SGI Nauheim

Erst kein Bedarf - dann auf den Müll
Geschichte der Nauheimer Schützengilde
Kaum am 15. Oktober 1972 gegründet, legte die Vereinsgeschichte der Nauheimer Schützengilde eine zweijährige Pause ein. Bürgermeister Dr. Herbert Fürbeth war zusammen mit zehn Mitgliedern Initiator der Vereinsgründung, doch die ersten Bemühungen um eine eigene Schießstandanlage beendete die Gemeinde Nauheim: "Es besteht kein Bedarf". Für die Nauheimer Schützen blieb nur ein eigener Trainingstag beim benachbarten 1862 Rüsselsheim. Die ersten Formen bekam die eigene Schießstandanlage im Jahr 1978, als an der Bahnlinie zwischen Nauheim und Groß-Gerau am sogenannten "Hennerhäuschen" die ersten Wälle bereits aufgeschüttet wurden. Die Kreisverwaltung zog aber die Genehmigung für den Standbau zurück und beendete damit die Aktivitäten der Gildeschützen.
Scheiber´s Engagement zeigt Wirkung
Den Grundstein zur heutigen Schießstandanlage an der Straße zwischen Nauheim und Trebur legten die Gildeschützen im Jahr 1980. Ein Jahr zuvor hatte Hermann Scheiber das Amt des ersten Vorsitzenden übernommen. Der heute 64-jährige gehört zusammen mit seiner Ehefrau Ilse seit der Gründung dem Verein an. Nach seiner aktiven Zeit als Pistolenschütze bei Tell Haßloch verschrieb sich Hermann Scheiber der Umsetzung des Nauheimer Schießstandneubaus. Der Verein zählte in diesem Jahren nur zwanzig Mitglieder, doch Scheiber´s Engagement zeigte Wirkung. Der Schützengilde wurde ein Gelände auf der ehemaligen Mülldeponie zugewiesen und die örtliche Presse schrieb: "Schützen gehen auf den Müll". Doch vom Kreisbauamt wurde keine Genehmigung für einen Neubau erteilt. Viele Gespräche und intensive Überzeugungsarbeit bei den zuständigen Stellen führten dazu, dass eine Bauvoranfrage überraschend positiv entschieden wurde und der Verein mit Hilfe der Gemeinde Nauheim mit dem Neubau beginnen konnte.
15-jährige Bauzeit endet 1995
Der Verein zählte 1984 etwa vierzig Mitglieder und entschloss sich zu einem neuen Konzept, nachdem in Eigenhilfe bisher nur die Schießblenden erstellt wurden. Es sollten schwerpunktmäßig Großkaliber- und Vorderladerdisziplinen geschossen werden und so wurden zusätzliche Überdachungs- und Schallschutzmaßnahmen erforderlich. Nach einer 15-jährigen Bauphase wurde die neue Schießstandanlage am 1. Juli 1995 feierlich eingeweiht. Mit jetzt 70 Mitgliedern hatte die Schützengilde unter Führung von Hermann Scheiber, seinem Stellvertreter Gerd Rothe, dem Kassenwart Harald Biermann und der Schriftführerin Gaby Janson den gesamten Neubau weitgehend in Eigenhilfe errichtet. Vier 50-Meter und acht 25-Meter Standanlagen können seitdem von den Mitgliedern genutzt werden, die neben den vereinsinternen Wettbewerben ihren ersten Erfolge mit dem Aufstieg der Sportpistolenmannschaft bis zur Grundklasse I feierten. Ergänzt wurde 1997 der Schießstand mit einer Zuganlage und 2001 mit einer neuen Duellanlage für die Pistolenschützen. 1999 wurde der Anschluss des Vereinsgeländes an das öffentliche Stromnetz umgesetzt und brachte zusätzlichen Schwung ins Vereinsleben. Oster- und Königsschießen und das in Nauheim beliebte Gästeschießen sind schon traditionelle Veranstaltungen. Ein Vorderlader-Büffelschießen mit den befreundeten Schwanheimer "Muzzle Loader" in historischen Kleidungen gehört seit dem Jahr 2000 zum Gilde-Terminkalender, der seinen bisherigen Höhepunkt zur 1150-Jahr Feier der Gemeinde Nauheim hatte, als die Gildeschützen am Umzug mit einem eigenen Motivwagen durch die Straßen Nauheims beteiligt waren.
Generationswechsel im Jahr 2000
In über zwanzig Jahren hatte Hermann Scheiber die Gildeschützen aus den schwierigen Anfängen als Vorsitzender zu einen lebendigen Verein geführt. Den Generationswechsel im Verein läutete im Jahr 2000 die Neuwahl von Michael Reinig zum ersten Vorsitzenden und Dr. Thomas Biermann als sein Stellvertreter ein. Pia Rothe übernahm das Amt der Schriftführerin, Ina Reinig wurde die neue Schatzmeisterin und mit den drei Schützenmeistern Matthias Dries, Gerd Rothe und Roger Schieding hat sich der neue Vorstand die Jugendförderung zu seinen wichtigsten Aufgaben gesetzt. Ziel ist es heute, einen Schützenmeister zum Jugendtrainer auszubilden und die technischen Voraussetzungen zu schaffen, damit das 10-Meter Schießen mit Luftgewehr und Luftpistole feste Bestandteile der Zukunftsplanung des Vereins werden. "Damit der Verein eine Zukunft hat", so Dr. Biermann über die zu hohe Altersstruktur, "brauchen wir mehr Zuspruch von Jugendlichen". Die ersten Planungen sehen einen Zehn-Meter-Zwischenstopp auf der 50-Meter-Standanlage vor.