliga bezeichnete Garnreiter hat in dieser Saison das Zuggewicht seines Bogens auf 38 Pfund vermindert. „Ich will als Erster im Team gut beginnen und die Anderen müssen hinten gewinnen“, beschreibt er die einfache Tachertinger Erfolgsformel und setzt sich selbst für das Jahr 2008 ein persönliches Ziel: „Mit 50 Jahren will ich zusammen mit meinem Sohn Dominik in einer Mannschaft schießen.“
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In der mit nur 50 Zuschauern schwach besetzten Halle hielt die Tachertinger Erfolgsserie bis zum letzten Wettkampf gegen BS Feucht. Die Mannschaft des Meisters von 2004 hatte bis dahin einen wechselvollen ersten Wettkampftag gezeigt. Bis zum Match gegen Tacherting hatten die Feuchter je drei Begegnungen gewonnen und verloren. „Gegen Tacherting ist heute kein Kraut gewachsen“, mutmaßte Trainer Klaus Schwarz nach den ersten vier Begegnungen und danach hatten die Feuchter unerwartete Niederlagen gegen Dörsdorf und Boxdorf hinnehmen müssen. Doch Klaus Schwarz gelang es, sein junges Team noch einmal zu motivieren. Eva Müller, Jonas Biebl und Christian Weiss begannen mit optimalen 60 Ringen mit den ersten sechs Pfeilen und damit war die Grundlage zum 234:227 Sieg mit einem neuen Vereinsrekord geschaffen. „Die jungen Schützen machen es mit Leichtigkeit, bei den Alten merkt man den Druck“, so Schwarz über seine Mannschaft. Ausgerechnet seine 38-jährige Ehefrau Manuela hatte bei der Auftaktniederlage gegen Kempten durch einen Fehlschuss in der dritten Serie gepatzt. Danach wechselte Schwarz den 18-jährigen Jonas Biebl ein. „Er spürt derzeit die Freiheit der großen Welt und trainiert nicht mehr so, wie ich es gern hätte. Aber heute schießt er sehr entschlossen und erfüllt meine Erwartungen.“ Besonderes Lob von Feuchts Trainer erhielt die 18-jährige Eva Müller für 76,0 Ringe im Schnitt: „Sie ist gereift und schießt jetzt konstanter.“ Mit 8:6 Punkten nach den ersten sieben Begegnungen reihten sich die Feuchter in ein punktgleiches Quartett ein, das hinter den dominierenden Tachertingern von der SGi Welzheim angeführt wird. Mannschaftsführerin Sandra Sachse haderte mit drei unglücklichen Niederlagen. „Aber die Favoriten sind vorn und so bin ich zufrieden“, meinte die 38-jährige ehemalige Nationalschützin, die sich selbst nur noch als „Notnagel“ für die Welzheimer Mannschaft sieht. „Nach zehn Jahren Bundesliga gehe ich in den Ruhestand, denn für die erste Liga muss ich mehr trainieren.“ Mit unerwarten Problemen hatte Sandra Sachse als Coach der Welzheimer Mannschaft zu kämpfen, als Jeff Henckels nur noch drei einsatzbereite Pfeile zur Verfügung hatte. „Die Scheiben stehen mit 15 Grad zu schräg, zehn Grad sind normal“, kommentierte sie ihren Einspruch, den die Verantwortlichen von GS Boxdorf mit der Korrektur der Scheiben umsetzten. Der Luxemburger konnte sich von seinem jüngeren Bruder Jerry Henckels einige Pfeile ausleihen und damit als sicherer Schlußschütze im Welzheimer Team mit 77,71 Ringen im Schnitt bis zum Ende des Wettkampftages agieren.
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Nach dem Abstieg im Jahr 2006 waren die Boxdorfer Gastgeber bei ihrem Comeback in der ersten Liga von der schwachen Zuschauerresonanz enttäuscht. „Vielleicht hätten wir wieder Eintritt verlangen sollen“, meinte die etwas ratlose Petra Probst, „Doch an diesem Wochenende schießen auch alle anderen Ligen. Sonst wären sicher mehr Zuschauer gekommen.“ Bei den Gastgebern stand der 16-jährige Simon Nesemann im Mittelpunkt des Interesses, doch der Juniorennationalschütze konnte trotz starker 76,1 Ringen im Schnitt zusammen mit Raphael Wedel, Christian Mahlein und Routinier Oskar Seel bei seinem ersten Auftritt in der ersten Liga nur einmal in sieben Wettkämpfen als Sieger vom Stand gehen. Ausgerechnet im Derby gegen Feucht holten die Boxdorfer mit 219:218 Ringen ihre einzigen Punkte.
Seit dem Aufstieg aus der Regionalliga bis in die erste Bundesliga schießt die BSG Ebersberg in unveränderter Aufstellung. Mit Siegen über Boxdorf und Dörsdorf legten die bayrischen Aufsteiger einen Blitzstart hin und Teamchef Ernst Schuh strahlte: „Die vier Punkte haben wir und darauf hatten wir gehofft.“ Doch die harte Realität holte die Ebersberger in den nächsten Begegnungen ein und alle fünf übrigen Begegnungen gingen verloren. Damit stehen die beiden Aufsteiger erwartungsgemäß am Tabellenende, während die übrigen Mannschaften um die ersten vier Plätze für die Teilnahme am Finale kämpfen.
Zu den Finalanwärtern gesellte sich zwei Jahre nach dem Wiederaufstieg erstmals die FSG Kempten. Sabine Gutsell, John Hehl und Christian Höck schafften für die Allgäuer mit vier Siegen den bisher besten Saisonstart.
Nicht viel zu Lachen hatte bis zum vierten Match der Ausrichter des Bundesligafinals in dieser Saison. Die Mannschaft des ATSV Oberkotzau hatte die ersten drei Begegnungen verloren und rangierte am Tabellenende, bevor die Schützlinge von Trainer Stefan Kaufmann zu einer Siegesserie ansetzten und sich den erhofften vierten Tabellenplatz holten. Die Wende brachte der überzeugende 230:216 Erfolg von Frank Fischer, Claudia Wohlleben und Andreas Erdmann über die FSG Kempten, dem sich der 227:226 Überraschungserfolg über Welzheim anschloss. Im Vorjahr hatte der SV Dörsdorf die Oberpfälzer knapp auf Rang fünf verdrängt und damit hatten die Saarländer als Ausrichter die Finalteilnahme geschafft. Zum Auftakt ihrer zehnten Erstligasaison benötigten die Dörsdorfer einen langen Anlauf. Dem wichtigen 227:224 Auftakterfolg über Oberkotzau folgte eine Serie von drei Niederlagen, bevor sich Axel Ewen, Gilles Decker und Bastian Neusius noch vier weitere Zähler gegen Feucht und Boxdorf holten.