Der glückliche Augenblick von Daniel Hartmann
FSG Tacherting gewinnt Finale der Bogen-Bundesliga in Oberkotzau
Ausschnitte aus dem Bericht für die Deutsche Schützenzeitung
Nach einer dramatischen Finalrunde gewann die FSG Tacherting zum dritten Mal nach 2001 und 2002 die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft der Bogenschützen. „Wir waren in diesem Jahr sehr konstant“, begründete Armin Garnreiter den Titelgewinn der Bayern nach dem 228:226 Sieg im Finale gegen Vorjahresmeister Bergmann Borsig Berlin.
Das der 49-jährige Olympiazehnte von 1984 zusammen mit Veronika Haidn-Tchalova und Daniel Hartmann am Ende den Siegerspiegel des Deutschen Schützenbundes in die Höhe reckt, danach sah es in der Saaletalhalle in Oberkotzau bei Hof zunächst nicht aus. Mit 3:3 Punkten aus den drei Vorrundenbegegnungen konnten sich die Tachertinger bei ihrer neunten Finalteilnahme nur knapp für die Runde der letzten Vier qualifizieren.
Zum Auftakt des Bundesligafinales standen in der mit 500 Zuschauern voll besetzten Halle zunächst die gastgebenden ATSV-Schützen im Blickpunkt. „Hier sind optimale Bedingungen, es ist alles perfekt“, lobte Ligaleiter Reinhold Ruhl die Organisation der Gastgeber. „Die Stimmung ist gut und die Organisation läuft wie am Schnürchen“, wirkte ATSV-Trainer Stefan Kaufmann zufrieden, doch sein Team konnte bei der zweiten Finalteilnahme nach 2006 erwartungsgemäß in der leistungsstarken A-Gruppe nicht mithalten. „Wir haben uns selbst unter Druck gesetzt und waren dadurch etwas nervös. So haben wir nicht unser gewohntes Niveau geschossen“, erklärte Kaufmann die drei Vorrundenniederlagen und das Aus der Gastgeber. Beim 223:224 gegen Querum verpassten die Oberpfälzer knapp ihren ersten Sieg in einem Bundesligafinale. „Wir haben gut angefangen, aber durch unsere Nervosität mit einem Ring verloren“, bedauerte Claudia Wohlleben die Niederlage, „doch andererseits wollten wir im Finale dabei sein und das haben wir geschafft.“
Das die Gastgeber an den favorisierten Teams aus Querum, Welzheim und Berlin in der Vorrunde scheitern, war keine Überraschung. Ganz anders dagegen das vorzeitige Aus der erklärten Favoriten aus Querum. Der Meister der Nordliga hatte schon beim Auftakt gegen Oberkotzau Probleme und verlor danach gegen die dreimaligen Bundesligameister Berlin und Welzheim. „Wir sind alle sehr enttäuscht“, kommentierte Adolf Kemper das vorzeitige Aus der Braunschweiger, „ich habe gewechselt, alles mögliche versucht, doch wir haben zu wenig Ringe geschossen.“ Kemper beklagte, dass seine Nationalschützen Michael Frankenberg, Jens Pieper und Florian Floto bereits auf die langen Fita-Distanzen für die Weltcups und Europameisterschaften trainieren. „Ausgerechnet heute lief es bei uns allen nicht gut“, meinte Michael Frankenberg, „ich selbst bin nicht durch den Klicker gekommen und musste oft absetzen.“ Jens Pieper wirkte zwar locker genug, doch „Jeder hat gesagt, dass wir gewinnen. Doch unsere Erwartung war nicht so hoch. Im Moment haben wir eine Phase, in der es nicht so gut läuft.“
Die Siege über Querum und Oberkotzau bescherten den dreifachen Bundesligameistern SG Bergmann Borsig Berlin und SGi Welzheim bei deren jeweils elften Finalteilnahme den Einzug ins Halbfinale. In der B-Gruppe erkämpfte sich zum Auftakt der Rheydter TV bei seiner Finalpremiere einen 222:222 Achtungserfolg gegen Tacherting. Erwin Janssen, Christina Schäfer und Andreas Heuwing nutzten trotz stetigem Rückstand mit dem letzten Pfeil die Chance zum Ausgleich. „Wir sind nicht mit Null Punkten nach Hause geschickt worden“, wirkte Heuwing zufrieden und bedauerte, dass Trainer Harrie Jacobs in Oberkotzau nicht dabei sein konnte. „Er ist mit der Behindertennationalmannschaft unterwegs zur Paralympics-Qualifikation.“ Für Jacobs stand dem Mönchengladbacher Team Bernd Heuwing als Coach zur Seite. „Er ist zwar ein sehr guter Ersatz“, meinte Christina Schäfer, „doch Harrie hat uns schon gefehlt.“ Nach Niederlagen gegen Herne und Feucht schieden die Rheydter als Tabellenvierter der B-Gruppe aus.
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Wenig Begeisterung herrschte bei den Feuchter Bogenschützen, trotz der lautstarken Unterstützung durch die zahlreich mitgereisten Fans. „Ich habe den Kampfgeist der Mannschaft vermisst“, meinte Trainer Klaus Schwarz nach dem Aus des Meisters von 2005. „Ich habe geglaubt ich bin schlauer, doch ich habe verwachst“, selbstkritisch wirkte Schwarz nach den Niederlagen gegen Herne und Tacherting. „Ich habe auf den jugendlichen Elan gesetzt, damit war heute nicht mehr drin.“ Neben den erfahrenen Eva Müller und Christian Weiss vertraute Klaus Schwarz zunächst auf den jungen Andreas Kohl. „Ihm sind die Nerven durchgegangen und war dadurch nicht stabil genug.“ Als das vorzeitige Aus feststand brachte Schwarz den in der ersten Liga noch unerfahrenen Oliver Obst und mit ihm gelang dem Feuchter Team eine überzeugende Leistung. Gegen Rheydt glückte mit 230:225 Ringen der einzige Sieg und Trainer Schwarz konnte nach seiner Umstellung zumindest ein positives Fazit ziehen. „Oliver Obst hat überzeugt, er ist unser Mann für die nächste Saison. Nach Rang drei im Vorjahr blieben die Feuchter bei ihrer vierten Finalteilnahme unter den Erwartungen und machten den Weg frei für die FSG Tacherting. Ein Fehlschuss auf Feuchter Seite begünstigte den glatten 233:216 Erfolg der Bayern, für die anschließend das Titelrennen erst richtig begann.
In der zweiten Runde der B-Gruppe standen aber die Sherwoodschützen aus Herne im Blickpunkt und Coach André Grawinkel sah seine junge Mannschaft plötzlich in der Favoritenrolle. Nach dem Auftakterfolg über Feucht zogen Marius Neyer, Rafael Poppenborg und Jan-Christoph Ginzel im zweiten Match gegen Rheydt der Konkurrenz unwiderstehlich davon. Mit 237:218 Ringen feierte das Sherwood-Trio einen neuen Bundesligarekord und hatte damit bei ihrer zweiten Finalteilnahme schon ihr erstes Ziel erreicht. „Wir wollten besser sein als im letzten Jahr“, so Jan-Christoph Ginzel, der stets die letzten Sherwood-Pfeile schoss. „Ich habe mich daran gewöhnt als Letzter zu schießen. Man schießt auf dieser Position freier und hat keine Zeit zum überlegen.“ Den starken Eindruck der Vorrunde rundete das Sherwood-Team mit dem 233:230 Sieg über Tacherting ab. Jetzt war auch Bundestrainer Martin Frederick zufrieden. „In der Bundesliga müssen die Leistungen über 230 Ringe liegen.“
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Das Aus der Gastgeber vom ATSV Oberkotzau wirkte sich in der Saaletalhalle auf das Zuschauerinteresse aus. Nur noch knapp 200 Zuschauer verfolgten die abschließenden Finalbegegnungen und die beiden Moderatoren mühten sich redlich, die verbliebenen Gäste auf den Rängen in Stimmung zu bringen. Dabei boten die Mannschaften in der Runde der letzten Vier hochklassigen und spannenden Sport. Den Auftakt machten die FSG Tacherting und die SGi Welzheim, die in einem Südduell um den Einzug ins Finale kämpften. Die Tachertinger hatten in der Bundesligasaison dreimal gewonnen, doch das letzte Match hatten die Welzheimer für sich entschieden. Das langjährige Prestigeduell begann mit Vorteilen für Welzheim. Camilo Mayr brachte bei seinem ersten Bundesligafinale die Welzheimer mit 19:18 gegen den erfahrenen Armin Garnreiter in Front. Doch die Tachertinger konterten durch vier Zehner von Veronika Haidn-Tchalova und Daniel Hartmann. Der sonst zuverlässige Jeff Henckels hatte nur zwei Neuner getroffen und den daraus resultierenden knappen Zwei-Ringe-Vorsprung hielt Tacherting zum 175:173 Zwischenstand. Die letzten sechs Pfeile mussten die Entscheidung bringen. Camilo Mayr mit zwei Zehner bereitete den Ausgleich für Welzheim vor, doch auf Position zwei unterlief Anja Hitzler eine Neun. Wieder lag Tacherting einen Ring vorn und Jeff Henckels legte seinem Gegner Daniel Hartmann zwei Zehner vor. Jetzt zeigte sich die Klasse des 20-jährigen Nationalschützen. Zwei Zehner und Hartmann bejubelte den knappen 233:232 Sieg für Tacherting. „Daniel ist für uns ein Gewinn“, lobte Routinier Armin Garnreiter den jungen Schlußschützen des FSG-Teams, dessen großer Auftritt noch im Finale um die Goldmedaille bevorstand.
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Im zweiten Halbfinale waren die Nordteams aus Berlin und Herne unter sich. Das junge Sherwood-Team legte gegen die Berliner Titelverteidigerinnen bei den ersten sechs Pfeilen einen glatten Fehlstart hin. „Die sind noch nicht so weit“, kommentierte Ligaleiter Reinhold Ruhl den unerwartet klaren 54:59 Rückstand von Herne. Erst mit dem sechsten Pfeil hatte Jan-Christoph Ginzel die erste Sherwood-Zehn getroffen. Karina Winter, Elena Richter und Lisa Unruh hatten konzentriert begonnen und profitierten von ihrem frühen Vorsprung. Das Berliner Trio bestand die anschließende Herner Aufholjagd und brachte mit 228:226 Ringen den Sieg ins Ziel. Sichtlich geschafft von diesem Match meinte Andre Grawinkel: „Es ist anstrengend, wenn man nur zugucken und nicht eingreifen kann.“ Doch der Herner Coach konnte wenig später „jetzt ist mein Blutdruck wieder normal“ wieder lächeln, als seine Mannschaft mit 230:228 das kleine Finale gegen Welzheim gewonnen hatte. „Es ist das eingetreten, was ich gehofft habe. Mit dem Gewinn einer Medaille bin ich sehr zufrieden.“ Grawinkel hatte für den Kampf um Platz drei für Rafael Poppenborg den 16-jährigen Tim Großmann eingewechselt und der fügte sich nahtlos ins Team ein. Durch eine frühe Sieben des Welzheimers Camilo Mayr hatten die Sherwood-Schützen einen entscheidenden Zwei-Ringe-Vorsprung, den sie zum Schluss verteidigten. „Wir haben uns wacker geschlagen, unseren jungen Leuten hat heute etwas das Glück gefehlt“, zog Manfred Baum sein Fazit für die Welzheimer. „Was Camilo Mayr als 16-jähriger im Finale umgesetzt hat, ist lobenswert. Aus den technischen Fehlern in entscheidenden Situationen wird er lernen. Insgesamt bin ich sehr zufrieden.“ Etwas verärgert über die verpasste Medaille war Anja Hitzler: „Wir sind undankbarer Vierter. Das ist ärgerlich, eine Medaille wäre schön gewesen.“
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Im Goldfinale fiel die Vorentscheidung schon bei den ersten sechs Pfeilen, als die Tachertinger mit 59:55 Ringen gegen die Berliner Titelverteidigerinnen in Führung gingen. Nur nach den beiden Auftaktzehnern von Karina Winter lagen die Berliner einmal in Front. Drei Neuner und eine Acht von Elena Richter und Lisa Unruh waren eine Vorlage für die Bayern. Armin Garnreiter, Veronika Haidn-Tchalova und Daniel Hartmann nutzten mit zwei 59er Passén ihre Chance, doch in der dritten Serie mussten die Tachertinger eine Schrecksekunde überstehen. Schlußschütze Daniel Hartmann bekam von den beiden Teamkameraden meist zwischen 35 bis 40 Sekunden Zeit für seine beiden Pfeile, doch diesmal musste er einen Schuss absetzen. Unerbittlich zählte der Sekundenzeiger herunter und drei Sekunden vor Schluss schoss Hartmann seinen letzten Pfeil ab. „Das war Glücksache, ich habe in diesem Augenblick die Augen zugemacht“, kommentierte er seine Sieben, mit der Tacherting die Führung behauptete. In der vierten Passe kämpften die drei Berlinerinnen vergeblich um den Anschluss und mit 228:226 Ringen gewann die Bayern ihren dritten Bundesligatitel.
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Nach dem Sieg strahlte besonders Armin Garnreiter, denn der FSG-Senior hatte mit seinen Teamkollegen die gesamte Saison durchgeschossen. „Heute waren wir sogar über unseren Durchschnitt. Ich hatte versprochen, schnell anzuschießen, um damit den Anderen die Ruhe zu geben.“ Zuverlässig hatte Garnreiter die Wettkämpfe für das FSG-Team eröffnet und als er den Siegerspiegel in den Händen hielt, blitzten die Augen des ehemaligen Nationalschützen. „Bei mir ist mit 50 noch lange nicht Schluss, auf dem Spiegel steht die Jahreszahl 2017 – wollen wir doch mal sehen.“ Für Daniel Hartmann war es der zweite Deutsche Meistertitel, nachdem der vor drei Jahren mit BS Feucht erstmals auf dem Siegerpodest ganz oben gestanden hatte. „In Tacherting haben wir eine hochklassige Mannschaft die gut arbeitet und zusammen gewachsen ist.“ Veronika Haidn-Tchalova sah mit dem Sieg ein Versprechen eingelöst: „Wir haben im letzten Jahr gesagt, das wir diesmal ernsthaft um den Titel kämpfen wollen. Das haben wir auch gemacht.“ Trotz der verpassten Titelverteidigung meinte Karina Winter: „Mit Silber sind wir sehr glücklich. Nach Gold im letzten Jahr haben wir gezeigt, wie konstant wir sind.“
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