Hubertus Gernsheim
Der Verein, der aus der Kälte kam
Die Geschichte der Gernsheimer Hubertusschützen
Mit einer Zeitungsanzeige begann die Geschichte der Gernsheimer Hubertusschützen. Im Jahr 1978 hatte der damalige Forstinspektor Günther Leyrer die Idee, in Gernsheim einen Schützenverein zu gründen. Leyrer´s Initiative folgten 37 Interessenten und am 1. Oktober 1978 wurde der Schützenverein "Hubertus" in der gleichnamigen Gernsheimer Gaststätte von Hans Udo Gerson gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern gehörten der spätere langjährige Vorsitzende Wilfried Lutz und Appolonia Kaiser, die für die ersten schießsportlichen Erfolge sorgte.
Schnelles Ende in der Hubertus-Gaststätte
Der junge Verein hatte sich in der Hubertus-Gaststätte einen eigenen 10-Meter Schießstand eingerichtet, doch schon wenig später kam es zu Differenzen mit dem Gastwirt und der Verein stand ohne eigene Standanlage da. Bei der Jahreshauptversammlung am 9. November 1979 wechselte der Vereinsvorsitz von Günther Leyrer an Willi Hutmacher, der zusammen mit seinem Stellvertreter Otmar Mißkampf die Initiative ergriff und über die Stadt Gernsheim erhielt der Verein im Jahr 1980 das heutige Gelände an der Eisenbahn.
Umzug bei Schnee und Eis
An den Winter 1980/81 erinnert sich das heutige Vorstandsmitglied Otmar Fritsch, als im November die Aufbauarbeiten für das Schützenhaus begannen. Am Schwimmbad in Gernsheim war eine alte Baubaracke des Atomkraftwerks Biblis gelagert und diese konnten die Hubertusschützen kurzfristig auf ihrem Gelände aufbauen. "Arbeiten bei Schnee und Eis", erzählt Otmar Fritsch über die dreimonatige Bauzeit, als er zusammen mit Heinrich Lichtel, Wolfgang Knopp, Michael Melcher, Hans Werner Wilfried Lutz, Norbert Kaiser, Peter Herder und Franz-Josef Schenkel den größten Anteil an der Eigenhilfe des Vereins hatte. Im Jahr 1981 begann der Schießbetrieb und neue Mitglieder wurden mit einem Sportschießen für Jedermann gewonnen. Knapp 60 Mitglieder hatten aber noch mit einigen Problemen zu kämpfen. Der Strom kam über ein Dieselaggregat und das lief nicht immer: "Da ging beim Schießen schon mal das Licht aus". Abhilfe schaffte später der Stromanschluß, den die Hubertusschützen in Selbsthilfe "an zwei Regentagen" und in Handarbeit unter den Bahngleisen hindurch herstellten.
Wilfried Lutz übernimmt die Vereinsführung
Am 30. Dezember 1982 waren bei der Jahreshauptversammlung 51 Mitglieder stimmberechtigt, die Wilfried Lutz zum neuen Vereinsvorsitzenden wählten. Der heutige Vorsitzende Horst Brückheimer kam als Schriftführer in den Vorstand. Unter der Führung von Lutz beschloss der Verein im Jahr 1985 den Neubau von jeweils fünf 25- und 50-Meter Schießständen, doch es dauerte vier Jahre bis im Herbst 1989 mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Der Verein zählte 69 Mitglieder, die bis zur Einweihung im Juni 1994 insgesamt 15.000 Arbeitsstunden geleistet und einen Neubau im Wert von 440.000 Mark erstellt hatten.
Pistolenschießen ist der sportliche Schwerpunkt
Das Pistolenschießen hatte sich früh als sportlicher Schwerpunkt im Verein entwickelt. Zu den ersten Leistungsträgern gehörten Otmar Fritsch und Peter Peters. Beide engagieren sich auch in der Nachwuchsarbeit des Vereins, der mit dem Sieg von Sven Schäfer bei den Gaumeisterschaften seinen größten Erfolg hatte. Zu den Höhepunkten im Nachwuchsbereich gehörte auch die Teilnahme an einem Jugendturnier im slowakischen Bratislava, doch nachdem im Jahr 2001 noch ein Dutzend Jugendliche im Trainingsbetrieb dabei waren, zählt Peter Peters ein Jahr später nur noch wenige Nachwuchstalente auf dem Schießstand. Selbst schaffte Peters mit seinen Teilnahmen an den Hessenmeisterschaften zu den erfolgreichsten Hubertusschützen, bevor im Jahr 2002 der 34-jährige Robert Bonifer erstmals die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften gelang. Im gleichen Jahr schafften die Hubertusschützen erstmals den Luftpistolen-Aufstieg in die Kreisklasse.
Im Jahr 1993 war die Mitgliederzahl auf 69 Schützen gestiegen, auch durch das Engagement von Horst Insam, der das Großkaliberschießen im Verein und der Gründung einer GSG-Abteilung einführte.
Horst Brückheimer wird Nachfolger von Lutz
Zwei Jahre nachdem er zum Stellvertreter des Vorsitzenden Wilfried Lutz gewählt worden war, übernahm Horst Brückheimer am 14. Januar 1995 die Führung des Vereins. Lutz hatte den Verein über zwölf Jahre geführt. Er gab den Vorsitz aus Altersgründen ab und wurde von der Jahreshauptversammlung zum Ehrenvorsitzenden der Hubertusschützen ernannt.
Zu den Höhepunkten im Vereinsleben gehört das alljährliche Osterschießen, dass seit 1984 ausgetragen wird und mit der Verteilung von über 2000 Eiern sich zu einem echten Renner entwickelt hat. Engagement zeigten die Hubertusschützen auch zehn Jahre lang mit eigenen Motivwagen bei den Faschingsumzügen in Gernsheim. Bis 1996 wurde viermal ein Country-Abend veranstaltet, der durch den rückläufigen Zuspruch durch ein Westernschießen ersetzt wurde. Zu den Westernveranstaltungen gehört auch ein mehrtägiges Vorderladerturnier in Saarbrücken, dass sich bei den Hubertusschützen zu einem Familienausflug entwickelt hat. Mit der Stiftung der Preise durch den Fischerfestausschuss gehört das Ortvereinsschießen seit 1998 zum Bestandteil des großen Gernsheimer Hafenfestes. Für die Gernsheimer Schulkinder bieten die Hubertusschützen die Möglichkeit zum Schießsport im Rahmen der Ferienspiele.
Erfolge beim Königsschießen und Pläne für die Zukunft
Im Schützenkreis Groß-Gerau hatte das Engagement der Gernsheimer Erfolg beim Kreiskönigsschießen, bei dem 1999 und 2001 Peter Peters und Horst Brückheimer als Sieger hervorgingen. Das Riedpokalschießen mit fünf Schützenvereinen, sowie ein Ordonanzgewehrschießen runden das sportliche Wettkampfprogramm ab.
Der heutige Vorstand des 86 Mitglieder zählenden Vereins um den Vorsitzenden Horst Brückheimer, dessen Stellvertreter Karlheinz Kopietzki, Schatzmeister Klaus Jäckel, Jugendleiter Peter Peters, Schriftführer Ralf Bender, Schießwart Dieter Busenius, den Beisitzern Otmar Fritsch und Patrick Wedel hat seine Zukunftspläne auf die Jahre 2006/07 ausgerichtet. Bis dahin sollen zunächst die Behördenauflagen für neue Stahl-Kugelfänge erfüllt und danach der Neubau eines größeren Schützenhauses mit direkten Anschluß zur 25- und 50-Meter Standanlage umgesetzt werden.