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Gilde Kelsterbach

Eine Übergangslösung im alten Schlosskeller

Die Geschichte der Schützengilde Kelsterbach

Die Geschichte der Schützengilde beginnt mit dem Kelsterbacher Förster Jost, auf dessen Initiative sich 22 Bürger zusammenfanden, die am 21. März 1933 den Verein gründeten. Förster Jost führte den jungen Verein bis zur ersten Generalversammlung Ende Juli, bei der Wilhelm Ackermann zum ersten Vorsitzenden gewählt wurde. Doch erst ein Jahr später fand das erste interne Vereinsschießen statt, nachdem alle Schwierigkeiten und Probleme zur Errichtung der eigenen Standanlage in der Gaststätte "Waldlust" überwunden waren. Willi Rohn hatte den Vorschlag gemacht, auf dem Grundstück seiner Eltern bei der Gaststätte einen Stand zu bauen, der mit sechs Schießbahnen und großem Einsatz aller Mitglieder Ende 1933 eingeweiht wurde. Durch den Schießstandbau waren die finanziellen Mittel des Vereins erschöpft und es fehlte zunächst das Geld vereinseigene Gewehre anzuschaffen.

Erste Gildeerfolge mit Willi Rohn

Nachdem die erforderlichen Gewehre angeschafft waren meldeten die Kelsterbacher Schützengilde erstmals eine Mannschaft zur Teilnahme an der Kreismeisterschaft. 1934 belegten Willi Rohn, Jakob Emmel, Ludwig Fuchs und H. Born auf Anhieb den dritten Platz. 1935 folgte ein zweiter Platz bei den Gaumeisterschaften in Frankfurt und im Jahr 1936 gewannen die Kelsterbacher erstmals den Kreismeistertitel in der Mannschaftswertung. Höhepunkt der Gildeerfolge war 1939 der Sieg von Willi Rohn bei den Gaumeisterschaftenin der Einzelwertung. Doch die Entwicklung des hoffnungsvollen Talents wurde durch den Ausbruch des zweiten Weltkrieges gestoppt und wie viele andere Kelsterbacher Schützen kehrte Willi Rohn nicht mehr aus dem Krieg zurück. Die Überlebenden hatten in der Nachkriegszeit die Lust am Weitermachen im Schießsport verloren und so ruhte die Vereinstätigkeit bis 1953.

Wiedergründung in der Waldlust

Gegen alle Schwierigkeiten und Hemmnisse die Vereinstätigkeit wieder aufzunehmen, trafen sich im Jahr 1953 einige ältere Mitglieder, um die Schützengilde neu aufzubauen. In der Gaststätte "Zur Waldlust" fand die erste Generalversammlung statt und wählte Ludwig Schmitt zum Oberschützenmeister. Dem neuen Vorstand erwartete die Aufgabe, die Voraussetzung zum Aufbau des zerstörten Kleinkaliberstandes zu schaffen. Zunächst wurde ein Zehn-Meter-Schießstand eingerichtet und schon im Juni 1954 hatten die Gildeschützen wieder ihren Kleinkaliberstand zur Verfügung. Ein Jahr später waren die Kelsterbacher Schützen wieder bei den offiziellen Meisterschaften dabei und Heinrich Born gelang mit dem Sieg in der Altersklasse der erste Erfolg.

Fritz Sturm - erstmals Gilde-Oberschützenmeister

Bei der Generalversammlung 1956 wurde Fritz Sturm Nachfolger von Ludwig Schmitt im Amt des Oberschützenmeisters. Sturm gehörte dem Verein seit 1935 an und war 1936 Jugendbezirksmeister. Mit dem neuen Kelsterbacher Oberschützenmeister trat ein Schütze in den Vordergrund, der in den folgenden Jahren als erfolgreicher Schütze und engagierter Funktionär bekannt wurde. Unter dem Vorsitz von Sturm wurde das Vereinsprogramm vielseitiger. Die Einführung von Werbe- und Wanderpreisschießen fanden regen Zuspruch und Kelsterbacher Schützen erreichten bei den Hessenmeisterschaften 1957 einen beachtlichen vierten Rang.

Die kurze Geschichte der Tellschützen

Neben den Gildeschützen hatte sich in den frühen 50er Jahren in Kelsterbacher der Schützenverein "Tell" gegründet. Unter seinem Vorsitzenden Heinz Loos bestand der Verein drei Jahre und löste sich auf, als der gewünschte Vereinsname "Gilde" nicht genehmigt wurde. Von den Tellschützen wechselte mit Gerhard Rittgen ein erfolgreicher Gewehrschütze zur Gilde Kelsterbach.

Die Aufwärtsentwicklung der Gildeschützen stockte, als durch eine Auflage der Behörden die Kleinkaliberstandanlage nicht mehr genutzt werden konnte. Die Suche nach einem geeigneten Ersatzgelände blieb bis 1969 ergebnislos, als dem damaligen Vorsitzenden Robert Lindner als Übergangslösung der leerstehende Keller des alten Schlosses zum Ausbau angeboten wurde. Bis dahin waren die Kelsterbacher Schützen gezwungen, bei befreundeten Vereinen zu trainieren. Dennoch erreichte Fritz Sturm in den Jahren 1964 und 1966 zweimal die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften mit dem Kleinkalibergewehr. Sturm hatte nach seiner fünfjährigen Amtszeit als Oberschützenmeister die Vereinsführung 1962 an Erich Schmidt übergeben, bevor er wieder von 1965 bis 1968 selbst Vorsitzender wurde und danach das Amt an Robert Lindner übergab.

Die Übergangslösung im alten Schlosskeller

Die anfallenden Kosten wollten die Kelsterbacher Gildeschützen so gering wie möglich halten, als sie 1970 mit dem Ausbau des Kellers im alten Schloss begannen. Mit Eigeninitiative und Unterstützung durch die Stadt konnte schon Ende 1970 die Standanlage eingeweiht werden. Den Gildeschützen standen zwei 50-Meter Schießstände, eine 25-Meter Anlage und sechs 10-Meter Schießstände zur Verfügung. Die Freude über den neuen Schießstand wurde bald getrübt, denn nach Regenperioden verwandelten sich die Räumlichkeiten in wahre Tropfsteinhöhlen. In den feuchten Räumen war die Zerstörung der eingebauten Anlagen die Folge. Erst eine mit Hilfe der Stadt Kelsterbach durchgeführte Isolierung der Kellerdecke löste das Problem.

Wurfscheiben- und Schnellfeuerschützen

Mitte der 70er Jahre begann Kurt Späth mit dem Wurfscheibenschießen, dessen Kontakte zur US-Air Base in Frankfurt dazu führten, dass Kelsterbacher Schützen viele Jahre ihre Meisterschaften im "Skeet" austrugen und damit im Kreis Groß-Gerau, sowie im Schützengau Starkenburg konkurrenzlos waren. Späth gehörte seit 1960 der Schützengilde an und kam wegen des fehlenden Pistolenstandes zum Wurfscheibenschießen, das zunächst in Schwanheim und Wächtersbach ausgetragen wurde. Auch Werner Georg hatte mit dem Wurfscheibenschießen begonnen, nachdem er zu den erfolgreichen Schnellfeuerpistolenschützen des Vereins gehörte. Werner Georg zeichnete sich in den folgenden Jahren besonders als Organisator im gesellschaftlichen Bereich aus. Ob als einfallsreicher Hauptakteur bei Sketchen, oder der Veranstaltung von Vereinsausflügen mit Abendprogramm, wenn´s um Stimmung geht, dann ist Werner Georg nicht weit. Wie Werner Georg gehörte Fritz Treutel zum Vorstand, der 1983 das 50-jährige Vereinsjubiläum feierte. Schon 1966 war Treutel zu den Kelsterbacher Schützen gekommen und war einer der engagiertesten Mitglieder bei den Baumaßnahmen des Vereins und hatte großen Anteil daran, dass die Schützengilde im Wettbewerb "Schnellfeuerpistole" zu einer Hochburg im Kreis Groß-Gerau wurden.

Die Erhaltung der Übergangslösung

Bis 1974 führte Robert Lindner den Verein und wurde danach für drei Jahre von Wilfried Thon abgelöst. Dem folgte von 1978 bis 1980 Kurt Späth als Vorsitzender, bevor wieder Fritz Sturm die Führung der Gildeschützen bis 1983 übernahm. Danach kehrte Wilfried Thon ins Amt des Vorsitzenden zurück, der den Verein bis ins Jahr 1992 führte. Die Erhaltung der ursprünglichen "Übergangslösung" stand bei allen Vorständen im Vordergrund. Es wurden weitere Ausbaumaßnahmen durchgeführt, darunter eine Lattendecke zur Verschönerung und Geräuschdämmung, sowie eine Hängedecke im 10-Meter-Stand, der mit sechs automatischen Zuganlagen ausgestattet wurde. Die Kleinkaliberanlage wurde auf vier Stände erweitert und ist mit übereinanderliegenden Ständen im Schützenkreis Groß-Gerau einmalig.

Als 1993 Wilfried Harrer die Führung übernimmt ist das Thema "Sicherheit" die Priorität des 191 mitgliederzählenden Vereins. So wurde auf dem 25-Meter Pistolenstand ein vorbildlicher Kugelfang installiert. Im Jahr 2001 wurde Harrer von Dieter R.A. Füller im Amt des Vereinsvorsitzenden abgelöst. In diesem Jahr gelang mit Thomas van der Burg der größte sportliche Erfolg in der Vereinsgeschichte. Der 20-jährige wurde dreifacher Hessenmeister und von den Lesern der Hessischen Schützenzeitung zum "Schützen des Jahres 2001" gewählt.

Thomas van der Burg - Schütze des Jahres 2001

"Durch die intensive Unterstützung der jugendlichen Mitglieder wurden auf der Kreis-, Gau- und Landesebene gute Ergebnisse erzielt", schreibt der seit März 2002 gewählte Vorstand um den Vorsitzenden Dieter Füller und seines Stellvertreters Hans-Dieter Beck, "die Schießanlage wird laufend modernisiert, das ist nur möglich, weil sich alle Mitglieder zur Arbeit mit einbringen". Als Hauptaufgabe für die kommenden Jahre hat sich der Vorstand zum Ziel gesetzt: "Die Schützengilde will auch in Zukunft sportlich erfolgreich sein, aber auch die gesellschaftlichen Treffen sollen nicht im Hintergrund stehen, sondern intensiviert werden".

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