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PSG Groß-Gerau   

 

Über 400 Jahre wechselvolle Schützengeschichte

Die Geschichte der PSG Groß-Gerau

Die Gründung der Privilegierten Schützengesellschaft geht auf "Die Hoch Löbliche Groß-Gerauer Schützenordnung Anno 1590" zurück, die der Kriegsverfassung der Obergrafschaft Katzenelnbogen im ausgehenden Mittelalter entspricht. Seinerzeit war für die militärische Ordnung eine "Centeinteilung" maßgebend. Zu den Ausrüstungen der Centmannschaften, die für etwaige Kriegszüge aufgeboten wurden, gehörten neben Rüstungen, Axt, Schlachtschwert, Federspieße auch die Büchsenschützen. Die Schützen galten als vornehmster Teil einer Centmannschaft, für die vom damaligen Oberamtmann Milchling von Schönstatt die Schützenordnungen ausgearbeitet wurden. Die Groß-Gerauer Ausfertigung von 1590 wurde wohl von der Pfungstädter abgeschrieben, in der eingehend alle Rechte und Pflichten der Schützen geregelt sind. Im ältesten noch vorhandenen Schützenbuch der PSG Groß-Gerau ist eine Abschrift vom 31. März 1718 dokumentiert.

Die Schützenfahne von 1717

Zu jeder Centmannschaft gehörte seinerzeit eine Fahne, die in Groß-Gerau nach dem Ende des 30-jährigen Krieges fehlte. Eine neue Fahne erhielt die Groß-Gerauer Schützenkompanie im Jahr 1717 und sie sollte in der Vereinsgeschichte eine wechselvolle Geschichte erleben. Die Vermählung eines Sohnes des Landgrafen Ernst Ludwig auf Schloß Philippsruh mit der Erbgräfin von Hanau war Anlaß eine großen Heimführungsfestes. Der Darmstädter Standesbeamte, Schützenbruder Johann Heinrich Kraft hat über dieses Fest eine längere Abhandlung verfaßt, aus der hervorgeht, dass in Darmstadt ein dreitägiges großes Schießen stattfand, in dessen Rahmen die Fahne an die Groß-Gerauer Schützen verliehen wurde.

Der "Ritter" erhält Seidentücher als Hauptpreis

Anfang des 18. Jahrhundert gehen aus den vergilbten Protokollbüchern der Privilegierten Schützengesellschaft die Bürgerschießen hervor, bei denen die Ableistung des allgemeinen Wehrdienstes im Vordergrund stand. Der Sieger des Bürgerschießens erhielt als "Ritter" den Hauptpreis ursprünglich einen Hammel, später wertvolle Seidentücher oder Zimmerleuchten. Die älteste Eintragung geht auf das Jahr 1704 zurück, in dem Philipp Peter Hirsch ein Paar Strümpfe gewann. Als Aufsichten für das Schießen wurden in jedem Jahr zwei Schützenmeister bestimmt. Johann Heinrich Weber und Peter Hill leiteten 1710 das "Anschießen" mit dem Sieger Johannes Weber, sowie das "Abschießen", das von Nicolaus Vollard gewonnen wurde. Stets luden die Sieger "zu einem Viertel Wein" ein. Das alte Schützenbuch verzeichnet alljährlich die Anschießen im Mai, das zweite Schießen im August, sowie das Abschießen im Oktober jeden Jahres. In Groß-Gerau geht der älteste bekannte Eintrag über einen Schießplatz auf das Jahr 1583 zurück. In einer Gemeinderechnung steht ein Ausgabeposten für Ausbesserungen an der "Schießmauer". Allerdings ist nicht bekannt, wo diese Schießmauer gelegen haben soll. Vermutlich lag der sogenannte "Schießacker" im 18. Jahrhundert jenseits der Stadtbefestigung in der Nähe des sogenannten Darmstädter Tores. Ende des Jahrhunderts wurde die Stadtumwallung aufgegeben und die Groß-Gerauer Schützen erhielten einen neuen Schießplatz "An der Galgenpforte", der auch als Ersatz für die 1770 weggefallenen herrschaftlichen "Utilien" diente. Bis dahin hatte die Schützengesellschaft für ihren Nutzen Einnahmen aus Weinschank und einer Kegelbahn erhalten, die für Preisschießen verwendet wurden. Die Bürgerschießen müssen in diesen Tagen glanzvolle Festtage gewesen sein, denn aus den Protokollen gehen geldliche Zuschüsse der Stadt hervor und unter den Preisträgern findet man immer wieder die Vertreter bekannter Groß-Gerauer Familien.

Der siegreiche Schuss von Hofjäger Kraft

Im Jahr 1797 findet sich der Eintrag über ein Preisschießen, bei dem ein vierjähriger Hannoverscher Fuchs-Wallach ausgeschossen wurde. Jeder Schütze hatte damals vier Schuss und es wurde nach "Teiler" gewertet. Den Hauptpreis gewann der Griesheimer Hofjäger Grandhomme, der den siegreichen Schuss aber durch seinen Hofjäger Kraft abgeben ließ. Bis 1808 hatten sich die Einnahmen der Schützengesellschaft durch die Verpachtung des Schießstandes auf weitere zwölf Jahre an Johannes Gerschlauer auf jährlich 55 Gulden erhöht. Doch wurde der Stand scheinbar von der Stadt veräußert, so dass von 1814 bis 1819 keine Schießen mehr stattfanden. Beschwerden und Eingaben der Schützen hatten erst 1820 Erfolg. Als das Gelände des Schießstandes zehn Jahre später vom Seilermeister Jacob Gerschlauer als Bauplatz verkauft wurde, erhielt die Schützengesellschaft den Platz im sogenannten "Lustgärtchen", der vom Gastwirt August Weber zur Verfügung gestellt wurde. Wenig später mußten die Schützen der neuen Bahnlinie von Darmstadt nach Mainz weichen und glaubten auf dem Grundstück von Christian Ewald hinter der Zuckerfabrik endlich das ideale Gelände gefunden zu haben.

Die schwierige Suche nach einem Schießplatz

Philipp Huss war in den vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts Präsident der Privilegierten Schützengesellschaft und schildert in den alten Protollbüchern die schwierge Suche nach einem geeigneten Schießplatz. In den Jahren 1853 und 1854 wird berichtet, dass die Möglichkeit besteht den neuen Schießplatz zu kaufen. Kaum waren 1859 die ersten Schüsse auf dem neuen Schießstand gefallen, erwirkte der damalige Kreisrat Heim ein Verbot des Schießens, das erst zwei Jahre später wieder aufgenommen wurde. Beim Schießstand erbaute der Gastwirt Jacob Becker II. eine provisorische Trinkhalle, die später wieder abgerisen wurde. Für die Standanlage selbst leisteten die Mitglieder umfangreiche Selbsthilfe und wurden von den Handwerker und Landwirten der Stadt unterstützt. Die Schulden von annähernd 480 Gulden wurden beglichen durch eine neue Satzung, in der sich jedes Mitglied verpflichtete, jährlichen einen Gulden für die Abtragung zu entrichten. Schließlich wurde der neue Schießplatz am 23. August 1862 feierlich seiner Bestimmung übergeben. Die alljährlichen Bürger- und Preisschießen wurden in altgewohnter Weise wieder aufgenommen. Für Bereicherung sorgte das Wild- und Geflügelschießen, bei dem schon im Jahr 1868 Gänse und Enten zu den Hauptpreisen gehörten. Die Kriege von 1866 und 1870/71 unterbrachen die Preisschießen und im Jahr 1870 wurde die Schießhalle in ein Lazarett umgewandelt. Nach dem Kriegsende ließ Kreisrat Dr. Bökmann die Halle wieder tadellos herrichten und gab sie der Schützengesellschaft zurück.

Julius Schönenberg wird erster Präsident

Nach Gründung des Deutschen Schützenbundes wurden 1862 erstmals Vereinssatzungen entworfen, wonach die Leitung einem Vorstand mit Präsident (heute: Oberschützenmeister), zwei Schützenmeistern und zwei Platzmeistern oblag. Erster Präsident wurde der Fabrikant Julius Schönenberg, dem später Dr. med. Münch, der Färbermeister Philipp Vollhardt und der Kaufmann Wilhelm Kleinkopf nachfolgten. Am 7. Mai 1881 wurde Johann Wilhelm Diehl als Präsident, die Schützenmeister Michael Lämmermann, Philipp Wolf, sowie die Platzmeister J. Engelleitner und Philipp Lämmermann von der Generalversammlung gewählt. Das Hochwasser von 1882/83 setzte die Schießhalle einen halben Meter hoch unter Wasser und die Mitglieder mußten nach dessen Abfluss mit erheblichem Kostenaufwand einen neuen Fußboden verlegen. Der jetzt 64 Mitglieder zählende Verein verzeichnet in diesen Jahren eine steile Aufwärtsentwicklung und das Vereinslokal befand sich im "Weißen Roß". Der Heimatforscher Wilhelm Hermann Diehl fand am 1. Juni 1888 auf dem Speicher des Groß-Gerauer Rathauses die lange verschollene und stark verschlissene Fahne von 1717. Auf Anregung von Diehl wurde die Fahne, mit dem ältesten nachweisbaren Ehrenzeichen der Privilegierten Schützengesellschaft, restauriert und zur Vermeidung weiteren Verschleißes zwischen zwei Lagen feinem Seidentüll eingenäht.

Adam Opel wird Ehrenmitglied

Zwei Jahre vor dem großartigen 300-jährigen Vereinsjubiläum wurden der Rüsselsheimer Adam Opel und Johann Heinrich Kraft Ehrenmitglieder der Privilegierten Schützengesellschaft. Bei Adam Opel wurden dessen Verdienste für den Groß-Gerauer Schützenverein gewürdigt und Johann Heinrich Kraft für sein Engagement um die Klärung des genauen Sachverhaltes um die Herkunft der historischen Fahne von 1717.

Das 300-jährige Vereinsjubiläum

Die Anwesenheit des Landgrafen Ernst-Ludwig zu Hessen mit Gefolge gehörte zu den Höhepunkten des 300-jährigen Jubiläums, das vom 8. bis 10 Juni 1890 auf einem Festplatz am Schießstand hinter der Zuckerfabrik stattfand. Unter Leitung von Präsident J.W. Diehl hatte der Vorstand mit den Schützenmeistern W.H. Diehl und Philipp Lämmermann, sowie den Platzmeistern Peter Traiser und Wilhelm Zarges außerordentliche große Vorbereitungen getroffen. Die Festhalle war 60 Meter lang und sieben Meter breit und bestand aus einem erhöhten Mittelbau und zwei Seitenflügel und in Groß-Gerau wiesen an den drei Haupteingängen Ehrenpfosten auf das dreitägige Jubiläumsfest hin. Der Chronist und Heimatforscher Wilhelm Hermann Diehl stellte in seinen Aufzeichnungen fest, "das Groß-Gerau wohl noch nie soviel Festschmuck gesehen hat". Zur Erinnerung an dieses Jubiläumsfest mit seinen tausenden von Besuchern ist der Schützenverein heute im Besitz von zwölf Bildern des Photographen Josef Magnus aus Darmstadt, der die Aufnahmen vom Festzug machte. Weitere drei Aufnahmen wurden vom Hofphotograph Hertel von einem Teil der Teilnehmer in historischen Kostümen dem Verein überlassen.

Der aufregende Umweg des Großherzogs

Für Aufregung sorgte nach dem Festzug ein Umweg des Großherzogs zum Festplatz. Während sich Bürgermeister Schadt und der gesamte PSG-Vorstand zum Empfang der Königlichen Hoheit am Haupteingang versammelt hatte, kam der Großherzog mit seinem Gefolge durch einen Nebeneingang an der Rückseite in die Festhalle und ging direkt zum Schießstand. So blieb es dem Schützenmeister Wilhelm Hermann Diehl vorbehalten, den Großherzog zu begrüßen. An diese Episode erinnert bis heute ein silberner Humpen, den der Großherzog der PSG als Zeichen der Gnade des Landesherren schenkte und beim jeweiligen Präsidenten aufbewahrt werden soll.

Wilhelm Hermann Diehl führt 33 Jahre lang den Verein

Ein Jahr nach dem gelungenen Jubiläum übergab Präsident Diehl die Führung des Vereins an Wilhelm Kleinkopf II., der ab 1893 den Titel eines Oberschützenmeisters (statt Präsident) annahm. Der verdiente Groß-Gerauer Ehrenbürger und Heimatforscher Wilhelm Hermann Diehl übernahm am 5. Februar 1897 das Amt des Oberschützenmeisters. Das gesellschaftliche Ansehen der Schützengesellschaft nahm weiteren Aufschwung mit der Einführung von Kostümbällen, die ab dem Jahr 1901 alle bisherigen Veranstaltungen dieser Art übertrafen. Es wurden Trachtenfeste und Theaterauftritte veranstaltet, von denen 1909 das "Fest der Puszta" als das gelungenste bezeichnet wird. Als der erste Weltkrieg ausgebrochen war, fand die letzte Hauptversammlung am 17. März 1917 in der Gaststätte "Weißes Ross" statt. Die traditionellen An- und Abschießen ruhten und von den geselligen Veranstaltungen wurden nur noch die regelmäßige Kegelabende durch die älteren Vereinsmitglieder beibehalten. Während der französischen Besatzungszeit wurde der Schießstand demoliert und erst im Jahr 1929 begann die Wiederbelebung des Vereins, nachdem in Griesheim eine alte Operationshalle zum Preis von 700 Reichsmark erworben werden konnte. 33 Jahre lang war Wilhelm Hermann Diehl schon Oberschützenmeister, doch er sollte die Wiedereröffnung des Schießstandes durch seinen Tod im Jahr 1930 nicht mehr erleben. So wurde die Einweihung von sechs Kleinkaliberständen und drei 150-Meter Schießständen, einer neuen Rufanlage und Zeigerständen, sowie einem Wirtschaftraum mit sanitären Anlagen vom Verein nicht groß gefeiert.

Valentin Klink wird neuer Oberschützenmeister

Nach dem Tod Diehl´s wurde Valentin Klink zum neuen Oberschützenmeister des Vereins gewählt. Während dessen Amtszeit kam es am 1. Juli 1936 zum Zusammenschluß mit den Groß-Gerauer Tellschützen. Heinrich Winter, heute mit 84 Jahren das älteste PSG-Mitglied, erinnert sich: "Die PSG-Schützen waren mitgliedermäßig auf dem absteigenden Ast".

Die Geschichte von Tell Groß-Gerau

Zur Gründung von Tell Groß-Gerau kam es, als sich die Mitglieder der Privilegierten Schützengesellschaft auf Kostümbälle und Trachtenfeste konzentrierten. So fanden sich in Groß-Gerau 19 Schützen zusammen, die am 29. Mai 1913 einen Aufruf zur Gründung eines neuen Schützenvereins unterzeichneten: "...hier einen Schützenverein zu gründen, dessen Bestimmungen sich im Rahmen der Verbandsvorschriften des Mitteldeutschen Schützenverbandes bewegen." Mit dem ersten Vorsitzenden Peter Traiser erhielt der junge Verein schon am 20. September 1913 vom Großherzoglichen Kreisamt die Genehmigung auf dem Gelände des Wirts Wilhelm Schildge ("Pfälzer Hof") in der Ringstraße (heute: Wilhelm-Leuschner-Straße) eine Schießanlage mit sechs 60 Meter Ständen für Flobertgewehre (nicht größer als Kaliber sechs Millimeter) zu errichten. Vom 17. bis 24. Mai 1914 feierten die Tell-Mitglieder mit einem Preisschießen die Einweihung des für 2.500 Reichmarks errichteten Standes, doch der bevorstehende Weltkrieg beendete schnell das Vereinsleben. Nach Kriegsende wurde der Schießstand von der französischen Besatzungsmacht zerstört. Mitte der 20er Jahre führte Peter Kraus den Schützenverein-Tell, der nach einer kurzen Auseinandersetzung mit Grundstückseigentümerin Elise Schildgen keine Verpflichtungen mehr für den Verein aus dem Abbruch des Schießstandes übernahm. Im Jahr 1930 lebte das Tell-Vereinsleben wieder auf und das Kreisamt Groß-Gerau erteilte die Genehmigung für einen Schießstand mit Schankwirtschaft in der Gernsheimer Straße 86. Zu den Auflagen gehörte auch, "das geistige Getränke innerhalb des Schießstandes nicht verabfolgt werden." Mit einem Kostenaufwand von cirka 8.000 Reichsmark entstand ein Schützenhaus mit zehn 50-Meter-Ständen.

Im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates

Die Machtübernahme der Nationalsozialisten wirkte sich auf die Satzung des Schützenvereins aus: "Mitglieder des Vereins können alle unbescholtenen, vaterländisch gesinnte deutsche Männer arischer Abstammung werden" Der KKSV Tell Groß-Gerau bezweckte "die leibliche und seelische Erziehung seiner Mitglieder im Geiste des nationalsozialistischen Volksstaates durch die planmäßige Pflege der Leibesübungen, insbesondere das Kleinkaliber-Sportschießen." So wurde beispielsweise am 15. Juni 1933 Tell-Mitglied Karl Müller vom Verein ausgeschlossen. "Da Sie nach Ihrer politischen Einstellung, die Sie verschiedenen Mitgliedern unseres Vereins gegenüber zum Ausdruck gebracht haben, sich an einem Schützenfest, das nationalen Charakter trägt, nicht beteiligen oder einer derartigen Feier beiwohnen wollen, so haben sie auch kein Recht, einem deutschen Schützenverein anzugehören", so der Gesamtvorstand in seiner Begründung.

Das Schützenhaus wird auf den Kopf gestellt

Am 1. Januar 1936 zählte Tell Groß-Gerau 55 Mitglieder und der Kampf um die eigene Standanlage war verloren. Vergeblich hatte Vorsitzender Peter Kraus am 31. Oktober 1935 beim Bürgermeister der Stadt Groß-Gerau noch versucht, das Gelände des Schießstandes auf die Nordostseite des israelischen Friedhofes zu verlegen. Schützenhaus, Schießstand und Inventar beliefen sich auf einen Wert von 2.535 Reichsmark, dem ein Darlehen und Anteilsscheine von Mitgliedern gegenüberstanden. Die Tellschützen mußten ihr Gelände zugunsten einer Liegewiese für das neue Groß-Gerauer Schwimmbad ohne jegliche Entschädigung und Unterstützung aufgeben. In einer außerordentlichen Mitgliederversammlung am 10. Juni 1936 wurde beschlossen, sich mit der Privilegierten Schützengesellschaft zusammenzuschließen. "Trotz dieser Mißgeschicke bleiben wir dem deutschen Schießsport treu....." damit meldete der Schützenverein Tell mit Wirkung vom 1. Juli 1936 die Aufgabe seiner Selbständigkeit an das Deutsche Kartell für Sportschießen in Berlin. Es folgte die Auseinandersetzung zwischen Peter Kraus und dem PSG-Oberschützenmeister Valentin Klink über die Auszahlung der Anteilscheine an die ehemaligen Tell-Mitglieder. Kraus hatte nach Verwertung der Tell-Schießanlage durch die PSG darauf vertraut, dass die Mitglieder ihre Anteile ausgezahlt bekommen. Die Anteilscheinfrage blieb ungeklärt und Kraus beklagte in einem Schreiben am 23. Dezember 1936 gegenüber dem späteren PSG-Oberschützenmeister Herbert Schmidt:: "Die ganze Angelegenheit könnte schon aus der Welt geschafft sein, wenn von Seiten der Priv. Schützengesellschaft der ehrliche Wille für eine Verständigung bestehen würde." So endete die Geschichte von Tell Groß-Gerau, deren Mitglieder noch am Rosenmontag, dem 24. Februar 1936 mit einem karnevalistischen Kameradschaftsabend gefeiert hatten. "Das Schützenhaus wird auf den Kopf gestellt, damit der Abbruch nicht so sauer fällt." lautete das Motto des närrischen Oberkommandos um Jakob Hirsch (Gaststätte "Gambrinus"), der zudem die "unbegrenzte Verabreichung der wunderwirkenden rein arischen Medizin" verkündete.

Von Valentin Klink zu Herbert Schmidt

Valentin Klink führte nach dem Zusammenschluss die Privilegierte Schützengesellschaft, bis der damalige Rechner der Kreissparkasse Groß-Gerau den nationalsozialistischen Machthabern nicht mehr genehm war. Am 10. April 1937 übernahm der Architekt Heinrich Veith die Geschäfte des Oberschützenmeisters und Herbert Schmidt wurde sein Stellvertreter. Am 1. Juli 1939 wurde Heinrich Veith aktiver Offizier in der Wehrmacht und von da an führte Herbert Schmidt den Verein. Der Sohn eines Büchsenmachers hatte sich bei den Tellschützen als Initiator und "Motor" einen Namen gemacht und führte bei der PSG das sportliche Kleinkaliberschießen ein, nachdem dort bisher nur Großkaliber geschossen wurde. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Groß-Gerauer Schießstand fast ausschließlich vom Militär benutzt. Mit Herbert Schmidt kam in diesen Jahren Heinrich Winter zum Verein. Der spätere Groß-Gerauer Ortsgerichtvorsteher und Standesbeamte trat am 1. Januar 1942 in die Privilegierte Schützengesellschaft ein. Durch eine Krankheit war er wehruntauglich geworden und kam immer am Sonntagmorgen zum 50-Meter Schießen. So lernte er auch Heinrich Koch kennen, der von Oestrich-Winkel nach Groß-Gerau gekommen war und nach dem Krieg eine führende Rolle im Schützenkreis übernehmen sollte.

Am 1. November 1942 wurde Herbert Schmidt bei der "Vereinsführerwahl" in seinem Amt bestätigt. Sein Stellvertreter Heinrich Günther wurde für die Dauer der Einberufung ebenso vertreten wie der gewählte Rechner Ludwig Schaffner, für den Ehren-Oberschützenmeister Valentlin Klink einen Antrag auf Umschuldung der PSG-Verpflichtungen in ein Hypothekendarlehen stellte, der durch die Kreissparkasse Groß-Gerau am 21. August 1943 abgelehnt wurde, "da auf Grund der ergangenen aufsichtsrechtlichen Anordnungen....Hypothekendarlehen nur für kriegswichtige Gründe gewährt werden dürfen." Ein Jahr später verursachten Mitglieder Hitler-Jugend bei einem Schießen einen Gerätehallenband, durch den der PSG einen Schaden von 502 Reichsmark entstand. Im Frühjahr 1945 wurde mit Direktor Lindemann von der Süddeutschen Zucker AG die Verkaufsverhandlungen für das Gelände eingeleitet. Die Fabrik war bereit das überschuldete Gesamtgelände mit Anlagen zu übernehmen.

Ende und Neubeginn

Der 355-jährigen Schützengeschichte wurde nach dem Kriegsende mit dem Kontrollratsgesetz wieder ein gründliches Ende gesetzt. Im Juli 1946 wurde das Gelände an die Stadt Groß-Gerau für 50 Reichsmark verpachtet, die in der Halle zwei Wohnungen einrichtete. Valentin Klink hatte die Treuhänderschaft über das PSG-Vermögen, dass er am 16. März 1947 in seinem Eröffnungsbericht mit einem Schuldenstand von 1.565,11 Reichsmark der Militärregierung meldete. Klink´s Treuhänderschaft endete im Oktober 1948 und das Gelände wurde auf den hessischen Staat übertragen, der das Gelände im Jahr 1950 an die Süddeutsche Zucker AG verkaufte. Die amtliche Schätzung belief sich damals auf 48.000 Mark, doch nur den Verkaufserlös von 11.000 Mark erhielt die Privilegierte Schützengesellschaft als Entschädigung zurück. Valentin Klink gehörte zusammen mit Herbert Schmidt zu den Initiatoren, die am 21. Juli 1951 wieder zur Mitgliederversammlung einluden. Durch Tod und Wegzug zählten die PSG-Schützen nur noch 61 Mitglieder, die von Oberschützenmeister Herbert Schmidt aufgefordert wurden "sich noch und wieder zur Privilegierten Schützengesellschaft zu bekennen und den Vorstand bei der Aufbauarbeit zu Helfen". Aber erst zwei Jahre später am 21. Mai 1953 wurde wieder der erste Schuß mit dem Luftgewehr im Saal der Gaststätte "Weißes Roß" (bei Lina Raiß) abgegeben. Vier Monate später fand der erste Wettkampf bei den Walldorfer TGS-Schützen statt, bei dem sich der spätere PSG-Oberschützenmeister Heinz Görlich als bester Jugendschütze auszeichnete.

Jean Schwarz - Oberschützenmeister und Förderer des Vereins

Den Verein führte seit der Neugründung Jean Schwarz, der sich in den ersten Jahren als Förderer des Vereins auszeichnete. Das traditionelle Wild- und Geflügelschießen wurde wieder einführt und die Hauptpreise (drei Gänse) von Heinrich Winter gewonnen. Winter regte die Einführung eines Familienschießen an, dass wenig später von Landesschützenmeister Karl Frey für den Hessischen Schützenverband empfohlen wurde. Als am 23. Januar 1954 wieder der erste Schützenkönigsball nach dem Krieg stattfand, beteiligten sich bereits 26 Jugendliche am Schießbetrieb und der Verein zählte 79 Mitglieder. Die Verleihung der Königskette an Heinz Renker war der Höhepunkt des Schützenballs, nachdem diese traditionsreiche Kette zuletzt 1939 von Herbert Schmidt getragen worden war. Zu den Rittern gehörte der spätere Landtagsvizepräsident Georg Sturmowski und Wilhelm Schaffner, der bis zu seinem Tod im Jahr 1997 dem PSG-Vorstand angehörte.

Familärer Zusammenhalt und mit dem Rad unterwegs

Der familiäre Zusammenhalt prägte die fünfziger Jahre des Vereinslebens. Besonders wurde die Tradition des Wild- und Geflügelschießen, das damals noch lebende Tiere als Hauptpreise hatte. Die PSG-Aktiven radelten zu Kreismeisterschaften nach Kelsterbach, Rüsselsheim und Raunheim, oder auch zu Gaumeisterschaften nach Darmstadt und Griesheim. Besondere Freundschaft pflegten pflegte die PSG zu den Schützen von 1862 Rüsselsheim. Die langjährige Freundschaft wird noch heute durch den "Rüsselsheimer Becher" dokumentiert, der 1863 von der damals erst gegründeten Schützengesellschaft überreicht wurde.

Erste Kontakte zu belgischen Sportschützen kamen durch die Vermittlung von Fritz Klink senior zustande. Im Jahr 1958 waren die Bogenschützen "St. Sebastiaan" aus Lochristi in Groß-Gerau zu Gast und im September 1959 unternahmen 28 PSG-Angehörige einen Gegenbesuch. Wegen der unterschiedlichen Schießsportdisziplinen setzte sich diese Partnerschaft nicht fort. Erst mit Beginn der Städtepartnerschaft zwischen Groß-Gerau und Tielt entwickelten sich neue freundschaftliche Beziehungen mit belgischen Schützen, die bis heute gepflegt werden.

Die modernste Schießstandanlage in Hessen

1958 zählten die PSG-Schützen 165 Mitglieder und standen vor einer neuen großen Herausforderung. Die Entschädigung von 11.000 Mark aus dem ehemaligen Gelände an der Zuckerfabrik bildete die Grundlage zum Neubau der heutigen Schießsportanlage am Oelweg. Nach den Plänen von Architekt Wilhelm Klink und der Unterstützung vieler freiwilliger Helfer, sowie amerikanischer Pioniere begann der Neubau des Schützenhauses. Rechtzeitig zum 370-jährigen Vereinsjubiläum konnte 1960 die Einweihung gefeiert werden. Auf Initiative von Heinrich Koch und Ludwig Schaffner wurde ein Jahr später ein 25-Meter Pistolenstand angebaut. Damit hatten sich die Groß-Gerauer Schützen die zu dieser Zeit modernste Schießsportanlage in Hessen geschaffen. Seit 1959 war zudem für jagdlich ambitionierte Schützen ein Wurfscheibenstand eingerichtet worden. Die vollautomatischen Kleinkaliberstände führten zu einem Mitgliederaufschwung, von denen sich viele am Schießbetrieb beteiligten. Unter den über 200 Mitgliedern im Jahr 1963 befanden sich 19 Nachwuchsschützen und 28 aktive Frauen. Zwei Jahre später wurde im Rahmen des 375-jährigen Vereinsjubiläum Gerhard Hartmann zum neuen Schützenkönig proklamiert, dessen Königskette ein Jahr später der 20-jährige Hartmut Knapp übernahm. Beide erwarben sich in den folgenden Jahren zusammen mit Wilhelm Schaffner große Verdienste in der Erhaltung und Erweiterung der Schießstandanlage.

Entwicklung zum aktiven Schießsportverein

Die PSG hatte sich zu einem aktiven Schießsportverein entwickelt und immer mehr wurde das "Familienschießen" verdrängt. Als 1968 Jean Schwarz das Amt des Oberschützenmeisters abgab, übernahm für ein Jahr Heinz Arnold dessen Amt, bevor Herbert Schmidt wieder Oberschützenmeister wurde. Schmidt führte den Verein bis ins Jahr 1976, als er aus gesundheitlichen Gründen zurücktrat und nach seinem Tod am 8. Juni 1978 als Ehrenoberschützenmeister und sportliches Vorbild in die Chronik des Vereins einging.

Nachfolger von Herbert Schmidt wurde Heinz Görlich, mit dem eine neue Ära in der Vereinsgeschichte begann. Die PSG hatte jetzt über 300 Mitglieder, doch die Schießstandanlage entsprach nicht mehr den Erfordernissen. Durch neue Bestimmungen büßte die PSG die Hälfte der 10-Meter-Stände ein. Ersten spontanen Umbautätigkeiten folgte bald ein nächterner Umbauplan, der sich zu einer großangelegten Neubauaktion ausweitete. Es setzte sich die Idee eines unterirdischen Schießstandes durch. In fünf Monaten leisteten PSG-Schützen 1.700 Arbeitsstunden und bewegten 1.500 Kubikmeter Boden, 2,5 Tonnen Eisen und Stahl, sowie 107 Kubikmeter Sperrbeton. Im Mai 1981 hatten die PSG-Schützen ihr "100.000 Mark-Projekt" nach 4.000 Arbeitsstunden abgeschlossen. Zwar war eine Leistungsstagnation im Nachwuchsbereich eingetreten, doch die Begeisterung über die Eröffnung des unterirdischen Schießstandes wirkte sich aus. Der Umbau des Kleinkaliberstandes nahm einen furiosen Auftakt, doch im Herbst 1981 waren es nur noch einige Wenige die sich auf der Baustelle einfanden. Im Winterhalbjahr 1981/82 beschränkte sich die Arbeit nur noch auf den Samstag. Jetzt fand sich auch für die PSG-Gaststätte kein Pächter mehr und zur Mitgliederversammlung fanden sich nur 33 Schützen ein. Dafür konnte sich der Vorstand auf die finanzielle Unterstützung der Stadt und des Landkreises Groß-Gerau, sowie dem Land Hessen verlassen. Dadurch konnte das "Team vom Bau" um Gerhard Hartmann, Hartmut Knapp und Heinz Görlich weiterarbeiten. Als Bürgermeister Manfred Hohl bei der Standeinweihung im August 1983 "von einem Vorbild für andere Vereine" sprach, hatten die PSG-Schützen 12.000 Arbeitsstunden geleistet, 14.000 Steine und 23.000 Kilogramm Eisen und Stahl verarbeitet. Mit einem Kostenaufwand von 250.000 Mark war die heutige 50- und 100 Meter Standanlage entstanden.

Neue Standanlage und rasante Mitgliederentwicklung

Die neue Standanlage zog eine rasante Mitgliederentwicklung nach sich. Im 1990 feierten die PSG-Schützen ihr 400-jähriges Jubiläum und zählten 427 Mitglieder. Zu Volltreffern im Vereinsgeschehen entwickelte sich die Einführung des Pokalschießens für sport- und kulturtreibende Vereine der Stadt Groß-Gerau mit 90 Mannschaften im Jahr 1989, sowie das ein Jahr zuvor erstmals ausgetragene Internationale Jugendturnier. Die Initiative von Jugendleiter Karl-Heinz Traum führte mit über 400 Teilnehmern zum größten deutschen Turnier für Nachwuchsschützen in Deutschland, das bis zum Jahr 2001 vierzehnmal ausgetragen wurde.

Im Juni 1986 verstarb unerwartet der stellvertretende Oberschützenmeister Heinrich Koch, der damit ein Jahr später den von ihn als Kreisschützenmeister initiierten Hessischen Schützentag in Groß-Gerau nicht mehr erlebte. In Anerkennung seiner 33-jährigen Verdienste für die PSG und dem Schützenkreis Groß-Gerau erhielt stellvertretend seine Ehefrau Elsbeth im Rahmen einer Weinprobe mit dem Präsidium des Hessischen Schützenverbandes von Otto Wagner die Präsidentenmedaille. Im Mai 1987 hatte die PSG Elsbeth Koch für ihre 30-jährige Vorstandstätigkeit als Ehrenschriftführerin ernannt. Höhepunkt des dreitägigen Schützentages war am 11. April 1987 der Schützenball in der TV-Turnhalle mit über 700 Gästen.

Elf Jahre Wurftaubenclub Groß-Gerau

Aus den Mitgliedern der PSG Groß-Gerau ging 1976 der Wurftaubenclub Groß-Gerau hervor. Die junge Schießsportdisziplin hatte immer mehr Anhänger gefunden und nach dem großangelegten Umbau und der Modernisierung der fast zwanzig Jahre alten Wurfscheibenanlage trennte sich die Abteilung vom Hauptverein, aus der der heutige Vizeweltmeister und zweifache Olympiateilnehmer Waldemar Schanz junior hervorging. Sein Vater Waldemar Schanz senior hatte die Initiative ergriffen und das Wurfscheibenschießen in Groß-Gerau gefördert. Seit der Eröffnung im Jahr 1959 wurde der Schießstand nur von wenigen jagdlichen Schützen genutzt. Zwei Jahre später wurde schon jeden Sonntag geschossen und als der heutige Bundesreferent Waldemar Schanz 1971 seine ersten große Erfolge feierte, hatte sich das Wurfscheibenschießen fest im Sportgeschehen etabliert. Dadurch kamen immer mehr auswärtige Schützen nach Groß-Gerau und führten trotz stetiger Modernisierung bis an die Grenzen der Auslastung des Schießbetriebes. Umweltauflagen führten schließlich im März 1985 zur endgültigen Schließung der Standanlage. Die WTC-Schützen hatten sich vergeblich um ein neues geeignetes Gelände bemüht und lösten den Verein im Jahr 1987 wieder auf.

Das Ende des Wurfscheibenschießen leitete die nächste Baumaßnahme der PSG ein, die das Gelände rekultivierte und in eine vorbildliche Bogensportanlage verwandelte. Zudem wurden Teilrenovierungen am Schützenhaus, den Außenanlagen und der Anschluß an das städtische Kanalnetz vorgenommen. Die schon 1975 auf Initiative von Ernst Bochnig gegründete Bogenabteilung erlebte jetzt ihren Aufschwung und hatte Ende der achtziger Jahre durch Beate Dünhöft ihre größten sportlichen Erfolge.

Erfolgreichster Verein im Kreis Groß-Gerau

Immer erfolgreicher wurde die PSG in der Titelstatistik mit den Höhepunkten in den Jahren 1993 und 1994, als Groß-Gerauer Schützen insgesamt 37 Kreismeistertitel gewannen. Im Gewehrbereich stützte man sich aber bereits auf die Wettkampfgemeinschaft mit den Ginsheimer Altrheinschützen. Immer mehr setzte sich der Trend zum Pistolenschießen durch. Die engagierten Gewehrschützen erwiesen sich immer mehr als Auslaufmodell, nachdem eine Reihe von langjährigen Leistungsträgern das Schießen als Leistungssport eingestellt hatten und nur noch wenige Nachwuchstalente folgten. Daran änderte auch das Engagement von verschiedenen Trainern nichts mehr.

Auf und Ab im Pistolenbereich

Der Pistolenbereich hatte seinen Aufschwung im Jahr 1967 erlebt, als US-Amerikaner vom Wiesbadener Rod & Gun Club mit dem ehemaligen Olympiateilnehmer Edward Teage in Groß-Gerau zu Gast waren. Die Erfolge von Wolfgang Schweikhardt, Willi Luft, Jürgen Penke, Günter Brockmann, Rolf Simon und Rudolf Wabnitz wurden in den 70er Jahren gestoppt, als mit dem Trainer Ulrich Hillmann die Umstellung vom Kleinkaliber- auf das Großkaliberschießen nicht gelang. Dennoch schloss sich eine umfangreiche Umbaumaßnahme unter Leitung von Pistolenschützenmeister Dieter Zimmermann an, die mit der Einweihung am 4. Juni 1977 abgeschlossen wurde. Der Aufschwung kehrte zurück, als Christian Lahr im Jahr 1991 nach Groß-Gerau kam. Sechs Jahre gehörte Lahr der DDR-Nationalmannschaft und verpaßte als Vize-Europameister 1972 nur knapp die Teilnahme an den Olympischen Spielen in München. Mit Christian Lahr als Leistungsträger und der engagierten Trainingsarbeit von Heinz Cislak entwickelte sich die PSG-Pistolenabteilung, die Mitte der Neunziger Jahre über 50 Aktive zählte. Zum festen Bestandteil gehört seit 1992 der alljährliche Großkaliber-Kurzwaffen-Cup, an dem sich Schützen aus dem ganzen Bundesgebiet beteiligen.

Fritz Klink und die Deutschen Meisterschaften

1991 hatte Fritz Klink die Vereinsführung von Heinz Görlich übernommen und mit seiner Initiative wurde eine neue Toilettenanlage auf dem Bogensportgelände erbaut und damit optimale Bedingungen für das zwischenzeitlich etablierte Jugendturnier geschaffen. Unter Führung von Klink erreichte die PSG 479 Mitglieder und richtete zweimal die Deutschen Meisterschaften im Feldarmbrustschießen auf der zentralen Sportanlage aus und beim Hessentag in Groß-Gerau präsentierten sich 1994 die PSG-Schützen mit einem eigenen Stand auf der Hessentagsstraße.

Rückschläge stoppen pulsierendes Vereinsleben

Das pulsierende Vereinsleben erhielt durch den Tod von Wilhelm Schaffner am 27. April 1997 den ersten empfindlichen Rückschlag. Der 73-jährige war mehr als vierzig Jahre im Vereinsvorstand tätig und hatte sich unauffällig aber ständig um die Erhaltung des Schützenhauses gekümmert. Im Mai 1998 führten berufliche und private Gründe zum Rücktritt von Fritz Klink, der das Amt des Oberschützenmeisters an Karl-Heinz Traum übergab. Zwei Jahre später verlor die PSG durch den überraschenden Tod des 63-jährigen Heinz Cislak einen wichtigen Aktiven und Trainer, der drei Jahre zuvor den erfolgreichen Aufbau des Damenbereichs im Pistolenstand gefördert hatte. Im Januar 2001 verlor der Verein zudem durch einen tragischen Verkehrsunfall ihren Ehrenschützenmeister Heinz Görlich und wenige Monate später verstarb der Gewehrschützenmeister Theo Dünhöft. Dem Verlust langjähriger und engagierter Mitglieder folgte im Winter 2001/2002 die zeitweise Schließung des unterirdischen 10-Meter-Schießstandes, der durch Wassereinbrüche aufgrund des gestiegenen Grundwasserspiegels erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dem Vorstand um Oberschützenmeister Karl-Heinz Traum steht jetzt die nächste große Herausforderung bevor. Mit einer neuen Multifunktionshalle auf Basis des vorhandenen Pistolenstandes will sich der Verein "fit für´s neue Jahrtausend machen".

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