Aus den Umkleidekabinen zu sportlichen Höheflügen

Die Geschichte der TGS Walldorf 

Die Sportschützen der Turngesellschaft 1896 Walldorf feiern im Jahr 2003 ihr 50-jähriges Jubiläum. Die 206 mitgliederstarke TGS-Abteilung gehört zu den acht Gründervereinen des Schützenkreises Groß-Gerau.

Vor fünfzig Jahren wurden die TGS-Sportschützen im Gasthaus "Zum Löwen" in der Walldorfer Langstraße gegründet. An der historischen Stätte - er heutige TGS-Vorstand von links: Henry Witt (Schriftführer), Günter Mück (zweiter Vorsitzender), Peter Ortmann (Schatzmeister), Udo Schneider (Sportleiter) und Paul Herwig (Vorsitzender)

 

Gründung in der Gaststätte "Zum Löwen"

Am 10. Januar 1953 fanden sich Ernst Tron, Waldemar Emmerich, Hans Erhard und Waldemar Hildebrand im damaligen Gasthaus (heute: Hotel) "Zum Löwen" zusammen, um die TGS-Sportschützen zu gründen. Zwei Monate später hatte der junge Verein zwanzig Mitglieder und die ersten Übungsschießen mit dem Luftgewehr wurden in den Wirtshaussaal der Gaststätte "Zum Löwen" abgehalten. Der erste Vorsitzende Hans Erhardt wurde 1954 durch Lorenz Zwilling abgelöst, der am 11. Mai des gleichen Jahres tödlich verunglückte. Am 23. Juni wurde Karl Scheuermann zum Nachfolger gewählt, der die TGS danach zehn Jahre als Vorsitzender führte.

Der Weg in die alten Umkleidekabinen

Auf den zwei Standanlagen in der Gaststätte "Zum Löwen" fand am 14. Mai 1953 der erste Wettkampf gegen Tell Groß-Zimmern statt und am 31. Mai 1953 gehörte die Schützenabteilung der TGS zu den Vereinen, die im Gasthaus "Wagenrad" in Groß-Gerau den Schützenkreis gründeten. Die Einweihung des neuen Schießstandes in der Gaststätte "Adler" fand am 12. September 1953 mit einem Wettkampf gegen die SG Langen und Tell Walldorf statt.

Im Jahr 1957 wurde der Schießstand in den Waldenser Hof in der Langstraße verlegt und bei der Jahreshauptversammlung der Turngesellschaft Walldorf am 30. März erhielt die Abteilung den heutigen Namen "Sportschützen Walldorf".

Von den Gaststätten führte der Weg in die alten Umkleidekabinen der Turngesellschaft auf dem Sportplatzgelände an der Okrifteler Straße in Walldorf, die lange Jahre zur Bleibe der Sportschützen wurden. Der Auszug aus den Kellerräumen und Aufgabe des Schießstandes im Waldenser Hof wurde dem Wirtschaftsausschuss des Sportvereins Rot-Weiß mit Wirkung vom 1. Dezember 1964 mitgeteilt: "Da wir eine Untergruppe der TGS Walldorf sind und uns die Gelegenheit geboten wurde, einen eigenen Schießstand zu bauen, haben wir die Chance genutzt. Damit können wir unseren Schießbetrieb auch bei Tageslicht ausführen, was für unser sportliches Fortkommen unbedingt notwendig war."

Werner Mißkampf tritt ins Rampenlicht

1957 trat ein Schütze ins Rampenlicht der TGS, der danach das Geschehen auf Vereins- und Kreisebene maßgeblich mitbestimmen sollte. Werner Mißkampf wurde erstmals Vereinsschützenkönig und nachdem er diese Würde sieben Jahre später noch einmal errungen hatte, übernahm er am 1. Januar 1965 das Amt des Abteilungsleiters.

Als 18-jähriger war Werner Mißkampf im Jahr 1953 in den gerade gegründeten Verein eingetreten und kam vier Jahre später erstmals als Kassenwart und Schriftführer in den Vorstand..Durch einen Nachbar, der dem jungen Mißkampf sein Luftgewehr vorführte, kam er zum Schießsport: "Ich habe ihn gefragt, wo er denn damit schießen kann. Kurz darauf bin ich das erste Mal zu der Walldorfer Schützengruppe gegangen und habe mich im Schießen versucht."

Werner Mißkampf erlebte den Aufschwung der Walldorfer Sportschützen, die zu Beginn 47 Mitglieder zählten, doch Anfang der 60er Jahre waren nur noch 13 Aktive organisiert. Zu den erfolgreichsten TGS-Sportschützen gehörte zu dieser Zeit Jakob Pons, der 1959 Kreismeister mit der Scheibenpistole wurde und bei den Gaumeisterschaften den vierten Platz belegte. Mit dem Luftgewehr wurde Pons im Jahr 1961 nur von Werner Mißkampf übertroffen, der einen Jahresdurchschnitt von 134,11 Ringe erzielt hatte.

Es ist eine unbedingte Pflicht, dass jeder erscheint

Als am 4. Oktober 1962 der Vorsitzende Karl Scheuermann sein Amt aus gesundheitlichen Gründen niederlegte, kam es zwei Wochen später zu einer außerordentlichen Jahreshauptversammlung im Waldenser-Hof: "Es ist unbedingte Pflicht, daß jeder erscheint, da eine wichtige Angelegenheit zu besprechen ist", lautete die Einladung an die verbliebenen Mitglieder. Doch in der Walldorfer Chronik kam es zu keiner außerordentlichen Hauptversammlung, vielmehr wurde eine Woche später der Eintritt von zwei neuen Mitgliedern gemeldet und noch im Oktober belegten Walldorfer Schützen beim Pokalschießen in Groß-Gerau den zweiten Platz. Bester TGS-Aktiver war Siegfried Steckenreiter mit 141 Ringen. Bei der Jahreshauptversammlung am 15. Januar 1963 wurde der alte Vorstand mit Karl Scheuermann an der Spitze wiedergewählt. Zwei Jahre später, am 12. Januar 1965, zählten die TGS-Sportschützen 18 Mitglieder und wählten Werner Mißkampf zu ihrem neuen Vorsitzenden. Karl Scheuermann übernahm mit einem 136 Teiler die Schützenkönigskette des Vereins und wird ein Jahr später zum Stellvertreter von Werner Mißkampf gewählt. Langsam steigt die Mitgliederzahl im Jahr 1966 auf 23 Schützen. Bei der Kreistagung am 3. März 1968 wird Mißkampf als Schriftführer in den Kreisvorstand gewählt und übernimmt zwei Jahre später das Amt des Kassenwarts.

Josef Oberndorfer ist 60 Jahre im Schützenbund

Anläßlich seines 91-jährigen Geburtstages wird Josef Oberndorfer am 27. Mai 1972 durch Werner Mißkampf für seine 60-jährige Mitgliedschaft im Deutschen Schützenbund geehrt. Neben Mißkampf kommt 26. August 1973 mit Jakob Pons ein weiterer Walldorfer in den Kreisvorstand. Pons wird Fachwart für das Luftpistolenschießen.

Das es so etwas an Gemeinschaftsarbeit noch gibt

25 Jahre lang führte Mißkampf den Verein als Vorsitzender und in seine Amtszeit fiel der Neubau des heutigen Schießstandes, für den 1968 unter Leitung des Architekten Hans Pfefferkorn die Planungen begannen. Bevor 1969 die Baugenehmigung erteilt wurde, waren bereits am 28. Oktober 1968 die ersten Steine angefahren worden. Vier Jahre später waren in Selbsthilfe zwölf Zehn-Meter-Schießstände, fünf 50 Meter- und sieben 25-Meter-Schießbahnen fertiggestellt. 1974 zählt der Verein 91 Schützen und die Mitgliederzahl wächst drei Jahre später auf 145. Insgesamt hatten die Sportschützen rund 140.000 Mark für die Herstellungskosten aufgebracht und bei der Einweihung erhielt die TGS-Abteilung das Lob von Bürgermeister Wilhelm Jourdan: " ...daß es in Walldorf so etwas an Gemeinschaftsarbeit noch gibt!". Mit der neuen Schießstandanlage stellten sich die ersten Erfolge 1977 durch die Nachwuchstalente ein. Bernd Arno Nikolaus, Roger Fischbach und Uwe Mehltretter sorgten erstmals für Aufmerksamkeit bei den Hessenmeisterschaften. Nikolaus und Fischbach wurden noch im gleichen Jahr in den Hessenkader aufgenomen und ein Jahr später erlebten die beiden TGS-Nachwuchstalente mit der Landesauswahl einen Wettkampf auf der olympischen Schießstandanlage in München-Hochbrück. Nach dem zweiten Rang hinter Bayern waren Nikolaus und Fischbach mit der Freien Pistole und der Luftpistole in Regensburg maßgeblich daran beteiligt, dass die Hessenauswahl ihren zweiten Platz verteidigte. Besonders Bernd Arno Nikolaus profitierte von den Lehrgängen des damaligen hessischen Landestrainers Kurt Trautmann und entwickelte sich bis heute zum Leistungsträger der TGS-Pistolenschützen.

Höhenflug der Sportpistolenschützen

Fast zwei Jahrzehnte nach den ersten Erfolgen war Nikolaus einer der fünf TGS-Schützen, die bei den Sportpistolen-Rundenwettkämpfen den Aufstieg in die hessische Oberliga Süd schafften. Zusammen mit Marco Kronsbein, Volker Ludden, Christian und Norbert Schäberle gelang Bernd Arno Nikolaus im Jahr 2001 der bisher größte Schießsporterfolg in der Vereinsgeschichte.

Den größten sportlichen Erfolg der TGS-Vereinsgeschichte erreichte die Sportpistolenmannschaft mit dem Aufstieg in die hessische Oberliga Süd.

Im Bild von links: Christian Schäberle, Volker Ludden, Norbert Schäberle und Bernd Arno Nikolaus.

Das Engagement von Bernd Arno Nikolaus beschränkte sich aber nicht nur auf den sportlichen Bereich. Mit seinem TGS-Ziehvater Jakob Pons entwickelte sich Nikolaus zu einer der herausragenden Funktionäre im Schützenkreis Groß-Gerau (siehe Kreisvorstand). Jakob Pons war viele Jahre Rundenkampfleiter im Schützenkreis und gehört regelmäßig zu dem Team, das die Pistolen-Kreismeisterschaften ausrichtet. Pons war seit 1971 im Kreisvorstand, bevor er aus Altersgründen das Amt 1989 abgab.

Paul Herwig löst Mißkampf als Vorsitzenden ab

Werner Mißkampf übernahm 1986 das Amt des Kreisschützenmeisters (siehe auch Kreisvorstand) und übergab vier Jahre später die Führung des Walldorfer Vereins an Paul Herwig, der der Abteilung auch im Jahr des 50-jährigen Jubiläums vorsteht. "Die Jahreshauptversammlung der Sportschützen Walldorf in der TGS war die bestbesuchteste und die kürzeste seit Jahren", schrieb am 9. Februar 1990 die Groß-Gerauer Heimat-Zeitung, "das spricht für das geordnete Erbe, das Werner Mißkampf hinterläßt." Für sein Engagement wurde Werner Mißkampf mit zahlreichen Ehrungen ausgezeichnet. Zu den Höhepunkten gehörten am 20. Juni 1986 die Überreichung des Ehrenbriefes des Landes Hessen durch Landrat Willi Blodt und im Jahr 2001 das Ehrenkreuz in Gold des Deutschen Schützenbundes durch den Präsidenten des Hessischen Schützenverbandes, Klaus Seeger.

Bogensportabteilung sorgt für Aufschwung

Mit Paul Herwig und der kontinuierlichen Vorstandsarbeit ist eine gleichbleibende Mitgliederbewegung entstanden, wobei der Schwerpunkt auf den passiven Schützen liegt. Für einen Aufschwung hatte am 31. Oktober 1981 die Gründung der Bogensportabteilung gesorgt, die heute etwa 30 Mitglieder zählt. Drei Jahre später hatten die Bogensportler ihren Schießplatz hinter der Bertha-von-Suttner-Schule erhalten. Mit dem Engagement von Inge Schmitzer nach der Gründung entwickelten sich die Erfolge im Bogensport hauptsächlich im Nachwuchsbereich. Das Beenden der räumlichen Trennung zwischen Kugel- und Bogenschützen gehört zu den Zielen des TGS-Vorstands. Ein neues Bogensportglände soll an den Sportplätzen in der Nähe des TGS-Vereinsheims entstehen. Bereits 2001 entstand mit den benachbarten Tellschützen der SKG Walldorf eine Wettkampfgemeinschaft. Die SKG-Tellschützen zählen nur noch wenige Mitglieder, verfügen aber über eine optimale Zehn-Meter-Standanlage. Die Überdachung der eigenen Zehn-Meter-Anlage schlossen die TGS-Schützen 1998 ab. Jetzt kümmern sich eine "Handvoll Rentner" um die Erhaltung der Standanlagen. Die Modernisierung der dreißig Jahre alten Duellanlage auf dem 25-Meter-Schießstand gehört zu den nächsten Aufgaben. Im gesellschaftlichen Bereich gehören das "Ostereierschießen", ein "Schinkenschießen" und das "Oktoberfest" als bayerischer Abend zu den Höhepunkten im Vereinsleben. Am traditionellen Königsschießen beteiligen sich alljährlich bis zu 35 Mitglieder.

An die Tür der Nationalmannschaft geklopft hat Bernd Arno Nikolaus beim Vorderladerschießen. Hessenmeistertitel, Teilnahme an den Deutschen Meisterchaften und dem DSB-Sichtungsschießen sind die jüngsten Erfolge von Bernd Arno Nikolaus.

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