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SSG Stockstadt

Warum Vater Rhein kein Ehrenmitglied wurde

Die Geschichte der Schützengemeinschaft Stockstadt

Die Geschichte der Stockstädter Schützengemeinschaft beginnt am 8. März 1977 im Keller des Wohnhauses von Günter Herrmann. Der langjährige Vorsitzende war Initiator und zusammen mit sechs weiteren Schützen Mitgründer des Vereins, der seine erste Schießstätte im Keller des Bootshauses Starke (ehemals Redelbach) am Altrhein fand. Bereits zur Jahresmitte 1977 zählte der junge Schützenverein 39 Mitglieder, die am 9. September des gleichen Jahres vier Zehn-Meter Schießstände einweihen konnte. Doch der "Vater Rhein" sollte schmerzlich ins Vereinsgeschehen eingreifen. Im Februar und Mai 1978 trat der Rhein über die Ufer und setzte die Schießstände im Keller unter Wasser.

Kahnfahren im Schützenhaus

Beim 25-jährigen Vereinsjubiläum sah es Chronist Achim Mikowitsch von der heiteren Seite: "Welcher Schützenverein kann von sich schon behaupten, in seinen Schießanlagen mit dem Kahn gefahren zu sein". Einer der Laudatoren ergänzte: "Vater Rhein wurde im Schützenverein kein Ehrenmitglied".

Die Clubanlage wurde zwar nochmals ausgebaut, doch im August 1978 folgte der Umzug in eine Lagerhalle, die auf dem Gelände der Bäckerei Gläser in der Stockstädter Bahnstraße angemietet wurde. Von den Mitgliedern der ersten Stunde erinnert sich Elli Schröder gerne an "die schönste Zeit" zurück, als neben dem sportlichen Schießen der familäre Zusammenhalt im Vordergrund stand. "Oft waren die Nächte so lang, bis in der Backstube die ersten Brötchen gebacken waren". Elli Schröder sorgte mit Kreis- und Gaumeistertitel für die ersten sportlichen Erfolge. Im Jahr 1978 stellten die Stockstädter mit Dieter Hofmann den Kreisschützenkönig und durch Günter Horst und Ingolf Schröder zwei Ritter. Erstmals drang der junge Schützenverein damit in die Domänen der älteren Vereine ein. Auf den sechs 10-Meter-Ständen fand 1980 erstmals das Ostereierschießen für Jedermann statt, doch der Vorstand um Günter Herrmann verfolgte das Ziel einer eigenen Schießsportanlage. Schon ein Jahr vorher hatte die Gemeinde Stockstadt mit Bürgermeister Wenner der Schützengemeinschaft an der Kreisstraße nach Philippshospital (später: Odenwaldring) ein 7.500 Quadratmeter großes Gelände in Erbpacht zur Verfügung gestellt.

Günter Herrmann war die treibende Kraft

Bis die Baugenehmigung der heutigen Schießstandanlage am 19. Februar 1981 erteilt war, konnten bereits die Bogenschützen das Gelände nutzen. Eine grüne Baubude diente zur Aufbewahrung von Sport- und Arbeitsgeräten, aber auch für den Grill und Getränke. Aus einem Bogentraining entwickelte sich damals nicht selten ein zünftiges Grillfest.

Mit dem Baubeginn erwies sich der Vorsitzende Günter Herrmann als treibende Kraft bei den Neubauten. In der zweijährigen Bauzeit des ersten Abschnittes mit zehn 10-Meter Ständen, Saal, Gaststätte, Küche und sanitären Anlagen wurden etwa 5.000 Arbeitsstunden von jetzt 120 Mitgliedern geleistet, unter denen sich besonders Erich Schröder verdient machte. Nach der Einweihung im Jahr 1983 begannen die Arbeiten an der 25-Meter Standanlage, die mit acht Schießständen im Jahr 1987 in Betrieb genommen wurde. Durch die umfangreichen Baumaßnahmen war das sportliche Schießen bei den Mitgliedern in den Hintergrund getreten. Es kam zu Unstimmigkeiten, Querelen und zu einer Reihe von Austritten. Zum Höhepunkt der Auseinandersetzungen gründeten ehemalige Stockstädter Mitglieder im Nachbarort Erfelden eine Schützensparte im dortigen Turnverein.

Mit Achim Mikowitsch in ruhige Gewässer

Der Stockstädter Schützenverein zählte 1988 noch 103 Mitglieder, als Günter Herrmann das Amt des ersten Vorsitzenden niederlegte. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung wurde Willi Schwärzel zum Nachfolger des langjährigen Vorsitzenden und Vereinsgründer gewählt. Zwei Jahre später übernahm Achim Mikowitsch zusammen mit Gerhard Grund die Führung, die den Verein nach turbulenten Zeiten wieder in ruhigere Gewässer brachten. Die schießsportlichen Aktivitäten der Mitglieder erlebten einen neuen Aufschwung, auch durch die Einführung von Großkaliberschießen. Bereits 1989 hatten mit dem engagierten Erich Schröder die Arbeiten für eine 50- und 100-Meter Anlage mit jeweils sechs Ständen begonnen. Das letzte große Bauprojekt wurde für die Stockstädter Schützen zur "Knochenarbeit", an die Achim Mikowitsch im Rahmen der 25-Jahr Feier erinnerte: "Viele werden sich noch an die schweren Kellersteine erinnern, die besonders nach Regenfällen einiges an Gewicht zulegten". Die meisten Steine sind wohl durch die Hände von Erich Schröder gegangen, aber auch Nachwuchsschützen um Lynn-Marco Foese und Jörg Schmidt halfen mit, dass im September 1993 die Mauer- und Betonarbeiten abgeschlossen wurden. Die Bauarbeiten wurden vollständig in Eigenhilfe ausgeführt und stellten die Schützen immer wieder vor neue Schwierigkeiten. So gehörte die Stahlkonstruktion der Kugelfänge zu Prototypen, die bis heute immer wieder verbessert wurde. Bei der Komplettabnahme der Anlage war es Erich Schröder vorbehalten, den ersten Schuss auf der 50-Meter Bahn abzugeben.

Matthias Grund im hessischen Landeskader

Mit der 90er Jahre wurde ein Schießtag für Ruheständler eingeführt. Aus dem "Rentnerschießen" entwickelte sich ein zünftiger Stammtisch. Die Einnahmen aus Veranstaltungen und privaten Feierlichkeiten in den SSG-Räumen hatten den finanziellen Rahmen für die verschiedenen Aktivitäten geschaffen. Beim Vereinsjubiläum im Jahr 2002 wurde dafür die "Thekenmannschaft" um Paul Henninger, Sigrid und Heinz Hambach, sowie Angelika Lankus besonders gelobt.

Unter Leitung von Michael Molter entwickelte sich die Nachwuchsarbeit im Verein, der zeitweise die größte Jugendabteilung im Schützenkreis Groß-Gerau stellte. Daraus entwickelte sich Matthias Grund zu einer der erfolgreichsten Aktiven, der mit der Luftpistole im hessischen Landeskader nominiert wurde. Falco Meinhardt und Sven Behlau schafften die Teilnahme an den Hessenmeisterschaften.

Die drei Tenöre beim Königsball

Von einer Feier mit Ehrungen der verdienten Schützen wandelte sich der traditionelle Königsball zu einer Veranstaltung mit feierlicher Proklamation der Königspaare, verbunden mit Showeinlagen von Mitgliedern unter Leitung von Sigrid Hambach. Gerne erinnern sich die Stockstädter dabei an die "Drei Tenöre".

Internationale Kontakte knüpften die Stockstädter Schützen Anfang der 90er Jahre zum Schweizer Artillerieverein in Biel. Höhepunkt der vielen gegenseitigen Besuche waren in den Jahren 1995 und 2000 die Teilnahme der Stockstädter am Eidgenössischen Schützenfest.

Im Jahre 1995 wechselte der Vereinsvorsitz zu Georg Molter und erstmals wurde mit Angelika Lankus eine Frau zur zweiten Vorsitzenden gewählt. Der Verein zählte jetzt 138 Mitglieder und stellte auf Kreisebene jeweils zwei Luft- und Sportpistolenmannschaften. Erfolgreichste Schützin war Petra Mikowitsch, die mehrfach die Teilnahme an den Hessenmeisterschaften gelang. 1999 übernahm Gerhard Grund die Vereinsführung, der seit dem Jahr 2001 mit dem ehemaligen Jugendleiter Jürgen Meinhardt einen neuen Stellvertreter, nachdem Angelika Lankus ihre langjährige Mitarbeit im Vorstand beendete.

25 Jahre nach der Vereinsgründung steht für die Stockstädter Schützen die Erhaltung der Gebäude und Schießanlagen im Vordergrund, die bereits erster grundlegender Renovierungen bedürfen. Holzvertäfelungen, eine leistungsfähige Profispülmaschine in der Küche, sowie die Erneuerung der Kugelfänge auf dem 100-meter Stand sind die aktuellen Problemstellungen des Vorstandes. Neben Gerhard Grund und Jürgen Meinhardt gehören im Jubiläumsjahr 2002 die Schatzmeisterin Sigrid Hambach, Schriftführer Achim Jung, Pressewart Heide Molter, Sportleiter Wolfgang Kinowski, Jugendleiter Deborah Spamer, sowie die Beisitzer Petra Walther und Joachim Gehrt dem Vorstand an.

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