Aufwärts mit Fonds für Jugend und Neubau
Die Geschichte der Büttelborner Hubertusschützen
Die Geschichte des Schießsports in Büttelborn begann bereits im Jahr 1932, doch die Gründung der Hubertusschützen fand erst am 16. April 1955 im Gasthof "Zum Schützenhof" statt. Sieben Monate später verstarb der 64-jährige Peter Kraus III., der im Jahr 1927 Deutscher Meister im Kleinkaliberschießen wurde. Gemeinsam mit Georg Petri, Alois Lauer, Fritz Weber, Hans Barthel, Peter Bausch und Andreas Heiliger gehörte Kraus zu den Schützen, die sich am 9. April 1955 zusammenfanden, um den Büttelborner Schützenverein eine Woche später wieder zu gründen.
Die Alternative gegen das wilde Schießen
Die Wiedergründung wurde in Büttelborn als unumgänglich angesehen, damit der Jugend eine Alternative gegen das "wilde Schießen" im Ortsbereich angeboten wurde. Damals zählte Büttelborn 3000 Einwohner mit 120 bäuerlichen Betrieben und nur 15 registrierte Autobesitzern. Der neue Schützenverein wählte Rudi Best zu seinem ersten Vorsitzenden und beschloss in seiner Satzung strikte politische, rassische und konfessionelle Neutralität zu wahren. Mit einem Monatsbeitrag von einer Mark begann das Schießen mit dem Luftgewehr im Saal der Gaststätte "Zum Schützenhof". Im Mai 1955 zählten die Hubertusschützen schon 42 Mitglieder und der Vorstand wurde um vier Positionen erweitert, darunter als Jugendleiter Philipp Gölzenleuchter, der sich zu einem der verdienstvollen HSG-Mitgliedern entwickelte.
Die erste Vereinsmeisterschaft (Sieger: Georg Ernst) wurde ausgetragen und eine Woche fand das erste Familienschießen statt. Im Rahmen des 25-jährigen Jubiläums der Freiwilligen Feuerwehr trat der Verein erstmals öffentlich in Erscheinung und zählte Ende des Jahres 1955 schon 57 Mitglieder. Premiere hatte im Januar 1956 das Königsschießen mit dem Sieg von Paul Bott und nach der Teilnahme am Spargelfestumzug fand erstmals das "Spargelschießen" statt.
Vom Wikinger ins Volkshaus
Nach dem Aufschwung der ersten Jahre ging die Mitgliederzahl Mitte der 60er Jahre wieder auf 34 Schützen zurück. Bis 1958 hatten die HSG-Schützen vier Kreismeistertitel gewonnen und stellten mit Paul Bott ihren ersten Teilnehmer an den Luftgewehr-Landesmeisterschaften. Im Jahr 1965 feierten die Büttelborner Schützen ihr zehnjähriges Bestehen mit einem großen Vereinsball und neben einem Familienausflug in den Odenwald wurden Vergleichswettkämpfe mit den Schützenvereinen aus Astheim und Raunheim durchgeführt. Die Vereinsgaststätte hieß seit 1962 "Zum Wikinger", in dem die HSG 1967 ihre letzten Schüsse abgab, bevor der Schießstand ins "Volkshaus" verlegt wurde. Die Mitgliederzahl des Vereins stagnierte um vierzig Schützen und für die sportlichen Erfolge sorgten die Altersschützen um Paul Bott, Georg Ernst und Philipp Gölzenleuchter, sowie der ehemalige Groß-Gerauer Friedrich Wilhelm Apitz, der mit dem Zimmerstutzen den ersten Hessenmeistertitel nach Büttelborn holte.
Die schwerste Belastung und eine Zwischenlösung
Das Jahr 1974 begann mit einer der schwersten Belastungsproben für den Verein, denn bei der Jahreshauptversammlung am 12. Januar fand sich kein Vorsitzender mehr. So kam es zu einer Zwischenlösung, in der sich Andreas Heiliger bereit erklärte, den Verein zunächst kommisarisch mit Unterstützung von Werner Müller, Rudolf Best, Karl Trapp, Philipp Kraus und Werner Zettl zu führen. Ein Jahr später wurde Andreas Heiliger zum ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, der im Volkshaus durch die Überschneidung mit anderen Veranstaltungen kein geregeltes Training mehr absolvieren konnte. Der Schießstand im Volkshaus wurde 1976 aufgegeben und der neue Vorsitzende stellte seinen leerstehenden Tanzsaal als Ausweichschießstand zur Verfügung. Versuche, eine eigene Schießstandanlage zur erhalten, blieben bis dahin ergebnislos. An der Kläranlage, neben dem Kindergarten oder der Platz neben dem "Roten Kreuz" standen zur Diskussion und vom Ortsvorstand wurde ein geeignetes Gelände zugesichert.
Eine neue Ära mit Dieter Riemenschneider
Der Verein zählte 46 Mitglieder, als bei der Jahreshauptversammlung am 27. November 1976 in der Pfungstädter Bierstube eine neue Ära eingeläutet wurde. Mit dem neuen Vorsitzenden Dieter Riemenschneider an der Spitze wurden fast ausschließlich neue Gesichter in den Vorstand gewählt. Mit Dieter Riemenschneider und seiner Ehefrau Doris als Schriftführerin, sowie Philipp Gölzenleuchter als zweiter Vorsitzender, Rechner Werner Zettl, den Schießmeistern Jacques und Pierre Rohmund und dem Platzwart Karl Stork wurde der Schwerpunkt darauf gelegt, wie der Schießsport wirksam belebt werden kann.
Dieter Riemenschneider kam von seinem Heimatverein SV Verna/Allendorf zu den Büttelborner Schützen und er erklärte sich bereit, auf seinem Grundstück in der Mainzer Str. 17 in der Scheune eine provisorische Schießanlage mit sieben Ständen zu erstellen. Über 50 Vereinsmitglieder halfen mit, um die neue HSG-Standanlage mit über 1200 Arbeitsstunden zu erstellen. Wieder gehörte Philipp Gölzenleuchter zusammen mit Peter Senßfelder zu den aktivsten Büttelborner Schützen, die den Standbau am 22. April 1979 beendeten und mit einem Sportschießen für Jedermann und einer kleinen Sommerfeier am 16. August 1979 eröffneten.
Schießstand zunächst als Modell
Die Bemühungen ein geeignetes Gelände für eine eigene Standanlage von der Gemeinde Büttelborn zu erhalten dauerten schon sieben Jahre, als ein Bausonderfonds eingerichtet und ein Grundrissmodell der geplanten Schießsportanlage von Philipp Gölzenleuchter erstellt wurde. Geschätzt wurden die Kosten auf 200.000 Mark und die sollten durch Bausteinesammlungen, Anteilscheinverkauf, Schießsportveranstaltungen, Arbeitseinsätzen und Zuschüssen der Gemeinde, des Kreises, des Landessportbundes und des Landes Hessen aufgebracht werden. Die Mitgliederzahl hatte sich im Jahr 1978 auf 84 Schützen erhöht, aber noch immer blieb die Suche nach einem geeigneten Gelände erfolglos. So wurde der Vorschlag eines Schießstandes neben der früheren Müllkaude ebenso verworfen, wie ein Waldgelände in der Nähe der Autobahn oder auch ein Vorschlag von Bürgermeister Imhof für eine Standanlage in Worfelden.
Fonds für Neubau und Jugendarbeit
Neben dem Bausonderfonds wurde ein Fonds für die Jugendarbeit eingerichtet und daraus zusätzliche Sportgeräte beschafft. Mit einem Jugendwerbeschießen begann die Intensivierung der Nachwuchsarbeit. Neben dem neuen Jugendleiter Peter Senßfelder wurde erstmals mit Judy Voos ein Jugendvertreter gewählt, um das Mitverantwortungsgefühl der Nachwuchsschützen im Verein zu stärken. Die Büttelborner Jugendschützen feierten schon im Jahr 1979 ihre ersten Erfolge und belegten in der Schülerklasse bei den Kreismeisterschaften jeweils die ersten drei Plätze. Pierre Rohmund wurde mehrfach Kreismeister mit der Luftpistole und die Mannschaft gewann den Gaumeistertitel. Für die HSG gingen 1979 insgesamt acht Mannschaften in den Stand, darunter vier Nachwuchsteams. Wenig später war der Sieg von Britta Otrzonsek bei den Hessenmeisterschaften und die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften der erste Höhepunkt einer erfolgreichen Nachwuchsarbeit.
Auf Initiative des neuen Vorsitzenden Dieter Riemenschneider fanden zahlreiche Freundschaftswettkämpfe statt, darunter in Frankreich mit dem ASC Straßburg und in Nordhessen mit dem SV Verna/Allendorf. Die Straßburger Schützen beteiligten sich in Büttelborn am Spargelschießen, dass seit 1977 wieder durchführt wurde, und gewannen mit einem PKW den Hauptpreis. Die "Büttelborner Schießwochen" hatten den gewünschten Erfolg und die Mitgliederzahl kletterte 1980 auf fast 100 Schützen.
Der erste Spatenstich am 1. Mai 1985
Am 10. September 1984 lag den Büttelborner HSG-Schützen endlich die Genehmigung für eine eigene Standanlage im Industriegebiet an der Autobahn vor und am 1. Mai 1985 begann mit dem ersten Spatenstich der Neubau. Dieter Riemenschneider und sein Stellvertreter Hans Merkel hatten eine vollkkommen überdachte Standanlage geplant, die in mehreren Bauabschnitten erstellt wurde. Mit viel Engagement begannen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt mit 16 Zehn-Meter-Schießständen, dem Aufenthaltsraum und WC-Räumen. Schon im Jahr 1987 fanden die ersten Kreismeisterschaften auf der neuen Büttelborner Standanlage statt und der Leistungssport rückte wieder in den Vordergrund. Mit Thomas Merkel und Reiner Hardt engagierten sich zwei ehemalige HSG-Jugendliche in der Nachwuchsarbeit, die fünf Jahre später ihre herausragende Ergebnisse mit Siegen bei den Hessenmeisterschaften durch Kai Wilke, Sybille Kral, Thorsten Fabig und Anja Herbert hatte.
Die treibende Kraft tritt zurück
Die treibende Kraft des Neubaus war stets Dieter Riemenschneider gewesen, doch durch seinen Rücktritt im Juni 1989 konnte er die Fertigstellung des zweiten Bauabschnittes nicht mehr als Vorsitzender feiern. Am 5. Juli 1990 waren acht kombinierte 25- und 50-Meter Schießstände fertiggestellt. Nachfolger von Riemenschneider wurde Volker Schmich, der mit einem neuen Vorstand den dritten Bauabschnitt mit acht 25-Meter Ständen zum Abschluß brachte. Die HSG Schützen hatten bis 1993 insgesamt 18.000 Arbeitsstunden geleistet und ein Vereinsgelände im Wert von 750.000 Mark erstellt. Der Verein zählte jetzt 153 Mitglieder und verstand es mit dem Pokalschießen für Ortvereine die Büttelborner Bürger zu begeistern. 1993 beteiligten sich 99 Mannschaften am Pokalschießen und die Beliebtheit steigerte sich in den folgenden Jahren bis zur Teilnahme von 120 Teams.
Nachwuchsarbeit bleibt der Mittelpunkt
Im Mittelpunkt blieb in den 90er Jahren die Nachwuchsarbeit der HSG, die mit 34 Jugendlichen eine der größten Abteilungen im Kreis Groß-Gerau hat. Mit Gerrit Achtelik und Thomas Merkel engagieren sich zwei HSG-Schützen, die der erfolgreichen Nachwuchs-Ära der 70er Jahre entsprangen. Neben den Jugendlichen verzeichnete im Erwachsenbereich Rolf Gölzenleuchter, Claudia Herbert, Evelin Kaiser, Ralf Klink und Denise Rohmund Erfolge mit der Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften.
Im Jahr 2002 wurden die überdachten 25- und 50-Meter Schießstände mit einem Kostenaufwand von rund 50.000 Euro eine modernen Zu- und Abluftanlage ausgestattet und neue Kugelfänge installiert. Der Verein führte die Arbeiten in Eigenhilfe und über 1.000 Arbeitsstunden der jetzt fast 170 Mitglieder aus. Neben der beheizbaren 10-Meter Standanlage, vier elektrischen 50-Meter-Ständen und zehn Ständen auf 25 Meter Entfernung rundet eine Bogengelände mit zwölf Schießbahnen von 18 bis 90 Meter Entfernung das Schießsportangebot der HSG Büttelborn ab. Für alle Disziplinen stehen der HSG mit Alexander Ruhland (Bogen), Evelin Kaiser (Pistole) und Thomas Merkel (Gewehr) ausgebildete Trainer und Übungsleiter zur Verfügung.