SV Wallerstädten
Peter Funk und der Löwe in Wallerstädten
Die Geschichte des Schützenvereins Wallerstädten
Die Gaststätte "Zum Löwen" und der Name Peter Funk sind feste Bestandteile der zwischenzeitlich 92-jährigen Vereinsgeschichte des Schützenvereins Wallerstädten. Zu den 16 Gründungsmitgliedern, die sich im April 1910 im Lokal "Gasthaus zum Löwen" versammelten, gehörte Peter Funk, dessen Nachfolger viele Jahre die Geschicke des Vereins mitbestimmen sollten.
Schießen bis zur Dunkelheit
Als erster Schützenmeister wurde zunächst Georg Ruckelshausen gewählt. Zum Vorstand gehörte auch Heinrich Ruckelshausen, der als Inhaber der Gaststätte "Zum Löwen" die Aufgabe des Platzmeisters übernahm. Nachdem sich der junge Verein die ersten beiden Luftgewehr angeschafft hatte begann im kleinen Saal der Gaststätte jeden Sonntag von 15.00 Uhr bis zur hereinbrechenden Dunkelheit das Schießtraining. Zum Kirchweihfest des Jahres 1910 wurde das erste offene Preisschießen für Jedermann veranstaltet. Im Herbst fand die erste Mitgliederversammlung statt, die zunächst den Vereinsnamen "Schützenverein 1910 Wallerstädten" festlegte und danach den Vorsitzenden Georg Ruckelshausen in seinem Amt bestätigte. Die Versammlung beschloss den Bau eines Schießstandes mit vier Scheiben auf 60 Meter Entfernung und den Eintritt zum 1. Januar 1911 in den Mitteldeutschen Schützenbund.
Mit der Martini Kesslerbüchse auf 60 Meter
Der Schießstandbau begann im Frühjahr 1911 und noch vor der Einweihung am 20. und 27. August wurde eine "Martini Kesslerbüchse" als drittes Vereinsgewehr angeschafft. Zur Eröffnung der neuen Schießstandanlage kamen insgesamt 54 Aktive aus verschiedenen Vereinen des Mitteldeutschen Schützenbundes. Für die Einheimischen erreichte Philipp Becker mit 56 Ringen auf die "Meisterscheibe" einen beachteten siebten Rang. Mit einem 282 Teiler wurde Heinrich Ruckelshausen beim Wettbewerb auf die "Ehrenscheibe" Zweiter. Neben den sportlichen Wettkämpfen spielte die "Opel-Kapelle" im vergrößerten Saal des Vereinslokals zum fröhlichen Tanz auf. Abgeschlossen wurde die erste Saison am 22. Oktober 1911 mit einem Geflügelschießen, bei dem Gänse, Enten und Hähne als Preise ausgegeben wurden. Neben 15 Schützen des eigenen Vereins beteiligten sich auch vier Gäste aus Berkach an diesem Preisschießen.
Für den Schießstandbau waren neben den Einnahmen aus dem Schießbetrieb von den Mitgliedern unverzinsliche Anteilscheine im Wert von fünf Mark gezeichnet worden. Jedes Jahr wurde die Rückzahlung einiger Anteilsscheine ausgelost. Bis 1930 waren noch nicht alle Anteilscheine zurückgezahlt und der Verein beschloss die Verzinsung von 12,5 Prozent. Großzügig verzichteten damals die alten Schützen alle auf die Rückzahlung zugunsten des Vereins.
Wallerstädter im Rhein-Main-Gau
Während des ersten Weltkrieges verlor der Verein am 8. September 1917 seinen zweiten Schützenmeister Philipp Becker. Ein Jahr später ruhte der Schießbetrieb des Vereins bis 1930. Als die Besetzung des Rheinlandes endete trafen sich am 6. August 1930 die alten Vereinsmitglieder und wählten einen neuen vorläufigen Vorstand mit Heinrich Gerhardt IV. an der Spitze, der später bei der ersten Mitgliederversamlung nach 16-jähriger Pause bestätigt wurde. Mit Hilfe eines zinsgünstigen Darlehens zu sechs Prozent wurde das erforderliche Geld für den notwendigen Neubau der veralteten und unbrauchbar gewordenen Schießstandanlage aufgebracht. Zudem wurde im September und Oktober 1930 ein erfolgreiches Werbeschießen mit Luftgewehren ausgetragen, nach dessen vollen Erfolg der Verein sich für das Jahr 1931 mit 30 Aktiven und zwei Anzeigern im Mitteldeutschen Schützenbund anmelden konnte. Mit Unterstützung aus der Bevölkerung und den Firmen der Vereinsmitgliedern wurden viele Ehrenpreise angeschafft, die am 18. und 19. April 1931 bei der Standeinweihung in Verbindung mit dem Gauanschießen ausgegeben wurden. Mit 96 Schützen verbuchte der Verein einen Umsatz von 690 Mark, von dem zwanzig Prozent als Gewinn für die Wallerstädter Schützen verblieb. Die Wallerstädter gehörten ein Jahr später am 21. Februar 1932 neben Tell Groß-Gerau, Tell Walldorf, Tell Raunheim und dem SV Flörsheim zu den fünf Vereinen, die den Rhein-Main-Gau gründeten. Die Auflösung des Mitteldeutschen Schützenbundes im Jahr 1934 leitete den vormilitärischen Mißbrauch des Schießsports ein. Mit der Integration in den "allgemeinen Deutschen Schützenbund" wurden die Diopter-Zieleinrichtungen abgeschafft und das Schießen über "Kimme und Korn" eingeführt. Bis zum Beginn des zweiten Weltkrieges im Jahr 1939 beteiligten sich die Wallerstädter Schütezn an zahlreichen Wettkämpfen in Raunheim, Walldorf, Rüsselsheim, Flörsheim, Darmstadt und Bodenheim. Zudem wurde erstmals im Jahr 1937 das Riedschützenfest ausgetragen.
Wiedergründung mit Peter Funk IV
Nach Kriegsende im Jahr 1945 wurde der Wallerstädter Schießstand abgerissen und alle Schützenvereine durch die amerikanische Militärregierung verboten. Erst neun Jahre später lebte der Verein wieder auf. Zwanzig ehemalige Mitglieder trafen sich im Gasthaus "Zum Löwen" zur Wiedergründung und wählten Peter Funk IV. zum ersten Vereinsvorsitzenden. Wieder war es der kleine Saal im Gasthaus, der viele Jahre das Domizil des Vereins wurde. Die Gaststätten-Familie Ruckelshaußen erwies sich weiterhin als tatkräftige Förderer des Vereins und noch im Jahr 1954 wurde die erste Vereinsmeisterschaft mit dem Sieg von Peter Funk ausgetragen.
Mit einem hervorragend besuchten Schützenball feierten die Wallerstädter Schützen im Jahr 1960 ihr fünfzigjähriges Vereinsjubiläum, in dessen Rahmen Kreisschützenmeister Herbert Schmidt die goldene Jubiläumsscheibe an die verdienten Mitglieder Peter Funk, Peter Knipp und Daniel Ruckelshaußen überreichte. Mit dem Sieg von Erich Knodt begann im Jahr 1962 das bis heute traditionelle Königsschießen und zwei Jahre später wurde der Verein im Landessportbund aufgenommen. Bis ins Jahr 1977 führte Peter Funk IV. den Verein als Vorsitzender und organisierte noch kurz vor seinem Tod das traditionelle Grillfest auf den Landwiesen. Die Nachfolge von Funk trat am 25. Februar 1978 sein bisheriger Stellvertreter Richard Hinterthür an, der schon 1955 im zweiten Jahr nach der Wiedergründung Vereinsmeister wurde und bis zum Jahr 1981 viermal Schützenkönig des Vereins war.
Die Königskette in der Familientradition
Schon im Jahr 1973 hatten die Bemühungen des Vereins um eine eigene Schießstandanlage begonnen. In der damals noch selbständigen Gemeinde Wallerstädten wollten die Schützen beim geplanten Sporthallenbau berücksichtigt werden. Doch es dauerte noch zehn Jahre, bis die Bemühungen Erfolg hatten. Nach der Eingemeindung von Wallerstädten zur Stadt Groß-Gerau wurde das Vereinsstreben nach einer 10-Meter-Standanlage im Haushalt der Kreisstadt berücksichtigt und bei den Sportinvestitionen an die erste Stelle gesetzt. 1983 wurde Peter Funk V. neuer Schützenkönig und zwei Jahre später feierten die 120 Mitglieder ihr 75-jährige Vereinsjubiläum. Ein Jahr später übernahm Peter Funk VI. die Schützenkönigskette und die Familientradition setzte Peter Funk VII. im Jahr 2001 als neuer Schützenkönig fort.
Gerhard Drodt rückt in den Blickpunkt
Im Jahr 1988 wechselte der Vereinsvorsitz von Richard Hinterthür an Manfred Weber, doch im Blickpunkt stand endlich der Ausbau des eigenen Schützenhauses, das von der Stadt Groß-Gerau erstellt wurde. Im März begann der Innenausbau, bei dem die Mitglieder insgesamt 1945 Arbeitsstunden leisteten. Der damalige Jugendleiter Gerhard Drodt wirkte mit 428 Stunden zusammen mit Gerhard Meyer (206) und Heinrich Hauf (124) unter den zwanzig beteiligten Vereinsmitgliedern am einfrigsten. Mit der feierlichen Einweihung wurden die Arbeiten am 23. September 1988 abgeschlossen.
Im Jahr 1960 kam der heutige Vorsitzende Gerhard Drodt zum Verein. Als 18-jähriger übernahm er 1968 das Amt des Jugendleiters und gehört seitdem dem Vorstand an. Im Jahr 1991 löste der heute 52-jährige Drodt schließlich Manfred Weber an der Vereinsspitze ab und steht für den starken Aufschwung in der Mitgliederzahl. Als der Verein 1993 171 Mitglieder zählt stellen sich die ersten großen Erfolge durch Michael Meyer ein, dessen Siege in den Pistolenwettbewerben einer verstärkten Nachwuchsarbeit entsprangen. Bei seinem ersten Sieg bei den Hessenmeisterschaften fuhren die Wallerstädter Schützen mit ihrem Aushängeschild eine Ehrenrunde durch den Ort.
Michael Meyer ist das Aushängeschild im Verein
Neben der engagierten Jugendarbeit begann Mitte der 90er Jahre der Aufbau des Ältestenschießen, mit dem die Wallerstädter heute im Schützenkreis Groß-Gerau führend sind. Mit Heinz Weller sind die Senioren des Vereins auch im Vorstand des Vereins vertreten.
Im Jahr 2002 hat sich die Mitgliederzahl auf 222 erhöht und erstmals schießt die Luftgewehr-Mannschaft in der Kreisklasse. Mit Reinhard Schäfer bei den Erwachsenen und Siri Wilhelm bei den Jugendlichen kommen die amtierenden Kreisschützenkönige beide vom SV Wallerstädten.
Ziel des heutigen Vorstandes um den Vorsitzenden Gerhard Drodt ist das 100-jährige Vereinsjubiläum im Jahr 2010. "Bis dahin wollen wir zusammenbleiben".