Impressum

SV 1862 Rüsselsheim

Das Haus Opel und die Rüsselsheimer Schützen

 

Die Geschichte des Schützenvereins 1862 Rüsselsheim

Die Geschichte des Rüsselsheimer Schützenvereins beginnt am 18. Oktober 1862, als im Gasthaus "Zur Mainlust" die Gründungsversammlung stattfand, zu der Georg Hoffmann, Ludwig Heinrich und der Pächter des Mönchhofes Ludwig Diefenbach aufgerufen hatten. Damals hatte die Industrialisierung in Rüsselsheim mit der Gründung der Nähmaschinenfabrik durch Adam Opel eingesetzt. Ein Jahr zuvor war der Deutsche Schützenbund gegründet worden, dem 1862 das erste Deutsche Schützenfest in Frankfurt am Main folgte. Gerade war auch die Bahnlinie von Mainz nach Frankfurt fertiggestellt worden, die den Rüsselsheimer Bürgern eine angenehme Reisemöglichkeit zur Teilnahme an dem großartigen Fest vom 13. bis 21. Juni 1862 bot.

Freifrau von Verna fördert den Verein

Vier Monate später gründete sich der Rüsselsheimer Schützenverein, dem sofort 34 Mitglieder beitraten und Ludwig Diefenbach zum Oberschützenmeister wählten. Damit gehören die Rüsselsheimer zu den sechzig ältesten Schützenvereinen in Hessen. Im Frühjahr 1863 wurde auf einem Pachtgelände der Freifrau von Verna an der alten Haßlocher Straße im Rübgrund das erste einfache Schützenhaus errichtet. Ein Darlehen von 400 Gulden wurde dem jungen Verein von der Freifrau von Verna zur Verfügung gestellt, die später die angefallenen Zinsen von 25 Gulden als Stiftung zur Bildung eines finanziellen Grundstocks übergab.

Adam Opel wird Oberschützenmeister

Das erste größere Preisschießen fand schon 1863 und ein Jahr später das erste Schützenfest statt. Als die Mitgliederzahl anstieg fühlte sich Freifrau von Verna durch den zunehmenden Schießlärm in ihrer Nachbarschaft gestört und im Jahr 1884 wurde ein neues Schützenhaus an der Darmstädter Straße/ Paul-Hessemer Straße (ehem. Hessen College / Landrat Hardt Jugendwohnheim) erbaut. Zu dieser Zeit war bereits der Industrielle Adam Opel Oberschützenmeister des Rüsselsheimer Vereins, dem der neue Platz von Freiherr von Seckendorff unentgeltlich als Vereinseigentum zur Verfügung gestellt wurde. Das Baumaterial kam von einem abbruchreifen Schornstein der früheren Chemischen Fabrik (Stein´sche Fabrik). Die zunächst sechs 175-Meter Schießstände wurden 1897 durch eine Spende von Wilhelm Opel erweitert. Der 26-jährige Sohn von Adam Opel stiftete einen Jagdstand und wurde zwei Jahre nach dem Tod seines Vaters zum neuen Oberschützenmeister gewählt.

Wilhelm Opel führte den Schützenverein 35 Jahre lang als Oberschützenmeister. Auch seine Brüder Carl von Opel, Heinrich von Opel und Fritz von Opel waren in diesen Jahren im Vereinsvorstand tätig.

Besatzungstruppen hinterlassen Schießstand als Ruine

In den Jahren vor Ausbruch des ersten Weltkrieges wurde die Rüsselsheimer Anlage für ein übendes Pionierregiment mit zwei Ständen auf 300 Meter erweitert und vom 9. bis 10. Juli 1912 feierten die 1862er ihr 50-jähriges Jubiläum mit einem Preisschießen und einem Schützenfest. Während des Krieges von 1914 bis 1918 diente der Schießstand in Rüsselsheim ansässigen Landsturmtruppen zu militärischen Übungszwecken. Nach Kriegsende beschlagnahmten im Dezember 1918 marokkanische Truppen den Schießstand, den sich nach ihrem Abzug als Ruine hinterließen. In diesen Jahren befand sich Rüsselsheim innerhalb einer entmilitarisierten Zone und an Schießsport war bei den wenigen verbliebenen Vereinsmitgliedern nicht zu denken. Die Fabrikeinrichtungen der Firma Opel waren zerstört und erst im Jahr 1923 begannen die Opels mit dem Wiederaufbau ihrer Produktionsanlagen. Der Schützenverein konnte in diesen Jahren keine Hilfe und Unterstützung erwarten und in der Nähe des Schützenhauses entstand die "Opel-Rennbahn", die sich zu einem Anziehungspunkt für den Motorsport entwickelte. Mit der Popularität der Opel-Fahrzeuge stieg die Auftragslage und die Firmenbelegschaft nahm zu.

Die großzügige Stiftung von Wilhelm von Opel

18 Jahre hatte die Schießsportgeschichte in Rüsselsheim geruht, als der Verein durch die großzügige Stiftung des Oberschützenmeisters Commerzienrat Dr. Ing. h.c. Wilhelm von Opel ein neues Schützenhaus erhielt. Am 21. Oktober 1931 wurde Opel zum Ehrenoberschützenmeister ernannt und wenig später fand am 9. November die feierliche Grundsteinlegung statt. Mit dem Wiederaufbau des Schießstandes verband Wilhelm von Opel auch den Gedanken, seinen Eltern eine bleibende Erinnerungsstätte zu errichten. Unter Leitung des Ingenieurs Heinrich Bärsch von den Opelwerken waren 30 Firmen mit nahezu 300 Arbeitern am Wiederaufbau beschäftigt. Bei der Einweihung am 7. August 1932 schilderte Wilhelm von Opel in bewegenden Worten die Verbundenheit des Hauses Adam Opel mit dem Schützenverein und überreichte den Schlüssel des Schützenvereins an seinen Nachfolger Paul Nebelung. "Wie aus dieser Ruine ein neues stattliches Anwesen entstanden sei", so Wilhelm von Opel in seiner Rede, "so möge unser notbedrängtes deutsches Vaterland....wieder zu neuem Glanze und neuer Freiheit erstehen". Der Aufschwung des 47 Mitglieder zählenden Vereins mit dem jetzt elf Schießständen von 50 bis 300 Meter, einem Pistolenstand, Zuschauer-, Wirtschafträumen und Fremdenzimmer ausgestatteten neuen modernen Schützenhauses hielt nur wenige Jahre.

Bomben vernichten das Schützenhaus

Neuer Oberschützenmeister wurde Philipp Sittmann, der den Vorstand am 27. November 1933 über das neue "Führersystem" berichtete. Es folgte zwei Jahre später die Auflösung des Rheinischen Schützenbundes und aller übrigen Landesschützenverbände. Die Schützenvereine mußten auf den Gewehren die seit dem 18. Jahrhundert üblichen Ringkorn- und Dioptervisierungen entfernen und gegen die "offene Visierung" für die vormilitärische Schießausbildung austauschen. Das Vereinsleben bei den Rüsselsheimer Schützen erlebte zwei Jahre vor Beginn des zweiten Weltkrieges noch einmal einen Höhepunkt. Das 75-jährige Vereinsjubiläum wurde mit einem großen Festschießen und einem Festzug gefeiert. Durch die politische Gleichschaltung hatte der Verein seinen Einfluss gänzlich verloren, die Vorstände wurden durch linientreue Personen durchsetzt und nach Ausbruch des zweiten Weltkrieges wurde die Anlage nur noch von politischen Gruppen und Teilen der Deutschen Wehrmacht genutzt. Als im Jahr 1944 ein Bombenangriff auf das Opelwerk stattfand, wurde das Schützenhaus und große Teile der Anlagen zerstört. Das Schützenhaus war bis auf die Grundmauern niedergebrannt und neben der alten Vereinsfahne gingen wertvolle Erinnerungsstücke aus dem 19. Jahrhundert verloren.

Wiedergründung und 5.000 Mark Entschädigung

Nach Kriegsende übernahmen wieder Besatzungstruppen den Schützenverein, dem der Zwang zur Auflösung folgte. Der damalige erste Vorsitzende Hermann Baier teilte die Auflösung dem Amtsgericht am 10. Januar 1946 mit. Das gesamte Vereinsvermögen mit 16.000 Quadratmeter Grundbesitz wurde ersatzlos dem Land Hessen treuhänderisch übergeben. Kurioserweise wurde die Löschung des Vereins vom Amtsgericht nicht vollzogen, so dass am 17. Oktober 1952 der Regierungspräsident Dr. Guyot dem Schützenverein mitteilte, dass die Auflösungsanordnung zurückgenommen wird. Drei Wochen vorher hatte die Wiedergründungsversammlung im "Rüsselsheimer Hof" stattgefunden, die Hermann Baier als ersten Vorsitzenden bestätigte.

Im Jahr 1950 belief sich der geschätzte Verkehrswert auf rund 86.000 Mark für den früheren Besitz des Schützenvereins, der jetzt vom Land Hessen für 5.000 Mark an die Stadt Rüsselsheim verkauft wurde. Der Schützenverein hatte darauf keinen Einfluss und versuchte in den Jahren 1953/54 die Rückgabe oder eine angemessene Entschädigung zu erreichen. Im Februar 1954 wechselte der Vereinsvorsitz an Heinrich Würsching und der Rüsselsheimer Vorstand mußte nach einer Versammlung am 24. Juli 1954 im "Königstädter Waldhaus" vom Hessischen Finanzminister eine Entschädigung von 5.000 Mark akzeptieren und mit eine Verzichtserklärung auf weitere Ansprüche unterzeichnen.

Der Weg hinter das Königstädter Waldhaus

Ohne Schützenhaus und Schießstände begann der Schießbetrieb in den fünfziger Jahren in einem Nebenraum des Stadtcafe´s auf mobilen Ständen. Mit der steigenden Mitgliederzahl fand sich wenig später eine neue Schießsportmöglichkeit am Königstädter Waldhaus. Dort sollte das heutige Vereinsgelände entstehen, nachdem Schützenwirt Georg Göbel dem Verein ein Stück seines Waldgeländes verkaufte. Das benötigte Rest-Grundstück erhielten die Schützen von der Stadt Rüsselsheim in Erbpacht bereitgestellt. Die ersten Pläne einer kominierten Luftgewehr- und Kleinkaliberanlage wurden in den Jahren 1955/56 verwirklicht. Mangels fehlender Geldmittel mußte aber ein Anbau zurückgestellt werden, bis es im herbst 1961 gelang die Stadt Rüsselsheim zu überzeugen, "dass am Schützenverein doch noch eine Menge gutzumachen wäre". Das Engagement des sportbegeisterten Magistrats und die Unterstützung befreundeter Firmen schufen die Grundlage für den notwendigen Anbau, den die 120 Vereinsmitglieder rechtzeitig zum 100-jährigen Jubiläum im Jahr 1962 einweihen konnten.

Sparsamkeit im Sinne der Mitglieder

Der Rüsselsheimer Schützenverein hatte mit sieben 10-Meter-, zwölf 25-Meter und drei 50-Ständen eine der besten Schießanlagen des Hessischen Schützenverbandes geschaffen, der am 30. Juni 1968 hier auch seine Meisterschaften ausrichtete. Bei der Fertigstellung des Objektes nach den Plänen von Adam Schreeb zeichneten sich der damalige erste Vorsitzende Reinhold Brumme, sowie Erhard Lobenstein, Helmut Meixner und Franz Hochgesand aus. Für einen ausgewogenen Etat sorgte Geschäftsführer und Schützenhauswirt Hans Leo Bröckl mit dem der Verein im Jahr 1973 fast 300 Mitglieder erreichte. Zu den gesellschaftlichen Aktivitäten gehörten der öffentliche Schützenball im Festsaal des "Hotel Adler" und auch der Fastnachtsball des Vereins fand regen Zuspruch.

Gerhard Summ übernahm 1973 die Geschäftsführung, nachdem er im Frühjahr 1970 als Koch bei der Adam Opel AG angestellt wurde und sich mit einem geregelten Feierabend wieder mit dem Schießsport begann. Zwei Jahre später wurde Summ bereits Schützenmeister im Vorstand, der 1972 von Heinz Ernst Vorsitzender war. Ein Jahr später war Würsching wieder Vorsitzender. "Damals wählten wir noch jedes Jahr einen neuen Vorstand", erinnert sich Summ zurück, der als 37-jähriger im Jahr 1980 für zehn Jahre Vorsitzender wurde. Mitte der 70er Jahre beschloss die Generalversammlung den Ausschluss von 70 Mitgliedern, die nicht ihren Beitrag bezahlt hatten. "Fortan hatten wir nur noch 230 Mitglieder". Sparsamkeit im Sinne der Mitglieder zeichnete Summ´s Geschäftsführung aus und der Verein vergrößerte seine Anlage auf jetzt zehn 10-Meter Stände, kombiniert mit sieben 50-Meter Standanlagen, sowie 20 Schießbahnen auf 25 Meter Entfernung. Damit hatten die Rüsselsheimer Voraussetzungen geschaffen, um regelmäßig Ausrichter von Meisterschaften zu sein. Mit den Siegen von Gudrun Diegisser, Norbert Lang, Walter Rapp und Günter Blaschke waren die Rüsselsheimer Schützen Anfang der 70er Jahre außerordentlich erfolgreich. Später dominierten die Rüsselsheimer durch die Brüder Erwin und Wolfgang Schmidt in den Pistolendisziplinen. Aber auch der Integration ausländischer Mitbürger aus Spanien, Griechenland, Italien und Schweden galt ein besonderes Augenmerk. Über die Rüsselsheimer Städtepartnerschaften entwickelten sich neue Freundschaften mit den englischen Schützen aus Rugby und einige Jahre später kam es zu Kontakten mit französischen Schützen aus Evreux.

Die Baufälligkeit des Kugelfangdachs des Pistolenstands führte zu einem Umbau: "Es wurde von Grund auf neu gebaut und daraufhin habe ich die Zulassung für Großkaliber-Kurzwaffen beantragt und erhalten. Dies war der Grundstein für die vielen Pistolenerfolge unseres Vereins", so Summ, der bald die nächste Baumaßnahme für den Lärmschutz veranlassen mußte. Daneben fiel in die Amtszeit von Gerhard Summ die Einführung des Ostereierschießens ("als erster Verein im Kreis Groß-Gerau"), des Trimmschießens, sowie einem Mannschaftsturnier für Nicht-Sportschützen. "Alles mit Erfolg", erinnert sich Summ an die Zeit als der Verein zwischen 260 und 280 Mitglieder zählte. Mitte der 80er Jahre erhöhte sich das Interesse am Vorderlader-Gewehrschießen und es folgte der Umbau des Gewehrstandes. Die Finanzierung sollte mit den erwarteten Einnahmen aus dem 125-jährigen Vereinsjubiläum erfolgen. Vorsichtshalber hatte Summ 1984 den Mitgliedern eine Erhöhung der Mitgliedsbeiträge vorgeschlagen, die aber bei der Jahreshauptversammlung keine Mehrheit fand.

Geringer Zuspruch beim Jubiläum stoppt Aufschwung

Vor seinem 125-jährigen Jubiläum im Jahr 1987 sah sich der Verein "sportlich und auch gesellschaftlich auf einem Weg, der ihm einen weiteren Aufstieg verspricht". In diesem Jahr feierte auch die Firma Adam Opel und die Turngemeinde Rüsselsheim ihr 125-jähriges Bestehen und die Stadt Rüsselsheim selbst 550 Jahre Stadtrechte. Als die 1862er Schützen ihr Jubiläum feierten, fand zur gleichen Zeit das Hasslocher-Äppelwoi-Fest statt und es zogen bis zu 3000 Bürger an die "Wied". Die Schützen wollten zunächst den damaligen Rockstart Jennifer Rush verpflichten: "Die hätte viel Geld gekostet, aber mit Sicherheit den erwarteten Erfolg gebracht". Doch die Genehmigung durch die Stadt kam zu spät und die Künstlerin war auf USA-Tournee. Ohne Jennifer Rush beschloss der Vereinsvorstand fünf unbekannte Rockbands zu verpflichten. "Da habe ich meinen Fehler gemacht, ich hätte die Sache abwürgen müssen". Der Rockabend hinterließ ein finanzielles Loch, das mit den anderen Abenden nicht mehr auszugleichen war. Das viertägige Schützenfest vom 18. bis 21. September endete durch den geringen Zuspruch in einem finanziellen Fiasko und hinterließ dem Verein zusammen mit dem Neubaukosten für den Gewehrstand einen beträchtlichen Schuldenberg, der erst in den folgenden zwölf Jahren abgebaut wurde. "So hart wie erträglich, aber so kurz wie möglich", war Summ´s Devise, doch im Jahr 1989 war der Vorsitzende amtsmüde und bat die Mitglieder einen neuen Vorsitzenden zu suchen. Im Jahr 1990 wurde Gerhard Summ von Margit Bletz-Gaber abgelöst. Die erste Frau blieb für sechs Jahre an der Spitze des Rüsselsheimer Schützenvereins, der bei der Amtsübergabe an Norbert Lang im Jahr 1996 nur noch etwa 200 Mitglieder zählte. Mit der Wahl des langjährigen Leistungsträgers und ehemaligen Deutschen Polizeisportmeisters Norbert Lang wurde der Abwärtstrend gestoppt und die Mitgliederzahl stieg 1998 wieder auf 220. Doch der neue Vorsitzende erkrankte und verstarb am 15. Dezember 1999. Als Peter Steinfurth am 15. Februar 2000 zum Nachfolger gewählt wird, zählt der Verein 207 Mitglieder und feiert seine größten Erfolge bei den Vorderladerschützen.

Eheleute Neumann - Vorsitz und Nationalteam

Zwei Jahre später hat sich die Mitgliederzahl auf 228 erhöht, als am 2. Februar 2002 Norbert Neumann zum neuen ersten Vorsitzenden gewählt. Dessen Ehefrau Friederike war 1996 die erste weibliche Schützenkönigin der Vereinsgeschichte und sorgte im Mai 2002 für den bisher größten sportlichen Erfolg. Beim Qualifikationsschießen zur Teilnahme an den Vorderlader-Weltmeisterschaften in Lucca (Italien) schafft Frederike Neumann im Mai 2002 in Leipzig den Sprung ins Nationalteam.

zurück zu den Kreisvereinen